Testbericht: TOUCH INNOVATIONS KONTROL MASTER – „One knob to rule them all…“


Wer nicht auschließlich mit Hardware-Geräten musiziert, dafür aber mit einer DAW und einer Vielzahl an Instrumenten- und Effekt-Plugins, der kennt sicherlich das Problem: Wie soll man all diesen virtuellen Krempel denn jetzt noch halbwegs flüssig bedienen? Allein mit der Maus, dem Trackball oder dem Touchpad funktioniert das Ganze zwar prinzipiell irgendwie (weil es das muss…), ist jedoch meist wenig ergonomisch, bremst den Workflow aus und hat haptisch nun aber auch gar nichts mit beispielsweise einem echten Analogsynthie oder einem Mischpult gemein. Kein Wunder, dass so viele Anwender dann fast nur noch mit Presets arbeiten…

Für Abhilfe kann hier ein Hardware-Controller sorgen, von denen mittlerweile eine nahezu unüberschaubare Auswahl existiert (vor etwa 15 oder 20 Jahren war das vorhandene Angebot da ja noch deutlich übersichtlicher…). Der herkömmliche Ansatz ist dabei, ein Gerät mit mehr oder weniger vielen Bedienelementen zu verwenden, welche dann mit den entsprechenden Parametern belegt werden. Doch selbst der größte MIDI-Controller bietet nur eine begrenzte Anzahl an physischen Reglern. Mehrfache Tastenbelegungen sowie das Umschalten zwischen Controller-Presets oder Parameter-Bänken à la MCU-Protokoll fördern nicht wirklich ein intuitives Arbeiten.

Darüber hinaus weicht die Anordnung der Hardware-Bedienelemente in der Regel deutlich vom Layout der Software auf dem Bildschirm ab, ohne Displays oder Overlays kann man hier schnell die Übersicht verlieren oder aus Versehen mal eben den falschen Regler erwischen. Zudem wollen diese ganzen Parameter-Belegungen ja auch alle erst noch gemappt oder angelernt werden, wobei sich nicht immer alle GUi-Elemente tatsächlich via MIDI ansteuern lassen, so dass die Maus sowieso weiterhin benötigt wird.

Daher besteht ein weiterer Ansatz zur Steuerung darin, lediglich einen einzigen physischen Drehregler zu verwenden, der dann genau das virtuelle Bedienelement steuert, über dem sich gerade der Mauszeiger befindet. Somit muss man sich keine Belegung verschiedener Regler einprägen, denn es gibt ja nur den Einen, man muss sogar nicht mehr auf den controller schauen, sondern bloß auf den Pointer am Bildschirm. Ein umständliches Anlernen von Software entfällt ebenfalls völlig.

So genial einfach sich dieses Konzept in der Theorie liest, in der Praxis war es bislang von verschiedenen Hardware-Anbietern nur recht stiefmütterlich umgesetzt worden: NOVATION hatte mal einen Drehregler namens „Speed Dial“ in einigen seiner controller verbaut, welcher eine diagonale Mausbewegung emulierte. Das funktionierte zumindest bei mir so unzulänglich, dass es kaum eine echte Hilfe war. Andere Drehregler à la STEINBERGs „AI-Knob“, GRIFFIN POWERMATE oder CONTOUR DESIGN SHUTTLE XPress, ahmen stattdessen einfach nur die Drehung des Mausrads nach, was etwa bei vielen DAW-Applikationen und Plugins ja auch wunderbar funktioniert, aber eben noch lange nicht bei allen. Letzteres betrifft beispielsweise NI REAKTOR und KONTAKT ebenso wie die Flut an Plugins, die mit SynthEdit oder SynthMaker als Entwicklungsumgebung kreiert wurden. Auch hier ist also nach wie vor Mausgezerre angesagt.

Miami Vice…

Die Firma TOUCH INNOVATIONS (manchen Lesern vielleicht noch unter dem früheren Namen SMITHSON MARTIN bekannt) aus Miami in Florida, die bisher ausschließlich professionelle Touchscreen-Lösungen auf Basis der hauseigenen Software EMULATOR 2 für DJs und Musiker im Programm hatte, gehört zu den ersten Herstellern, die einen One-Knob-Controller anbieten, der tatsächlich in der Lage sein soll, jegliche Art von virtuellen Reglern am Bildschirm bequem mit einem Drehknopf steuern zu können.

Da so ein Drehregler natürlich nicht immer die erste Wahl für eine Fernbedienung bestimmter Software-Funktionen darstellt, hat man dem Gerät gleich noch zwei Handvoll an Drucktastern spendiert, denen unter anderem verschiedene Kommandos zugeordnet werden können, mit deren Hilfe es aber auch möglich sein soll, den Mauszeiger bei einem Multi-Monitorbetrieb auf Knopfdruck über mehrere angeschlossene Bilschschirme hinweg zu beamen, ohne sich dabei eine Sehnenscheidenentzündung zuzuziehen.

 

KONTROL MASTER Produktbild

KONTROL MASTER Produktbild

KONTROL MASTER nennt sich das gute Stück übrigens, und ein Exemplar davon hat kürzlich auch schon den Weg in mein Testlabor gefunden.

Space Invaders…

Beim Auspacken des nicht unbedingt als winzig zu bezeichnenden Geräts fällt einem sofort das für diese Größe überraschend leichte Gewicht auf. Das pultförmige Gehäuse besteht nämlich komplett aus Kunststoff, bietet deswegen jedoch keinen Anlass zur Klage, da das verwendete Material sehr zäh und robust wirkt und die Fertigung einen durchaus professionellen Eindruck hinterlässt. Das Gehäuse ist passgenau zusammengesetzt, weist keine scharfen Kanten auf und ist bombenfest verschraubt, nichts wackelt oder klappert. Das Gleiche gilt auch für die Bedienelemente des KONTROL MASTER. Der eigentliche Protagonist, ein mittelgroßer Drehregler mit Aluminiumkappe, wirkt dabei optisch noch vergleichsweise dezent.

 

KONTROL MASTER Schrägansicht

KONTROL MASTER Schrägansicht

Höhere Aufmerksamkeit erregen dafür augenblicklich die zehn großen Drucktaster, die sich über die Oberfläche verteilen. Ich dürfte vermutlich nicht der einzige Anwender sein, bei dem angesichts dieser Knöpfe sogleich Assoziationen zu klassischen Videospielautomaten reaktiviert werden. Die Taster am KONTROL MASTER wirken auch von ihrer haptischen Seite her wie die einer Arcade-Konsole, hier wie dort ist Langlebigkeit angesagt. Laut TOUCH INNOVATIONS sollen sie aufgrund einer aufwendigen manuellen Verdrahtungstechnik, die ganz ohne die sonst üblichen Lötstellen auskommt (welche mit der Zeit ermüden und dann für lästige Wackelkontakte sorgen könnten), auch nach mehr als 10 Millionen Betätigungen immer noch einwandfrei funktionieren (man hatte beim Hersteller wohl einen entsprechenden Testversuch nach Erreichen dieser stattlichen Zahl schließlich abgebrochen…), vermutlich sind die Knöpfe damit haltbarer, als die Finger, von denen sie gedrückt werden… 😉

 

KONTROL MASTER Frontansicht

KONTROL MASTER Frontansicht

Durch ihre Anordnung und ihre unterschiedliche farbliche Gestaltung der Knöpfe kann man sich ihre Belegung einfach einprägen, der Hersteller hat deshalb auch auf  jegliche Beschriftung verzichtet (welche allmählich von verschwitzten Fingern aufgelöst werden könnte…).

Beim Drehregler handelt es sich um einen Encoder, der nach Herstellerangaben für eine Lebenszeit von mehr als zehntausend Stunden bei einer Drehgeschwindigkeit von einhunderttausend Umdrehungen pro Minute zertifiziert ist, selbst Superman dürfte also lange Zeit Freude an dem Teil haben. Der Regler arbeitet ohne eine Rasterung und weist einen gewissen Widerstand beim Drehen auf, der deutlich höher ist, als beispielsweise bei einem POWERMATE, man wird ihn somit sicher nicht versehentlich verstellen.

 

KONTROL MASTER Draufsicht

KONTROL MASTER Draufsicht

Diese Fingermulde auf der Oberseite des Drehknopfs ist übrigens eher kosmetischer Natur, erstens ist sie so klein, dass wohl lediglich die Finger von Kleinkindern, Hobbits, Jawas oder einer ähnlich kleinwüchsigen Spezies dort Platz finden wird, und zweitens dürfte der relativ hohe Drehwiderstand in Zusammenhang mit dem eher kleinen Durchmessser der Reglerkappe von etwa 3 Zentimetern einer Verwendung als Alpha-Dial à la ROLAND-Synth entgegenwirken. Bei TOUCH INNOVATIONS spielt man auch schon mit dem Gedanken, eventuell noch alternative Reglerkappen in verschiedenen Größen oder Formen als optionales Zubehör anzubieten, warten wir mal ab, was daraus wird.

 

KONTROL MASTER Seitenansicht

KONTROL MASTER Seitenansicht

Im Test war mir noch aufgefallen, dass der Encoder meines Testmusters beim Drehen ein sehr leises schleifendes Geräusch erzeugte, welches allerdings erst dann wahrnehmbar wurde, wenn ich den Regler ganz schnell hin und her drehte, in einer Art und Weise, wie man ihn in Praxis wohl kaum bewegen dürfte. Auf meine Nachfrage hin erklärte TOUCH INNOVATIONS mir, dass dieses Geräusch durch den speziellen Mechanismus verursacht wird, der für den oben erwähnten Widerstand beim Drehen sorgt, damit man den Encoder nicht mal eben einfach unbeabsichtigt verstellen kann. Im normalen Gebrauch ist das erwähnte Geräusch kein störender Faktor, sofern denn überhaupt zur Kenntnis genommen wird, daher nun auch genug der Erbsenzählerei, ich wollte es nur erwähnt haben…

TOUCH INNOVATIONS teilte mir mit, dass die Entwicklung und Fertigung des Controllers mit Hinblick auf die Vermeidung jedweder Form von „geplanter Obsoleszenz“ geschah und dass der KONTROL MASTER noch während seiner Entwicklungsphase zum Test an diverse Produzenten rund um den Globus verteilt hat, die das Gerät dabei auch mit voller Absicht einmal ordentlich „mißhandelt“ haben, ohne es jedoch kaputt zu bekommen. Die Geräte werden in den USA gefertigt und zusammengebaut, nicht etwa in China.

 

KONTROL MASTER Rückseite

KONTROL MASTER Rückseite

Ach ja, auf der Rückseite gibt es noch eine USB-Buchse vom Typ B, die einzige Anschlussmöglichkeit am KONTROL MASTER, über die er auch mit der notwendigen Betriebsspannung versorgt wird. Auch wenn TOUCH INNOVATION bei Verwendung eines USB-Hub einen solchen mit einem eigenem Netzteil empfiehlt, so lief der KONTROL MASTER bei mir im Test ebenfalls an passiven Hubs, ohne dabei irgendwelche Zicken zu machen.

Was den benötigten Platzbedarf auf dem Studiotisch angeht, mit einer Grundfläche von ca. 26cm x 18cm ist der KONTROL MASTER zwar nicht gerade der kleinste Einknopfkontroller, verglichen mit manch herkömmlichen MIDI-Controller jedoch ist er wiederum sehr handlich. Sein geringes Gewicht erlaubt auch eine Ablage auf dem Schoß, ohne dass es unbequem wird.

Centipede…

Die Hardware-Basis ist also durchaus schon mal von professioneller Natur, doch so ganz alleine ist sie natürlich erst einmal nur eine dumme Schachtel mit ein paar Knöppen dran. 😉 Erst mit der dazugehörigen Software-Applikation, die es für Windows, OSX und sogar für Ubuntu (andere Linux-Distributionen werden nicht unterstützt) gibt, wird ein Schuh daraus. Ich habe hier die Windows-Version getestet, auf verschiedenen Rechnern mit Windows 7 und 10. Man benötigt übrigens einen User-Account bei TOUCH INNOVATIONS, um daran zu gelangen. Nach der Installation ist, etwas ungewöhnlich, einmalig ein Einloggen mit den Account-Daten notwendig, fortan startet die Applikation dann jedoch ohne eine erneute Eingabe.

 

KONTROL MASTER Login

KONTROL MASTER Login

Solange der KONTROL MASTER selbst nicht angestöpselt ist, bekommt man lediglich einen entsprechenden Status-Screen zu sehen, nach Anschluss der Hardware wechselt dieser dann automatisch auf die Setup-Seite der App.

 

KONTROL MASTER Connection-Screen

KONTROL MASTER Connection-Screen

Auf dieser lassen sich alle Einstellungen der Hardware vornehmen, neben freier Belegung(en) aller Taster lässt sich hier auch die Drehempfindlichkeit des Encocers recht präzise an die eigenen Gewohnheiten anpassen. Wer möchte, der kann die Parameterwerte seiner Plugins mit nur etwa einer Viertelumdrehung des Reglers durchfahren, wer es lieber etwas feinfühliger mag, der kann sich aber auch gerne einen Wolf kurbeln und braucht dann eben gleich mehrere Encoder-Umdrehungen um einen Parameter vollständig abzudecken. Zwischen diesen beiden Extremen sind aber noch ausreichend Zwischenstufen vorhanden, je nach Gusto. Man kann sogar zwei unterschiedliche Settings festlegen, von denen das eine dann via Shift-Funktion temporär abgerufen wird.

 

KONTROL MASTER Setup-Screen

KONTROL MASTER Setup-Screen

Die Belegung der Taster kann, wie bereits erwähnt, ebenfalls den eigenen Bedürfnissen gemäß erfolgen. Neben Befehlen, die den Encoder in den zirkulären, horizontalen oder vertikalen Modus versetzen, je nachdem welche Art von virtuellem Regler man steuern möchte, die den Mauszeiger von einem Monitor zum anderen springen lassen oder die einem beliebigen Taster eine Shift-Funktion zuweisen, können alle Taster auch mit eigenen Tastatur-Shortcuts belegt werden, auch ganze Combos sind hierbei möglich.

 

KONTROL MASTER Befehle

KONTROL MASTER Befehle

Darüber hinaus können die Taster alternativ auch MIDI-Befehle senden, etwa falls eine DAW damit besser klarkommen sollte oder dies sogar benötigt. Diese Kommandos können allerdings nicht frei definiert werden, die Taster senden vielmehr einen jeweils festen MIDI-CC-Befehl im Bereich von CC-Nr. 10 bis 19, bei Tastendruck mit dem Wert 127 und beim Loslassen mit dem Wert 0. Damit diese MIDI-Befehle auch die zu steuernde Software erreichen können, installiert die App noch eine spezielle Version des bekannten virtuellen MIDI-Routers LoopBe mit (dessen Installation kann bedarfsweise auch unterbunden werden, falls man auf die MIDI-Funktionalität verzichten möchte), der dann beispielsweise für die DAW einen entsprechenden MIDI-Port verfügbar macht, auf dem der KONTROL MASTER sendet.

 

KONTROL MASTER Shift-Befehle

KONTROL MASTER Shift-Befehle

Bis zu zwei der Taster können die Funktion von Shift-Tasten übernehmen (und dann auch nur diese), so dass mit diesen den übrigen acht Tastern über deren jeweilige Grundprogrammierung hinaus auch noch bis zu zwei Alternativ-Belegungen entlockt werden können. Obgleich alle Taster frei nach Herzenslust belegt werden können, sollte man sinnvollerweise schon der logischen Vorgabe von TOUCH INNOVATIONS folgen. Denn die drei weißen Taster oberhalb des Drehreglers etwa bieten sich dazu an, um sie jeweils mit den drei verschiedenen Encoder-Modi zu belegen, während die beiden orangen Tasten den Monitor-Wechsel übernehmen (sofern man denn auch mehr als einen Monitor benutzt…). Die beiden gelben Taster auf der rechten Seite eignen sich gut als Shift-Buttons, und die restlichen drei Taster übernehmen beispielsweise Transport-, Zoom- oder sonstige Funktion. Wer keine Doppelbelegung von Tastern mag, der kann die Shift-Funktion aber auch weglassen und dafür andere Befehle nutzen.

 

KONTROL MASTER Presets

KONTROL MASTER Presets

Die KONTROL MASTER-App erlaubt das Speichern eigener Presets und bringt via Auswahlmenü auch gleich eine ganze Reihe von fertigen Belegungen für diverse DAW-Programme mit. Darunter finden sich neben den üblichen Platzhirschen (CUBASE etwa ist allerdings nicht darunter…) ebenfalls ein paar doch sonst eher ungewohnte Vertreter wie zum Beispiel ARDOUR. Ein schneller Durchlauf der Presets ergab, dass die fünf Taster auf der linken Seite stets mit den oben vorgeschlagenen Funktionen belegt sind, während der rechten Seite überwiegend DAW-spezifische Transport-Funktionen zugewiesen waren. Natürlich können diese Presets nachträglich editiert werden, somit kann man sich auch für den Einsatz mit ganz anderer Software die Programmierung der „linken Seite“ ersparen und muss dann lediglich noch die „rechte Seite“ anpassen.

In dem kurzen Zeitraum von keinen drei Wochen seit Erhalt des Testgeräts, erschienen bereits zwei neue Versionsnummern der App (daher auch die verschiedenen Versionsnummern auf den Screenshots…), die ich dann auch bequem via Auto-Updater installieren konnte. Man kann hier aber natürlich auch den gewohnten Offline-Weg gehen. Angefangen hatte ich mit der Version 1.3, die bereits alle beschriebenen Funktionen bot und völlig stabil lief. Inzwischen ist nun die Version 1.5 aktuell, die die Ergonomie des Encoders noch mal deutlich erhöht, dazu gleich mehr. Bei TOUCH INNOVATIONS scheint man ganz offensichtlich auf das Feedback der Anwender zu reagieren und die App dementsprechend zügig weiter zu verbessern.

 

KONTROL MASTER Update

KONTROL MASTER Update

Beispielsweise ausgerechnet auf meinem Studio-Rechner mit Windows 10 Pro drauf musste ich einige Merkwürdigkeiten im Betrieb feststellen, wie etwa den Umstand, dass die App nur dann korrekt arbeitete, wenn sie als Administrator gestartet wurde, oder dass beim Start der App immer erst fast eine Minute verging, bis der Setup-Screen endlich erschien, während die App auf drei anderen Rechnern im Test auch ohne irgendwelche Admin-Rechte völlig einwandfrei lief. Als ich daraufhin den Support kontaktierte, weil ich zunächst einen Fehler in der App vermutete, nahm sich Firmenchef und KONTROL MASTER-Schöpfer Pablo Martin persönlich die Zeit, um zeitnah und sehr ausführlich auf alle meine Fragen und Hinweise einzugehen.

Obwohl ich offenbar der einzige Anwender überhaupt war, der die oben genannten Probleme rückgemeldet hatte, versuchte man im Team von TOUCH INOVATIONS diese Fehler zu reproduzieren, was aber wohl nicht gelang, so dass wir nach einiger Investigation gemeinsam herausfanden, dass in Wirklichkeit irgendwas in den Windows-Einstellungen meines Studio-Rechners so ziemlich vermurkst sein musste. Auch die entsprechenden Apps meiner anderen Controller sowie andere Programme wiesen verrgleichbare Symptome auf, und zwar ebenfalls nur an diesem Rechner. Vermutlich rächt sich da nun meine Faulheit im vergangenen Jahr, als ich zwischendurch mal von Windows 7 auf 10 geupdatet hatte (weil es da ja noch kostenlos war…), jedoch versäumte, nachträglich noch den empfohlenen „Clean-Install“ durchzuführen. Ich hatte damals nämlich keine Lust, erst alle mögliche Software und Plugins reaktivieren zu müssen. Tja, daran führt nun wohl leider doch kein Weg mehr vorbei…

Auf jeden Fall erschien dann nur Wenige Tage später die (inzwischen bereits wieder überholte) Version 1.4, welche unter anderem die App zur Vorbeugung nun automatisch als Admin startet. Wie bereits erwähnt, ich war laut TOUCH INNOVATIONS der Einzige, der die beschriebene Störung entdeckt und gemeldet hatte, nicht etwa ganze Scharen von Anwendern! Davon könnte sich der Support so manch größeren Herstellers auch gerne mal ’ne Scheibe abschneiden!

Pacman…

Nachdem der Kasten schließlich gesagt bekommen hat, was er künftig denn so zu tun hat, lassen wir ihn direkt mal auf die freie Wildbahn los, also auf allerlei Software mit virtuellen Reglern. Man fährt also mit dem Mauszeiger über den Parameter, den man zu editieren gedenkt, wählt dann den dazu passenden Encoder-Modus aus, greift den Drehknopf und regelt damit den aktuell ausgewählten Parameterwert. Auf Knopfdruck springt der Mauszeiger einen Monitor weiter nach links oder nach rechts und erspart einem nach und nach so manchen Meter.

Ich muss gestehen, dass ich vor der ersten Benutzung etwas die Befürchtung hegte, dass das notwendige Umschalten zwischen den jeweiligen Encoders-Modi ein wenig den Workflow ausbremsen könnte. In der Praxis hat sich dies zum Glück jedoch überhaupt nicht bestätigt, denn die Mehrheit der virtuellen Regler, die ich unter dem Mauszeiger hatte, reagierte auf den zirkulären Modus, selbst vertikale Elemente wie Fader und dergleichen. Lediglich einige horizontal gestaltete GUI-Bedienelemente erforderten bisweilen ein Umschalten in den entsprechenden Modus des KONTROL MASTER, insgesamt bremst einen dieser Umstand bei der Arbeit aber kaum aus.
Übrigens, der KONTROL MASTER bedient die virtuellen Drehkregler nicht einfach wie die Mehrzahl der verfügbaren Einknopflösungen am Markt, die lediglich eine Drehhung des Mausrads emulieren. Während die Letzteren dadurch lediglich solche Software zu steuern vermögen, deren Regler auch auf eben solche Scroll-Wheel-Befehle reagieren, ist der KONTROL MASTER in der Lage, wirklich JEDEN Bildschirmregler zu steuern. Das schließt etwa auch die Legion an Plugins ein, die mittels SynthEdit oder SynthMaster programmiert wurden, hier war eine Mausradbedienung ja immer schon abgängig. REAKTOR-Ensembles oder KONTAKt-Instrumente lassen sich nun ebenfalls bequem und ohne MIDI-Mappings via Drehknopf bedienen. Das Gleiche gilt für DAW-Applikationen und Sequencer auch jenseits von CUBASE & Co.

 

KONTROL MASTER am Laptop

KONTROL MASTER am Laptop

Und mittels eines dieser virtuellen MIDI-Controller in Plugin-Form, wie es sie von verschiedenen Entwicklern gibt, lasssen sich sogar externe Hardware-Synths etc. einbinden und editieren (sowas muss man sich natürlich vorher selbst zurecht fummeln).Selbstverständlich ist man mit dem KONTROL MASTER nicht nur auf Audio- und MIDI-Software beschränkt, auch in ganz anderen Arbeitsfeldern, beispielsweise im Grafik- oder 3D-Design u.ä. mag man sich häufiger schon mal einen solchen universellen Drehregler wünschen.

Sehr (ge)schick(t) programmiert ist auch das kleine Feature, das den Mauszeiger automatisch ausblended, sobald man den Encoder berührt, und ihn wieder einblendet, wenn man den Encoder loslässt. So wird man beim Drehen nicht mit nervig herumwandernden Zeigern auf dem Bildschirm konfrontiert, sehr schön! Der Encoder reagiert nämlich berührungsempfindlich, und offenbar löst das reine Anfassen nicht nur den gerade erwähnten Mauszeiger-Verschwindibus-Effekt aus, sondern emuliert ebenfalls das Klicken und Halten der (linken) Maustaste, was den KONTROL MASTER von den in dieser Hinsicht begrenzten Möglichkeiten der meisten anderen One-Knob-Controller deutlich abhebt.

Als ich den KONTROL MASTER anfänglich mit der App-Version 1.3 betrieben hatte, musste ich mich erst noch ein wenig an den Drehregler gewöhnen, denn nach jahrelangem Gebrauch des POWERMATE war ich von diesem gewohnt, ihn zwischendruch nicht loszulassen, er war ja schließlich auch nicht berührungsempfindlich wie der KONTROL MASTER.

 

KONTROL MASTER im Multi-Monitor-Betrieb

KONTROL MASTER im Multi-Monitor-Betrieb

In den App-Versionen bis einschließlich 1.4 war es jedoch zwingend notwendig, den Encoder immer erst dann anzufassen, wenn der der Mauszeiger über dem gewünschten Objekt ruhte, und ihn nach dem Drehen wieder loszulassen, bevor man den Mauszeiger weiter zum nächsten Parameter bewegte, was eigentlich auch durchaus logisch erschien, denn das ist ja schließlich bei anderen Geräten mit berührungsempfindlichen Bedienelementen im Prinzip ähnlich. Dennoch war es für mich persönlich zunächst recht gewöhnungsbedürftig.

Aber auch darüber hat man sich bei TOUCH INNOVATIONS wohl Gedanken gemacht und kurz vor Fettigstellung meines Testberichts noch mal ordentlich Gehirnschmalz in ein weiteres Update investiert: Seit der App-Version 1.5 ist es nun egal, ob man den Encoder nach dem Bewegen wieder loslässt oder nicht, denn sobald man den Mauszeiger wieder bewegt, wird dieser sichtbar und lässt sich über einen anderen Parameter führen, der dann wie gewohnt mit dem Encoder gesteuert wird. Zumindest bei mir steigerte diese neue Funktion die Ergonomie und den Workflow noch einmal deutlich. Super Sache, gut gemacht, Pablo!

Was logischerweise nicht mit dem KONTROL MASTER funktioniert (und prinzipbedingt natürlich auch mit keinem anderen Einknopfkontroller), ist das Verstellen von zwei Parametern mit beiden Händen gleichzeitig oder das Klangschrauben fernab vom Bildschirm, dafür wird man also immer noch einen herkömlichen MIDI-Controller abrichten müssen…

Pong…

Ein kleines Easteregg hat TOUCH INNOVATIONS der KONTROL MASTER-App übrigens auch noch verpasst. Ich hatte ja erst schon überlegt, ob ich das hier überhaupt spoilern soll, um niemanden die Überraschung zu versauen, aber was soll’s… Wenn man bei geöffneter App drei ganz bestimmte Tasten gleichzeitigt drückt (kleiner Tipp: sie weisen alle eine farbliche Übereinstimmung auf…), dann lädt die App mit einem kleinen Spielchen zu einer Erholungspause vom Studiobetrieb ein. Natürlich ist das Ganze eine völlige Nebensächlichkeit, aber dennoch sehr nett, erinnert es mich doch sehr an das allererste Videospiel überhaupt, welches ich in meinem Leben gespielt habe… 😉

 

KONTROL MASTER Pong

KONTROL MASTER Pong

Alternative Fakten…

Was habe ich in all den Jahren nicht schon alles für Controller ausprobiert, selbst welche aus dem Gaming-Bereich, um mir damit die Arbeit mit der DAW und meinen Plugins zu vereinfachen, ich kann sie schon gar nicht mehr zählen… Nur wenige davon habe ich behalten, und auch diese dienen bei mir eher ganz spezifischen Aufgaben, als denn einer universellen Steuerung. Ein paar meiner MIDI-Controller etwa betreibe ich fast auschließlich mit jeweils nur einer einzigen software, weil ich keine Lust habe, dauernd irgendwelche Overlays zu wechseln oder mir zig unterschiedliche Belegungen zu verinnerlichen. So bin auch ich schon recht lange auch mit diversen Einknopfkontrolleuren unterwegs.

Exemplarisch sei hier einmal mehr der GRIFFIN POWERMATE (in der USB-Version) herausgepickt, der sich bis dato (also vor dem KONTROL MASTER…) als eine der bis dahin halbwegs praktikabelsten Lösungen herausgestellt hatte, zumindest bei mir im Studio. Das Teil nimmt wenig Platz weg und hat eine angenehme Haptik. Wenn man es ein Scroll-Wheel emulieren lässt, dann kann man damit auch schon allerlei Dinge Steuern, aber eben längst nicht jeden Regler in jeder Software. Auch ein „Mausziehen“ lässt sich mit dem POWERMATE ausführen, allerdings darf man dabei dann gleichzeitig die Maustaste gedrückt halten und zusehen, wie der Mauszeiger über den Schirm wandert.

Das ist alles so fummelig, dass man es sofort wieder sein lässt! Ach ja, bei GRIFFIN hält man es auch schon Längerem nicht mehr für notwendig, Treiber und Setup-Software für Windows upzudaten, man konzentiert sich dort offenbar nur noch auf die Mac-Kunden. Die letzte Softwareversion ist für Windows XP und VISTA, diese läuft zwar bei mir auch noch unter Windows 7 und 10, aber insbesondere unter Win 10 nicht mehr ganz so reibungslos. Wie gesagt, ein Update wird’s wohl nimmermehr geben…

 

One-Knob-Controllers

One-Knob-Controllers

Ein anderer bekannter One-Knob-Controller, nämlich der SHUTTLE von CONTOUR DESIGN (ich persönlich fand den billigeren XPress im Vergleich etwas ergonomischer als das teurere PRO-Modell) ist in dieser Hinsicht noch ungeeigneter zur Plugin-Steuerung. Auch er kann zwar wenigstens das Mausrad emulieren, aber die Geschwindigkeit ist elendig langsam, so dass man sich den Finger wund kurbeln darf, um einen Parameter damit zu verändern. Zudem lässt sich das Jog-Wheel des SHUTTLE nur mit der Fingespitze bedienen und nicht so anfassen wie ein Drehregler, da es im namensgebenden Shuttle-Wheel versenkt positioniert ist.

Im Gegensatz zum KONTROL MASTER ist die Parameterauflösung beider genannten Geräte auch deutlich gröber, man erreicht damit kaum alle Zwischenwerte, beispielsweise lassen sich die Fader des Mixers in CUBASE damit immer nur mit gewissen, wenn auch kleinen Sprüngen verändern. Hier ist der KONTROL MASTER jedenfalls um Längen präziser, jeder einzelne Zwischenwert eines Parameters, selbst mit Nachkommastellen, lässt sich exakt damit einstellen, übrigens unabhängig von der eingestellten Encoder-Empfindlichkeit!

Wer nun schon eines oder beide dieser Gerätchen besitzt, braucht diese auch nach dem Kauf des KONTROL MASTER nicht entsorgen, sie eignen sich immer ja noch gut zum Scrollen und Browsen oder als Transportsteuerung, fressen ja nicht so viel Platz…

Ansonsten kommt mir außer dem KONTROL MASTER nur noch ein einziges anderes Produkt namens NOB in den Sinn, dass zumindest eine ähnliche Grundfunktionalität hinsichtlich der Mouseover-Steuerung virtueller Regler bewirbt, dieses habe ich jedoch leider bisher noch nicht selbst ausprobieren können. Ironischerweise habe ich von NOB erst durch den Konkurrenten TOUCH INNOVATIONS erfahren, ich kannte NOB vorher noch gar nicht, beide Controller sind offenbar fast zeitgleich und unanbhängig voneinander entwickelt worden, sie unterscheiden sich auch äußerlich recht deutlich, und nur der KONTROL MASTER scheint die Extra-Funktionalität des Multi-Monitor-Betriebs und der frei belegbaren Buttons mitzubringen.

Fazit:

Schon bei meinen letzten Testkandidaten, den beiden Laptop-Ständern von CRANE HARDWARE hatte ich mir insgeheim gedacht, dass zum Glück ja doch nicht ALLES schlecht ist, was derzeit so aus den USA über den Teich zu uns herüber weht… 😉 Auch der KONTROL MASTER stellt solch einen kleinen Lichtblick dar. Er funktioniert genau wie von TOUCH INNOVATION versprochen, und zwar mit jedem Plugin, mit jeder DAW und auch mit jeder anderen Software, die irgendeine Form von virtuellen Bedienelementen mitbringt. Vorbei ist endlich auch die Zeit, in der ich in meinen Testberichten zu Plugins immer was zu meckern hatte, wenn der werte Kandidat keine Steuerung via Mausrad anbot, mit dem KONTROL MASTER ist das jetzt einerlei.

Der alte Spruch von wegen „das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile“ trifft beim KONTROL MASTER einmal mehr zu, was auch bei der Beurteilung des sicherlich nicht ganz niedrigen Verkaufspreis von rund 300,- US-Dollar Berücksichtigung finden sollte. Klar, das ist oberflächlich gesehen nur eine Plastikbox mit einem einzigen Drehregler und ein paar bunten Tastern sowie einer Software, die das Ganze steuert. Doch das reibungslose und hochfunktionelle Zusammenspiel aller Komponenten macht daraus ein Endprodukt, das sich auf den Workflow an so manchem Computer-Arbeitsplatz auswirken dürfte, wie ein Auto mit Hypersprungantrieb auf eine Fahrt im Berufsverkehr auf der A40 (und Tschüss…).

Insofern dürften die 300 Steine eine Investition darstellen, die sich in ergonomischer Hinsicht schnell amortisiert, zumal der KONTROL MASTER von TOUCH INNOVATIONS darauf ausgelegt wurde, über viele Jahre hinweg störungsfrei benutzt zu werden. Wieviele andere Controller schon hatte ich mir in einem vergleichbaren Zeitraum angeschafft, die dann doch nicht so zu ganz erfüllen vermochten, was ich mir davon erhofft hatte, und deshalb schnell wieder in der Bucht landeten…

Auch ich werde jetzt natürlich nicht gleich alle meine vorhandenen MIDI-Controller abgeben (ein paar davon allerdings wohl doch endlich mal, zum Beispiel meine alte REMOTE ZERO SL, die zuletzt eigentlich nur noch untätig hier herumstand) diese nehmen bei mir weiterhin gewisse Spezialfunktionen dar, hauptsächlich das Steuern zumindest der wichtigsten Parameter bei einer Handvoll meiner Plugins, doch der KONTROL MASTER hat das Zeug, künftig in Kooperation mit meinem Trackball die Hauptarbeit an meinen Studio-Bildschirmen zu übernehmen. Vielleicht erleben wir in ferner Zukunft ja einmal Nanotech-Displays, bei denen mal nur auf das entsprechende Plugin tippen muss, damit dessen Bedienelemente dreidimensional zum manuellen Editieren aus dem Bildschirm wachsen und nach einem weiteren Fingertipp wieder darin verschwinden, bis dahin jedoch ist der KONTROL MASTER so ziemlich „State of the Art“, wahrscheinlich hält die Hardware sogar noch, wenn es mal tatsächlich so weit ist… 😉 Nun denn, wie könnte ich da wohl einen BuenasIdeas-Tipp verwehren…?

 

Positives:

+ funktioniert mit allen virtuellen Reglern
+ Steuerung aller Arten von Plugins möglich
+ beschleunigt den Workflow
+ sehr solide Hardware
+ berührungsempfindlicher, feinaufösender Encoder
+ frei belegbare Arcarde-Buttons
+ Multi-Monitor-Funktionen
+ unkomplizierte und stabil laufende Software-App

Negatives:

– gehobener Preis

Produktwebseite: https://touchinnovations.com/products/kontrol-master/

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