Synclavier V von Arturia Testbericht


Die Anfänge der digitalen Ära waren mir bisher nicht so präsent, leben wir doch mitten in einer umfassenden Analog-Retro-Welle, die sowohl bei Software-Emulationen, als auch bei neuer Synth- Hardware das Feld beherrscht.

Der DX 7 als ein digitaler FM Synth, welcher damals wie eine Bombe einschlug, war mir im Bewusstsein, aber davor? Der Fairlight Sampler tauchte mal in einer Doku über Jean Michelle Jarre auf, aber das Synclavier kannte ich nur als einen Begriff, der mal am Rande auftauchte, ohne dass ich etwas damit verband.

Was daran liegen mag, dass das Synclavier weder im Gerätepark normaler Musiker auftauchte, noch in irgendwelchen Vintage- Internetbörsen – er war dazu einfach zu exklusiv, weil zu teuer. Nur schwerreiche Superstars unter den Musikern, wie Michael Jackson oder Frank Zappa konnten sich dieses Instrument leisten, ansonsten große Tonstudios. Je nach Ausbaustufe ging das bei 80.000 Dollar los, über einigen Hunderttausend bis hin zu über einer Million, bei späteren Geräten, die auch noch das erste Harddisk-Recording, Sequencing und eine Art komplette frühe digitale Produktionsumgebung boten.

Anmerkung Andreas:

Tatsächlich hat der britische Produzent Trevor Horn die Bekanntheit des Synclaviers erheblich gesteigert, und zwar durch die Zusammenarbeit mit der 80ziger Jahre Band „Franky goes to Hollywood“, die Hits wie auch der Rest des Erfolgsalbums „Welcome to the Pleasuredome“ dieser Band wie „Relax“, „Two Tribes“ und „The Power of Love“ wurden mit sehr viel Einsatz des Synclaviers produziert.

Aber auch Stevie Wonder, Lyle Mays, Path Metheny, Chick Corea, Kraftwerk, Depeche Mode und viele andere haben das Synclavier eingesetzt, ich glaube mich sogar erinnern zu können dass es in der Serie „The Bill Cosby Show“ ein Special gab in dem Stevie Wonder der Cosby Familie das Synclavier forführte.

Alles in allem war das Synclavier schon für damalige Zeiten, ähnlich wie das Fairlight System quasi unerschwinglich und daher nur wenig verbreitet, was es umso erfreulicher macht das ARTURIA nun eine digitale Software Umsetzung für wenig Geld anbietet.

Wer mehr über das Original Hardware Synclavier erfahren möchte, findet hier weitereInformationen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Synclavier

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Was dieser Synthesizer damals für einen Stellenwert hatte, kann man in dem Erfahrungsbericht eines der Pioniere, Christopher Currell, der als Sounddesigner für Michael Jackson damit gearbeitet hat, nachlesen. Ein faszinierender Einblick, der sich zu lesen lohnt. http://headphone.guru/the-event-horizon-synclavier-music-and-michael-jackson/

Arturia machte sich also nun daran, diesen antiken Boliden als Emulation wieder zu beleben. Ein ambitioniertes Unterfangen, bei dem sie tatsächlich einen der zwei Schöpfer des Synclaviers, Cameron Jones gewinnen, konnten Original-Code beizusteuern und seine Unterstützung bei der Anpassung und Programmierung an die neue moderne Umgebung.

Wobei hier nur der digitale Teil emuliert wird, das Original-Gerät war mehr, die Recording- und Sequencing- Fähigkeiten machen in einer DAW heute keinen Sinn, aber hinter dem digitalen Teil gab es noch analoge Filter und Verstärker, die ihren Teil zum Gesamtsound beitrugen und hier fehlen. Es fehlt auch die Resynthese-Engine, die es ermöglichte Sounds mit aus heutiger Sicht eher primitiven Methoden zu resynthetisieren und als Ausgangsgrundlage zu verwenden. Dieser Teil soll aber wohl später noch nachgeliefert werden.

Das Keyboard des Original-Synclavier

Das Keyboard des Original-Synclavier

Digitale Synthese steckte Ende der siebziger Jahre noch wirklich in den kleinsten Kinderschuhen, umso erstaunlicher ist, dass hier eine additive Synthese mit FM Synthese verbunden wurde. Eine Kombination, die auch heute noch selten ist, ein DX 7 oder die Software-Entsprechung FM8 kann zwar vieles, was die FM-Synthese betrifft besser, als das Synclavier, aber die Kombination mit gelayerten additiven Oszillatoren ist doch noch was anderes.

Die letzte, sehr weit ausgebaute Version des Synclavier. Im Prinzip wurde der Synth um ein digitales Recording Studio/DAW erweitert.

Die letzte, sehr weit ausgebaute Version des Synclavier. Im Prinzip wurde der Synth um ein digitales Recording Studio/DAW erweitert.

 

Dynamische Klangstapel

Die Begrifflichkeit ist bei diesem Instrument angelehnt an das Original und etwas ungewohnt. Ein Preset entspricht einem Timbre. Ein Timbre baut sich aus bis zu zwölf Partials auf. Beim Original Synclavier II waren es nur vier, hier hat Arturia das Konzept schon erweitert. Ein Partial setzt sich aus zwei Oszillatoren zusammen, wobei einer die Rolle des Carrier und der andere die des Modulators übernimmt. Diese Oszillatoren sind jedoch additiv, bis zu 24 harmonische Obertöne können über ein Balkendiagramm in ihrem Volumen eingestellt werden plus ihre Phasendrehung extra. Die daraus resultierende Wellenform wird darunter dargestellt. Beim Original ging das nur beim Carrier, hier in Synclavier V auch mit dem Modulator, der da immer nur eine Sinuswelle war.

Die FM-Synthese mit nur zwei Oszillatoren ist zwar an sich rudimentär, aber es existieren einige Parameter, die das beeinflussen, wie Tuning, Finetuning, Amount natürlich und vor allem ein Morphing über die Zeit und Hüllkurven.

Dieses Morphing findet für jedes Partial entlang von Punkten auf einer Timeline statt. An jedem Punkt können die zwei Oszillatoren, als auch die FM-Modulation völlig unabhängig eingestellt werden und dann wird der Sound zwischen diesen zwei Zuständen gemorpht.

Es sind bis zu fünfzig dieser Punkte auf einer Timeline mit einer Länge bis zu fünf Minuten möglich (!) was Synclavier V für animierte Pads geradezu prädestiniert. Was das aber bedeutet wird erst nach und nach klar, wenn man sich vor Augen führt, dass man das mit zwölf Partials machen kann, die übereinander gelayert werden und dass es pro Partial auch noch zwei Hüllkurven gibt. Eine für das gemeinsame Volumen des Outputs der Oszillatoren und eine für den FM-Amount.

Das sind zwar einfache DADSR Hüllkurven und keine modernen Multi-Segment-Hüllkurven, aber es ist damit eine effektive Steuerung des Klangverlaufs möglich, die in Verbindung mit dem Morphing der Wellenformen auf der Timeline doch völlig ungeahnte Möglichkeiten eröffnen.

Arturia modernisiert an dieser Stelle sogar an noch einem Punkt das Original, indem die generelle Geschwindigkeit, mit der die Punkte durchfahren werden fließend geändert werden kann.

Das extended Panel mit den Einstellungen für die einzelnen Partials.

Das extended Panel mit den Einstellungen für die einzelnen Partials.

Die Einstellungen auf dem erweiterten Panel für die einzelnen Partials und im Graphic Screen Mode sind größtenteils deckungsgleich. Die Parameter für Vibrato und Stereo, das entweder den Klang zwischen den Lautsprechern hin- und herswitcht aber auch ein Tremolo darstellt und der Frame Speed Regler finden sich nur auf dem Extended Panel.

Im grafischen Modus lassen sich die Hüllkurven aber viel einfacher und übersichtlicher einstellen, man kann an den Punkten der Kurven ziehen und sieht die Kurvenverläufe der anderen Partials abgedunkelt im Hintergrund.

Die grafischen Hüllkurven. Für jedes Partial ein Paar.

Die grafischen Hüllkurven. Für jedes Partial ein Paar.

Die obere Amplitude-Hüllkurve steuert den Lautstärkeverlauf des ausgewählten Partials, die untere die Stärke der FM-Modulation. Die Stärke der FM-Modulation ist aber so eine Sache, denn sie ist von insgesamt vier Stellgrößen abhängig und kann von daher etwas unübersichtlich einzustellen sein.

Es gibt einen generellen FM-Regler für das ganze Timbre, also alle Partials auf dem Standard-Panel. Dann einen auf dem Extended Panel für den FM Amount des Partials. Die Harmonic Envelope bestimmt auch noch die Stärke der FM-Modulation des Partials im Zeitverlauf, ebenso unabhängig davon in den Time Slice Points auf der Timeline kann auch noch ein Wert dafür festgelegt werden.

All das addiert sich irgendwie oder auch nicht… wenn man alles der Reihe nach durchgeht wird es schon klar, was geschieht aber die mögliche Komplexität hat eben ihren Preis.

In den Time Slice Points auf der Timeline wird der komplette Zustand des Oszillatorpaars gespeichert und zwischen diesen Klängen gemorpht.

In den Time Slice Points auf der Timeline wird der komplette Zustand des Oszillatorpaars gespeichert und zwischen diesen Klängen gemorpht.

Das Herzstück von Synclavier V sind die additiven Synthese-Einstellungen und die Time Slices. Die Oszillatoren können entweder über Buttons für Standard-Wellenformen mit den entsprechenden Mustern für die Höhe der Balken für die harmonischen Obertöne versehen werden oder man zeichnet sie von Hand ein.

Die Denkweise ist hierbei insgesamt schon eine etwas andere, als bei subtraktiver Synthese, denn das Klangbild wird durch die harmonischen Obertöne und ihre Aufsummierung erzeugt. Herrausgefiltert wird da in keinem Stadium der Klangerzeugung etwas, sondern im Zeitverlauf des Klangs verändert sich der Output der Oszillatoren.

Im einfachen Fall über die Hüllkurven aller Partials und im komplexeren Fall noch zusätzlich durch das Morphen der einzelnen Partials unabhängig von den Hüllkurven durch die Zustände der Oszillatoren an den einzelnen Time Slices hintereinander.

Partial A kann also zum Zeitpunkt Null eine Sinuswelle sein, bei Partial B aber ein Sägezahn. Die Sinuswelle verändert sich innerhalb von fünfzig Millisekunden in eine Rechteckwelle, der Sägezahn aber in hundert Millisekunden in eine komplexe Wellenform, die man manuell erstellt hat. Währenddessen machen aber die Hüllkurven etwas ganz anderes, Partial A kann einen langsamen Attack haben, B einen schnellen, aber generell einen leiseren Scheitelpunkt erreichen, A kann eine starke FM-Modulation abbekommen, B nur gegen Ende eine schwache.

Die Oszillatoren pro Partial. Oben die Timeline mit den Time Slice Points, in der Mitte die Balken für die Harmonics beider Oszillatoren, unten die resultierende Wellenform.

Die Oszillatoren pro Partial. Oben die Timeline mit den Time Slice Points, in der Mitte die Balken für die Harmonics beider Oszillatoren, unten die resultierende Wellenform.

Sprich: Es kann sehr komplex werden, denn es stehen bis zu zwölf Partials zur Verfügung. Das ist für additive Synthese jetzt nicht so ungewöhnlich, es gab dann später additive Synths mit viel mehr harmonischen Obertönen, die auch über die Zeit verändert werden können, sei es durch Multisegment-Kurven oder über Pixelbilder gesteuert.

Das Prinzip von Synclavier V unterscheidet sich aber deutlich davon, weil dadurch, dass der Klang in einzelne Partials aufgeteilt wird, die jeweils wiederum relativ einfach zu steuern sind, aber aufeinandergestapelt dann doch einen vielschichtigen, sehr flexiblen Klangkörper ergeben können, tun sich andere Möglichkeiten auf. Zumal durch die individuelle FM-Modulation jedes Partials, die mir so auch noch nirgends begegnet ist.

In der grafischen Oberfläche findet sich noch Key Dynamics, mit dem man einen Keyboard-Split mit Übergängen für jedes Partial einrichten kann.

In dem Key Dynamics Panel könenn Keyboard-Splits für die einzelnen Partials eingerichtet werden.

In dem Key Dynamics Panel können Keyboard-Splits für die einzelnen Partials eingerichtet werden.

Die Mixer-Page fasst die wichtigsten Parameter für die einzelnen Partials in einer Tabelle zusammen, weitgehend redundant mit der linken Seite des Extended Panel aber viel übersichtlicher. Dass einige Werte nur über das Extended Panel einstellbar sind, ist ein Bruch in der Bedienlogik, der der Rücksichtnahme auf das Original-Instrument geschuldet ist.

In der Mixer-Übersicht kann fast alles eingestellt werden, was Partials betrifft.

In der Mixer-Übersicht kann fast alles eingestellt werden, was Partials betrifft.

In der Mods Page können externe Modulationsquellen wie Mod Wheel, Velocitiy, Sustain usw. auf Ziele wie Vibrato, FM-Amount, Volumen, Frame Speed geroutet werden. Würde man das Instrument von Grund auf mit heutigen Konzepten neu entwickeln hätte es wohl auch etliche frei routbare LFOs und Hüllkurven mit an Bord. Darüber hinaus lassen sich auf der klassischen Front viele Drehregler per MIDI-CC automatisieren.

Über externe Modulatoren lässt sich zusätzlich Bewegung in den Sound bringen.

Über externe Modulatoren lässt sich zusätzlich Bewegung in den Sound bringen.

Eine Effektabteilung gab es im Original- Synclavier nicht, hier kann man in drei Slots jeweils einen von acht Effekten wie Phaser, Chorus, Delay, Reverb laden. Ein nicht spektakulärer aber nützlicher Zusatz. Distortion fehlt aus meiner Sicht noch.

Die Effektabteilung, klein aber nützlich.

Die Effektabteilung, klein aber nützlich.

 

Additives Mischmasch

Das ist für Sounddesigner schon mal eine Menge Holz, mit dem gebastelt und geschraubt werden kann. Was hinzukommt ist die Möglichkeit jedes Partial über das Extended Panel komplett zu kopieren und in ein anderes Timbre (Preset) wieder einzufügen. Das geht von kleinen Ergänzungen im Gesamtklang bis hin zu völlig neuen Kreationen aus interessanten Versatzstücken ganz unterschiedlicher Presets.

Ein Paar Beispiele hatte ich ausprobiert, aber noch kaum an der Oberfläche gekratzt, hier gibt es noch viel Spielraum etwas auszuprobieren.

Klangschichttorte deluxe

Wie hört sich das Ganze an? Es gibt auch einen Vintage-Digital-Klangcharakter, wahrscheinlich liegt es daran, dass man diese Sounds aus so vielen 80er Hits kennt. Darauf wurde das Synclavier häufig eingesetzt und war auch unverwechselbar typisch zu der Zeit. Dass sich später dann andere Digitalsynths ähnlich anhörten, wenn auch irgendwie doch cleaner und kälter verwischt den Eindruck wieder. Fast zu retro klingt das Synclavier V bei vielen Presets für mich, weil in heutigen Produktionen so etwas eher schwierig zu integrieren ist.

Was technisch gleich auffiel, war, dass die Volumen-Einstellungen generell meist relativ niedrig waren. Wenn man den Output verstärkte oder die Aufnahmen nachträglich normalisierte, rauschten sie mächtig – aber nur, während eines Sounds, in den Pausen nicht. In den Settings von Synclavier findet sich zwar ein Punkt Namens Noise Floor, der das original-analoge Kanalrauschen des Instruments emuliert, was man zum Glück auch ausschalten kann, das war es aber nicht, sondern die einstellbare Bit-Tiefe. Bei acht Bit rauscht es wegen der digitalen Artefakte, die dabei erzeugt werden, mit 24 Bit ist das Rauschen weg, diese Einstellung bleibt beim Preset-Wechsel erhalten und braucht also nicht ständig nachgestellt zu werden.

Globale Einstellungen für Oversampling und Bit-Tiefe. Hier kann man auch die überaus schicke Animation ausschalten, die abläuft, wenn man vom klassischen Main-Panel auf den Schirm mit den Grafischen Anzeigen umschaltet.

Globale Einstellungen für Oversampling und Bit-Tiefe. Hier kann man auch die überaus schicke Animation ausschalten, die abläuft, wenn man vom klassischen Main-Panel auf den Schirm mit den Grafischen Anzeigen umschaltet.

Bleibt nur die Frage, ob man diese Früh-Digitale „Klangästhetik“ braucht oder nicht, ich für meinen Teil eindeutig nicht, deshalb machte ich alle Aufnahmen mit 24 Bit. Mag sein, dass durch 8 Bit erst so recht der originale „grit“ hinzugefügt wird, es kommt vielleicht auf den Zusammenhang an, aber so ist mir das zu mächtig.

Ein Beispiel eines Bass-Sounds, zuerst mit acht Bit, dann mit 24.

 

Einige Beispiele aus der ca. 450 Presets oder Timbres umfassenden Factory-Bibliothek, die vorbildlich geordnet und verschlagwortet ist.

Der vorbildliche Preset-Browser von Arturia.

Der vorbildliche Preset-Browser von Arturia.

Die Bässe sind teils ganz druckvoll und einige sogar halbwegs modern.

 

Bei Brass geht es eher in Richtung alter Tischhupe, bis auf das letzte Beispiel.

 

Bei den FM Klängen ist es durchwachsen, einerseits gibt es einige wenige komplex aufbauende Sounds, die auch von der additiven Synthese und dem Morphing profitieren. Dann gibt es noch diese typischen Allerwelts-FM-Sounds, Glocken, E-Pianos. Aber sie sind insofern wieder interessant, weil sich Teile davon wieder mit anderen Presets kombinieren lassen.

 

Bei Guitars sind doch einige wenige Sounds, die für die damalige Zeit beeindruckend gewesen wären, aber mit sechs und mehr Partials arbeiten, damals also gar nicht möglich waren. So ist es ein Beispiel, was additive Synthese mit 24 Harmonischen, FM und raffiniertem Layering leisten kann.

 

Ein Beispiel der akustischen Gitarre, bei der die Partials nach und nach zuerst auf Solo geschalten werden und dann nacheinander stumm und dann wieder eingeschalten werden.

 

Keys profitieren von der Architektur von Synclavier V und glänzen mit reichen Obertönen und kühlen FM Sounds.

 

Leads sind solide aber nicht spektakulär, das würde ich als gute Digital-Vintage-Kost ansehen.

 

Organ bietet eine kleine Sammlung unterschiedlicher Orgeln, elektronisch bis hin zur Kirchenorgel. An die Orgel-Emulationen aus dem gleichen Haus kommen sie nicht heran, diese klingen realistischer und wärmer.

 

Bei den Pads kommt die eigentliche Stärke von Synclavier V zum Tragen, Obertonreiche, ständig variierende, sich entwickelnde Sounds.
Da es hier einige Beispiele mehr wurden sind sie in zwei MP3s aufgeteilt, der WordPress-Obergrenze sei Dank. ;-(

 


So richtig erschließt sich diese spezielle Qualität erst im Vergleich. In der V Collection sticht vor allem Solina V mit schönen Pad-Sounds hervor, wie in diesem ARTURIA Solina V Testbericht beschrieben.

Die kurz angespielten Beispiele aus den Pad-Presets von Solina V bringen altehrwürdige Flächenklänge an die Oberfläche, die natürlich viel analoger und wärmer klingen. Interessant ist jedoch der starke Kontrast zu den Pads aus Synclavier V – das ist eine andere Welt.

 

Percussive bildet zum größten Teil noch mal die FM-Fähigkeiten des Instruments ab, einige ganz brauchbare Presets sind darunter.

 

Sequence kombiniert die Eigenschaften von versetzen Hüllkurven der Partials, des Morphings auf der Timeline und herkömmliche Arpeggien. Da ist so einiges los.

 

 

SFX schöpfen auch aus dem Vollen, es gibt einerseits die üblichen Riser, Falls usw. was mich aber mehr interessierte waren die eher seltsamen, düsteren oder disharmonischen Effektklänge.

 

Strings sind wiederum recht gewöhnlich und eher in dem Bereich der Presets alter Home-Keyboards angesiedelt.

 

Fazit

Mit Synclavier V ist Arturia eine Emulation eines Klassikers gelungen, der schon aufgrund seines ungewöhnlichen additiven Aufbaus aus der Masse der Synthesizer, die mit subtraktiver Synthese arbeiten deutlich hervorsticht.

Hier können ganz andere Klangwelten erschlossen werden und auch für den modernen Sound Designer ergeben sich spannende neue Möglichkeiten, die sich so kaum woanders finden lassen.

Jedoch nicht umsonst war Synclavier-Programmierer damals praktisch ein eigener Beruf. Das Bedienkonzept wurde in dem Bereich der grafischen Panels zwar effektiv modernisiert und diese komplexe Form der Synthese viel zugänglicher gemacht, ein gewisses Maß an Auseinandersetzung ist dennoch notwendig, um dieses Instrument wirklich auszuschöpfen.

Die Verbindung von additiver Synthese und FM-Modulation mit den Möglichkeiten, welche die Klangschichtung mit zwölf unabhängigen Oszillatoren bietet, spielt ihre Stärken vor allem bei Pads und Effektklängen aus, aber auch in allen anderen Bereichen lassen sich Klang-Perlen finden, die durch ihre Fülle und Lebendigkeit zu gefallen wissen.
Produkt-Seite von Synclavier V: https://www.arturia.com/synclavier-v/overview

Ein Testbericht von Stefan Federspiel

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