Arturia stellt den Synthesizer MicroFreak vor

Dieser Synthesizer ist der erste in einer neuen „Freak“ Produktlinie von Arturia und vereint einen digitalen Oszillator mit einem analogem Multimode–Filter. In der bisher fast ausschließlich analogen Hardwarepalette des Herstellers ist das ein Novum und lässt aufhorchen. Der digitale Oszillator bietet vier hauseigene Typen an und sieben Modes, die aus dem Eurorack–Modul „Plaits“ von Mutable Instruments stammen. Von Arturia stammen Superwave, das Sägezähne oder andere klassische Wellenformen gegeneinander verstimmt und Harmo, das 32 Sinuswellen in ihrem Volumen moduliert und damit vibrierende Obertöne erzeugt, Karplus Strong ist ein beliebter physikalisch modellierter Algorithmus für String– und Plucksounds und Wavetable enthält bisher 16 Wellenformkombinationen mit wohl der Aussicht, dass noch einige hinzu kommen. Die Algorithmen von Mutable Instruments reichen von analog–virtuell über einfache FM–Synthese, Speech/Vowel zu einer Simulation eines resonanten Hohlkörpers für unregelmäßige metallische Obertöne. Diese Modi sind bis zu vierstimmig paraphon, einfache Akkorde sind also spielbar.

Die doch oft allzu klaren, oder Obertonreichen Klänge aus digitalen Oszillatoren lassen sich mit dem analogen Filter zähmen und gestalten. Es verfügt über die drei Modi Low–Pass, Band–Pass und High–Pass, ist nach einem Oberheim SEM Filter modell iert und kann dem Sound so genügend analoge Wärme hinzufügen. Also nicht das Steiner–Parker –Filter das man von den bisherigen Synths von Arturia her gesehen erwartet hätte.

MicroFreak besitzt eine Modulation–Matrix, die fünf Modulatoren, wie Envelope oder LFO auf sieben Parameter wie Pitch oder Wave routen kann, von denen drei vom User bestimmt werden können. Die Matrix ist mit LEDs versehen und ein kleines Oled–Display gibt Auskunft über Details. Mit diesen Verknüpfungen sind vielfältigere Sounds möglich, als man es von der simplen Kombination eines Oszillators (wenn auch mit vielen Modi) mit einem Filter vermuten würde.

Wie von Arturia nicht anders zu erwarten ist MicroFreak mit einem Arpeggiator/Sequencer ausgestattet, der über ungewöhnliche Features verfügt. Mit dem Parameter „ Spice“ bleiben die Tonhöhen einer Sequenz erhalten, die Notenlängen werden jedoch verändert und verändern den Charakter deutlich. Die Auswirkung einer Random–Funktion ist über den Touch–Strip steuerbar, der ansonsten für das Pitchbending zuständig ist.
Übehaupt: die Tastatur ist ohnehin das optisch herausragende Feature dieses Synthesizers – und nicht nur das: die mit kupfernen Schaltkreisen bedruckte Tastatur hat keine beweglichen Teile und ist Berührungsempfindlich. Sie reagiert auf Druck und bietet für jede Taste einen individuellen Aftertouch an (!). Da MicroFreak auch analoge CV Ausgänge für Pitch, Gate und Pressure anbietet ist er ein außergewöhnliches Einspielkeyboard für analoge Hardware wie ein Modularsystem. Aber auch per USB lassen sich MPE– fähige virtuelle Synthesizer oder solche, die polyphonen Aftertouch unterstützen damit ansteuern.

Arturia wirft mit dem MicroFreak einen recht ungewöhnlichen Gesellen ins Rennen der Synthesizer um die 300 Euro um die Gunst der immer allzu wenigen Kunden in diesen hart umkämpften Markt. Mit dem Neutron von Behringer oder dem UNO von IK Multimedia ist er schwer zu vergleichen, zu unterschiedlich sind die Features, der erstere voll analog mit einer riesigen Patchbay, der andere unter der Haube vollgepackt mit Extras, wenn auch nicht so direkt zugänglich. Selbst der MicroBrute aus dem gleichen Haus ist von der Klangphilosophie her ein völlig anderes Biest, wenn es auch sonst einige wenige Ähnlichkeiten gibt.

Unter den rein analogen Kleinsynthesizern mag MicroFreak tatsächlich mit seinem digitalen Oszillator ein Freak sein, ein bisschen wie unter den Softsynths UHEs Bazille, der auch digitale Oszillatoren mit modularer Umgebung und virtuell–analogen Filtern verbindet. Doch ich kann mir vorstellen, dass man diesem etwas eigenartigen Außenseiter einiges an ungewöhnlichen und kreativ modulierteren Sounds abgewinnen kann.

Produktseite von MicroFreak:
https://www.arturia.com/products/hardware-synths/microfreak/overview

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