MSoundFactory von Meldaproduction Beta

Nachdem lange von Meldaproduction zwar stetig neue Effekte kamen, aber keine neuen Instrumente überraschen sie nun doch mit der Beta von MSoundFactory.
Ich benutze oft MXXX Core mit dem MCreativeBundle und dachte mir bei der modularen Matrix, in der man die Effektprozessoren platzieren und miteinander verknüpfen kann, dass es schade ist, dass das nicht mit Oszillatoren geht. Nun geht es! MSoundFactory ist ein voll modularer Synth auf der Basis dieser Matrix und ich staunte nicht schlecht, was man für Oszillatoren da hinein packen kann.

Modulare Matrix links

Aber nicht nur Oszillatoren, sondern Filter und etliche andere Bausteine/Tools, ähnlich wie in einem klassischen Modularsynth. Wobei es eine weitere nachgeschaltete reine FX-Matrix gibt, gleich wie bei MPowerSynth, in das sich praktisch alle kreativen Effekte von Melda-Production in einer vereinfachten Form laden lassen.

FX-Matrix

Das Ganze scheint eine Mischung aus MPowerSynth und MXXX zu sein, aber nicht nur mit den an sich schon sehr flexiblen virtuell-analogen Oszillatoren von MPowerSynth, mit ihrem Classic und Harmonic Mode (siehe meinen Testbericht zu MPowerSynth ) und dem sehr flexiblen und mächtigen Modulationssystem, sondern vielen weiteren Oszillatortypen. Darunter Wavetables, an denen man heutzutage wohl kaum mehr vorbei kommt und sogar Physical Modeling Oszillatoren oder Prozessoren. All das lässt sich frei und beliebig in der Matrix oder Modularen Editor, wie sie es nennen platzieren, die in sechs vertikale Audiostreams mit jeweils 16 Slots, insgesamt also 96 Slots aufgeteilt ist – was für so ziemlich jedes Projekt ausreichen dürfte.

Modulare Matrix

An passiven, Soundformenden Modulen gibt es z. B. ein Resonator-Modul, eine Art Comb-Filter mit Feedbackweg, das letztendlich ähnlich wie physikalisches String-Modeling wirkt, aber von beliebigen Signalen getriggert werden kann, auch eigenen Samples. Ähnlich dazu ein modales Filter, das auch für Physical Modeling eingesetzt wird. Physical Modeling nimmt einen prominenten Platz bei den Synthesemodulen ein und ermöglicht tatsächlich viele Sounds, die sich mit herkömmlichen analogen Oszillatoren nicht erreichen lassen.
Des weiteren gibt es einen Oszillator-Shaper, eine Methode einem eingehenden Signal eine Wellenform aufzuprägen, aber nicht exakt so wie ein klassischer Waveshaper, der dann eher Verzerrungen erzeugt, sondern hier werden klare Wellen in andere klare Wellen umgewandelt. Etwas wundersam und wird als eine vereinfachte Form der FM-Synthese ohne die unharmonischen Obertöne und komplexe Bedienung angepriesen.

Modulauswahl

Das Wavetable-Modul gibt es in mehreren „Größen“, die man je nach der geplanten Anzahl der Wellenformen wählen sollte, weil sie unterschiedlich stark den Prozessor belasten. Man kann einzelne Wellenformen in der Abfolge durch den klassischen oder harmonischen Oszillatortyp erzeugen oder Wavetables importieren oder ein Sample analysieren und in Slices zerlegen lassen. Wie gut das im Vergleich zu einem Wavetable-Spezialisten, wie Serum funktioniert kann ich im Moment nicht einschätzen, erste Versuche waren schon mal dadurch erschwert, dass beim Import nur eine Zykluslänge von mindestens 256 Samples importiert werden kann, statt auf 256, die in dem Wavetable enthalten sind kommt man damit nur auf 64 Wellenformen. Im Vergleich mit demselben Wavetable in Falcon war es etwas weniger differenziert und Obertonärmer, hörte sich aber halbwegs ähnlich an. Das kann nun an tausend Dingen liegen, die ich gerade nicht überblicke. Jedenfalls macht es nicht grundsätzlich etwas völlig anderes aus dem Wavetable, wie z. B. Synthmaster One.

Wavetables

Man kann in den Modularen Editor ausser Synthese-Modulen, Drum Sampler- und Synthese Modulen, Tools wie Splitter und Merger auch noch Per Voice FX einbauen. Und hier zeigt sich MSoundFactory völlig auf der Höhe der Zeit, denn dieser Synth wird damit MPE-fähig und es können aus einem MPE Controller, wie Roli Seaboard oder dem Linnstrument nicht nur per 3D Touch Effekte pro Stimme beeinflusst werden, sondern auch andere Parameter und damit erschließen sich die komplexen Klänge dieses Synths auch dem expressiven Live-Spiel.

Aus MXXX übernommen und auch in den anderen fortgeschrittenen neueren Effekten von Meldaproduction wie MTurboReverb und MTurboDelay zu finden sind Presets mit “Makro-Oberfläche”. Genannt „Easy Screen“ im Unterschied zu der vollen Edit-Ansicht. Hier kann man wichtige Parameter auf Makro-Regler legen und auf einem Performance- Mini-GUI für dieses Preset platzieren. Ähnlich wie die Instrument-Oberflächen von Falcon oder im weiteren Sinn in Kontakt.

Die Effekte und Instrumente von Meldaproduction sind was die Bedienoberfläche anbelangt eine Insel für sich, fortgeschritten, komplex, extrem flexibel im Design anpassbar, aber man muss sich erst mal etwas damit auseinandersetzen. Mit dabei sind wieder all die Goodies, wie eine ausgefeilte Metering-Sektion und der Onboard-Limiter oder die A/B-Vergleichspresets.

Eines der vielen alternativen Designs

Für die Release-Version ist noch ein Sampler-Modul angekündigt. Aber sie haben schon mal verlauten lassen, dass MSoundFactory wahrscheinlich ihr letztes Instrument ist und das Instrument eine fortwährende Baustelle mit immer neuen Modulen sein wird. Was auch irgendwie Sinn macht – dieses Konzept ist kaum mehr steigerbar, sondern nur noch ausbaubar. Da kann man sich noch einiges einfallen lassen, einen Granular-Oszillator zum Beispiel oder was die sich immer weiter ausdifferenzierende Eurorack-Modulszene so an Anregungen bietet… Da wie bei allen Produkten von Meldaproduction auch hier die freien Lifetime-Updates gelten kann man sich als Käufer zurück lehnen und überraschen lassen.

Natürlich unterscheidet sich MSoundFactory konzeptionell grundlegend von einem klassischen Modularsystem, keine Kabel, dafür eine modulare Matrix mit Verbindungen zwischen den Audiosignalketten und Modulen. In den Modulen teilweise mehrere Ebenen und Untermenüs, es ist nicht alles gleich sichtbar. Die Effekt-Matrix wird separat in die Audio-Ausgänge der Modularen Matrix eingeklinkt. Eine ganz eigene Philosophie, entfernt vergleichbar mit den verschachtelten Ebenen von Falcon, den ich aber gefühlt für etwas übersichtlicher halte. Wie alle Modularsysteme durch die freie Kombination mehr als die Summe seiner Teile und schon jetzt, in seiner Beta-Version offensichtlich ein sehr mächtiges Werkzeug um Sounds zu entwerfen, mit dem man sich endlos beschäftigen kann und nicht so bald an Grenzen stößt. Ein Modulationsmonster vor allem, in dessen Möglichkeiten man sich einarbeiten muss, denn die Komplexität hat ihren Preis, schnell und direkt kann man nur einfache Sounds erstellen, dann wird es eher langwierig.

Was ich in den Tutorials und dem ersten Antesten hören konnte ist logischerweise der Grundsound ähnlich, wie der von MPowerSynth, zu allererst digital, kräftig, kernig, klar, da kommt nicht direkt edler Analog-Klang heraus, wenn man das braucht gibt es viele Möglichkeiten den Sound etwas wärmer und analoger zu bekommen. Aber wird MSoundFactory je so klingen wie Softube Modular oder Diva? Eher nicht, hier bewegt man sich grundsätzlich in einer anderen Klangwelt. Beim ersten Durchhören der Presets hatte ich den Eindruck, dass sie noch nicht das volle Potential des Synths zeigen. Schon mit ein paar Eingriffen, dem Austausch eines Oszillatormoduls z. B. kamen in einigen Presets aus meiner Sicht interessantere Sounds heraus. Ersetzt MSoundFactory ein virtuelles Modularsystem wie Softube Modular, VCV Rack oder Voltage Modular? Nein, sowohl der Grundsound, als auch die Bedienphilosophie ist eine völlig andere, vergleichbar eher mit Uhe Zebra oder VPS Avenger, wobei diese zwar sehr flexibel, aber eben nicht voll modular sind. Polyphonie und MPE -Fähigkeit findet man bei keiner klassischen Emulation von Modularsystemen, MSoundFactory schöpft die modernen Möglichkeiten einer Software-basierten Soundgestaltung voll aus, so viel kann man von MPowerSynth sicher übertragen und das ergibt zusammen mit den fast unendlichen Kombinationen, weil sich alles mit allem verbinden lässt ein ziemlich einmaliges Instrument.

Mit der Veröffentlichung der Beta-Version gibt es MSoundFactory zum Einführungspreis für ein Drittel des Endpreises. Erfahrungsgemäß wird es nie mehr so günstig, dass es vor einiger Zeit MTurboReverb mal bei VSTBuzz erneut für ein Drittel gab war die große Ausnahme.

Die Produktseite von MSoundFactory mit etlichen Video-Tutorials: https://www.meldaproduction.com/MSoundFactory

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*

2 Gedanken zu “MSoundFactory von Meldaproduction Beta”

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen