Professor Pegel erklärt: Was sind Digital Audio Workstations (DAW) ?

Wer heute Musik mit einem Computer produziert, verbringt einen beträchtlichen Teil seines musikalischen Lebens in einem Programm: der DAW. Hier werden Gesang und Instrumente aufgenommen, MIDI-Noten programmiert, virtuelle Synthesizer gespielt, Plugins geladen, Spuren geschnitten, Effekte eingesetzt, Lautstärken automatisiert und schließlich komplette Songs gemischt.

Die DAW ist damit praktisch das Kontrollzentrum der modernen Musikproduktion. Professor Pegel sitzt vor seinem Bildschirm. Darauf befinden sich 86 Spuren, 14 geöffnete Plugin-Fenster, ein Mixer, drei Editoren und irgendwo vermutlich auch noch der eigentliche Song. „Früher brauchte ein Tonstudio mehrere Räume“, stellt er fest.

Er blickt auf den Monitor. „Heute braucht man hauptsächlich einen größeren Bildschirm.“ Doch was genau ist eigentlich eine DAW?

Professor Pegel - DAW
Professor Pegel – DAW

Was bedeutet DAW?

Die Abkürzung DAW steht für: Digital Audio Workstation Wörtlich übersetzt handelt es sich also um einen digitalen Audio-Arbeitsplatz. Ursprünglich bezeichnete der Begriff nicht zwangsläufig nur ein Computerprogramm. Professionelle Digital Audio Workstations konnten komplette Systeme aus spezieller Hard- und Software sein.

Heute wird mit DAW meistens die zentrale Software zur Musik- und Audioproduktion bezeichnet. Bekannte Beispiele sind unter anderem Cubase, Logic Pro, Pro Tools, Ableton Live, Studio One, FL Studio, REAPER, Bitwig Studio, LUNA, Digital Performer, Mixcraft, Waveform, Reason oder Samplitude.

Trotz teilweise sehr unterschiedlicher Bedienkonzepte verfolgen sie grundsätzlich dasselbe Ziel: Audio und musikalische Informationen aufnehmen, erzeugen, bearbeiten, arrangieren, mischen und ausgeben. Eine moderne DAW ersetzt beziehungsweise integriert damit einen großen Teil eines klassischen Tonstudios.

Die DAW ist das Tonstudio im Computer

Um eine DAW zu verstehen, hilft der Vergleich mit einem klassischen Tonstudio. Dort gibt es unter anderem ein Mehrspur-Aufnahmesystem, ein Mischpult, Effektgeräte, Kompressoren, Equalizer, Synthesizer, Sampler, MIDI-Sequencer, Patchbays, Automationssysteme, Messgeräte und eine Mastermaschine.

In einer modernen DAW existieren praktisch alle diese Bereiche in Softwareform. Das Mischpult wird zum virtuellen Mixer. Das Mehrspurbandgerät wird zum Arrangement-Fenster. Hardware-Effekte werden durch Audio-Plugins ergänzt oder ersetzt. Synthesizer und Sampler können als virtuelle Instrumente direkt im Projekt laufen.

Und selbst komplexe Routings, für die früher zahlreiche Kabel notwendig waren, lassen sich innerhalb der Software realisieren.

Vereinfacht:

AUFNAHME + SEQUENCER + EDITOR + MIXER + EFFEKTE + INSTRUMENTE + AUTOMATION = DAW

Professor Pegel betrachtet seinen Computer. „Also ein komplettes Tonstudio ohne Kabelsalat.“ Unter dem Tisch liegen ungefähr 30 Kabel. „Zumindest theoretisch.

kostenlose-DAW-Waveform-Free
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Das Projekt – die Welt innerhalb einer DAW

Die meisten Arbeiten innerhalb einer DAW finden in einem Projekt statt. Dieses Projekt enthält beziehungsweise verwaltet alle Informationen, die für eine Produktion notwendig sind.

Dazu können gehören:

  • Audiospuren,
  • MIDI- beziehungsweise Notendaten,
  • virtuelle Instrumente,
  • Plugins,
  • Mixer-Einstellungen,
  • Automation,
  • Tempo,
  • Taktart,
  • Marker,
  • Routing,
  • Sends,
  • Gruppen,
  • Busse
  • und zahlreiche weitere Einstellungen.

Wichtig ist dabei:

Die Projektdatei enthält nicht zwangsläufig sämtliche Audiodaten selbst. Viele DAWs speichern in ihrer Projektdatei hauptsächlich Informationen darüber, wo sich Audiodateien befinden und wie diese verwendet werden sollen. Deshalb sollte ein DAW-Projekt immer sauber organisiert und gemeinsam mit den dazugehörigen Audiodateien archiviert werden.

Sonst erscheint beim Öffnen eines alten Projekts irgendwann die gefürchtete Meldung: MISSING AUDIO FILES Professor Pegel kennt sie. Niemand mag sie.

Das Arrangement-Fenster – hier entsteht der Song

Das Herzstück vieler DAWs ist das Arrangement-Fenster. Hier verläuft die Zeit normalerweise horizontal von links nach rechts. Vertikal befinden sich die einzelnen Spuren.

Etwa so:

  • DRUMS
  • BASS
  • GUITAR
  • PIANO
  • SYNTH
  • LEAD VOCAL
  • BACKING VOCALS

Audio- und MIDI-Abschnitte erscheinen als Events, Regionen oder Clips. Dadurch lässt sich ein kompletter Song visuell organisieren.

  • Intro.
  • Strophe.
  • Pre-Chorus.
  • Refrain.
  • Bridge.
  • Finaler Refrain.
  • Outro.

Ein moderner Song ist damit nicht nur hörbar, sondern auch sichtbar.

Audiospuren – das digitale Mehrspurband

Eine der wichtigsten Aufgaben einer DAW ist die Aufnahme von Audio. Ein Mikrofon nimmt etwa Gesang auf. Das Signal gelangt über ein Audiointerface in den Computer und wird dort von der DAW aufgezeichnet.

Der grundlegende Weg lautet:

MIKROFON > AUDIOINTERFACE > A/D-WANDLUNG > DAW > AUDIOSPUR

Die Aufnahme wird als digitale Audiodatei gespeichert und gleichzeitig innerhalb des Projekts positioniert. Im Gegensatz zur klassischen Bandmaschine kann diese Aufnahme anschließend nahezu beliebig bearbeitet werden. Sie lässt sich schneiden, verschieben, kopieren, kürzen, verlängern oder mit anderen Aufnahmen kombinieren.

Und das meist nicht-destruktiv.

Nicht-destruktive Bearbeitung

Nicht-destruktiv bedeutet, dass die ursprüngliche Audiodatei bei vielen Bearbeitungsschritten unverändert bleibt. Wird ein Audio-Event im Arrangement gekürzt, löscht die DAW normalerweise nicht den entsprechenden Teil der ursprünglichen Datei. Stattdessen merkt sich das Projekt lediglich: Spiele nur diesen Bereich der Datei ab.

Das hat enorme Vorteile. Ein Schnitt kann später wieder verändert werden. Ein ausgeblendeter Bereich kann zurückgeholt werden. Bearbeitungen lassen sich rückgängig machen. Das Original bleibt erhalten. Dieses Prinzip gehört zu den größten Vorteilen digitaler Audiobearbeitung.

MIDI – Musik ohne aufgenommenes Audiosignal

Neben Audio spielt MIDI beziehungsweise die Verarbeitung musikalischer Steuer- und Notendaten eine zentrale Rolle. Eine MIDI-Spur enthält zunächst keinen aufgenommenen Klang.

Stattdessen werden Informationen gespeichert wie:

  • Welche Note wurde gespielt?
  • Wann beginnt sie?
  • Wie lange dauert sie?
  • Wie stark wurde sie angeschlagen?
  • Welche Controller wurden bewegt?

Diese Daten können anschließend ein virtuelles Instrument oder einen externen Synthesizer steuern.

Vereinfacht: MIDI / NOTEN > INSTRUMENT > AUDIO

Dadurch können musikalische Informationen nachträglich sehr flexibel verändert werden. Eine falsche Note? Verschieben. Zu kurz? Verlängern. Falsche Tonhöhe? Ändern. Timing daneben? Korrigieren oder quantisieren. Professor Pegel betrachtet eine komplett schief eingespielte MIDI-Passage. „Ich nenne das nicht korrigiert.“ Kurze Pause. „Ich nenne das Postproduktion.

Der Piano-Roll-Editor

Eine der bekanntesten Möglichkeiten zur MIDI-Bearbeitung ist die Piano Roll. Links befindet sich eine Klaviatur. Horizontal läuft die Zeit. Die Noten erscheinen als Balken. Ihre vertikale Position bestimmt die Tonhöhe, ihre horizontale Position den Zeitpunkt und ihre Länge die Notendauer.

Zusätzliche Bereiche zeigen Velocity, Modulation, Pitch Bend oder andere Controllerdaten. Damit lässt sich Musik beinahe grafisch komponieren. Auch Musiker ohne klassische Notenkenntnisse können so komplexe Arrangements erstellen.

Professor Pegel - Audio Plugins
Professor Pegel – Audio Plugins

Virtuelle Instrumente

Eine DAW kann nicht nur vorhandenes Audio aufnehmen. Sie kann mithilfe virtueller Instrumente selbst Klänge erzeugen. Dazu gehören unter anderem:

  • Synthesizer,
  • Sampler,
  • Drumcomputer,
  • Pianos,
  • Orchesterinstrumente,
  • Gitarren,
  • Bässe
  • und experimentelle Klangerzeuger.

Die DAW sendet Noten- und Steuerdaten an das Instrument. Das Instrument erzeugt daraus Audio.

MIDI / NOTEN > VIRTUELLES INSTRUMENT > AUDIOSIGNAL

Dieses Audiosignal landet anschließend im Mixer und kann genauso bearbeitet werden wie eine echte Aufnahme. Damit verschwimmt die Grenze zwischen Tonstudio und Musikinstrument.

Audio-Plugins – das virtuelle Effektrack

Plugins erweitern die DAW um zusätzliche Instrumente, Effekte und Werkzeuge. Ein Equalizer verändert den Frequenzgang. Ein Kompressor kontrolliert die Dynamik. Ein Reverb erzeugt Raum. Ein Delay erzeugt Wiederholungen. Ein Analyzer hilft bei der Beurteilung des Signals. Moderne DAWs bringen bereits zahlreiche eigene Plugins mit. Zusätzlich können Plugins anderer Entwickler installiert werden.

Dafür existieren verschiedene Schnittstellen beziehungsweise Plugin-Formate wie VST3, Audio Units, AAX oder CLAP. Die DAW übernimmt dabei die Rolle des Hosts. DAW / HOST > PLUGIN > SIGNALVERARBEITUNG. Damit lässt sich eine DAW beinahe beliebig erweitern.

Der Mixer – das virtuelle Mischpult

Irgendwann müssen all diese Spuren zusammengeführt werden. Dafür besitzt eine DAW einen Mixer. Hier finden sich viele Elemente eines klassischen Mischpults wieder. Fader regeln die Lautstärke. Panorama-Regler bestimmen die Position im Stereobild. Insert-Slots nehmen Plugins auf. Sends schicken Signalanteile zu Effektkanälen. Busse und Gruppen fassen mehrere Signale zusammen. Meter zeigen Pegel an.

Eine typische Struktur könnte etwa so aussehen:

KICK + SNARE + TOMS + OVERHEADS > DRUM BUS

GUITAR L + GUITAR R > GUITAR BUS

LEAD + BACKINGS > VOCAL BUS

Diese Gruppen laufen schließlich zum:

STEREO OUT / MASTER

Damit lassen sich auch sehr große Produktionen übersichtlich verwalten.

Inserts und Sends

Zwei grundlegende Routing-Konzepte begegnen in praktisch jeder DAW: INSERTS und SENDS. Ein Insert liegt direkt im Signalweg.

SIGNAL > EQ > COMPRESSOR > SATURATION > AUSGANG

Das komplette Signal durchläuft die eingesetzten Prozessoren. Ein Send zweigt dagegen einen Teil des Signals ab. Das eignet sich beispielsweise für Reverb oder Delay. Mehrere Spuren können dadurch denselben Hall verwenden.

VOCAL

GUITAR > REVERB BUS

PIANO

Das spart Ressourcen und kann gleichzeitig helfen, verschiedene Instrumente in einen gemeinsamen virtuellen Raum zu setzen.

DAW verstehen
DAW verstehen

Routing – die unsichtbaren Kabel

Ein klassisches Tonstudio besitzt Patchkabel. Eine DAW besitzt Routing. Audio kann von einer Spur zu einer anderen geschickt werden. Mehrere Spuren können in Gruppen zusammenlaufen. Effektwege können parallel angelegt werden. Sidechain-Signale können Prozessoren steuern. Mehrere Busse können wiederum in weiteren Bussen zusammengeführt werden. Damit lassen sich äußerst komplexe Signalwege aufbauen.

Der Vorteil: Man benötigt dafür kein einziges echtes Patchkabel.

Der Nachteil: Man kann trotzdem eine Stunde damit verbringen, herauszufinden, warum plötzlich nichts mehr zu hören ist.

Professor Pegel prüft das Routing. „Ah.“ Der Drum-Bus läuft in den Vocal-Bus. „Interessantes Arrangement.

Automation – wenn die DAW selbst an den Reglern dreht

Ein Song ist nicht statisch. Der Gesang soll im Refrain vielleicht etwas lauter werden. Ein Filter soll sich langsam öffnen. Ein Delay soll nur bei einem einzigen Wort erscheinen. Die Hallmenge soll sich während eines Übergangs verändern. Dafür gibt es Automation. Nahezu jeder automatisierbare Parameter kann über die Zeit verändert werden.

Zum Beispiel:

  • Lautstärke,
  • Panorama,
  • EQ,
  • Plugin-Parameter,
  • Send-Level,
  • Filterfrequenz,
  • Delay Feedback,
  • Reverb Mix.

Damit wird die DAW selbst zu einem automatisierten Mischpult.

Die Audio-Engine – der Motor unter der Haube

Während Arrangement, Mixer und Plugins sichtbar sind, arbeitet im Hintergrund ein besonders wichtiger Bestandteil: die Audio-Engine. Sie sorgt dafür, dass alle Audiospuren, Instrumente, Plugins, Busse und Routings zum richtigen Zeitpunkt berechnet werden. Und das häufig in Echtzeit.

Bei einem großen Projekt können gleichzeitig Hunderte Signalverarbeitungsprozesse stattfinden. Die Audio-Engine muss diese Berechnungen innerhalb sehr kurzer Zeit erledigen. Schafft der Computer das nicht rechtzeitig, können Knackser, Dropouts oder Aussetzer entstehen. Damit kommen wir zu einem entscheidenden Begriff.

Buffer und Latenz

Das Audiointerface und die DAW verarbeiten Audiodaten normalerweise in kleinen Datenblöcken – den Buffern. Ein kleiner Buffer reduziert die Latenz. Das ist beim Einspielen und Aufnehmen angenehm. Allerdings muss der Computer häufiger neue Daten berechnen. Ein großer Buffer gibt der CPU mehr Zeit. Das erhöht die Systemstabilität bei komplexen Mixes, gleichzeitig steigt jedoch die Latenz.

Vereinfacht:

KLEINER BUFFER

  • geringe Latenz
  • höhere Echtzeitanforderung

GROSSER BUFFER

  • höhere Latenz
  • mehr Zeit für die CPU

Deshalb werden während der Aufnahme häufig kleinere und beim Mixing größere Buffer verwendet.

Samplingrate und Bittiefe

Auch grundlegende Audioeinstellungen werden innerhalb beziehungsweise im Zusammenspiel von DAW und Audiointerface verwaltet.

Typische Samplingraten sind beispielsweise:

  • 44,1 kHz,
  • 48 kHz,
  • 88,2 kHz,
  • 96 kHz

oder höher.

Bei Aufnahmen ist heute eine Bittiefe von 24 Bit weit verbreitet. Die Samplingrate bestimmt, wie häufig das analoge Signal pro Sekunde abgetastet wird. Die Bittiefe beeinflusst unter anderem den theoretisch darstellbaren Dynamikbereich der Aufnahme. Innerhalb moderner DAWs erfolgt die weitere Signalverarbeitung häufig mit Floating-Point-Berechnungen. Das sollte allerdings nicht mit der Bittiefe einer aufgenommenen Audiodatei verwechselt werden.

Editing – aus Aufnahmen wird eine Produktion

Nach der Aufnahme beginnt häufig die eigentliche Detailarbeit. DAWs bieten umfangreiche Editing-Funktionen. Aufnahmen können geschnitten und zusammengesetzt werden. Mehrere Takes können zu einem optimalen Take kombiniert werden – das sogenannte Comping. Timing kann korrigiert werden. Tonhöhen können angepasst werden. Störgeräusche können entfernt oder reduziert werden.

Fades verhindern Knackser an Schnittstellen. Time-Stretching verändert die Länge einer Aufnahme. Je nach DAW stehen dafür unterschiedlich umfangreiche Werkzeuge zur Verfügung. Damit ist eine DAW längst nicht mehr nur ein digitales Aufnahmegerät. Sie ist gleichzeitig ein leistungsfähiger Audioeditor.

Vom ersten Ton zum fertigen Song

Ein typischer Produktionsablauf innerhalb einer DAW könnte folgendermaßen aussehen:

1. RECORDING Audio und MIDI werden aufgenommen.

2. EDITING Aufnahmen werden geschnitten, korrigiert und organisiert.

3. ARRANGEMENT Die musikalische Struktur entsteht.

4. SOUND DESIGN Instrumente und Klänge werden gestaltet.

5. MIXING Lautstärke, Frequenzen, Dynamik, Raum und Stereoabbildung werden bearbeitet.

6. AUTOMATION Die Mischung erhält Bewegung.

7. MASTERING Der fertige Mix wird für die Veröffentlichung vorbereitet.

8. EXPORT / BOUNCE Die Produktion wird als Audiodatei ausgegeben.

Nicht jede Produktion folgt exakt diesem Ablauf. Viele Arbeitsschritte überschneiden sich. Gerade moderne DAWs ermöglichen es, gleichzeitig zu komponieren, aufzunehmen, zu arrangieren und zu mischen.

Export, Bounce und Rendering

Am Ende muss aus den zahlreichen Spuren wieder eine fertige Datei entstehen. Diesen Vorgang bezeichnet man je nach DAW unter anderem als Export, Bounce oder Render.

Aus etwa 80 Audiospuren, 25 virtuellen Instrumenten, 120 Plugins, zahlreichen Effektwegen und Hunderten Automationsdaten entsteht schließlich: FINAL_MIX.wav. Professor Pegel schaut auf die Datei. 87 Megabyte. Das Projektverzeichnis daneben: 46 Gigabyte. „Effizienz.

Sind alle DAWs gleich?

Nein. Die grundlegenden Aufgaben ähneln sich, aber DAWs unterscheiden sich teilweise erheblich in ihrem Workflow. Einige Programme orientieren sich stark am klassischen Tonstudio. Andere wurden stärker für elektronische Musik, Loop-basierte Produktion oder Live-Performance entwickelt. Manche besitzen besonders umfangreiche MIDI- und Notationsfunktionen.

Andere konzentrieren sich auf Recording, Editing oder Postproduktion. Deshalb gibt es nicht zwangsläufig die beste DAW. Entscheidender ist: Welche DAW passt zum eigenen Arbeitsablauf?

Cubase

Cubase gehört zu den traditionsreichsten DAWs und wurde erstmals 1989 von Steinberg veröffentlicht.Die Software entwickelte sich vom MIDI-Sequencer zu einer umfassenden Produktionsumgebung für Audio, MIDI, virtuelle Instrumente, Mixing und zahlreiche weitere Aufgaben. Besonders eng mit Cubase verbunden ist die Entwicklung der VST-Technologie.

Steinberg - Cubase Pro 15
Steinberg – Cubase Pro 15 – Testbericht

Heute deckt Cubase praktisch den gesamten Produktionsprozess von Komposition und Recording bis Mixing und Mastering ab. Für Produzenten mit umfangreicher MIDI-Arbeit, virtuellen Instrumenten und komplexen Arrangements bietet die Software ein sehr breites Werkzeugangebot.

Logic Pro

Logic Pro ist Apples umfangreiche Produktionsumgebung und ausschließlich innerhalb des Apple-Ökosystems verfügbar. Die DAW verbindet Audioaufnahme, MIDI-Sequencing, Mixing, virtuelle Instrumente, Effekte und umfangreiche kreative Werkzeuge. Ein großer Vorteil liegt in der engen Verzahnung von Software und Apple-Hardware. Logic bringt zudem bereits ab Werk eine umfangreiche Sammlung von Instrumenten, Effekten und Sounds mit.

DAW Beispiel Apple Logic Pro
Beispiel Apple Logic Pro

Pro Tools

Pro Tools von Avid ist besonders stark mit professionellen Recording-, Mixing- und Postproduktionsumgebungen verbunden. Große Studios, Filmton, Fernsehen und umfangreiche Recording-Projekte gehören traditionell zu seinen wichtigen Einsatzgebieten. Die Software besitzt einen stark am klassischen Studioworkflow orientierten Ansatz und bietet umfangreiche Editing-, Routing- und Mixing-Möglichkeiten.

Der Begriff „Industriestandard“ wird im Zusammenhang mit Pro Tools häufig verwendet. Treffender ist allerdings die Aussage, dass Pro Tools in vielen professionellen Produktions- und Postproduktionsumgebungen stark etabliert ist. Andere DAWs werden ebenso professionell eingesetzt.

Ableton Live

Ableton Live verfolgt ein teilweise anderes Konzept. Neben einer klassischen Arrangement-Ansicht besitzt Live seine charakteristische Session View. Clips und musikalische Ideen können dort flexibel gestartet, kombiniert und verändert werden. Das macht Live besonders interessant für elektronische Musik, improvisationsorientierte Produktionsweisen und Live-Performance. Gleichzeitig ist Ableton Live längst eine vollständige Produktionsumgebung für Recording, Arrangement, Sounddesign und Mixing.

Mixcraft

Mixcraft von Acoustica verfolgt einen vergleichsweise direkten und zugänglichen Produktionsansatz. Audio- und MIDI-Aufnahme, virtuelle Instrumente, Effekte, Loop-basierte Produktion, Mixing und weitere Funktionen sind in einer klassischen DAW-Oberfläche zusammengefasst.

ACOUSTICA MIXCRAFT 10.6 HOME STUDIO
ACOUSTICA MIXCRAFT 10.6 HOME STUDIO

Gerade der relativ schnelle Einstieg macht Mixcraft für Anwender interessant, die eine umfangreiche Produktionsumgebung suchen, ohne sich zunächst durch besonders komplexe Bedienkonzepte arbeiten zu wollen.

Und es gibt noch viel mehr

Die fünf genannten Programme stellen nur einen kleinen Ausschnitt dar. Zur heutigen DAW-Landschaft gehören außerdem Programme wie Studio One, REAPER, FL Studio, Bitwig Studio, Digital Performer, Reason, Samplitude, LUNA, Waveform und weitere Systeme.

DAW gratis UAD LUNA
DAW gratis UAD LUNA

Hinzu kommen kostenlose beziehungsweise eingeschränkt kostenlose Produktionsumgebungen und spezialisierte Anwendungen. Die Unterschiede sind teilweise groß. Das Grundprinzip bleibt jedoch gleich: Eine DAW organisiert den gesamten digitalen Produktionsprozess.

Welche DAW ist die beste?

Diese Frage gehört vermutlich zu den zuverlässigsten Methoden, einen friedlichen Musiker-Stammtisch innerhalb von fünf Minuten in ein Schlachtfeld zu verwandeln. Cubase-Anwender schwören auf Cubase. Logic-Nutzer auf Logic. Ableton-Anwender fragen sich inzwischen, warum alle anderen noch so viele Fenster brauchen. REAPER-Anwender haben währenddessen bereits ein Script geschrieben, das die Diskussion automatisiert.

Die Realität ist wesentlich unspektakulärer: Mit praktisch jeder modernen professionellen DAW lässt sich hervorragend Musik produzieren. Entscheidender sind Workflow, Erfahrung und persönliche Anforderungen. Wer hauptsächlich Bands aufnimmt, setzt möglicherweise andere Prioritäten als ein Produzent elektronischer Musik.

Ein Filmkomponist benötigt andere Funktionen als ein Singer-Songwriter. Ein Live-Performer arbeitet anders als ein Mastering-Engineer. Die beste DAW ist deshalb meistens diejenige, mit der sich eine musikalische Idee am schnellsten und zuverlässigsten in Klang verwandeln lässt.

Die DAW als Musikinstrument

Moderne DAWs sind längst mehr als digitale Tonbandmaschinen. Für viele Produzenten sind sie selbst zu einem Musikinstrument geworden. Samples werden geschnitten. Beats programmiert. Automation wird eingezeichnet. Audio wird gedehnt, umgedreht und granuliert. Synthesizer werden moduliert.

Aus einzelnen Geräuschen entstehen komplette Arrangements. Damit verändert sich auch die Rolle des Computers. Er zeichnet Musik nicht nur auf. Er wird Teil des kreativen Prozesses.

Professor Pegels Fazit

Eine Digital Audio Workstation ist das zentrale Werkzeug moderner Musikproduktion.

Sie verbindet:

  • RECORDING
  • MIDI
  • EDITING
  • ARRANGEMENT
  • VIRTUELLE INSTRUMENTE
  • PLUGINS
  • MIXING
  • ROUTING
  • AUTOMATION
  • MASTERING
  • EXPORT

in einer gemeinsamen Produktionsumgebung. Was früher auf Bandmaschine, Mischpult, MIDI-Sequencer, Effektgeräte, Synthesizer und verschiedene weitere Systeme verteilt war, befindet sich heute größtenteils innerhalb eines Computers. Doch die Technik ist nur das Werkzeug. Eine DAW komponiert nicht automatisch einen guten Song.

Sie macht aus einer schlechten Aufnahme nicht automatisch eine gute. Und 200 Spuren bedeuten nicht automatisch ein besseres Arrangement. Professor Pegel blickt auf sein Projekt. 86 Spuren. Er drückt auf Solo. Am Ende bleiben Piano, Bass, Schlagzeug und Gesang übrig. Er überlegt kurz. „Interessant.“ Dann löscht er 42 Spuren.

Die DAW stellt nahezu unbegrenzte Möglichkeiten bereit. Die eigentliche Kunst besteht darin, zu wissen, welche davon man gerade nicht braucht.

Weitere Informationen zum Thema DAW: https://de.wikipedia.org/wiki/Digital_Audio_Workstation

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