Ample Sound hat seine kostenlose virtuelle Akustikgitarre Ample Guitar M Lite umfassend modernisiert. Das Instrument basiert auf dem Klang einer Martin D-41 und soll Produzenten eine realistisch spielbare Steel-String-Akustikgitarre für die DAW zur Verfügung stellen. Mit der aktuellen Fassung erhält die Freeware zahlreiche Funktionen der neuen Ample-Guitar-Generation, darunter den überarbeiteten Riffer 4, ein neues System für Akkorde und Anschlagmuster, einen erweiterten Strummer sowie die Unterstützung aktueller Guitar-Pro-Dateien.
Die Ample Guitar M Lite gehört bereits seit vielen Jahren zu den bekanntesten kostenlosen Gitarren-Plug-ins. Während frühere Versionen vor allem durch ihre vergleichsweise natürliche Sample-Bibliothek überzeugten, rückt Ample Sound nun auch die Programmierung realistischer Spielweisen stärker in den Mittelpunkt. Die beiden aktuellen Demonstrationsvideos des Herstellers zeigen die neue Bedienoberfläche, den Riffer 4, den Strummer sowie verschiedene Möglichkeiten zur Bearbeitung und Wiedergabe kompletter Gitarrenarrangements.
Der Klang einer Martin D-41 als kostenloses Instrument
Als klangliche Grundlage dient eine gesampelte Martin D-41, deren charakteristischer Steel-String-Sound sich für zahlreiche Musikrichtungen eignet. Die Lite-Version enthält eine Fingerstyle-Bibliothek mit einem Umfang von rund 877 MB und arbeitet mit Samples in 16 Bit. Im Unterschied zur kostenpflichtigen Vollversion werden die Samples nach Tonhöhe organisiert. Dadurch kann dasselbe Sample bei unterschiedlichen Positionen auf dem virtuellen Griffbrett verwendet werden.
Trotz dieser Reduzierung bietet die kostenlose Version mehrere wichtige Artikulationen. Dazu gehören Sustain, Hammer-on und Pull-off, Legato Slide, Palm Mute und Pop. Diese Spielweisen können innerhalb eines Arrangements gezielt eingesetzt werden, um starre MIDI-Noten in eine glaubwürdigere Gitarrenperformance zu verwandeln.
Hinzu kommen polyfones Legato und ein überarbeiteter Slide-Algorithmus. Dadurch sollen sich gebundene Tonfolgen auch über größere Intervalle und bei unterschiedlichen Spielgeschwindigkeiten natürlicher wiedergeben lassen. Eine Drop-Stimmung bis hinunter zum Ton D1 wird ebenfalls unterstützt.
Für zusätzliche Authentizität sorgen Griff- und Bewegungsgeräusche der linken Hand. Auch die akustische Resonanz des Instruments kann reguliert werden. Gerade diese kleinen Nebengeräusche können entscheidend dazu beitragen, dass eine programmierte Gitarrenspur weniger steril wirkt.
Riffer 4 als Zentrum der neuen Version
Eine der wichtigsten Neuerungen ist der Riffer 4. Dabei handelt es sich um einen MIDI-Editor, der speziell für gezupfte und angeschlagene Saiteninstrumente entwickelt wurde. Im Gegensatz zu einer gewöhnlichen Piano Roll berücksichtigt der Editor den Aufbau einer Gitarre mit sechs Saiten, unterschiedlichen Griffpositionen und instrumententypischen Spieltechniken.
Der Riffer lässt sich wahlweise als klassische Pianoroll oder als Gitarrentabulatur anzeigen. Zwischen beiden Ansichten kann während der Bearbeitung gewechselt werden. Dadurch lässt sich ein Arrangement sowohl aus der Perspektive eines Keyboarders als auch aus der Sicht eines Gitarristen kontrollieren.
Innerhalb der Piano-Roll-Ansicht werden zusätzlich die verwendeten Gitarrensaiten dargestellt. Das System verhindert, dass mehrere Noten gleichzeitig auf derselben Saite gespielt werden, sofern dies auf einer echten Gitarre nicht möglich wäre. Gleichzeitig versucht die Software, geeignete Griffpositionen automatisch zuzuweisen. Das Ergebnis soll näher an einer real spielbaren Gitarrenperformance liegen als eine gewöhnliche, ausschließlich nach Tonhöhe programmierte MIDI-Spur.
Noten, Artikulationen, Legato-Verbindungen, Anschlagsstärken und weitere Ausdrucksparameter können direkt im Riffer bearbeitet werden. Dadurch sind weniger Keyswitches und komplizierte MIDI-Controller-Zuweisungen erforderlich.
Die Lite-Version bietet grundsätzlich den vollständigen Bearbeitungsablauf des Riffer 4. Gegenüber der kostenpflichtigen Ample Guitar M ist allerdings die enthaltene Preset-Bibliothek reduziert. Außerdem können Arrangements maximal 64 Takte umfassen.
Neues System für Akkorde und Anschlagbewegungen
Ein weiterer Schwerpunkt ist das überarbeitete Strumming- und Akkordsystem. Die sogenannte Strum Note behandelt die einzelnen Töne eines Akkords als zusammengehöriges Objekt. Dadurch muss nicht jede Saite separat verschoben und bearbeitet werden.
Innerhalb eines solchen Akkordobjekts lassen sich unter anderem die Dauer des Anschlags, der Verlauf der Anschlagsstärke sowie Legato-Parameter gemeinsam verändern. Auf diese Weise können Auf- und Abschläge, langsame Akkordbewegungen oder schnelle rhythmische Anschläge deutlich komfortabler erstellt werden.
Trotz der gemeinsamen Darstellung bleiben die einzelnen Noten des Akkords intern erhalten. Die Software kann daher weiterhin berücksichtigen, auf welchen Saiten und Griffpositionen die Töne gespielt werden. Dies verbindet die übersichtliche Bearbeitung kompletter Akkorde mit der Griffbrettlogik einer echten Gitarre.
MIDI-Import und Export
Riffer 4 unterstützt den Import und Export gewöhnlicher MIDI-Dateien. Ein im Riffer erstelltes Arrangement kann auf eine MIDI- oder Instrumentenspur der verwendeten DAW übertragen werden. Laut Ample Sound soll die Wiedergabe dabei identisch bleiben, unabhängig davon, ob die Sequenz direkt im Riffer oder über die DAW abgespielt wird.
Für die Bearbeitung von Dynamik und Ausdruck stehen mehrere MIDI-CC- und Velocity-Editoren zur Verfügung. Verschiedene Controller-Spuren lassen sich gleichzeitig anzeigen und anhand unterschiedlicher Darstellungen voneinander unterscheiden. Vorgefertigte Kurven erleichtern das Erstellen von Automationen und dynamischen Verläufen.
Die umfangreiche Riff-Bibliothek der Vollversion ist in Ample Guitar M Lite nur eingeschränkt enthalten. Dennoch stehen verschiedene Ausgangspunkte für eigene Begleitungen und Gitarrenfiguren zur Verfügung.
Strummer für rhythmische Begleitungen
Neben dem Riffer besitzt Ample Guitar M Lite einen eigenen Strummer. Dieser Bereich ist für die schnelle Erstellung rhythmischer Akkordbegleitungen gedacht.
Akkorde können entweder aus einer vorbereiteten Auswahl gewählt oder automatisch anhand eingehender MIDI-Noten erkannt werden. Auch eigene Akkordformen können definiert werden. Das ist besonders bei ungewöhnlichen Voicings, offenen Saiten oder erweiterten Akkorden hilfreich.
Mit dem Strum-Sequenzer können Anschläge in frei definierbaren Rhythmen und Geschwindigkeiten programmiert werden. Eine integrierte Rhythmusbibliothek liefert verschiedene Ausgangsmuster, die per MIDI-Drag-and-drop in die DAW übertragen und dort weiterbearbeitet werden können.
Damit eignet sich der Strummer beispielsweise für Pop-, Folk-, Country-, Rock- oder Singer-Songwriter-Produktionen, bei denen schnell eine glaubwürdige akustische Akkordbegleitung benötigt wird.
Tab Reader 4 unterstützt Guitar Pro
Auch der integrierte Tab Reader wurde auf die vierte Generation aktualisiert. Er unterstützt Dateien von Guitar Pro 3 bis Guitar Pro 8. Entsprechende Gitarrenspuren können importiert und anschließend innerhalb des Riffer 4 bearbeitet werden.
Beim Import sollen Griffpositionen, Artikulationen und weitere Performance-Daten erhalten bleiben. Dadurch können vorhandene Guitar-Pro-Arrangements als Ausgangspunkt genutzt werden, ohne die komplette Gitarrenspur von Hand neu programmieren zu müssen.
Ample Sound weist allerdings darauf hin, dass Dateien, die mit inoffizieller Drittanbieter-Software im Guitar-Pro-Format erstellt wurden, möglicherweise nicht unterstützt werden.
Integrierte Effekte für die Klangbearbeitung
Ample Guitar M Lite enthält außerdem eine interne Effektsektion. Zur Verfügung stehen ein 8-Band-Equalizer, ein Kompressor, ein Delay sowie ein Faltungshall. Mit dem Equalizer kann der Klang beispielsweise im Bassbereich aufgeräumt oder in den oberen Mitten stärker hervorgehoben werden. Der Kompressor dient zur Kontrolle der Dynamik, während Delay und Faltungshall räumliche Tiefe erzeugen können.
Damit lässt sich die virtuelle Akustikgitarre bereits innerhalb des Plug-ins an ein Arrangement anpassen. Für eine detaillierte Mischung können selbstverständlich weiterhin die Effekte der verwendeten DAW eingesetzt werden.
Unterschiede zur kostenpflichtigen Ample Guitar M
Ample Guitar M Lite ist keine vollständig identische Gratisversion der kostenpflichtigen Ample Guitar M. Die Vollversion besitzt eine deutlich größere Sample-Bibliothek mit 7,8 GB und 24-Bit-Samples. Sie umfasst Fingerstyle-, Strum- und Pick-Spielweisen und sampelt jede Saite an jeder Bundposition separat.
Die Lite-Version verwendet dagegen eine 877 MB große 16-Bit-Bibliothek mit Fingerstyle-Samples. Samples werden nach Tonhöhe geteilt, sodass derselbe Klang auf mehreren Saitenpositionen verwendet werden kann.
Auch bei den Artikulationen ist die Vollversion umfangreicher. Neben den in der Lite-Ausgabe enthaltenen Spielweisen bietet sie zusätzliche Techniken wie Slide-in und Slide-out, Natural Harmonics und Slide Guitar. Der Riffer ist in beiden Versionen grundsätzlich verwendbar, bei der kostenlosen Variante sind jedoch die mitgelieferte Inhaltsbibliothek und die maximale Länge eines Arrangements eingeschränkt.
Formate und Systemvoraussetzungen
Ample Guitar M Lite läuft unter Windows 7 bis Windows 11 in 64 Bit sowie unter macOS 10.15 oder neuer. Das Instrument kann als VST2-, VST3-, AU- und AAX-Plug-in verwendet werden. Zusätzlich steht eine eigenständige Standalone-Version zur Verfügung.
Als Prozessor nennt Ample Sound mindestens einen Intel Core i5 oder eine vergleichbare CPU. Für die Installation und die Sample-Bibliothek empfiehlt sich eine SSD.
Kostenlose Akustikgitarre mit erstaunlichem Funktionsumfang
Mit der aktuellen Generation entwickelt sich Ample Guitar M Lite von einer einfachen kostenlosen Sample-Gitarre zu einem umfangreichen Produktionswerkzeug. Besonders der Riffer 4, die kombinierte Piano-Roll- und Tabulaturansicht sowie das neue Akkord- und Strumming-System erweitern die Möglichkeiten deutlich.
Natürlich bleiben gegenüber der kostenpflichtigen Ample Guitar M Einschränkungen bei Sample-Auflösung, Spielweisen, Artikulationen und Preset-Umfang bestehen. Dennoch bietet die kostenlose Version zahlreiche Funktionen, die sonst häufig kommerziellen Gitarreninstrumenten vorbehalten sind.
Für Produzenten, die gelegentlich eine akustische Gitarre benötigen, eigene Gitarrenarrangements programmieren oder zunächst den Workflow von Ample Sound kennenlernen möchten, dürfte Ample Guitar M Lite daher eine interessante kostenlose Lösung darstellen.
Die wichtigsten Funktionen im Überblick
- kostenloses virtuelles Instrument auf Basis einer Martin D-41
- Fingerstyle-Sample-Bibliothek mit 877 MB
- fünf Artikulationen
- polyphones Legato und überarbeitete Slides
- Drop-Tuning bis D1
- regelbare Korpusresonanz und Griffgeräusche
- Riffer 4 mit Piano-Roll- und Tabulaturansicht
- neues Akkord- und Strumming-System
- automatische Zuordnung von Saiten und Griffpositionen
- Strummer mit Rhythmusbibliothek und MIDI-Drag-and-drop
- Import von Guitar-Pro-3- bis Guitar-Pro-8-Dateien
- integrierter Equalizer, Kompressor, Delay und Faltungshall
- VST2, VST3, AU, AAX und Standalone
Preis und Verfügbarkeit
Ample Guitar M Lite wird von Ample Sound kostenlos angeboten. Das Instrument steht für Windows und macOS zur Verfügung und kann über die Website des Herstellers heruntergeladen werden.
Hier ist der Link: https://www.amplesound.net/en/pro-pd.asp?id=7

Es ist anzumerken, dass bei Amplesound auch ein kostenloses Bass-Plugin sowie ein kostenfreies Perkussion-Plugin angeboten wird. Ich erachte das für mehr als großzügig, und vergebe daher unseren heiß begehrten BuenasIdeas-Tipp!
Passend zum Thema








