AQ Piano Pro: The Crow Hill Company veröffentlicht Piano für intime Produktionen

Mit „AQ Piano Pro“ erweitert The Crow Hill Company seine virtuelle Instrumentenreihe um ein außergewöhnliches Piano-Plugin, das sich bewusst von klassischen Konzertflügel-Samples und typischen Felt-Pianos absetzt. Das neue Instrument trägt offiziell den Namen „ABSURDLY QUIET PIANO PRO“ und verfolgt ein ungewöhnliches Konzept: Ein Konzertflügel wurde an der absoluten Grenze des physikalisch Sinnvollen spielbar aufgenommen – so leise, dass die Aufnahmen laut Entwicklerangaben kaum noch mit einer Live-Performance reproduzierbar wären.

The Crow Hill Company - Absolute Quiet Piano Pro
The Crow Hill Company – Absolute Quiet Piano Pro

Damit knüpft The Crow Hill Company an den Erfolg des zuvor veröffentlichten kostenlosen „VAULTS – ABSURDLY QUIET PIANO“ an, das bereits aufgrund seines intimen Klangcharakters viel Aufmerksamkeit erhielt. Die neue Pro-Version geht allerdings deutlich weiter und richtet sich klar an professionelle Musikproduktionen, Filmkompositionen und moderne Ambient-, Neo-Klassik- oder Cinematic-Arrangements.

Zwischen Felt-Piano und klassischem Konzertflügel

Der Markt für Piano-Libraries ist mittlerweile riesig. Besonders in den vergangenen Jahren dominierten Felt-Pianos und weich klingende LoFi-Instrumente zahlreiche Produktionen aus den Bereichen Film-Score, Ambient und moderner Popmusik. Viele dieser Instrumente erzeugen ihren charakteristischen Klang allerdings durch Filzauflagen oder spezielle Pedaltechniken, die den eigentlichen Klang des Pianos bewusst abdämpfen.

Genau an diesem Punkt setzt AQ Piano Pro an. Laut Christian Henson, Gründer von The Crow Hill Company und bekannter Media Composer, sollte das Instrument ausdrücklich nicht den typischen „Thonk“-Charakter vieler Felt-Pianos besitzen. Stattdessen ging es darum, die natürliche Resonanz eines modernen Konzertflügels zu erhalten, selbst wenn dieser nahezu lautlos gespielt wird.

Das Resultat ist ein Klangbild, das gleichzeitig weich, detailreich und erstaunlich offen wirkt. Die Hammeranschläge bleiben hörbar, ohne aggressiv zu erscheinen, während Resonanzen und Obertöne weiterhin erhalten bleiben. Gerade diese Mischung aus Nähe, Wärme und mechanischer Präsenz dürfte für viele Produzenten interessant sein, die intime Piano-Texturen suchen, ohne auf die Offenheit eines echten Konzertflügels verzichten zu müssen.

Aufnahmen unter extremen Bedingungen

Für die Produktion von AQ Piano Pro wurden die Aufnahmen in den renommierten Castlesound Studios nahe Edinburgh durchgeführt. Dort entstand das Instrument mit besonders rauscharmen Mikrofonvorverstärkern und hochwertigen Mikrofonen. Dennoch entwickelte sich die Produktion laut Christian Henson zu einer regelrechten Herausforderung.

Das Problem lag auf der Hand: Wenn ein Piano derart leise gespielt wird, bewegt sich das Nutzsignal extrem nah am Grundrauschen der Aufnahmeumgebung. Selbst kleinste Bewegungen im Raum konnten die Aufnahme beeinflussen. Zusätzlich führte die notwendige Rauschunterdrückung zunächst dazu, dass feine harmonische Details verloren gingen.

Die Lösung bestand letztlich in intensiver Nachbearbeitung. Laut Henson wurden über 2000 einzelne Samples manuell bearbeitet, um harmonische Inhalte aus dem Rauschanteil herauszuarbeiten. Dieser enorme Aufwand erklärt auch, warum sich AQ Piano Pro deutlich von seinem experimentellen Vorgänger unterscheidet.

Interessant ist zudem die Wahl des verwendeten Instruments. Zum Einsatz kam ein moderner Estonia-Flügel, dessen Mechanik und Resonanzverhalten laut Entwickler besonders gut auf extrem leises Spiel reagierten. Gerade bei minimalem Anschlag soll der Flügel noch erstaunlich viel Wärme und Resonanz entwickelt haben.

The Crow Hill Company - Absolute Quiet Piano Vaults
The Crow Hill Company – Absolute Quiet Piano Vaults

Deutlich umfangreicher als die ursprüngliche Version

Während das ursprüngliche „VAULTS – ABSURDLY QUIET PIANO“ eher als experimentelles Forschungsprojekt betrachtet wurde, präsentiert sich AQ Piano Pro als vollwertiges Produktionsinstrument mit deutlich erweitertem Funktionsumfang.

Zu den wichtigsten technischen Erweiterungen zählen:

  • mehrere Dynamikstufen
  • Round-Robin-Samples
  • Pedal-Up- und Pedal-Down-Resonanzen
  • Release-Trigger
  • separate Mikrofonpositionen
  • zusätzliche Mechanik-Samples

Dadurch entsteht ein wesentlich lebendigeres Spielgefühl als beim ursprünglichen Release. Besonders die Kombination aus Resonanzen, Hammergeräuschen und Release-Samples trägt erheblich zur Authentizität des Instruments bei.

Fokus auf mechanische Details und Mikrofonierung

Ein zentrales Merkmal von AQ Piano Pro ist die detaillierte Steuerung verschiedener Klanganteile. Laut Christian Henson werden pro gespielter Note mehrere separate Samples ausgelöst, darunter unterschiedliche Mikrofonpositionen und eigenständige Release-Samples.

Besonders interessant ist dabei die Mikrofonierung. Einerseits wurde klassisch der Resonanzboden aufgenommen, andererseits gezielt die Hammermechanik des Instruments mikrofoniert. Dadurch lässt sich der Anteil mechanischer Geräusche gezielt mischen.

Über den „HAMMERS“-Regler kann etwa der Anschlag der Hammermechanik stärker hervorgehoben werden. Hinzu kommen separate Steuerungen für Release-Trigger und Pedalgeräusche. Gerade in minimalistischen Arrangements können diese Details entscheidend sein, da sie dem Instrument eine fast greifbare physische Präsenz verleihen.

Kreative Klangbearbeitung direkt integriert

AQ Piano Pro bietet darüber hinaus mehrere integrierte Effekt-Makros. Diese kombinieren unterschiedliche Klangbearbeitungen und sollen schnelle Soundanpassungen ermöglichen, ohne dass externe Plug-ins benötigt werden.

Zu den integrierten Effektmodi gehören unter anderem:

  • KNACKERED TAPE
  • SMASH
  • SPLOSH
  • SPARKLES

Zusätzlich verfügt das Instrument über ein kombiniertes LPF-/HPF-Filterkonzept, das den Klang entweder deutlich dunkler oder heller färben kann. Laut Beschreibung bleibt die Neutralstellung exakt in der Mitte des Reglers erhalten. Gerade diese Mischung aus natürlicher Detailtiefe und direkter Klangmanipulation dürfte das Instrument für Sounddesigner und Filmkomponisten interessant machen.

Intimer Klang statt bombastischer Konzertflügel

AQ Piano Pro verfolgt bewusst keinen klassischen Konzertflügel-Ansatz. Stattdessen steht die intime Wahrnehmung des Instruments im Mittelpunkt. Die Samples wirken extrem nah aufgenommen, beinahe so, als säße man direkt neben der Mechanik des Flügels.

Damit eignet sich das Plug-in vor allem für:

  • Ambient
  • Neo-Klassik
  • Filmmusik
  • Minimal Piano
  • Cinematic Soundtracks
  • ruhige Pop-Produktionen
  • Sounddesign

Besonders im Bereich moderner Filmmusik dürfte AQ Piano Pro auf Interesse stoßen. Viele aktuelle Scores setzen zunehmend auf fragile, intime Instrumentierungen statt auf große orchestrale Klangwände. Ein extrem leise gesampeltes Piano passt exakt in diesen Trend.

The Crow Hill Company - Absolute Quiet Piano Pro
The Crow Hill Company – Absolute Quiet Piano Pro

Technische Daten und Kompatibilität

AQ Piano Pro wird als Sample-Instrument für macOS und Windows angeboten. Unterstützt werden laut Hersteller folgende Formate:

Kompatibel ist die Software mit macOS 11 bis 15 sowie Windows 10 und 11. Sowohl Apple Silicon als auch Intel-Systeme werden unterstützt. Der Preis liegt bei 35,– Euro oder 29,– britischen Pfund. Für Installation und Aktivierung wird zusätzlich die kostenlose Crow Hill App benötigt, die Download, Organisation und Lizenzverwaltung übernimmt.

AQ Piano Pro als Gegenentwurf zum typischen Felt-Sound

Interessant an AQ Piano Pro ist vor allem die Philosophie hinter dem Instrument. Während viele moderne Piano-Libraries versuchen, durch zusätzliche Dämpfung oder starke Klangbearbeitung eine intime Atmosphäre zu erzeugen, verfolgt The Crow Hill Company einen anderen Ansatz: maximale Natürlichkeit trotz minimaler Lautstärke.

Das Ergebnis klingt weniger künstlich gedämpft als viele Felt-Pianos und erhält stattdessen die harmonische Offenheit eines echten Konzertflügels. Gleichzeitig bleibt der Klang weich genug für moderne Ambient- und Cinematic-Produktionen. Gerade Produzenten, die vom mittlerweile oft gehörten Felt-Sound etwas satt sind, könnten hier eine interessante Alternative finden.

Mit AQ Piano Pro veröffentlicht The Crow Hill Company ein ungewöhnliches Piano-Instrument, das sich bewusst abseits klassischer Piano-Libraries positioniert. Statt spektakulärer Konzertflügel-Dynamik oder aggressiver LoFi-Färbung setzt das Plug-in auf extreme Intimität, mechanische Details und ein nahezu flüsterleises Klangbild.

Der enorme Produktionsaufwand mit tausenden manuell bearbeiteten Samples zeigt, wie ambitioniert das Projekt umgesetzt wurde. Besonders die Kombination aus natürlicher Resonanz, fein hörbarer Mechanik und flexibler Klanggestaltung macht AQ Piano Pro zu einem interessanten Werkzeug für moderne Musikproduktionen.

Vor allem im Bereich Filmkomposition, Ambient und Neo-Klassik- dürfte das Instrument schnell seinen Platz finden – nicht zuletzt, weil es eine Klangästhetik bietet, die sich deutlich von vielen aktuellen Felt-Piano-Libraries unterscheidet.

Hier ist der Link: https://thecrowhillcompany.com/tools/absurdly-quiet-piano-pro/

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Andreas

Musiker und Musikproduzent: Gitarre, Keyboards, Drums und Gesang, Tonstudio, Songwriter, Qualitätsmanager, Hobbyfotograf und Online-Redakteur.