Automator von Boz Digital Labs

Automator ist ein Equalizer-Plugin mit einer sehr praktischen Ergänzung, einer internen Automation. Wer schon einmal versucht hat einen EQ zu automatisieren, weiß, dass das sehr mühsam werden kann, weil ein Node schon mal mindestens drei Eigenschaften hat, Gain, Frequenz und Q-Wert, will man mehrere Nodes so bewegen, dass sie zu einer neuen, anderen EQ-Kurve führen, dann sind das etliche Automationsspuren in der DAW, die nicht einfach einzustellen sind. 

Automator

Deshalb macht man in der Praxis weniger EQ-Automationen, obwohl das in vielen Situationen nützlich sein kann, als Klang-Effekt auf einer Einzelspur, auf dem Mix-Bus oder sogar beim Mastering.  

Automator kommt einem da sehr entgegen, denn man hat 12 Speicherplätze, in denen man den aktuellen Zustand des EQs festhalten kann, was auch globale Parameter für Gain, Pan und Width enthalten kann. Zwischen diesen Zuständen wird mit einer einstellbaren Zeitverzögerung überblendet, zwischen sofort und bis zu fünf Sekunden (es können auch Notenwerte verwendet werden, was von der eingestellten BPM-Zahl abhängt, die dann in Millisekunden übersetzt werden). Hier kann man zwei unterschiedliche Modi wählen, Morph und X-Fade, wobei Morph den klassischen Phaseneffekt bei einer Verschiebung der Frequenz erzeugt und X-Fade einen neutralen Cross-Fade macht. Dabei wird sogar zwischen verschiedenen Filtertypen überblendet. 

Jeder der 12 gespeicherten Gesamt-Zustände wird durch eine Stufe mit einem 9% Abstand zur nächsten in der State-Automationsspur in der DAW repräsentiert, die Automator seinerseits automatisiert (0% ist State 1 und 100% ist State 12). Wird der jeweilige Wert überschritten, wirkt das als Trigger für den nächsten Übergang nach oben oder unten in der Reihenfolge der Speicherplätze. Die komplexen Zustände des gesamten EQs können also mit einer einzigen Automationsspur gesteuert werden, statt im Extremfall mit Dutzenden.

Der Equalizer an sich ist kein High-End EQ mit exotischen Filtertypen, einstellbarer Sättigung per Node oder linearem Modus. Aber die 7 Bänder sind für praktisch fast alle Aufgaben im Mix mit den Basis-Features ausgestattet. Man wird selten einen anderen EQ brauchen, um sehr chirurgische Eingriffe zu machen oder um dynamische Bänder zu haben. 

Insgesamt ist das eine der seltenen Neuerscheinungen, bei denen man sich fragt, warum eigentlich sonst niemand bisher auf diese ungemein praktische Idee kam. Automator ist auf jeden Fall eine bedeutende Arbeitserleichterung im Mix und ermöglicht kreative Gestaltungsmöglichkeiten mit dem EQ, die man ansonsten dann doch nicht so umfangreich automatisieren würde oder gleich sein lässt, weil es einfach zu aufwändig erscheint. 
Es hat jedenfalls etwas magisches, wie sich nun völlig verschiedene, komplexe EQ-Kurven einfach nahtlos ineinander-verwandeln. 

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Stefan Federspiel

Grafik Designer und an Musikproduktion im Rahmen seiner Multimedia-Projekte interessiert.