Avantone Pro GTR-100: Gitarrenendstufe mit 245 Watt
Mit dem GTR-100 erweitert Avantone Pro sein Sortiment um eine zweikanalige Class-A/B-Endstufe, die speziell für moderne Gitarren-Setups entwickelt wurde. Das 19-Zoll-Gerät richtet sich vor allem an Gitarristen, die ihren Grundsound mit einem Amp-Modeler, einem Pedalboard oder digitalen Effektprozessoren erzeugen und anschließend eine leistungsfähige Endstufe für Gitarrenboxen benötigen.
Der Avantone Pro GTR-100 liefert bis zu 140 Watt pro Kanal und erreicht im gebrückten Mono-Betrieb eine Ausgangsleistung von 245 Watt. Hinzu kommen umschaltbare Instrumenten- und Line-Eingänge, ein 4-Band-Equalizer, eine analoge 4×12-Lautsprechersimulation sowie XLR-Ausgänge zur Weiterleitung des Signals an Mischpult oder Recording-System.
Die Gitarrenendstufe soll Ende 2026 zu einem empfohlenen Verkaufspreis von 699 Euro erhältlich sein.
Endstufe für Amp-Modeler und Pedalboards
Der GTR-100 ist keine klassische Gitarrenverstärker-Komplettlösung mit eigener Vorstufe und mehreren Verstärkerkanälen. Das Gerät übernimmt in erster Linie die Leistungsverstärkung eines bereits geformten Gitarrensignals.

Als Signalquellen kommen Amp-Modeler wie Fractal Audio Axe-Fx oder Neural DSP Quad Cortex, digitale Multieffektgeräte, Preamp-Pedale und umfangreichere Pedalboards infrage. Diese Geräte erzeugen den eigentlichen Verstärkerklang und werden anschließend mit dem GTR-100 verbunden, der das Signal auf die für eine passive Gitarrenbox benötigte Leistung bringt.
Avantone Pro setzt dafür auf eine Transistor-Endstufe in Class?A/B?Schaltung. Im Gegensatz zu einer Röhrenendstufe soll sie den eingespeisten Klang möglichst sauber verstärken und nicht durch zusätzliche Sättigung oder starke Eigenfärbung verändern.
Dieser Ansatz ist besonders bei digitalen Modeling-Systemen sinnvoll. Wenn ein sorgfältig programmierter virtueller Verstärker bereits Röhrenverhalten, Klangregelung, Verzerrung und Dynamik modelliert, soll die nachfolgende Endstufe diesen Sound möglichst unverändert an die Lautsprecher weitergeben.
Ganz ohne Röhrenwartung, Bias-Abgleich und schwere Ausgangsübertrager geht es nebenbei auch etwas entspannter auf Tour. Der Rücken dürfte den Unterschied vermutlich schneller bemerken als das Publikum.
Bis zu 140 Watt pro Kanal
Der Avantone Pro GTR-100 besitzt zwei vollständig nutzbare Verstärkerkanäle. Im Stereobetrieb liefert jeder Kanal 100 Watt an einer Impedanz von acht Ohm beziehungsweise 140 Watt an vier Ohm.
Damit ergeben sich mehrere Leistungskonfigurationen:
- 2 × 100 Watt an 8 Ohm
- 2 × 140 Watt an 4 Ohm
- 245 Watt an 8 Ohm im Bridged-Mono-Modus
Im gebrückten Betrieb arbeiten beide Endstufenkanäle gemeinsam und treiben eine einzelne geeignete Lautsprecherbox an. Dieser Modus stellt die höchste verfügbare Ausgangsleistung bereit, setzt jedoch eine Lastimpedanz von acht Ohm voraus.
Bei der Verbindung mit Lautsprecherboxen müssen Betriebsmodus und Impedanz sorgfältig beachtet werden. Eine ungeeignete Verkabelung oder eine zu geringe Gesamtimpedanz kann Endstufe und Lautsprecher belasten oder beschädigen. Gerade beim Bridged-Betrieb sollte daher ausschließlich die vom Hersteller vorgesehene Anschlusskonfiguration verwendet werden.
Eine höhere Wattangabe bedeutet außerdem nicht automatisch, dass das System im gleichen Verhältnis lauter klingt. Die tatsächlich erreichbare Lautstärke hängt zusätzlich vom Wirkungsgrad der verwendeten Lautsprecher, der Impedanz, dem Gehäuse und der Anzahl der Lautsprecher ab.
Stereo, Dual Mono oder gebrückter Monobetrieb
Die zweikanalige Architektur ermöglicht unterschiedliche Setups. Im klassischen Stereobetrieb kann ein Stereo-Modeler oder Effektgerät beide Kanäle getrennt ansteuern. Räumliche Modulations- und Delay-Effekte lassen sich dadurch über zwei Gitarrenboxen wiedergeben.
Gerade Stereo-Chorus, Ping-Pong-Delay, Reverb und andere räumliche Effekte profitieren von einer solchen Konfiguration. Wie Delay-Zeiten, Feedback und Stereowirkung zusammenhängen, erklärt der Grundlagenartikel Professor Pegel erklärt: Wie funktioniert ein Delay?.
Im Dual-Mono-Betrieb lassen sich die Kanäle unabhängig voneinander nutzen. Dadurch kann der GTR-100 zwei unterschiedliche Mono-Signale verstärken. Denkbar sind zwei Gitarristen, ein Gitarrensignal und ein separates Effekt-Rig oder zwei unterschiedlich konfigurierte Ausgänge eines Modeling-Systems.
Der Bridged-Mono-Modus richtet sich dagegen an Anwendungen, bei denen eine einzelne Box mit möglichst hoher Leistung betrieben werden soll. Hier werden beide Verstärkerkanäle zu einer gemeinsamen Endstufe zusammengefasst.
Umschaltbare Instrumenten- und Line-Eingänge
Eine wichtige Besonderheit des GTR-100 sind die umschaltbaren Eingangsempfindlichkeiten. Jeder Kanal kann an Instrumenten- oder Line-Pegel angepasst werden.
Im Instrumentenmodus beträgt die Eingangsimpedanz laut Hersteller 1 Megaohm. Dadurch können auch Gitarren, Pedale und Pedalboards angeschlossen werden, die einen hochohmigen Eingang erwarten. Die Eingangsempfindlichkeit liegt in diesem Modus bei 0,125 Volt.
Der Line-Modus besitzt eine Eingangsimpedanz von 20 Kiloohm und eine Eingangsempfindlichkeit von 0,775 Volt. Diese Einstellung ist für professionelle Modeler, Rackgeräte, Vorverstärker und andere Signalquellen mit Line-Ausgang vorgesehen.
Die Umschaltung ist technisch wichtiger, als sie zunächst erscheinen mag. Ein passiver Gitarren-Tonabnehmer reagiert anders auf einen Eingang als der symmetrische Line-Ausgang eines digitalen Modelers. Eine ungeeignete Eingangsimpedanz kann Pegel, Frequenzgang und Dynamik des Signals beeinflussen.
Grundlegende Informationen zur Anpassung von Instrumenten- und Line-Signalen bietet der Professor-Pegel-Beitrag zur DI-Box und ihrer Funktion im Studio und auf der Bühne.
Analoge 4×12-Lautsprechersimulation
In jedem Kanal befindet sich eine zuschaltbare analoge Lautsprechersimulation. Sie emuliert den Klang einer mikrofonierten 4×12-Gitarrenbox und wird auf das Signal der XLR-Ausgänge angewendet.
Dadurch kann der Gitarrensound direkt an ein FOH-Mischpult oder ein Recording-System weitergeleitet werden, ohne dass zwingend ein Mikrofon vor der angeschlossenen Gitarrenbox stehen muss.
Eine Gitarrenboxsimulation erfüllt eine wichtige klangliche Aufgabe. Das Signal eines verzerrten Gitarrenverstärkers enthält häufig starke hochfrequente Anteile, die über einen neutralen Fullrange-Lautsprecher unangenehm scharf wirken können. Ein realer Gitarrenlautsprecher begrenzt und formt diesen Frequenzbereich erheblich. Genau dieses Verhalten versucht die integrierte Simulation nachzubilden.
Die analoge 4×12-Emulation des GTR-100 ist allerdings nicht mit einem umfangreichen Impulse-Response-Loader gleichzusetzen. Es stehen keine unterschiedlichen Boxentypen, Mikrofone, Positionen oder Raumanteile zur Auswahl. Dafür benötigt die fest integrierte Schaltung keine zusätzliche Software, keine Presets und keine Ladezeiten.
Wer bereits im angeschlossenen Modeler eine Lautsprechersimulation oder Impulse Response verwendet, sollte prüfen, ob die zusätzliche Simulation des GTR-100 benötigt wird. Zwei gleichzeitig aktive Boxensimulationen können den Klang unnötig stark filtern.
XLR-Ausgänge für FOH und Recording
Die XLR-Ausgänge ermöglichen die direkte Weiterleitung des Gitarrensignals an weitere Geräte. Dadurch kann der GTR-100 gleichzeitig eine reale Gitarrenbox auf der Bühne antreiben und ein separates Signal an das Mischpult senden.
Ebenso ist eine parallele Aufnahme möglich. Das Signal kann beispielsweise an ein Audiointerface oder einen mobilen Recorder geschickt werden, während die Endstufe weiterhin das Bühnensignal verstärkt.
Für Live-Anwendungen ergibt sich daraus ein praktischer Signalweg:
Modeler oder Pedalboard > GTR-100 > Gitarrenbox
Gleichzeitig kann das Signal über den XLR-Ausgang an das FOH-Mischpult oder Recording-System geschickt werden.
Das integrierte Cabinet Modeling reduziert dabei die Abhängigkeit von Mikrofonposition, Bühnenschall und Übersprechen. Der FOH-Techniker erhält ein reproduzierbares Signal, während die reale Box weiterhin für das Spielgefühl und die Bühnenlautstärke zuständig ist.
Das bedeutet jedoch nicht, dass eine analoge Boxensimulation grundsätzlich besser als eine Mikrofonaufnahme klingt. Beide Verfahren besitzen eigene klangliche Eigenschaften. Die Direktausgabe bietet vor allem einen schnellen, kontrollierbaren und wiederholbaren Signalweg.
Integrierter 4-Band-Equalizer
Für jeden Einsatzbereich steht ein zuschaltbarer 4-Band-Equalizer zur Verfügung. Damit kann das Ausgangssignal an die verwendeten Lautsprecher, den Raum oder den persönlichen Geschmack angepasst werden.
Gerade Gitarrenboxen können sich klanglich stark unterscheiden. Ein System wirkt möglicherweise sehr mittig und direkt, während eine andere Box mehr Bass oder aggressivere Höhen liefert. Auch die Aufstellung auf dem Boden, in einer Ecke oder auf einem erhöhten Ständer beeinflusst den wahrgenommenen Klang.
Der Equalizer ermöglicht entsprechende Korrekturen direkt an der Endstufe. So kann ein zu kräftiger Bassbereich reduziert, mehr Präsenz hinzugefügt oder ein insgesamt zu heller Klang entschärft werden.
Der EQ sollte dabei nicht zwangsläufig die Klangregelung des Modelers ersetzen. Vielmehr kann er als letzte Anpassungsstufe für Bühne, Proberaum und angeschlossene Lautsprecher dienen. Die Grundlagen der Frequenzbearbeitung erklärt der ausführliche Artikel Professor Pegel erklärt: Wie funktioniert ein Equalizer?.
14-stufige Pegelanzeigen
Auf der Frontseite befinden sich 14-stufige LED-Anzeigen für Eingangs- und Ausgangspegel. Sie erleichtern die Kontrolle der Verstärkungsstruktur und zeigen, ob das eingespeiste Signal oder die Ausgangsstufe problematische Pegel erreicht.
Das ist besonders bei wechselnden Signalquellen hilfreich. Der Ausgang eines Modelers kann einen erheblich anderen Pegel liefern als ein einzelnes Effektpedal oder ein direkt angeschlossenes Instrument. Mithilfe der Anzeigen lassen sich die unabhängigen Lautstärkeregler beider Kanäle kontrollierter einstellen.
Ein hoher Ausschlag ist dabei nicht automatisch ein Qualitätsmerkmal. Entscheidend ist eine saubere Pegelstruktur, bei der unnötiges Rauschen vermieden wird, ohne die Eingangsstufe oder nachfolgende Geräte zu übersteuern.
Avantone Pro gibt für den GTR-100 einen Signal-Rausch-Abstand von mehr als 101 dB(A) und einen Klirrfaktor von weniger als 0,1 Prozent bei 1 kHz an. Der Frequenzgang reicht laut Datenblatt von 20 Hz bis 20 kHz mit einer Abweichung von ±0,25 dB.
Robustes 1-HE-Gehäuse
Der GTR-100 benötigt im Rack lediglich eine Höheneinheit. Das Metallgehäuse ist 483 Millimeter breit, 44 Millimeter hoch und 386 Millimeter tief. Das Gewicht beträgt 7,7 Kilogramm.
Zwei weit nach vorn reichende Metallgriffe schützen die Regler und Schalter bei Transport und Aufbau. Sollte das Rack an eine Kante stoßen oder das Gerät beim Umbau unsanft abgestellt werden, treffen die Griffe zuerst auf das Hindernis.
Eine Schutzanzeige warnt vor Betriebszuständen, die Endstufe oder angeschlossene Lautsprecher gefährden könnten. Für die Kühlung ist ein nach Herstellerangaben geräuscharmer Lüfter zuständig. Rückseitige Rackschienen sollen außerdem die Kabelführung innerhalb eines fertig verkabelten Touring-Racks vereinfachen.
Mit 7,7 Kilogramm ist die Endstufe zwar kein Leichtgewicht, bleibt aber deutlich kompakter als viele klassische Stereo-Röhrenendstufen. In Verbindung mit einem Modeler, einer Funkstrecke und einer Stromversorgung lässt sich daraus ein vollständiges Gitarren-Rig in einem relativ kleinen Rack zusammenstellen.
Mögliche Setups mit dem GTR-100
Die Ausstattung erlaubt mehrere typische Anwendungsszenarien.
Mono-Rig mit hoher Leistung
Ein Modeler speist den GTR-100, der im Bridged-Modus eine einzelne 8-Ohm-Gitarrenbox mit bis zu 245 Watt antreibt. Das XLR-Signal wird parallel an das Mischpult geschickt.
Stereo-Gitarrenanlage
Die linken und rechten Ausgänge eines Modelers werden mit beiden Endstufenkanälen verbunden. Zwei Gitarrenboxen geben Stereo-Delays, Reverbs und Modulationseffekte räumlich wieder.
Zwei unabhängige Gitarristen
Jeder Musiker verwendet einen eigenen Kanal. Dadurch kann eine einzelne GTR-100-Endstufe zwei getrennte Mono-Setups innerhalb eines gemeinsamen Racks versorgen.
Pedalboard ohne separaten Modeler
Ein Pedalboard oder Preamp-Pedal wird im Instrumentenmodus angeschlossen. Die interne Lautsprechersimulation stellt gleichzeitig ein für Mischpult oder Aufnahme geeignetes XLR-Signal bereit.
Bühne und Recording gleichzeitig
Die Lautsprecherausgänge versorgen die Gitarrenboxen, während die XLR-Ausgänge ein separates Signal an FOH und Recording-System schicken. So entstehen gleichzeitig Bühnenschall und eine kontrollierte Direktausgabe.

Preis und Verfügbarkeit
Der Avantone Pro GTR-100 soll Ende 2026 erhältlich sein. Die unverbindliche Preisempfehlung beträgt 699 Euro einschließlich 19 Prozent Mehrwertsteuer.
In Deutschland, Österreich und der Schweiz erfolgt der Vertrieb über Audiowerk. Weitere technische Informationen, Bedienungsanleitung und Produktbroschüre stehen auf der offiziellen Produktseite des Avantone Pro GTR-100 zur Verfügung.
Fazit
Mit dem GTR-100 präsentiert Avantone Pro eine ungewöhnlich vielseitige Gitarrenendstufe für moderne Modeling- und Pedalboard-Rigs. Zwei unabhängige Class-A/B-Kanäle, bis zu 140 Watt pro Seite, Stereo- und Dual-Mono-Betrieb sowie 245 Watt im gebrückten Modus decken zahlreiche Bühnen- und Proberaumsituationen ab.
Besonders interessant sind die umschaltbaren Line- und Instrumenteneingänge. Dadurch ist das Gerät nicht ausschließlich auf professionelle Rack-Modeler beschränkt, sondern kann auch mit Pedalen, Preamp-Systemen und unterschiedlichen Signalpegeln umgehen.
Die integrierte analoge 4×12-Lautsprechersimulation und die XLR-Ausgänge vereinfachen gleichzeitig die Verbindung mit FOH und Recording-System. Ein externer IR-Loader wird dadurch nicht vollständig ersetzt, für einen schnellen und reproduzierbaren Direktsound kann die fest eingebaute Lösung jedoch ausgesprochen praktisch sein.
Mit 699 Euro positioniert sich der GTR-100 als professionelle Speziallösung für Gitarristen, die den Komfort moderner Modeler mit realen Gitarrenboxen und einer leistungsfähigen Rack-Endstufe verbinden möchten.




