Behringer BCR32: Der BCR2000-Nachfolger kehrt mit integriertem Zaquencer zurück

Behringer BCR32: BCR2000-Nachfolger mit Zaquencer

Mehr als zwei Jahrzehnte nach der Vorstellung des BCR2000 steht dessen lange erwarteter Nachfolger offenbar kurz vor der Veröffentlichung. Der Behringer BCR32 ist inzwischen bei ersten europäischen Händlern vorbestellbar und soll die bekannten Controller-Funktionen des Originals mit einem integrierten Hardware-Sequencer von ZAQ Audio verbinden.

Aus dem reinen MIDI-Controller wird damit eine vielseitige Steuerzentrale für DAWs, Software-Instrumente, Hardware-Synthesizer und modulare Systeme. Neben 32 frei zuweisbaren Endlosreglern bietet der BCR32 einen vierstimmigen Step-Sequencer, klassische MIDI-Anschlüsse, USB-C sowie CV/Gate- und Sync-Verbindungen.

Ganz abgeschlossen ist die Geschichte allerdings noch nicht: Gegenüber MusicRadar erklärte Behringer am 18. August 2026, dass der BCR32 noch nicht offiziell veröffentlicht worden sei und der eigentliche Produktstart weiterhin vorbereitet werde. Die vorhandenen Händlerdaten liefern bereits ein recht konkretes Bild, einzelne Details könnten sich bis zur endgültigen Veröffentlichung aber noch ändern.

Behringer BCR32
Behringer BCR32

Der BCR2000 entwickelte sich zum Kult-Controller

Der ursprüngliche Behringer BCR2000 erschien im Jahr 2004. Sein Bedienfeld wurde von 32 Endlosreglern dominiert, deren aktuelle Werte über LED-Kränze sichtbar waren. Damit konnten zahlreiche Parameter von Software-Instrumenten, Effekt-Plug-ins, Hardware-Synthesizern und DAWs gesteuert werden.

Im Gegensatz zu herkömmlichen Potenziometern besitzen Endlosregler keinen festen Anfangs- oder Endpunkt. Beim Wechsel zwischen verschiedenen Presets oder Geräten können sie daher den jeweils gespeicherten Parameterwert übernehmen, ohne dass die physische Position eines Reglers zunächst zum Softwarewert passen muss. Die LED-Anzeigen stellen dabei den aktuellen Wert dar.

Diese Kombination aus vielen Reglern, umfangreicher Programmierbarkeit und einem vergleichsweise niedrigen Preis machte den BCR2000 zu einem beliebten Studiowerkzeug. Auch Daft Punk setzten zwei Exemplare des Controllers während ihrer „Alive 2007“-Tour ein.

Nach der Einstellung des BCR2000 blieb die Nachfrage bestehen. Gebrauchte Geräte wurden teilweise zu erstaunlich hohen Preisen gehandelt – für einen Controller, der ursprünglich gerade wegen seines günstigen Preises bekannt geworden war.

ZAQ AUDIO Zaquencer
ZAQ AUDIO Zaquencer

Zaquencer machte aus dem BCR2000 einen Hardware-Sequencer

Einen erheblichen Anteil am späteren Kultstatus des BCR2000 hatte die alternative Zaquencer-Firmware von ZAQ Audio. Sie verwandelte den Controller in einen eigenständigen MIDI-Step-Sequencer.

Die 32 Drehregler repräsentierten dabei die einzelnen Schritte einer Sequenz. Anstelle von Plug-in-Parametern konnten über die Regler unter anderem Notenhöhe, Anschlagsstärke, Notenlänge und weitere MIDI-Werte programmiert werden.

Entwickelt wurde der Zaquencer von Christian Stöcklmeier. Die Firmware war kein offizielles Behringer-Produkt, nutzte das Bedienkonzept des BCR2000 jedoch so überzeugend, dass sich daraus praktisch ein neues Instrument entwickelte.

Für den BCR32 arbeitet Behringer nun offiziell mit ZAQ Audio zusammen. Die Zaquencer-Funktion gehört deshalb direkt zum Gerät und muss nicht mehr über eine alternative Firmware nachgerüstet werden. Der Controller soll zwischen klassischem Controller-Modus und Sequencer-Betrieb umschalten können.

32 Endlosregler mit mehrfarbigen LED-Kränzen

Der Behringer BCR32 übernimmt das grundsätzliche Bedienkonzept seines Vorgängers. Im Zentrum stehen erneut 32 frei zuweisbare Multifunktionsregler. Acht davon lassen sich zusätzlich drücken und können dadurch jeweils eine zweite Funktion übernehmen.

Die Regler sind in vier Reihen angeordnet. Mehrfarbige LED-Kränze zeigen Parameterwerte, Sequencer-Zustände und vermutlich unterschiedliche Funktionsgruppen an. Gegenüber dem BCR2000 dürfte die farbliche Darstellung die Orientierung besonders bei komplexeren Mappings und Sequenzen verbessern.

Zusätzlich bietet der BCR32 insgesamt 20 programmierbare Tasten. Ein großer Teil davon ist bereits mit typischen Sequencer-Funktionen beschriftet. Auf der rechten Seite befinden sich ein OLED-Display sowie Bedienelemente für Transport, Navigation und Preset-Verwaltung.

Vier virtuelle Encoder-Gruppen vervielfachen den steuerbaren Parameterumfang. Ein einzelner Regler kann dadurch je nach ausgewählter Gruppe unterschiedliche Befehle senden. So können beispielsweise zunächst die Filterparameter eines Synthesizers und anschließend Hüllkurven, Effekte oder Mixerwerte gesteuert werden.

Im DAW-Betrieb dürfte sich der BCR32 unter anderem zur Steuerung virtueller Instrumente, von Effekt-Plug-ins, Sends, Panoramawerten oder Automationsparametern eignen. Motorisierte Fader besitzt das Gerät allerdings nicht. Für einen traditionellen DAW-Mixer mit Kanalzügen und automatischer Fader-Nachführung ist ein Controller wie der Behringer X-Touch weiterhin besser geeignet.

Behringer BCR32
Behringer BCR32

Vier Sequencer-Spuren und 32 Schritte

Im Zaquencer-Modus verwandeln sich die 32 Drehregler in die Bedienelemente eines 32-Schritt-Sequencers. Jeder Regler repräsentiert einen Schritt und ermöglicht laut den bisher veröffentlichten Informationen die Bearbeitung von Notenhöhe, Velocity, Notenlänge, Mute-Zustand und weiteren Werten.

Der Sequencer besitzt vier Spuren. Diese können für monofone oder polyphone Notensequenzen sowie als Drum-Spuren verwendet werden. Dadurch lassen sich gleichzeitig ein Bass-Synthesizer, ein Akkordinstrument, eine Melodielinie und ein Drumcomputer steuern.

Für jede Spur stehen unabhängige Einstellungen für Loop-Start, Loop-Länge, Clock-Division, Abspielrichtung und Swing zur Verfügung. Unterschiedliche Schleifenlängen ermöglichen polymetrische Sequenzen, die sich erst nach mehreren Takten vollständig wiederholen.

Zusätzlich kann jede Sequencer-Spur zwei unabhängige MIDI-Steuerdaten ausgeben. Als Ziele werden MIDI CC, Program Change, Aftertouch und Pitch Bend genannt. Damit können sich Klangparameter parallel zur Notensequenz verändern.

Ein typisches Beispiel wäre eine Basssequenz, bei der eine zusätzliche Controller-Spur die Filterfrequenz und eine zweite Spur die Resonanz moduliert. Auch Programmwechsel, Tonhöhenbewegungen oder dynamische Veränderungen lassen sich in eine Sequenz integrieren.

Der interne Speicher ist für zwölf Bänke mit jeweils 16 Patterns ausgelegt. Insgesamt können damit bis zu 192 Sequenzen im Gerät abgelegt werden.

Interessant für DAWless- und Hybrid-Setups

Die Kombination aus Controller und Sequencer macht den BCR32 besonders für hybride Produktionsumgebungen interessant. Im Studio kann das Gerät Plug-ins und DAW-Parameter steuern. Ohne Computer lässt es sich als eigenständiger Sequencer für Synthesizer, Drumcomputer und modulare Systeme einsetzen.

Über einen klassischen fünfpoligen MIDI-Eingang sowie MIDI Out und Out/Thru können mehrere Hardwareinstrumente eingebunden werden. Die Out/Thru-Buchse lässt sich wahlweise als zweiter MIDI-Ausgang oder zur Weiterleitung eingehender MIDI-Daten verwenden.

Wie MIDI grundsätzlich funktioniert und warum dabei keine Audiosignale, sondern Noten- und Steuerdaten übertragen werden, erklärt der Grundlagenartikel MIDI 2.0 und die digitale Musikkommunikation. Der BCR32 wird in den bislang verfügbaren Produktinformationen allerdings nicht ausdrücklich als MIDI-2.0-Gerät ausgewiesen. Es sollte daher bis zu einer offiziellen Bestätigung von klassischer MIDI-Kommunikation ausgegangen werden.

In komplexeren Setups könnte außerdem ein MIDI-Router sinnvoll sein. Wie sich mehrere USB- und DIN-MIDI-Geräte miteinander verbinden und unabhängig vom Computer verwalten lassen, zeigt der Testbericht zum CME H4MIDI WC.

Vier CV/Gate-Paare für analoge Synthesizer

Im Vergleich zum BCR2000 wurde die Anschlussausstattung deutlich erweitert. Der BCR32 besitzt vier CV/Gate-Ausgangspaare im 3,5-mm-Format. Damit können analoge und modulare Synthesizer gesteuert werden, die nicht zwingend über MIDI verfügen.

Control Voltage bestimmt typischerweise die Tonhöhe oder einen anderen modulierbaren Parameter, während das Gate-Signal eine Note oder Hüllkurve auslöst. Durch die vier Ausgangspaare kann der BCR32 mehrere monofone Stimmen oder verschiedene Modulationsziele ansprechen.

Zusätzlich sind ein analoger Sync-Eingang und -Ausgang vorhanden. Der Sequencer kann dadurch mit Drumcomputern, Modularsystemen und anderen clockfähigen Geräten synchronisiert werden.

Zwei frei zuweisbare Fußschaltereingänge im 6,3-mm-Format erweitern die Möglichkeiten für Live-Auftritte. Denkbar sind Funktionen wie Start, Stop, Pattern-Wechsel, Tap Tempo oder das Aktivieren bestimmter Sequencer-Bereiche.

Zwei USB-C-Anschlüsse

Der BCR32 besitzt zwei USB-C-Buchsen. Eine Verbindung dient dem Datentransfer, die zweite kann für die Stromversorgung verwendet werden. Laut Händlerangaben arbeitet der Controller class-compliant und soll deshalb ohne speziellen Treiber mit gängigen Betriebssystemen und Musikprogrammen kommunizieren können.

Bei der Verwendung am Computer lässt sich der BCR32 über USB mit Strom versorgen. Für einen eigenständigen Betrieb dürfte ein geeignetes USB-Netzteil oder eine Powerbank ausreichen. Ob ein Netzteil zum endgültigen Lieferumfang gehören wird, ist bislang nicht eindeutig dokumentiert.

Bluetooth-MIDI wird nicht unterstützt. Für drahtlose Verbindungen wäre daher ein zusätzlicher MIDI-Adapter notwendig.

Behringer BCR32 Rückseitet
Behringer BCR32 Rückseitet

Controller und Sequencer sind zwei unterschiedliche Aufgaben

Der große Vorteil des BCR32 liegt nicht allein in der Zahl seiner Regler. Entscheidend ist die Verbindung zweier bislang häufig getrennter Gerätetypen.

Als Controller übersetzt der BCR32 Bewegungen der Regler und Tastendrücke in MIDI-Befehle. Die eigentliche Klangerzeugung oder Datenverarbeitung findet anschließend in einem Synthesizer, Plug-in oder einer DAW statt.

Als Sequencer erzeugt das Gerät dagegen selbstständig zeitlich organisierte MIDI-Daten. Die programmierten Noten, Controllerwerte und Pattern werden auch ohne laufende DAW an angeschlossene Instrumente gesendet.

Diese Trennung ist wichtig, weil der BCR32 selbst keine Klänge erzeugt und keine Audiosignale verarbeitet. Es handelt sich weder um einen Synthesizer noch um ein Audiointerface. Das Gerät steuert ausschließlich andere Klangquellen und Produktionssysteme.

Preis und Verfügbarkeit des Behringer BCR32

Der Behringer BCR32 wird bei Thomann derzeit für 169 Euro zur Vorbestellung angeboten. Als Lieferzeit nennt der Händler mehrere Monate. Ein konkreter Auslieferungstermin steht bisher nicht fest.

Besonders wichtig ist die offizielle Einordnung: Behringer teilte MusicRadar am 18. August 2026 mit, dass der BCR32 noch nicht offiziell veröffentlicht worden sei. Das Unternehmen bereite den Produktstart weiterhin vor. Eine eigenständige Produktseite auf der Behringer-Webseite war zum Zeitpunkt der Recherche noch nicht verfügbar. MusicRadar über den aktuellen Stand des BCR32

Die Händlerangaben sind bereits sehr detailliert, sollten aber bis zur offiziellen Vorstellung als vorläufig betrachtet werden. Insbesondere Fragen zur Editor-Software, zu unterstützten Betriebssystemen, zum Preset-Austausch, zur konkreten MIDI-Implementierung und zum Lieferumfang sind noch nicht abschließend geklärt.

Viel Controller und Sequencer für vergleichsweise wenig Geld

Sollte Behringer den BCR32 in der aktuell gelisteten Form und zum genannten Preis ausliefern, könnte das Gerät eine ungewöhnlich leistungsfähige Steuerzentrale werden. Bereits 32 Endlosregler mit LED-Kränzen sind in dieser Preisklasse bemerkenswert. Der integrierte vierstimmige Zaquencer, 192 Pattern-Speicherplätze sowie MIDI-, CV/Gate- und Sync-Anschlüsse erweitern den Einsatzbereich erheblich.

Besonders attraktiv erscheint das Konzept für Produzenten mit mehreren Hardware-Synthesizern, modulare Setups und Musiker, die zwischen DAW- und Standalone-Betrieb wechseln. Auch Anwender des ursprünglichen BCR2000 dürften sich schnell zurechtfinden.

Ob der BCR32 tatsächlich in die Fußstapfen seines Vorgängers treten kann, hängt jedoch nicht nur von der Funktionsliste ab. Entscheidend werden die Qualität der Regler, die Zuverlässigkeit der Firmware, die Bedienbarkeit des Sequencers und die Einbindung in aktuelle DAWs sein. Nach einer Wartezeit von rund fünf Jahren wäre vor allem eine stabile und vollständig ausgereifte Veröffentlichung wünschenswert.

Bis dahin bleibt der BCR32 ein sehr interessantes, aber noch nicht offiziell gestartetes Produkt.

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Andreas

Musiker und Musikproduzent: Gitarre, Keyboards, Drums und Gesang, Tonstudio, Songwriter, Qualitätsmanager, Hobbyfotograf und Online-Redakteur.