Celemony Tonalic jetzt direkt in Cubase und Nuendo integriert

Mit der neuen Version 15.0.30 von Cubase und Nuendo vertiefen Steinberg und Celemony ihre Zusammenarbeit deutlich. Die Session-Musiker-Plattform „Celemony Tonalic“ ist ab sofort direkt per ARA in die beiden DAWs integriert. Dadurch wird Tonalic nicht mehr nur als klassisches Plugin genutzt, sondern arbeitet unmittelbar innerhalb des Projektfensters von Cubase und Nuendo. Gleichzeitig erhalten Nutzer mit aktiver Cubase-Pro-15-, Cubase-Artist-15- oder Nuendo-15-Lizenz die neue „Tonalic essential“-Edition kostenlos dazu.

Die Integration markiert einen interessanten Schritt in Richtung stärker kontextbasierter Musikproduktion. Statt lediglich Audio-Loops oder Phrasen zu importieren, passt sich Celemony Tonalic dynamisch an Akkordwechsel, Tempoänderungen und Songstrukturen an. Möglich wird das durch die enge Verzahnung mit der Chord-Track-Technologie von Steinberg sowie durch Celemonys bekannte DNA-Technologie aus Melodyne.

Celemony Tonalic in Cubase
Celemony Tonalic in Cubase

Celemony Tonalic wird Teil des DAW-Workflows

Die wichtigste Neuerung ist die vollständige ARA-Integration innerhalb von Cubase und Nuendo. Tonalic erscheint direkt in der sogenannten Right Zone der DAW. Dort lassen sich Performances suchen, vorhören und direkt im musikalischen Kontext des Projekts anhören. Im Gegensatz zu klassischen Sample-Bibliotheken oder Loop-Systemen arbeitet Celemony Tonalic nicht rein statisch. Die aufgenommenen Performances folgen den harmonischen Vorgaben des Projekts in Echtzeit. Ändert sich der Akkordverlauf im Chord-Track, passt Tonalic die eingespielten Gitarren- oder Instrumentenspuren automatisch an.

Dadurch entsteht ein Workflow, der sich eher wie das Arbeiten mit echten Audio- oder MIDI-Spuren anfühlt als wie der Umgang mit starren Loops. Die Performances lassen sich per Drag-and-drop direkt auf die Timeline ziehen, verlängern, arrangieren und flexibel umstrukturieren. Gerade für Produzenten, die schnell musikalische Ideen entwickeln möchten, könnte sich diese Arbeitsweise als interessante Erweiterung etablieren. Während klassische Loop-Libraries oft Grenzen bei Tonartwechseln oder komplexeren Harmonien zeigen, soll Celemony Tonalic genau dort ansetzen.

Die DNA-Technologie von Melodyne als technisches Fundament

Technisch basiert Celemony Tonalic auf der bekannten DNA-Technologie von Melodyne. DNA steht für „Direct Note Access“ und erlaubt die Bearbeitung einzelner Noten innerhalb polyfoner Audiosignale. Diese Technologie gilt seit Jahren als eine der wichtigsten Entwicklungen im Bereich der modernen Audiobearbeitung. Celemony hatte DNA ursprünglich entwickelt, um einzelne Noten innerhalb komplexer Akkorde editieren zu können. Genau diese Fähigkeit nutzt nun auch Tonalic. Die aufgenommenen Session-Performances werden nicht einfach nur transponiert, sondern musikalisch intelligent an neue Harmonien angepasst.

Das ist insbesondere bei Gitarrenaufnahmen relevant. Herkömmliches Pitchshifting führt dort häufig zu unnatürlichen Artefakten oder verliert den musikalischen Charakter des Spiels. Celemony Tonalic versucht dagegen, die Ausdrucksstärke echter Musikeraufnahmen beizubehalten und dennoch flexibel auf Produktionsänderungen zu reagieren.

Celemony Tonalic in Cubase 1
Celemony Tonalic in Cubase 1

Die Integration über ARA spielt dabei eine zentrale Rolle. ARA steht für „Audio Random Access“ und erweitert die Kommunikation zwischen DAW und Plugin erheblich. Statt Audiodaten erst in Echtzeit übertragen zu müssen, können kompatible Plugins direkt auf Projektdaten zugreifen. Das reduziert Wartezeiten und ermöglicht deutlich tiefere Eingriffe in den Produktionsprozess. Interessant ist dabei, dass ARA ursprünglich ebenfalls von Celemony gemeinsam mit Presonus entwickelt wurde. Heute gehört die Schnittstelle praktisch zum Standard moderner DAWs und wird von zahlreichen Herstellern unterstützt.

Mehr als 30 Session-Musiker direkt im Projektfenster

Laut Celemony umfasst die Plattform mittlerweile Performances von mehr als 30 internationalen Session-Musikern. Die Aufnahmen stammen aus unterschiedlichen Genres und wurden weltweit in professionellen Studios produziert. Der Fokus liegt dabei nicht nur auf einzelnen Instrumenten, sondern auf musikalischen Performances mit realistischem Spielgefühl. Anders als bei MIDI-Packs oder KI-generierten Begleitungen basiert Celemony Tonalic auf echten Audioaufnahmen professioneller Musiker.

Für viele Produzenten könnte genau dieser Ansatz interessant sein. Während virtuelle Instrumente und MIDI-Libraries oft sehr technisch wirken, liefern echte Performances meist mehr Dynamik und musikalische Nuancen. Die neue kostenlose „Tonalic essential“-Version konzentriert sich zunächst auf akustische und elektrische Gitarrenperformances von Uwe Bossert. Bossert ist Gitarrist der Pop-Rock-Band Reamonn, die insbesondere mit Songs wie „Supergirl“ internationale Bekanntheit erreichte.

Celemony Tonalic in Cubase 2
Celemony Tonalic in Cubase 2

Die Essential-Version dient als Einstieg in das Tonalic-System. Wer zusätzliche Musiker, Instrumente oder mehr kreative Möglichkeiten benötigt, kann auf größere Tonalic-Versionen upgraden.

Kostenlose Tonalic-essential-Lizenz für Cubase- und Nuendo-Nutzer

Ein wichtiger Punkt dürfte für viele Nutzer die Preisgestaltung sein. Besitzer einer aktiven Cubase-Pro-15-, Cubase-Artist-15- oder Nuendo-15-Lizenz erhalten Tonalic essential kostenlos als dauerhafte Lizenz. Damit verfolgt Steinberg offenbar eine ähnliche Strategie wie bereits bei anderen integrierten Zusatztools innerhalb der DAW-Plattform. Die kostenlose Einstiegsversion soll den Zugang erleichtern und gleichzeitig die Vorteile der engen Integration demonstrieren.

Zudem bleibt Celemony Tonalic weiterhin unabhängig von Cubase oder Nuendo nutzbar. Das Plugin läuft laut Hersteller auch in anderen DAWs als VST3-, AU- oder AAX-Plugin. Die Vollversionen von Tonalic werden entweder im Monats- oder Jahresabo angeboten. Zusätzlich gibt es vorausbezahlte Lizenzen ohne laufendes Abonnement über Musikfachhändler. Zum Start bietet Celemony den ersten Monat aktuell für 1 Euro beziehungsweise 1 US-Dollar an. Damit dürfte die Einstiegshürde vergleichsweise niedrig ausfallen.

Ein interessanter Schritt für moderne Produktions-Workflows

Die Integration von Celemony Tonalic zeigt deutlich, wohin sich moderne Musikproduktionssoftware entwickelt. Statt einzelne Plugins isoliert einzusetzen, verschmelzen Werkzeuge zunehmend direkt mit dem DAW-Workflow. Besonders spannend ist dabei die Kombination aus echter Musikerperformance und intelligenter Audioanpassung. Während KI-basierte Musiksysteme derzeit stark diskutiert werden, setzt Celemony weiterhin klar auf reale Aufnahmen echter Musiker.

Celemony Tonalic in Cubase 3
Celemony Tonalic in Cubase 3

Das könnte für viele Produzenten ein entscheidender Unterschied sein. Der Charakter menschlicher Performances bleibt erhalten, gleichzeitig entsteht aber eine Flexibilität, die bislang meist nur MIDI-basierten Produktionen vorbehalten war. Auch die enge Verbindung mit Steinbergs Chord-Track-System dürfte für Cubase-Nutzer interessant sein. Der Chord-Track gehört seit Jahren zu den stärkeren kreativen Funktionen innerhalb der DAW und wird nun um eine weitere Ebene ergänzt.

Celemony baut seine Position im Audio-Bereich weiter aus

Celemony gehört seit vielen Jahren zu den technologisch innovativsten Unternehmen im Bereich Audiobearbeitung. Melodyne gilt bis heute als Standardlösung für Vocal-Editing und tonale Audiomanipulation. Neben DNA entwickelte Celemony unter anderem auch die Restaurationssoftware Capstan sowie die ARA-Schnittstelle. Für die technischen Entwicklungen erhielt das Unternehmen zahlreiche Auszeichnungen, darunter sogar einen Technical Grammy im Jahr 2012.

Video Celemony Tonalic

Mit Celemony Tonalic erweitert die Firma ihr Portfolio jetzt stärker in Richtung kreativer Produktionswerkzeuge. Dabei wird deutlich, dass die Grenzen zwischen klassischer Audiobearbeitung, Performance-Manipulation und Arrangement-Werkzeugen zunehmend verschwimmen. Gerade die tiefe Integration in Cubase und Nuendo könnte Tonalic eine deutlich größere Sichtbarkeit verschaffen. Viele Produzenten bevorzugen Werkzeuge, die sich möglichst nahtlos in bestehende Workflows einfügen, statt zusätzliche Fenster und komplexe Plugin-Strukturen zu erzeugen.

Mit der direkten ARA-Integration von Celemony Tonalic in Cubase 15 und Nuendo 15 entsteht ein neuer Ansatz für den Umgang mit Session-Performances innerhalb moderner DAWs. Die Kombination aus echten Musikeraufnahmen, intelligenter Harmonieanpassung und direkter Timeline-Integration könnte insbesondere Songwriter und Produzenten ansprechen, die schnell musikalische Ideen umsetzen möchten.

Celemony Tonalic in Cubase 4
Celemony Tonalic in Cubase 4

Dass Steinberg die „Tonalic essential“-Version kostenlos an Nutzer aktueller Cubase- und Nuendo-Versionen verteilt, dürfte zusätzlich für Aufmerksamkeit sorgen. Gleichzeitig zeigt die Integration, wie stark sich moderne Musiksoftware inzwischen auf vernetzte, kontextbasierte Produktionsprozesse konzentriert. Celemony Tonalic wirkt damit weniger wie ein klassisches Loop-Plugin und eher wie ein hybrides Produktionswerkzeug zwischen Session-Musiker, intelligenter Audiobearbeitung und Arrangement-System.

Weitere Informationen zu Celemony Tonalic und den unterstützten DAWs gibt es hier: https://www.tonalic.com/

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Andreas

Musiker und Musikproduzent: Gitarre, Keyboards, Drums und Gesang, Tonstudio, Songwriter, Qualitätsmanager, Hobbyfotograf und Online-Redakteur.