Mit CLAP etabliert sich neben VST3, Audio Units und AAX ein weiterer Plug-in-Standard für Instrumente und Audioeffekte. Während immer mehr Entwickler ihre Software auch im CLAP-Format anbieten, gibt es vereinzelt bereits Plug-ins, die ausschließlich als CLAP-Version erscheinen. Für Nutzer von Cubase entsteht dadurch ein Problem: Die Steinberg-DAW unterstützt das Format bislang nicht direkt.
Unter Windows gibt es dennoch eine Möglichkeit, CLAP-Plugins in Cubase zu nutzen. Ein zusätzlicher Plug-in-Host wird dabei als VST3 in Cubase geladen und übernimmt innerhalb dieses Containers die Ausführung des CLAP-Plug-ins. Eine interessante Lösung dafür ist der kostenlose modulare Host Element von Kushview.

Was ist das CLAP-Format?
CLAP steht für „CLever Audio Plug-in API“. Der offene Plug-in-Standard wurde von Bitwig und u-he initiiert und 2022 vorgestellt. Anders als proprietär kontrollierte Formate ist CLAP quelloffen und steht unter einer liberalen Lizenz. Entwickler können den Standard daher ohne komplizierte Lizenzierung in ihre Software integrieren und erweitern.
CLAP wurde von Grund auf für moderne Produktionsumgebungen entwickelt. Dazu gehören eine effizientere Zusammenarbeit zwischen Host und Plug-in, verbesserte Multicore-Verarbeitung sowie umfangreiche Möglichkeiten für Automation, Modulation und polyfone Klangerzeugung.
Zu den interessantesten Eigenschaften zählen:
- nicht destruktive Parametermodulation
- polyphone Modulation einzelner Stimmen
- Unterstützung notenbezogener Parameter
- moderne MIDI– und MIDI-2.0-Konzepte
- Gemeinsame Verwaltung von Prozessor-Threads durch Host und Plugin
- schnellere Plugin-Erkennung anhand von Metadaten
- eine offene und erweiterbare Architektur
Insbesondere die polyfone Parametermodulation ist für Synthesizer interessant. Theoretisch kann damit beispielsweise jede einzelne gespielte Note eine andere Filtereinstellung, Hüllkurve oder Modulation erhalten. Die CLAP-Entwickler beschreiben diese Möglichkeiten etwas augenzwinkernd als „MPE on steroids“.
Unterstützt Cubase das CLAP-Format?
Cubase unterstützt CLAP bislang nicht nativ. Laut der aktuellen Dokumentation kann Cubase 15 unter Windows ausschließlich Plugins in den Formaten VST2 und VST3 laden. Zudem werden nur 64-Bit-Plug-ins unterstützt.
Eine installierte CLAP-Datei wird deshalb nicht im VST-Plug-in-Manager angezeigt. Auch ein zusätzlicher Scan der Plugin-Verzeichnisse ändert daran nichts. Cubase sucht in diesen Ordnern nach VST-kompatiblen Komponenten und kann eine reine CLAP-Version nicht initialisieren.
Die aktuellen Formatangaben finden sich in der offiziellen Cubase-15-Dokumentation von Steinberg.
Eine CLAP-Datei lässt sich nicht einfach in VST3 umbenennen
CLAP und VST3 sind unterschiedliche technische Schnittstellen. Eine Datei mit der Endung .CLAP kann daher nicht in .VST3 umbenannt und anschließend in den VST3-Ordner kopiert werden.
Die Dateiendung ist lediglich ein sichtbarer Hinweis auf das Format. Im Inneren unterscheiden sich unter anderem die Kommunikation mit der DAW, die Verwaltung von Parametern, Audio- und MIDI-Ereignissen sowie die Initialisierung des Plug-ins.
Für Cubase wird deshalb eine Zwischenebene benötigt: ein Host, der CLAP laden kann und gleichzeitig selbst als VST3-Plug-in zur Verfügung steht.
Kushview Element als CLAP-Host in Cubase
Element von Kushview ist ein modularer Plugin-Host für Windows, macOS und Linux. Die Software kann eigenständig betrieben oder als Plugin innerhalb einer DAW geladen werden.
Unter Windows unterstützt Element:
- CLAP
- VST3
- VST2
- LV2
Element kann Audio- und MIDI-Signale frei zwischen den geladenen Modulen routen. Dadurch lassen sich einzelne Instrumente und Effekte ebenso verwenden wie komplexe serielle oder parallele Plug-in-Ketten.
Der entscheidende Vorteil für Cubase besteht darin, dass Element selbst als VST3 geladen werden kann. Innerhalb dieser VST3-Instanz wird anschließend das gewünschte CLAP-Plug-in geöffnet.
Der Signalweg sieht folgendermaßen aus: Cubase > Element VST3 > CLAP-Plugin > Element VST3 > Cubase
Das CLAP-Plugin wird dabei nicht in VST3 umgewandelt. Element übersetzt vielmehr die Kommunikation zwischen Cubase und dem geladenen Plugin und stellt die notwendigen Audio- und MIDI-Verbindungen bereit.
Element ist Open Source und grundsätzlich kostenlos erhältlich. Die frei verfügbare öffentliche Version besitzt keine Laufzeitbeschränkung und keine gesperrten Funktionen, kann gegenüber den kostenpflichtig unterstützten Builds allerdings einige Versionen zurückliegen. Informationen und Downloads sind auf der Element-Webseite von Kushview zu finden.
CLAP-Plugins in Cubase nutzen: Installation und Einrichtung
Zunächst wird Element für Windows installiert. Bei der Installation muss darauf geachtet werden, dass neben der eigenständigen Anwendung auch die VST3-Version eingerichtet wird. Cubase benötigt diese Variante, damit Element im Plug-in-Menü erscheint.
Nach der Installation sollte Cubase neu gestartet werden. Falls Element nicht automatisch gefunden wird, kann über den VST-Plug-in-Manager eine erneute Suche durchgeführt werden.
CLAP-Instrumente verwenden
Für einen Synthesizer, Sampler oder ein anderes virtuelles Instrument wird Element als Instrument in Cubase geladen.
Der grundsätzliche Ablauf:
- In Cubase wird eine neue Instrumentenspur angelegt.
- Element wird als VST3-Instrument ausgewählt.
- Innerhalb von Element wird der Plugin-Scanner geöffnet.
- Das Verzeichnis mit den installierten CLAP-Plug-ins wird erfasst.
- Das gewünschte CLAP-Instrument wird in den modularen Arbeitsbereich geladen.
- MIDI-Eingang, Instrument und Audioausgang werden miteinander verbunden.
Anschließend gelangen die MIDI-Noten aus Cubase zunächst zu Element und von dort zum CLAP?Instrument. Das erzeugte Audiosignal wird über Element zurück in den Cubase-Mixer geleitet.
Die genaue Darstellung kann je nach Element-Version variieren. Entscheidend ist, dass der MIDI-Eingang mit dem Instrument und dessen Audioausgang mit dem Ausgang von Element verbunden ist.
CLAP-Effekte verwenden
Ein CLAP-Effekt wird über die Effektversion von Element geladen.
Dazu wird Element als Insert-Effekt in einen Audiokanal, Instrumentenkanal, Gruppenkanal oder Effektkanal von Cubase eingesetzt. Innerhalb von Element wird anschließend das gewünschte CLAP-Plug-in zwischen Ein- und Ausgang eingefügt.
Der Signalweg lautet:
Audioeingang > CLAP-Effekt > Audioausgang
Auf diese Weise können reine CLAP-Versionen von Equalizern, Kompressoren, Verzerrern, Delays oder experimentellen Sounddesign-Effekten in einem Cubase-Projekt verwendet werden.
Element erlaubt außerdem die Kombination mehrerer Plug-ins. Ein CLAP-Effekt kann beispielsweise mit einem VST3-Equalizer und einem LV2-Prozessor in einer gemeinsamen Kette verbunden werden. Auch parallele Signalwege und komplexere Routings sind möglich.
Funktioniert die Automation in Cubase?
Die Automation ist einer der Punkte, an denen sich der Unterschied zwischen nativer Unterstützung und einer Container-Lösung bemerkbar macht.
Cubase sieht zunächst nur Element als VST3-Plug-in. Das innerhalb von Element geladene CLAP-Plug-in ist für Cubase nicht unmittelbar sichtbar. Seine Parameter müssen deshalb gegebenenfalls den nach außen verfügbaren Parametern von Element zugewiesen werden.
Nach einer solchen Zuweisung können die entsprechenden Bedienelemente grundsätzlich über Cubase automatisiert werden. Der zusätzliche Schritt ist jedoch weniger komfortabel als bei einem nativ geladenen VST3-Plug-in.
Auch der Name des CLAP-Plug-ins erscheint nicht zwingend direkt im Cubase-Mixer. Dort steht zunächst Element als geladenes Plug-in. Welches Instrument oder welcher Effekt sich darin befindet, wird erst beim Öffnen des Containers sichtbar.
Bei wichtigen Projekten empfiehlt es sich daher, Element-Instanzen und Spuren eindeutig zu benennen. Eine Bezeichnung wie „Element – CLAP Synth Bass“ ist später hilfreicher als fünf Plug-in-Slots, die lediglich „Element“ anzeigen.
Werden alle Vorteile von CLAP übernommen?
Ein CLAP-Plug-in kann innerhalb von Element grundsätzlich ausgeführt werden. Daraus folgt jedoch nicht automatisch, dass Cubase sämtliche besonderen CLAP-Funktionen nutzen kann.
Funktionen wie polyfone Parametermodulation, individuelle Modulation einzelner Stimmen oder bestimmte Host-Erweiterungen setzen eine direkte Zusammenarbeit zwischen einer CLAP-fähigen DAW und dem Plug-in voraus. Cubase kommuniziert in diesem Aufbau allerdings nur mit der VST3-Version von Element.
Element kann verschiedene CLAP-Eigenschaften intern unterstützen. Die Weitergabe dieser Funktionen an Cubase wird jedoch durch die Möglichkeiten des VST3-Containers und der jeweiligen Implementierung begrenzt.
Für die normale Verwendung eines Instruments oder Effekts ist das häufig unproblematisch. Wer ein CLAP-Plug-in jedoch gerade wegen seiner erweiterten polyfonen Modulation oder einer speziellen Host-Integration verwenden möchte, erhält möglicherweise nicht den vollständigen Funktionsumfang.
Mögliche Einschränkungen der Container-Lösung
Der Betrieb von CLAP-Plugins in Cubase über Element bringt einige praktische Einschränkungen mit sich:
- Parameter müssen unter Umständen manuell zugewiesen werden.
- Presets werden teilweise innerhalb von Element verwaltet.
- Cubase erkennt das enthaltene CLAP-Plugin nicht als eigenständiges Instrument oder als eigenständigen Effekt.
- Sidechain– und Mehrkanalverbindungen können zusätzliche Routings erfordern.
- Nicht alle speziellen CLAP-Erweiterungen werden an Cubase weitergegeben.
- Ein Projekt benötigt dauerhaft dieselbe Element- und CLAP-Installation.
- Plugin-Updates können die Kompatibilität gespeicherter Projekte beeinflussen.
- Durch die zusätzliche Host-Ebene können Fehler schwerer zu diagnostizieren sein.
Vor dem Einsatz in einem wichtigen Projekt sollte daher geprüft werden, ob Presets, Automation, Projektzustand und Offline-Export zuverlässig funktionieren.
Ein kurzer Test bietet sich an: Einige Parameter werden verändert und automatisiert. Anschließend wird das Projekt gespeichert, Cubase geschlossen und das Projekt erneut geöffnet. Bleiben Plug-in, Einstellungen und Automation vollständig erhalten, ist die Konfiguration für den praktischen Einsatz geeignet.
Alternativen zu Element
Nicht jeder modulare Plug-in-Host unterstützt automatisch CLAP. Bekannte Container wie Blue Cat PatchWork oder DDMF Metaplugin können zahlreiche Plugin-Formate miteinander verbinden, führen CLAP in ihren aktuellen offiziellen Formatangaben jedoch noch nicht als unterstütztes Gastformat auf.
Auch der HOFA SYSTEM ThirdPartyPluginLoader ist für diesen Zweck derzeit nicht geeignet. Er lädt VST2, VST3 und unter macOS Audio Units, aber keine reinen CLAP-Plug-ins.
Eine weitere Möglichkeit besteht darin, das betreffende Plug-in in einer DAW mit nativer CLAP-Unterstützung zu öffnen und das Ergebnis als Audiodatei zu exportieren. Für Instrumente kann eine MIDI-Passage außerhalb von Cubase gerendert und anschließend als Audio importiert werden. Dieses Verfahren bietet allerdings keine direkte Bearbeitung des Plugins innerhalb des Cubase-Projekts.
VST3-Version bleibt für Cubase die beste Lösung
Element schließt eine wichtige Lücke und ermöglicht den Zugriff auf Plug-ins, die sonst nicht in Cubase geladen werden könnten. Für Experimente, selten benötigte Effekte oder ausschließlich als CLAP veröffentlichte Instrumente ist die Lösung durchaus interessant.
Für langfristige Produktionen bleibt eine native VST3-Version dennoch die sicherere und komfortablere Variante. Sie bietet eine direkte Integration in den Cubase-Plug-in-Manager, einfachere Automation, zuverlässigere Preset-Verwaltung und weniger Abhängigkeiten.
Falls ein Hersteller sowohl CLAP als auch VST3 anbietet, sollte in Cubase normalerweise die VST3-Version installiert werden. Der Umweg über Element ist vor allem dann sinnvoll, wenn tatsächlich keine VST3-Ausgabe existiert.
Fazit: CLAP-Plugins lassen sich über einen Umweg in Cubase öffnen
Cubase unterstützt CLAP aktuell nicht nativ. Ausschließlich in diesem Format veröffentlichte Instrumente und Effekte können unter Windows dennoch verwendet werden. Der kostenlose modulare Host Element wird dazu als VST3 in Cubase geladen und führt das CLAP-Plugin innerhalb seiner eigenen Umgebung aus.
Der Aufbau funktioniert sowohl mit Instrumenten als auch mit Audioeffekten. Allerdings handelt es sich nicht um eine vollständige Konvertierung zu VST3. Automation, Preset-Verwaltung, Sidechain-Routing und spezielle CLAP-Funktionen können deshalb zusätzlichen Aufwand verursachen oder eingeschränkt sein.
Für gelegentliche Anwendungen bietet Element eine ausgesprochen nützliche Brücke. Wer regelmäßig mit CLAP-Plug-ins arbeitet und deren besondere Modulationsmöglichkeiten vollständig ausschöpfen möchte, benötigt langfristig jedoch eine DAW mit nativer CLAP-Unterstützung – oder muss darauf hoffen, dass Steinberg das Format in einer zukünftigen Cubase-Version integriert.
Hier ist der Link: https://kushview.net/element/



