Dawesome Abyss 2 – Samples werden zu neuen Klangfarben

Mit Dawesome Abyss 2 steht die zweite Generation des ungewöhnlichen Software-Synthesizers von Dawesome in den Startlöchern. Am 20. August 2026 soll Abyss 2 erscheinen und das bereits beim Vorgänger verfolgte Konzept deutlich erweitern. Statt einen Synthesizer hauptsächlich über klassische Oszillatoren und Wellenformen zu programmieren, arbeitet Abyss mit sogenannten Tone Colors, die auf einem farbigen Gradient angeordnet und miteinander verbunden werden.

Die vielleicht spannendste Neuerung von Dawesome Abyss 2: Eigene Samples können nun direkt als Ausgangsmaterial für diese Tone Colors dienen. Damit bewegt sich Abyss 2 noch stärker in Richtung eines Instruments, bei dem vorhandenes Audiomaterial nicht einfach abgespielt, sondern in neues Klangmaterial verwandelt wird.

Dawesome Abyss 2
Dawesome Abyss 2

Samples werden zu Tone Colors

Der zentrale Bestandteil von Abyss bleibt der sogenannte Tone Color Gradient. Auf diesem befinden sich verschiedene Klangfarben, zwischen denen ein kontinuierlicher Übergang erzeugt wird. Ähnliche Farben stehen dabei auch für ähnlich klingende Timbres. Über den Positionsregler beziehungsweise dessen Modulation kann anschließend zwischen diesen Klangfarben gefahren werden.

In Dawesome Abyss 2 lässt sich jetzt eine Audiodatei direkt auf diesen Gradient ziehen. Der Synthesizer analysiert das Sample und extrahiert daraus verschiedene Tone Colors.

Wichtig ist dabei die Unterscheidung zu einem klassischen Sampler: Abyss 2 spielt das importierte Sample nicht einfach ab. Stattdessen wird das Audiomaterial analysiert und in eine Reihe von Tone Colors umgewandelt. Aus einer Aufnahme entsteht damit neues Ausgangsmaterial für die Klangerzeugung.

Noch interessanter wird das Ganze durch die neuen Palettes.

Dawesome Abyss 2 - Palette
Dawesome Abyss 2 – Palette

Eigene Klangpaletten aus Samples erstellen

Samples lassen sich nicht nur direkt auf den Gradient ziehen. Anwender können komplette eigene Paletten erzeugen und diese mit eigenen Audiodateien füttern.

Dazu wird eine neue Palette angelegt, auf die anschließend eine oder mehrere Audiodateien gezogen werden. Abyss 2 analysiert das Material, extrahiert daraus Tone Colors und ordnet diese so an, dass ähnlich klingende Klangfarben näher beieinander liegen. Laut Handbuch kommt bei dieser Analyse Machine Learning zum Einsatz.

Damit könnte eine Sammlung eigener Field Recordings, Instrumentenaufnahmen, Vocal-Schnipsel oder experimenteller Geräusche zu einer persönlichen Klangbibliothek für Abyss 2 werden.

Das Konzept geht sogar noch weiter: Erkennt Abyss 2 beim Import eine Wavetable, werden daraus spezielle Tone Colors erzeugt, die den einzelnen Bereichen der Wavetable entsprechen. Umgekehrt können auch normale Paletten stärker in Richtung statischer Wavetable-Klänge transformiert werden.

Damit verschwimmen die Grenzen zwischen spektraler Klangerzeugung, Sample-Analyse und klassischer Wavetable-Synthese zunehmend.

Dawesome - ABYSS 2 Subpresets for Scale
Dawesome – ABYSS 2 Subpresets for Scale

BRUTE, SYNTIFY und VELVET formen den Sound

Auch bei der eigentlichen Klangformung wurde nachgelegt. Drei neue beziehungsweise besonders hervorgehobene Werkzeuge tragen die Namen BRUTE, SYNTIFY und VELVET.

SYNTIFY beschreibt Dawesome etwas ungewöhnlich als eine Art „Anti-Filter“. Während ein klassisches Filter Frequenzanteile entfernt, soll SYNTIFY einen Klang schärfer und synthetischer erscheinen lassen.

BRUTE ist für die härtere Gangart zuständig. Die Klangformung wurde laut Entwickler unter anderem durch die Analyse von Röhrenverzerrungen und mathematischen Chaosmodellen inspiriert. Je nach Richtung des Reglers entstehen unterschiedliche Charakteristiken – von einer kräftigen, röhrenartigen Bearbeitung bis zu einem raueren Klang mit stärker betonten ungeraden Partialtönen.

VELVET verfolgt dagegen praktisch die entgegengesetzte Richtung. Der Parameter soll einen Klang durch Diffusion weicher und geschmeidiger machen. Während BRUTE ziemlich offensichtlich in das Signal eingreifen kann, beschreibt Dawesome VELVET als wesentlich subtiler.

Zusammen mit FM, virtuellem Analogfilter, Transposition, Tuning, Tilt-EQ, Gain, Panorama und dem weiterhin zentralen Gradient entsteht damit eine ziemlich umfangreiche Klangformungssektion.

Neue flexible Effektsektion mit vier Slots

Deutlich erweitert wurde außerdem die Effektsektion von Dawesome Abyss 2.

Für Effekte stehen jetzt vier Slots zur Verfügung. Die Module werden von links nach rechts abgearbeitet und können per Drag-and-drop neu angeordnet oder wieder aus der Effektsektion entfernt werden. Für jeden Effekt gibt es einen großen Dry/Wet-Regler sowie eigene Presets und zusätzliche Parameter auf einer erweiterten Bedienebene.

Dawesome Abyss 2 - Effekte
Dawesome Abyss 2 – Effekte

Insgesamt stehen laut Entwickler 20 verschiedene Effekte zur Auswahl. Das Handbuch nennt die überarbeitete Effektsektion ebenfalls als einen der großen Punkte der zweiten Version und spricht von 16 neu hinzugekommenen FX-Modulen. Damit lässt sich die Effektkette wesentlich freier auf einen Sound abstimmen als bisher.

Polyrhythmischer Sequencer für bewegte Sounds

Neu ist zudem ein umfangreicher polyrhythmischer beziehungsweise polymetrischer Sequencer.

Einzelne Sequencer-Bereiche können mit unterschiedlichen Schrittlängen arbeiten. Dadurch lassen sich rhythmische Strukturen erzeugen, die sich gegeneinander verschieben und erst nach mehreren Durchläufen wieder am gemeinsamen Ausgangspunkt treffen.

Der Sequencer kann zum Tempo der DAW synchronisiert oder mit einem eigenen Tempo betrieben werden. Unterschiedliche Rates, Retrigger-Verhalten, Gate-Längen sowie Randomisierungsmöglichkeiten erweitern das System zusätzlich.

Gerade in Verbindung mit den zahlreichen Modulationsmöglichkeiten von Abyss dürfte der Sequencer weniger als klassischer Noten-Step-Sequencer und vielmehr als Werkzeug für sich permanent verändernde rhythmische Klangstrukturen interessant sein.

Mehr Modulation und Ausdruck

Abyss 2 verfügt weiterhin über zwei ADSR-Hüllkurven und drei LFOs sowie verschiedene MIDI– und Expression-Quellen. Dazu gehören unter anderem Velocity, Modwheel, Expression Pedal, Aftertouch und MPE. Auch Sample & Hold, Keytracking und eine SPREAD-Modulation für unterschiedliche Bearbeitungen des linken und rechten Audiokanals stehen zur Verfügung.

Neu hinzugekommen sind unter anderem modulierbare ADSR-Parameter. So kann die Attack-Zeit abhängig von der Anschlagstärke verändert werden. Zusätzlich gibt es einen SLOW-Modus, der die Hüllkurve um den Faktor zehn verlangsamt – interessant für Pads, Drones und langsam evolvierende Ambient-Sounds.

Ebenfalls neu ist ein Mono-Synth-Modus, der Abyss 2 auch stärker für klassische monofone Synthesizer-Sounds und entsprechende Spielweisen öffnet.

Neuer Preset Browser, Packs und Undo/Redo

Auch beim Workflow hat Dawesome an zahlreichen Stellen angesetzt.

Dawesome Abyss 2 bekommt einen neuen Preset Browser mit Tags und Filtern. Presets können als Favoriten markiert und nach verschiedenen Eigenschaften gefiltert werden. Hinzu kommen Preset Packs, Undo und Redo, Randomisierungsfunktionen sowie eine vergrößerte Editierfläche für Controller.

Das Handbuch nennt darüber hinaus einen neuen Limiter, ein vereinfachtes Controller-Setup, einen High-Contrast-Modus und mehrere hundert mitgelieferte Presets. Außerdem kann die zuletzt gespielte Note beziehungsweise der zuletzt erzeugte Klang als Audiodatei direkt aus Abyss heraus in die DAW oder auf den Desktop gezogen werden.

Dawesome - Abyss 2 - Presetverwaltung
Dawesome – Abyss 2 – Presetverwaltung

Das eröffnet wiederum eine interessante Möglichkeit für Sounddesigner: Ein mit Abyss erzeugter Sound kann exportiert und anschließend erneut auf eine Palette oder den Gradient gezogen werden. Abyss analysiert damit gewissermaßen sein eigenes Ausgangsmaterial und erzeugt daraus wiederum neue Tone Colors.

Abyss-1-Presets müssen nicht draußen bleiben

Besitzer des ersten Abyss müssen ihre bisherigen Sounds nicht abschreiben.

Vorhandene User-Presets und Packs können nach Dawesome Abyss 2 übertragen werden. Über das Hauptmenü steht dafür eine Transferfunktion zur Verfügung. Die alten Presets werden automatisch in das Abyss-2-Format konvertiert und anschließend an den entsprechenden Speicherorten abgelegt.

Zudem lassen sich Presets aus Abyss 1 nach Angaben des Entwicklers auch per Drag-and-drop laden. Wer eine größere Sammlung besitzt, dürfte mit dem Batch-Import allerdings schneller ans Ziel kommen.

Ein Synthesizer zum „Malen mit Klang“

Am grundlegenden Konzept von Abyss hat Dawesome trotz der zahlreichen Erweiterungen offenbar bewusst nicht gerüttelt. Der Hersteller beschreibt das Instrument sinngemäß als eine Art Klangatelier: Das Preset ist die Leinwand, Samples liefern das Ausgangsmaterial und die Palette enthält die Tone Colors, mit denen anschließend der Sound gestaltet wird.

Das passt erstaunlich gut zur Benutzeroberfläche. Statt sich zuerst mit mehreren Oszillatoren, komplexen Modulationsmatrizen und technischen Syntheseparametern auseinanderzusetzen, soll die Klangfarbe selbst im Mittelpunkt stehen.

Mit Dawesome Abyss 2 wird dieses Konzept nun konsequent erweitert. Vor allem die Möglichkeit, eigene Samples analysieren und daraus Tone Colors beziehungsweise komplette Paletten erzeugen zu lassen, könnte den Synthesizer für Sounddesigner deutlich interessanter machen. Dazu kommen die flexible Effektsektion, neue Klangformungsparameter, der polyrhythmische Sequencer sowie zahlreiche Verbesserungen beim Preset- und Bedienkonzept.

Dawesome Abyss 2 erscheint am 20. August 2026.

Video: DawesomeAbyss 2

Systemvoraussetzungen

Auf dem Mac unterstützt Abyss 2 laut aktuellem Handbuch 64-Bit-Systeme mit Apple Silicon und Intel-Prozessoren sowie die Formate AU, VST3 und AAX. Unter Windows werden Windows 10 und Windows 11 in 64 Bit sowie VST3 und AAX unterstützt.

Eine Demo-Version ist ebenfalls vorgesehen.

Mit Abyss 2 entwickelt Dawesome damit weniger einen völlig neuen Synthesizer als vielmehr die ursprüngliche Idee von Abyss deutlich weiter: Klänge nicht nur programmieren, sondern mit Klangfarben gestalten – und diesmal kann praktisch jede eigene Audiodatei zum Ausgangspunkt dafür werden.

Hier ist der Link zu Dawesome. Abyss 2 wird voraussichtlich am 20. August dieses Jahres erscheinen und ist daher auch erst ab diesem Datum unter diesem Link zu finden: https://www.dawesomemusic.com/

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Andreas

Musiker und Musikproduzent: Gitarre, Keyboards, Drums und Gesang, Tonstudio, Songwriter, Qualitätsmanager, Hobbyfotograf und Online-Redakteur.