Denon DJ PRIME 4 G2 vorgestellt: Vier Decks, Stems und Lichtsteuerung ohne Laptop
Mit dem PRIME 4 G2 stellt Denon DJ die nächste Generation seines professionellen Standalone-DJ-Systems vor. Die neue All-in-one-Lösung arbeitet mit vier Decks und vier Mixerkanälen, benötigt im Standalone-Betrieb keinen Laptop und kombiniert zahlreiche Performance-Funktionen mit einer deutlich leistungsfähigeren Hardware.
Zu den wichtigsten Neuerungen gehören druck- und anschlagdynamische MPCe Multi-Zone Performance Pads, eine direkt im Gerät arbeitende Stem-Trennung, integrierte DMX-Lichtsteuerung, größere Jogwheels, ein überarbeiteter Effektbereich und die kommende OmniSource-Architektur zur Verbindung von Standalone-Medien und DJ-Software.
Der Denon DJ PRIME 4 G2 ist ab sofort erhältlich und kostet 2.699,99 Euro.
Vier Decks ohne Laptop
Der PRIME 4 G2 ist als vollständiges Standalone-DJ-System konzipiert. Musik lässt sich über USB-Datenträger, SD-Karten oder eine optional installierbare interne SATA-Festplatte laden. Die Vorbereitung, Auswahl und Wiedergabe der Titel erfolgt direkt am Gerät, sodass für einen vollständigen Vier-Deck-Mix kein Computer erforderlich ist.
Im Zentrum steht ein 10,1 Zoll großes HD-Multitouch-Display mit einer Auflösung von 1.280 × 800 Pixeln. Darüber lassen sich Musikbibliotheken durchsuchen, Tracks laden, Effekte bedienen, Stems kontrollieren und angeschlossene Lichtsysteme steuern.
Für die benötigte Rechenleistung sorgen ein ARM-Prozessor mit acht Kernen und 4 GB Arbeitsspeicher. Nach Angaben von Denon DJ bietet das neue Modell damit die vierfache Rechenleistung der vorherigen Generation. Dies soll insbesondere die Navigation in umfangreichen Musikbibliotheken beschleunigen und die direkte Berechnung von Stems ermöglichen.
MPCe Multi-Zone Performance Pads
Eine der auffälligsten Neuerungen sind die 16 MPCe Performance Pads. Sie reagieren sowohl auf die Anschlagstärke als auch auf den ausgeübten Druck und erfassen Eingaben mithilfe einer dreidimensionalen Sensortechnik.
Das Besondere ist die Aufteilung eines Pads in mehrere aktive Bereiche. Dadurch können innerhalb eines einzelnen Pads unterschiedliche Funktionen oder Parameter ausgelöst werden. Nach Angaben von Denon DJ vervierfacht sich damit die Zahl der verfügbaren Auslösemöglichkeiten gegenüber klassischen Performance Pads.
Die MPCe-Pads lassen sich unter anderem für folgende Aufgaben verwenden:
- Hot Cues
- Rolls
- Stems
- Effekte
- Lichtsteuerung
Die genaue Funktion hängt vom gewählten Performance-Modus ab. Ein Pad kann nicht nur einen Cue-Punkt starten, sondern abhängig von Position und Druck unterschiedliche Variationen oder zusätzliche Parameter kontrollieren.
Denon DJ bezeichnet die MPCe Multi-Zone Performance Pads als Branchenneuheit innerhalb eines eigenständig arbeitenden DJ-Systems. Die Technik stammt konzeptionell aus dem MPC-Umfeld und soll aus den bisher meist eher schlichten Auslösetasten ein wesentlich ausdrucksstärkeres Performance-Instrument machen.
Stems werden direkt im Gerät berechnet
Der PRIME 4 G2 kann Musikstücke direkt auf der Hardware in einzelne Bestandteile zerlegen. Eine vorherige Analyse auf einem Computer ist damit nicht zwingend erforderlich. Alternativ lassen sich Tracks weiterhin im Voraus vorbereiten.
Über eigene Tasten für Instrumental- und Acapella-Versionen können Gesang beziehungsweise Begleitung spontan isoliert werden. Hinzu kommen spezielle Pad-Modi, Stem-Effekte und ein Stem Level EQ zur Kontrolle der getrennten Bestandteile.
Damit lassen sich etwa die Vocals eines Titels mit dem Instrumental eines anderen Tracks kombinieren. Ebenso können Schlagzeug, Bass oder weitere Elemente abhängig von der vorgenommenen Analyse ausgeblendet, bearbeitet oder in einen Übergang eingebunden werden.
Technisch handelt es sich dabei nicht um die ursprünglichen Studiostems eines Musikprojekts, sondern um eine nachträgliche Trennung des fertigen Stereomixes. Wie sich echte Produktionsstems, Einzelspuren und algorithmisch getrennte Audiosignale unterscheiden, erklärt der Grundlagenartikel Professor Pegel erklärt Stem-Dateien.
Die lokale Berechnung dürfte besonders für mobile DJs interessant sein. Ein neu hinzugefügter Titel kann auf dem Gerät analysiert und anschließend in die Performance einbezogen werden, ohne zunächst eine zusätzliche Desktop-Anwendung öffnen zu müssen.
Integrierte DMX-Lichtsteuerung mit SoundSwitch
Auf der Rückseite des PRIME 4 G2 befindet sich ein isolierter dreipoliger DMX?Ausgang. Darüber lässt sich ein komplettes DMX-Universum mit bis zu 512 Kanälen ohne zusätzliches USB-Interface oder einen separaten Dongle ansteuern.
Die Lichtsteuerung basiert auf der SoundSwitch-Technologie und ist direkt in Engine Lighting integriert. Farben, Helligkeit, Position, Strobe-Effekte, Auto Loops und statische Lichtszenen können unmittelbar über das Display und die MPCe-Pads gesteuert werden.
Daneben werden Philips Hue und Nanoleaf unterstützt. Für größere Lichtinstallationen lassen sich weiterhin externe SoundSwitch-Hardwarelösungen wie DMX Micro oder Control One verwenden. Damit sind bis zu zwei DMX-Universen mit insgesamt 1.024 Kanälen möglich.
Der PRIME 4 G2 richtet sich dadurch besonders deutlich an mobile DJs, Hochzeits-DJs, Veranstaltungsdienstleister sowie Betreiber kleiner Clubs und Lounges. Musik und Licht können innerhalb eines gemeinsamen Systems vorbereitet und während der Veranstaltung bedient werden.
Größere Jogwheels mit integrierten Anzeigen
Denon DJ stattet den PRIME 4 G2 mit zwei ausgewachsenen 8-Zoll-Jogwheels aus. In deren Mitte befinden sich dynamische LED-Anzeigen, die wichtige Track- und Stem-Informationen darstellen.
Gegenüber kleineren Jogwheels bieten die neuen Modelle eine größere Bedienfläche für präzise Cue-Bewegungen, Pitch-Bends und Scratch-Techniken. Die Anzeige innerhalb des Jogwheels reduziert gleichzeitig den Bedarf, während eines Übergangs ständig zum Hauptdisplay zu wechseln.
Auch die Fader wurden überarbeitet. Denon DJ verwendet neu entwickelte Dual-Rail-Fader, die sich durch einen gleichmäßigen Lauf, geringe Geräuschentwicklung und eine robuste Konstruktion auszeichnen sollen. Die seitliche Führung soll außerdem verhindern, dass Staub und andere Verschmutzungen direkt in den Fader gelangen.
Deutlich erweiterter Effektbereich
Für kreative Übergänge und klangliche Eingriffe stellt das System mehr als 25 Main FX, zehn Touch FX, vier Fader FX und vier Sweep FX bereit. Hinzu kommen spezielle Mikrofon-, Stem- und MPCe-Pad-Effekte.
Zwei frei zuweisbare FX-Schalter ermöglichen den schnellen Zugriff auf häufig verwendete Effekte. Favoriten lassen sich unmittelbar aufrufen, während die Sweep-FX-Regler in jedem Kanal für spontane Filter- und Effektfahrten zur Verfügung stehen.
Touch FX werden direkt über das Display bedient. Dabei lassen sich mehrere Effektparameter gleichzeitig durch eine Fingerbewegung verändern. Fader FX beziehen dagegen die Stellung eines Faders in die Effektsteuerung ein.
Die Verbindung aus Touchscreen, Fadern, Drehreglern und druckempfindlichen Pads soll verhindern, dass der Effektbereich nur aus langen Menüs besteht. Der PRIME 4 G2 setzt stattdessen auf eine Kombination aus direkter Hardwarebedienung und kontextabhängigen Bildschirmfunktionen.
Effekte dienen dabei nicht ausschließlich spektakulären Übergängen. Sie können ebenso zum Umbauen und Verfremden vorhandener Aufnahmen eingesetzt werden. Weitere Grundlagen zu diesem kreativen Umgang mit Klang bietet der BuenasIdeas-Beitrag Sounddesign – wie aus Klang eine eigene musikalische Identität entsteht.
OmniSource verbindet Standalone- und Softwarebetrieb
Mit OmniSource führt Denon DJ eine neue Systemarchitektur ein, die unterschiedliche Musikquellen innerhalb eines gemeinsamen Workflows zusammenführen soll. Neben USB-Laufwerken, SD-Karten und der internen SATA-Festplatte sollen künftig auch Serato DJ Pro, Algoriddim djay und VirtualDJ eingebunden werden können.
DJs sollen dadurch während eines Sets zwischen lokal gespeicherten Titeln, Streaming-Inhalten und unterstützter DJ-Software wechseln können. Wichtig ist allerdings: Die vollständige Softwareunterstützung von OmniSource soll erst mit einem späteren Update erscheinen und steht zum Marktstart noch nicht komplett zur Verfügung.
Damit bleibt der PRIME 4 G2 zunächst vor allem ein eigenständiges Engine-DJ-System. Die angekündigte Softwareintegration erweitert das Konzept perspektivisch zu einer hybriden Zentrale, die nicht mehr strikt zwischen Controller- und Standalone-Betrieb trennt.
Streaming über WLAN
Über das integrierte WLAN kann der PRIME 4 G2 auf mehrere Musikdienste zugreifen.
Unterstützt werden:
- Amazon Music Unlimited
- Apple Music
- Beatport
- SoundCloud Go+
- TIDAL
Für die Nutzung ist jeweils ein entsprechendes Abonnement erforderlich. Zusätzlich nennt Denon DJ Dropbox als Quelle für online gespeicherte Musikdateien. Eine Offline-Locker-Funktion für TIDAL soll zu einem späteren Zeitpunkt ergänzt werden.
Drei eigene Playlist-Bank-Tasten ermöglichen den schnellen Zugriff auf häufig verwendete Wiedergabelisten. Dabei spielt es keine Rolle, ob diese auf einem lokalen Speichermedium, bei einem Streamingdienst oder künftig innerhalb einer unterstützten DJ-Software liegen.
Streaming kann bei Musikwünschen und spontan veränderten Sets hilfreich sein. Für professionelle Veranstaltungen bleibt eine lokal gespeicherte und vollständig vorbereitete Musikbibliothek dennoch die verlässlichere Grundlage – insbesondere dann, wenn am Veranstaltungsort keine stabile Internetverbindung garantiert werden kann.
Anschlüsse für mobile und professionelle Einsätze
Der PRIME 4 G2 bietet getrennte symmetrische XLR-Ausgänge für Main, Booth und Zone. Dadurch können neben der Hauptbeschallung auch DJ-Monitore und ein weiterer Veranstaltungsbereich unabhängig versorgt werden.
Ergänzend steht ein unsymmetrischer Cinch-Main-Ausgang zur Verfügung. Zwei kombinierte XLR/Klinkenanschlüsse nehmen Mikrofone auf, wobei sich der zweite Eingang auch für ein Instrument verwenden lässt. Die Kanäle drei und vier besitzen zusätzliche Line- und Phono-Eingänge.
Zu den unterstützten Speichermedien und Verbindungen gehören USB-A, USB-C, SD-Karten, eine interne SATA-Festplatte, WLAN und Bluetooth 5.4. Bluetooth kann sowohl zur Audioübertragung als auch zur Anbindung unterstützter Geräte verwendet werden. Außerdem lassen sich USB- und Bluetooth-Tastaturen anschließen, um die Suche in großen Musikbibliotheken zu vereinfachen.
Der verbaute ESS-ES9017S-D/A-Wandler arbeitet mit 32 Bit. Den Dynamikumfang des symmetrischen Hauptausgangs gibt Denon DJ mit bis zu 119 dB an. Das Gerät misst 76,2 × 49,71 × 10,49 Zentimeter und wiegt 9,9 Kilogramm.
Für wen ist der PRIME 4 G2 gedacht?
Denon DJ positioniert den PRIME 4 G2 als professionelles Komplettsystem für mobile Veranstaltungen, Hochzeiten, private Feiern, Clubs, Bars, Festivalbühnen, Livestreams und Contentproduktionen.
Besonders interessant erscheint die Kombination aus vier eigenständigen Decks, lokaler Stem-Berechnung und integrierter DMX-Steuerung. Ein mobiler DJ kann damit Musikwiedergabe, kreative Performance und Lichtsteuerung aus einem einzigen Gerät heraus kontrollieren.
Mit einem Preis von knapp 2.700 Euro richtet sich der PRIME 4 G2 allerdings nicht an Einsteiger, die lediglich einen kompakten Controller für gelegentliche Mixe suchen. Das System ist eher als vollständiger Arbeitsplatz zu verstehen, der mehrere bisher getrennte Komponenten ersetzen kann.
Passende Grundlagen zu Export, Rendering und der Erzeugung verschiedener Audiodateien finden sich im Artikel Bouncing – wenn aus vielen Spuren wieder Audio wird. Weitere Themen aus Aufnahme, Produktion, Mixing und Live-Technik bündelt die Professor-Pegel-Wissenslandkarte der Musikproduktion.
Preis und Verfügbarkeit
Der Denon DJ PRIME 4 G2 ist seit dem 1. September 2026 über autorisierte Händler erhältlich.
Der empfohlene Verkaufspreis beträgt:
- 2.699,99 Euro
- 2.599 US-Dollar
- 2.299,99 britische Pfund
Weitere Informationen, Produktvideos und technische Daten stellt Denon DJ auf der offiziellen Produktseite des PRIME 4 G2 bereit.
Fazit
Mit dem PRIME 4 G2 entwickelt Denon DJ sein Standalone-Flaggschiff konsequent in Richtung eines vollständigen Performance- und Veranstaltungssystems weiter. Die neue Prozessoreinheit ermöglicht die direkte Stem-Berechnung, während die MPCe Multi-Zone Pads deutlich mehr Ausdrucksmöglichkeiten als herkömmliche Performance Pads versprechen.
Die integrierte DMX-Schnittstelle ist mehr als eine kleine Zusatzfunktion. Gerade für mobile DJs kann sie separate Lichtcontroller und zusätzliche Interfaces überflüssig machen. Größere Jogwheels, überarbeitete Fader, zahlreiche Effektvarianten und die direkte Anbindung mehrerer Streamingdienste runden das Konzept ab.
Spannend bleibt die angekündigte OmniSource-Integration. Da die Unterstützung für Serato DJ Pro, Algoriddim djay und VirtualDJ erst später folgen soll, lässt sich dieser Teil des Systems zum Marktstart noch nicht abschließend beurteilen.
Unabhängig davon gehört der PRIME 4 G2 zu den umfangreichsten Standalone-DJ-Systemen seiner Klasse. Der Preis ist entsprechend professionell, der Funktionsumfang allerdings ebenso.





