Kostenloser Drum Kompressor Gazillion Industries DRUGS: Ein-Regler-Kompressor macht Drumloops dichter statt lauter

DRUGS: Kostenloser Drum Kompressor für dichte Beats

Gazillion Industries veröffentlicht mit DRUGS einen kostenlosen Bus-Kompressor für Schlagzeug und Drumloops. Das Plugin reduziert seine Bedienung im Wesentlichen auf den großen DOSE-Regler, hinter dem sich allerdings eine komplexe Steuerung von Kennlinie, Knee, Attack und Release verbirgt. MIX ermöglicht latenzfreie Parallelkompression, während LIMIT Pegelspitzen am Ausgang abfängt.

Eigentlich sollte man bei einem Plugin namens DRUGS vorsichtig mit Formulierungen wie „kostenlos erhältlich“ oder „einfach die Dosis erhöhen“ umgehen. Gazillion Industries lässt der Redaktion allerdings kaum eine andere Wahl. Der neue Bus-Kompressor heißt tatsächlich DRUGS, sein zentraler Regler hört auf den Namen DOSE und die gewünschte Menge darf vollständig nach Gehör verabreicht werden.

Hinter der bewusst provokanten Namensgebung steckt ein überraschend geradliniges Konzept: DRUGS soll Schlagzeug und Drumloops dichter, druckvoller und räumlicher erscheinen lassen, ohne dass dafür Threshold, Ratio, Attack und Release einzeln eingestellt werden müssen.

Das Plugin ist kostenlos erhältlich. Wer die Entwicklung unterstützen möchte, kann beim Download freiwillig einen eigenen Preis festlegen.

Ein großer Regler für die Kompression

Das Bedienkonzept von DRUGS konzentriert sich auf einen großen DOSE-Regler. Wird dieser aufgedreht, verändert das Plugin nicht einfach nur einen Schwellenwert. Stattdessen steuert der Makroregler mehrere Bestandteile der Dynamikbearbeitung gleichzeitig.

DOSE beeinflusst die Übertragungskennlinie, die Härte beziehungsweise Weichheit des Übergangs, Attack und Release. Die Parameter bewegen sich dabei nicht unabhängig voneinander, sondern folgen einer vom Entwickler festgelegten Abstimmung.

Der Gedanke dahinter ist leicht nachvollziehbar: Anstelle einer möglichst universellen Kompressorschaltung bietet DRUGS einen vorgegebenen Klangcharakter, dessen Intensität mit einem einzigen Regler bestimmt wird. Das Plugin richtet sich damit vor allem an Produzenten, die schnell zu einem musikalisch brauchbaren Ergebnis gelangen möchten.

Wie Attack, Release, Ratio und Threshold bei konventionellen Dynamikprozessoren zusammenarbeiten, erklärt Professor Pegel im Grundlagenartikel Wie funktioniert ein Kompressor?.

Kostenloser Drum Kompressor Gazillionindustries Drugs - MDrummer in Cubase
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Kein klassischer Threshold und keine feste Ratio

Trotz der einfachen Bedienung arbeitet DRUGS im Hintergrund nicht wie ein gewöhnlicher Ein-Regler-Kompressor mit lediglich versteckten Standardparametern. Laut Gazillion Industries besitzt das zugrunde liegende Modell keinen klassischen Threshold.

Die Gain-Kennlinie basiert stattdessen auf einer Lookup-Tabelle. Vereinfacht ausgedrückt beschreibt diese Tabelle, wie das Plugin auf unterschiedliche Eingangspegel reagieren soll. Dadurch ändert sich das lokale Kompressionsverhältnis kontinuierlich mit dem Pegel des Signals.

Eine fest eingestellte Ratio, beispielsweise 4:1 oder 10:1, gibt es deshalb ebenfalls nicht. Je nachdem, wie laut ein bestimmter Signalabschnitt ist und wie weit DOSE aufgedreht wurde, reagiert der Kompressor unterschiedlich stark.

Das klingt zunächst komplizierter, als es sich bedienen lässt. Die gesamte Berechnung bleibt hinter dem einzigen Makroregler verborgen. Für das Ergebnis ist entscheidend, dass die Kompression keine starre Pegelreduktion erzeugen soll, sondern Drumloops und Schlagzeuggruppen gezielt umformen kann.

Dichte statt zusätzlicher Lautstärke

Gazillion Industries beschreibt das Ziel des Plugins mit „denser, not louder“ – also dichter statt lauter. Nach Angaben des Entwicklers verändert sich der Spitzenpegel über einen großen Teil des DOSE-Regelwegs nur geringfügig.

Das bedeutet allerdings nicht, dass DRUGS das Schlagzeug unbearbeitet lässt. Transienten, Raumanteile und die Hüllkurve eines Drumloops können sich deutlich verändern. Während die Spitzen kontrolliert werden, treten leisere Bestandteile zwischen den einzelnen Schlägen stärker hervor. Dadurch kann der Raum unter Snare, Kick und Hi-Hat hörbarer werden.

Ein Loop wirkt anschließend dichter und geschlossener, ohne allein durch einen höheren Peak-Pegel zu beeindrucken. Dieses Verhalten kann besonders bei gesampelten Breaks, Boom-Bap-Beats, Lo-Fi Hip-Hop und elektronischen Drums interessant sein.

Was beim Komprimieren mit den kurzen Pegelspitzen eines Schlagzeugs geschieht, erläutert unser Professor-Pegel-Artikel Was sind Transienten?.

Was meint Gazillion Industries mit „Vinyl Sim“?

Der Hersteller verwendet für den angestrebten Klang die Bezeichnung „Vinyl Sim“. Damit ist jedoch keine vollständige Vinylsimulation mit Plattenknistern, Gleichlaufschwankungen, Rumpeln oder Frequenzverlusten gemeint.

Der Begriff beschreibt vielmehr eine bestimmte Form kräftiger Kompression, wie sie häufig mit gesampelten Drum-Breaks in Verbindung gebracht wird. Die Schlagzeugaufnahme wird verdichtet und leicht gequetscht, während die Raumanteile zwischen den Hits nach vorn rücken. Das Ergebnis soll an einen Break erinnern, der bereits eine Sampling- und Produktionskette durchlaufen hat.

DRUGS ist daher weniger als Effekt zur künstlichen Alterung einer kompletten Mischung gedacht. Sein eigentliches Einsatzgebiet liegt auf dem Drum-Bus, einzelnen Schlagzeuggruppen und fertigen Loops.

Natürlich ist die Verwendung nicht technisch auf Schlagzeug beschränkt. Der Charakterkompressor kann ebenso auf Bass, Percussion, Samples, Gitarren oder anderen Signalen ausprobiert werden. Die interne Abstimmung wurde jedoch gezielt für Drums und rhythmisches Material entwickelt.

Adaptives Release ohne manuellen Regler

Die Rückstellzeit arbeitet adaptiv und lässt sich nicht direkt einstellen. DRUGS analysiert die Art des anliegenden Signals und passt das Release-Verhalten daran an.

Auf einen kurzen Transienten reagiert das Plugin mit einer kürzeren Rückstellzeit. Die Pegelreduktion kann sich dadurch innerhalb der Lücke bis zum nächsten Schlag erholen. Bei länger anhaltendem Material verwendet DRUGS eine längere Release-Zeit, damit die Kompression stabil bleibt und nicht unnötig hörbar „atmet“.

Dieses adaptive Verhalten soll verhindern, dass für unterschiedliche Drumloops ständig eine neue Release-Einstellung gesucht werden muss. Ob die Automatik bei jedem Material die richtige musikalische Entscheidung trifft, lässt sich erst in einem praktischen Test beurteilen. Das Grundkonzept passt jedoch zur bewusst reduzierten Bedienung.

Automatischer Pegelausgleich

Nach der eigentlichen Gain-Stufe nimmt DRUGS einen automatischen Makeup-Gain vor. Dadurch soll die Lautstärkeanpassung die Dynamikberechnung nicht erneut beeinflussen.

Das erleichtert auch die klangliche Beurteilung. Ein stärker komprimiertes Signal erscheint durch automatischen Pegelausgleich nicht zwangsläufig leiser als das Original. Dennoch empfiehlt sich ein sorgfältiger Lautheitsvergleich, denn ein dichteres Signal kann subjektiv kräftiger wirken, obwohl die Spitzenpegel nahezu identisch bleiben.

Warum schon kleine Lautstärkeunterschiede einen A/B-Vergleich verfälschen können, zeigt Professor Pegel im Artikel Level Matching – warum lauter fast immer besser klingt.

MIX für latenzfreie Parallelkompression

Neben DOSE gehört MIX zu den wenigen direkt verfügbaren Bedienelementen. Der Regler mischt das trockene Eingangssignal mit dem komprimierten Signal.

Das ermöglicht Parallelkompression, ohne einen zusätzlichen Send-Kanal in der DAW einrichten zu müssen. Eine stark verdichtete Bearbeitung kann dem Originalsignal nur anteilig zugemischt werden. Die Transienten des unbearbeiteten Schlagzeugs bleiben dadurch erhalten, während der komprimierte Anteil zusätzliche Dichte und hörbarere Raumanteile liefert.

Nach Angaben des Herstellers arbeitet der MIX-Signalweg vollständig latenzfrei. Trockenes und bearbeitetes Signal bleiben samplegenau ausgerichtet. Dadurch sollen bei Zwischenstellungen des Reglers keine Kammfiltereffekte durch eine zeitliche Verschiebung der beiden Signalwege entstehen.

Das ist insbesondere bei Drums wichtig. Schon eine sehr kleine Verzögerung kann beim Zusammenmischen zweier nahezu identischer Signale Frequenzen abschwächen oder verstärken. Die Hintergründe erklärt unser Artikel über Phasenauslöschungen in der Musikproduktion.

Kostenloser Drum Kompressor Gazillionindustries Drugs
Kostenloser Drum Kompressor Gazillionindustries Drugs

LIMIT schützt den Ausgang

Ein zusätzlicher LIMIT-Schalter aktiviert eine Soft-Ceiling-Stufe am Ausgang. Diese begrenzt den Signalpegel auf ?0,3 dBFS und arbeitet ebenfalls ohne zusätzliche Latenz.

Unterhalb von ungefähr ?0,9 dBFS soll der Limiter transparent bleiben. Er greift somit erst ein, wenn Pegelspitzen in die Nähe der festgelegten Ausgangsgrenze gelangen. Eine Clip-Anzeige informiert darüber, wenn das Signal den kritischen Bereich erreicht.

Der Limiter erhöht den Pegel nicht, sondern kann ihn ausschließlich reduzieren. Er dient damit hauptsächlich als Schutz vor Übersteuerungen, die durch intensive Kompression, Makeup-Gain oder hohe Mischanteile entstehen könnten.

Trotzdem sollte LIMIT nicht mit einem vollständigen True-Peak-Limiter für Masteringaufgaben verwechselt werden. Das Plugin arbeitet mit null Samples Verzögerung und besitzt daher offenbar kein vorausschauendes Look-ahead. Für die Sicherung eines Drum-Busses ist das praktisch, für normgerechte True-Peak-Kontrolle bleibt ein spezialisierter Limiter die bessere Wahl. Weitere Grundlagen dazu finden sich in Limiter – der letzte Schutz vor Clipping.

Vollständig latenzfrei und offline nutzbar

DRUGS meldet dem Host eine Latenz von null Samples. Damit lässt sich das Plugin auch während einer laufenden Produktion oder beim Einspielen verwenden, ohne die Verzögerung der Signalkette zu erhöhen.

Eine Internetverbindung ist für den Betrieb nicht erforderlich. Das Plugin arbeitet nach der Installation vollständig offline. Ein Account oder eine dauerhaft laufende Lizenzverwaltung wird auf der Produktseite nicht genannt.

Zusätzlich zu den Plugin-Versionen ist eine Standalone-Anwendung enthalten. Damit kann DRUGS auch außerhalb einer DAW verwendet werden.

Formate und Systemvoraussetzungen

Gazillion Industries DRUGS ist für Windows und macOS erhältlich. Unterstützt werden:

  • VST3 unter Windows und macOS
  • Audio Units unter macOS
  • Standalone-Anwendung
  • macOS 10.13 oder neuer
  • Apple Silicon und Intel-Macs als Universal Binary
  • Windows 10 oder neuer in 64 Bit

Der Hersteller nennt unter anderem Logic Pro, Ableton Live, Reaper, Cubase, Studio One, Bitwig Studio, FL Studio und GarageBand als kompatible Programme.

Kostenlos oder freiwillig bezahlen

DRUGS kann kostenlos heruntergeladen werden. Gazillion Industries verwendet ein „Name your own price“-Modell. Beim Download lässt sich somit ein freiwilliger Betrag eintragen, eine Zahlung ist aber nicht erforderlich.

Die aktuell ausgewiesene Version ist 1.0.2. Weitere Informationen, Klangbeispiele und den Download gibt es direkt auf der Produktseite von Gazillion Industries.

Fazit

DRUGS ist ein Spezialist und versucht gar nicht erst, einen voll ausgestatteten Studiokompressor zu ersetzen. Threshold, Ratio, Attack und Release sucht man auf der Oberfläche vergeblich. Stattdessen verbindet der zentrale DOSE-Regler mehrere dynamische Vorgänge zu einem abgestimmten Klangverlauf.

Technisch interessant sind die kontinuierlich veränderliche Kompressionskennlinie, das adaptive Release und der samplegenau ausgerichtete MIX-Signalweg. Hinzu kommen automatischer Pegelausgleich und ein einfacher Ausgangslimiter.

Ob ein einziger Regler genügt, hängt von der Aufgabe ab. Für chirurgische Dynamikkontrolle ist DRUGS offensichtlich nicht vorgesehen. Wenn ein Drumloop schnell dichter, kräftiger und etwas „gesampelter“ klingen soll, könnte gerade die radikale Beschränkung seinen Reiz ausmachen.

Und angesichts des Preises lässt sich das Risiko einer Überdosis zumindest finanziell ausschließen.

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Andreas

Musiker und Musikproduzent: Gitarre, Keyboards, Drums und Gesang, Tonstudio, Songwriter, Qualitätsmanager, Hobbyfotograf und Online-Redakteur.