Eigene Audio-Plugins erstellen – ohne Programmierung – VST3 – AU – AAX
Eine eigene Idee für ein Audio-Plugin ist schnell geboren. Die Umsetzung ist dagegen eine ganz andere Geschichte. C++, DSP-Programmierung, Frameworks wie JUCE, unterschiedliche Plugin-Formate, Benutzeroberflächen, Installer, Lizenzverwaltung und nicht zuletzt der Vertrieb sorgen dafür, dass aus der vermeintlich einfachen Idee schnell ein ziemlich umfangreiches Softwareprojekt wird.
Audioloom möchte genau diese Hürde beseitigen. Die Plattform verspricht, dass Produzenten, Toningenieure und andere Audio-Profis eigene Plugins entwickeln können, ohne dafür programmieren zu müssen.
Und Audioloom beschränkt sich dabei nicht auf einfache Prototypen. Am Ende sollen tatsächlich reguläre Plugins in den Formaten VST3, AU und AAX für Windows und macOS entstehen, die anschließend auch verkauft werden können.

Vom Effekt-Rack zum eigenen Plugin
Das Grundprinzip von Audioloom erinnert zunächst an modulare Audio-Umgebungen: Statt DSP-Funktionen selbst programmieren zu müssen, werden vorhandene Module miteinander kombiniert. Audioloom stellt dafür integrierte DSP-Module bereit. Die gewünschte Signalkette wird visuell aufgebaut und kann direkt innerhalb der DAW getestet werden. Laut Hersteller lässt sich eine eigene Effektkette auf diese Weise in ein eigenständiges Plugin verwandeln.
Der entscheidende Unterschied zu vielen klassischen Entwicklungsumgebungen ist dabei der Ansatz:
Programmieren soll vollständig entfallen.
Audioloom erklärt ausdrücklich, dass weder C++-Kenntnisse noch JUCE oder ein eigenes Entwicklerteam notwendig sind. Stattdessen sollen Klang und Signalfluss per Drag-and-drop zusammengestellt werden. Damit richtet sich das System vor allem an Menschen, die zwar sehr genau wissen, wie ein Audiowerkzeug funktionieren soll, bisher aber nicht über die notwendigen Programmierkenntnisse verfügten, um daraus eigene Audio-Plugins erstellen zu können.

Auch die Benutzeroberfläche entsteht ohne Programmierung
Zu einem Plugin gehört natürlich mehr als die eigentliche Signalverarbeitung. Audioloom besitzt deshalb zusätzlich einen Drag-and-drop-UI-Editor, mit dem sich die Bedienoberfläche gestalten lässt. Sound und Benutzeroberfläche können anschließend direkt innerhalb der DAW ausprobiert und weiter verändert werden.
Zu den derzeit genannten Funktionen gehören unter anderem integrierte DSP-Module, ein visueller UI-Editor, Echtzeittests innerhalb der DAW, Zusammenarbeit mit anderen Entwicklern beziehungsweise Kreativen sowie automatisierte Plugin-Builds.
Das könnte interessant sein, wenn ein Mixing Engineer eine bestimmte Effektkette entwickelt hat, die regelmäßig bei Produktionen zum Einsatz kommt. Statt daraus lediglich ein Preset oder DAW-Template zu machen, könnte daraus theoretisch ein eigenständiges Plugin mit einer speziell auf diesen Workflow zugeschnittenen Bedienoberfläche entstehen.
VST3, AU und AAX für Windows und macOS
Besonders wichtig ist, dass Audioloom nicht lediglich eine proprietäre Umgebung für die erstellten Effekte anbietet. Die fertigen Produkte sollen als VST3, Audio Unit und AAX ausgegeben werden können. Unterstützt werden Windows und macOS, einschließlich nativer Unterstützung aktueller Apple-Silicon-Systeme bei den über Audioloom angebotenen Plugins.
Damit lassen sich die fertigen Plugins grundsätzlich in den üblichen Produktionsumgebungen einsetzen. Audioloom nennt unter anderem die Unterstützung der großen DAWs. Bereits über die Plattform angebotene Produkte stehen beispielsweise für Ableton Live, Bitwig Studio, Cubase, FL Studio, Logic Pro, Pro Tools, Studio One, Mixcraft, LUNA und Reaper zur Verfügung.

Audioloom kümmert sich auch um Lizenzierung und Updates
Interessant wird das Konzept spätestens dort, wo die eigentliche Plugin-Entwicklung normalerweise aufhört. Denn wer ein Plugin verkaufen möchte, braucht nicht nur einen funktionierenden Effekt. Es werden außerdem Installer, Lizenzverwaltung, Hosting, Updates, Zahlungsabwicklung und gegebenenfalls ein eigener Shop benötigt.
Auch diese Bereiche möchte Audioloom übernehmen. In die Plattform sind unter anderem Lizenzierung, Hosting und Updates integriert. Die über Audioloom vertriebenen Plugins verwenden ein eigenes Lizenzsystem; ein iLok-Konto ist dafür nicht erforderlich. Nach Angaben des Unternehmens lassen sich Lizenzen auf bis zu drei Systemen aktivieren.
Damit entwickelt sich Audioloom von einem reinen No-Code-Plugin-Builder eher zu einer kompletten Infrastruktur für kleine Plugin-Hersteller.
Das eigene Plugin direkt verkaufen
Nach der Fertigstellung kann das Plugin sowohl über die eigene Website als auch über den Audioloom Store angeboten werden. Der Entwickler beziehungsweise Creator bestimmt laut Audioloom selbst den Preis, die Marke und die Präsentation.
Die Plattform übernimmt dagegen unter anderem Hosting, Lizenzierung, Zahlungsabwicklung, weltweite steuerliche Abwicklung, Auslieferung und Updates. Zusätzlich stehen Funktionen für Rabatte, Gutscheine, Verkaufsstatistiken und Lizenzverwaltung zur Verfügung.
Damit wird ein weiterer Bereich abgedeckt, der für kleine Entwickler häufig mindestens genauso kompliziert ist wie die eigentliche Programmierung.
Keine Startkosten – dafür Umsatzbeteiligung
Ganz kostenlos ist dieses Modell natürlich nicht.
Interessant ist jedoch, dass Audioloom zunächst keine Vorabgebühren verlangt. Statt eines Abonnements oder einer hohen Einstiegssumme setzt das Unternehmen auf eine Umsatzbeteiligung.
Audioloom nennt derzeit 30 Prozent des Netto-Umsatzes aus Plugin-Verkäufen als Anteil für die Plattform. Hinzu kommen bei Verkäufen Kosten für Zahlungsabwicklung und Steuern, die laut Audioloom abhängig von Zahlungsmethode und Währung ungefähr zwischen fünf und neun Prozent liegen können.
Für den Einstieg bedeutet das zunächst ein vergleichsweise geringes finanzielles Risiko. Dennoch sollte bei einem erfolgreichen Produkt natürlich berücksichtigt werden, dass 30 Prozent Umsatzbeteiligung langfristig einen erheblichen Betrag darstellen können.
Interessant ist außerdem eine Besonderheit: Für den Verkauf von Bundles, Samples und Presets nennt Audioloom eine pauschale Gebühr von drei Prozent.
Noch kein völlig offener Plugin-Baukasten
Wer jetzt bereits die hundertste Variante eines Kompressors bauen möchte, muss sich allerdings noch etwas gedulden. Der Zugang zum Creator-System ist derzeit kuratiert.
Audioloom lädt momentan vor allem erfahrene Audio-Creator, Produzenten, Engineers und andere Branchenprofis ein. Interessenten können einen Zugang beantragen; anschließend prüft das Audioloom-Team, ob der Bewerber beziehungsweise das geplante Angebot zur Plattform passt.
Damit ist Audioloom derzeit noch keine Plattform, auf der sich jeder unmittelbar registrieren und fünf Minuten später sein erstes Plugin veröffentlichen kann.
Eine interessante Idee für Produzenten und Toningenieure
Das Konzept könnte dennoch eine interessante Entwicklung für den Plugin-Markt darstellen. Viele Produzenten und Toningenieure entwickeln im Laufe der Jahre eigene Workflows und Effektketten. Oft bestehen diese aus mehreren Plugins, bestimmten Einstellungen und teilweise recht komplexen Routings.
Bislang gab es im Wesentlichen zwei Möglichkeiten, daraus ein kommerzielles Plugin zu machen: selbst programmieren lernen oder einen Entwickler beziehungsweise ein Entwicklerteam beauftragen. Audioloom versucht, eine dritte Möglichkeit zu etablieren.
Der Produzent entwickelt Klang, Signalfluss und Bedienkonzept – die technische Infrastruktur für Plugin-Formate, Lizenzierung, Vertrieb und Updates liefert die Plattform.
Gerade für bekannte Produzenten, Mixing Engineers, Sounddesigner oder Content Creator könnte das interessant sein. Aus einer persönlichen Effektkette könnte damit ein Produkt entstehen, ohne zunächst mehrere zehntausend Dollar in eine klassische Plugin-Entwicklung investieren zu müssen.
Konkurrenz für klassische Plugin-Entwickler?
Vollständig ersetzen wird ein No-Code-System klassische Plugin-Entwicklung vermutlich nicht.
Wer völlig neue DSP-Algorithmen, ungewöhnliche Signalverarbeitung oder sehr spezielle technische Funktionen entwickeln möchte, dürfte mit einer modularen Plattform irgendwann an Grenzen stoßen. Wie flexibel die DSP-Umgebung von Audioloom tatsächlich ist, wird sich außerdem erst im praktischen Einsatz beurteilen lassen.
Für viele typische Mixing- und Produktionswerkzeuge könnte ein solcher Ansatz jedoch vollkommen ausreichen.
Und genau darin steckt möglicherweise das Interessanteste an Audioloom: Die Plattform könnte die Schwelle zwischen „Ich habe eine Idee für ein Plugin“ und „Ich veröffentliche ein Plugin“ erheblich verkleinern.
Ähnlich wie Website-Baukästen irgendwann ermöglichten, Webseiten ohne HTML- und PHP-Kenntnisse zu erstellen, könnten No-Code-Plattformen langfristig auch die Entwicklung von Audiowerkzeugen verändern.
Ob Audioloom tatsächlich der „Website-Baukasten für Audio-Plugins“ wird, muss sich erst noch zeigen. Die Idee ist jedenfalls spannend – und vermutlich werden jetzt einige Produzenten ihre über Jahre perfektionierten Effektketten mit ganz anderen Augen betrachten.
Weitere Informationen sowie die Möglichkeit, Creator Access zu beantragen, gibt es direkt bei Audioloom: https://www.audioloom.com/become-a-creator


