Wenn es um Equalizer in der Musikproduktion geht, fällt ein Name fast immer zuerst: FabFilter Pro-Q. Der EQ gilt seit Jahren als Referenz, wenn es um Flexibilität, Übersicht und Klangqualität geht. Entsprechend groß ist das Interesse an jeder neuen Fabfilter Pro Q Alternative, die versucht, eigene Wege zu gehen.
Mit dem Semedo EQ Plugin taucht nun ein Kandidat auf, der genau das tut. Statt sich ausschließlich auf visuelle Darstellung und Kurvenarbeit zu verlassen, setzt dieses Plugin bewusst auf einen hörbasierten Workflow. Das zentrale Feature trägt den passenden Namen „Ear Mode“ und verändert die Herangehensweise an EQ-Arbeit spürbar.

Weg vom Graphen, hin zum Gehör
Ich habe beobachtet, dass die meisten von uns beim Equalizing inzwischen vermehrt visuell arbeiten. Man sieht eine Resonanz, setzt einen Punkt, zieht ihn runter und vertraut darauf, dass es passt. Genau dieses Verhalten stellt Semedo EQ ein Stück weit infrage. Der sogenannte Ear Mode ist darauf ausgelegt, dass Entscheidungen primär über das Hören getroffen werden. Statt klassischer Kurvenbearbeitung arbeitet man hier mit 24 horizontalen Bändern, die jeweils als eigene „Spur“ dargestellt werden.
Das wirkt im ersten Moment ungewohnt, macht aber nach kurzer Zeit erstaunlich viel Sinn. Man greift direkt in den Gain, verändert Frequenzen oder die Bandbreite und hört sofort, was passiert, ohne sich zu sehr vom Analyzer oder der Grafik beeinflussen zu lassen.
24 Bänder – viel Spielraum, aber strukturiert
Semedo EQ bietet insgesamt 24 EQ-Bänder, was mehr als ausreichend ist, selbst für komplexe Mischungen oder Mastering-Aufgaben. Jedes Band lässt sich individuell einstellen und bietet alle klassischen Filtertypen. Dazu gehören unter anderem Bell, Low Shelf, High Shelf sowie High Pass und Low Pass. Auch Notch-, Bandpass- und Tilt-Filter sind vorhanden. Damit bewegt sich das Plugin klar auf professionellem Niveau.
Die Bedienung erfolgt dabei bewusst direkt. Gain wird durch Ziehen angepasst, während Frequenz und Q über separate Regler eingestellt werden. Das fühlt sich weniger technisch an und eher wie ein schnelles „Formen“ des Sounds.
Dynamik pro Band – gezielt statt global
Ein Punkt, der mir besonders gefallen hat, ist die Möglichkeit, dynamische EQ-Bearbeitung pro Band zu aktivieren. Das bedeutet, dass problematische Frequenzen nur dann reduziert werden, wenn sie tatsächlich auftreten. Das kennt man natürlich auch von etablierten Lösungen, aber hier ist es sehr intuitiv umgesetzt. Man aktiviert die Dynamik direkt im jeweiligen Band und kann sofort hören, wie sich der Klang verändert.
Gerade bei Vocals oder komplexen Instrumenten kann das extrem hilfreich sein, da man nicht den gesamten Sound „plattdrückt“, sondern nur gezielt eingreift.
Mid/Side und mehr – volle Kontrolle im Mix
Semedo EQ bietet zusätzlich eine flexible Domain-Auswahl. Jedes Band kann einzeln auf Stereo, Mid, Side oder sogar nur auf den linken oder rechten Kanal angewendet werden. Das ist besonders im Mixing und Mastering interessant, wenn es darum geht, bestimmte Frequenzen nur im Stereobild oder gezielt in der Mitte zu bearbeiten. In Kombination mit den dynamischen Funktionen entsteht hier ein Werkzeug, das deutlich über einfache Korrekturen hinausgeht.
Ear Mode in der Praxis – schneller als gedacht
Was mich persönlich überrascht hat, ist die Geschwindigkeit, mit der man im Ear Mode arbeiten kann. Gerade beim Suchen von Resonanzen oder beim groben Formen eines Sounds geht das deutlich schneller als mit klassischen EQ-Interfaces. Man hört, greift ein, korrigiert und geht weiter. Es fühlt sich weniger nach „Analysieren“ und mehr nach „musikalischem Arbeiten“ an.
Natürlich bedeutet das nicht, dass visuelle Hilfen komplett fehlen. Ein Analyzer ist vorhanden und kann vor oder nach dem EQ angezeigt werden. Trotzdem bleibt der Fokus klar auf dem Gehör.
Zusatzfunktionen für moderne Produktionen
Semedo EQ bringt eine Reihe weiterer Funktionen mit, die man von einem modernen Equalizer erwarten darf. Dazu gehört unter anderem ein EQ-Match-Modus, mit dem sich Klangcharakteristiken übernehmen lassen. Auch Features wie Auto Gain, Loudness-Matching oder eine Mono-Below-Funktion sind integriert. Letztere sorgt dafür, dass tiefe Frequenzen im Stereobild sauber zentriert bleiben. Zusätzlich kann zwischen Zero-Latency und Linear-Phase-Modus gewählt werden. Damit eignet sich das Plugin sowohl für das Mixing als auch für das Mastering.
Open-Source-Ansatz als spannender Schritt
Ein besonders interessanter Aspekt ist die geplante Open-Source-Version. Mit Version 4 soll Semedo EQ frei verfügbar werden und auf Plattformen wie GitHub bereitgestellt werden. Das ist in diesem Bereich eher ungewöhnlich und könnte langfristig für eine aktive Weiterentwicklung durch die Community sorgen. Das Projekt basiert zudem teilweise auf Code von ZL Equalizer 2, was eine solide technische Grundlage vermuten lässt.
Für wen eignet sich diese Fabfilter Pro Q Alternative?
Semedo EQ richtet sich klar an Produzenten, Mixing-Engineers und auch an kreative Anwender, die einen anderen Workflow ausprobieren möchten. Wer stark visuell arbeitet, wird sich zunächst umgewöhnen müssen. Wer jedoch bereit ist, mehr nach Gehör zu arbeiten, bekommt hier ein Werkzeug, das sich überraschend schnell und intuitiv bedienen lässt.
Auch für Nutzer, die eine flexible Fabfilter Pro Q Alternative suchen, ist Semedo EQ definitiv einen Blick wert. Gerade durch die Kombination aus 24 Bändern, dynamischer Bearbeitung und Ear Mode hebt sich das Plugin deutlich von vielen Mitbewerbern ab. Semedo EQ ist kein klassischer Equalizer und genau das macht ihn interessant. Der Fokus auf einen hörbasierten Workflow bringt frischen Wind in einen Bereich, der oft stark visuell geprägt ist.
Die Kombination aus umfangreicher Ausstattung, moderner Bedienung und der geplanten Open-Source-Strategie macht das Plugin zu einer spannenden Alternative im Markt und meines Erachtens auch zu einer echten Fabfilter Pro Q Alternative. Wer sich auf den Ansatz einlässt, wird schnell merken, dass weniger „sehen“ manchmal tatsächlich zu besseren Entscheidungen führen kann.
Das Plugin ist aktuell nur im VST3 Format für Windows verfügbar. Der Download ist 318 MB groß (das Plugin alleine ist nur knappe 4 MB groß, im Download sind auch zahlreiche WAV-Dateien enthalten, die als Beispiele dienen sollen) und erfolgt via Gumroad. Dort könnt ihr einen fairen Preis eingeben, um das Equalizer-Plugin herunterladen zu können.
Da der Preis auch 0,– Euro sein kann, setze ich diesen Artikel in die Rubrik Gratis. Natürlich ist es sehr hilfreich für den Entwickler, wenn ihr ein paar Euro springen lasst. Wenn ich überlege, was das Fabfilter Pro Q Plugin kostet, sollte das nicht wehtun. Der Entwickler hat sich ein Spendenziel von 500,– Euro gesetzt. Wäre doch schön, wenn er das Ziel erreichen oder sogar überschreiten könnte.
Hier ist der Link: https://cmdo.gumroad.com/l/sefixr



