Field Four: Kostenloser Vierspurrecorder bringt das Portastudio auf den Windows-PC

Field Four: Kostenloser Vierspurrecorder für Windows

Vier Spuren, ein paar Klangregler und die Entscheidung, wann eine Aufnahme fertig ist: Filmic Gaze hat mit Field Four einen kostenlosen Rekorder für Windows veröffentlicht, der sich am Arbeitsablauf klassischer Portastudios orientiert. Die Anwendung verzichtet bewusst auf die üblichen Werkzeuge einer DAW. Gerade diese Beschränkung könnte für Musiker interessant sein, die eine Idee aufnehmen möchten, bevor sie sich in Bearbeitungsmöglichkeiten verlieren.

Vier Spuren statt unbegrenzter Möglichkeiten

Field Four 1.01 bietet vier durchgehende Monospuren, einen separaten Eingang und einen kleinen Mixer. Aufnahmen lassen sich nacheinander einspielen, während die bereits vorhandenen Spuren laufen. So entsteht etwa aus einer ersten Gitarrenspur, Bass, Gesang und einer zweiten Gitarre eine einfache Mehrspurproduktion. Für eine Stereoaufnahme werden zwei der vier Monospuren belegt. Mehr als zwei Eingangskanäle können nicht gleichzeitig aufgezeichnet werden.

Field Four
Field Four

Jede Spur besitzt Regler für Bässe und Höhen, Panorama und Lautstärke. Diese Bedienelemente formen die Wiedergabe und die Mischung; die Aussteuerung des neu aufgenommenen Signals erfolgt separat über Input Gain. Auch manuelles Punch-in und Punch-out sind möglich: Während der Wiedergabe startet die Aufnahme an der gewünschten Stelle und ersetzt dort den bisherigen Inhalt der scharfgeschalteten Spur. Automatische Schnittpunkte oder mehrere versteckte Takes gibt es nicht.

Der Gedanke hinter Field Four ist vertraut: Wer früher mit einem Kassetten-Vierspurrecorder gearbeitet hat, musste Spuren einteilen, Aufnahmen vorbereiten und Entscheidungen treffen. Wie diese Arbeitsweise bei Tascam, Fostex und Yamaha aussah, beschreibt unser Artikel über Vierspurrecorder und Portastudios. Field Four übernimmt das Prinzip, speichert die Musik aber als digitale Dateien statt auf einer Compact Cassette.

Wenn vier Spuren nicht reichen

Der Rekorder kennt zwei Wege, Platz für weitere Aufnahmen zu schaffen. Beim Bounce werden vorhandene Spuren in Echtzeit auf eine Spur desselben virtuellen Bandes gemischt. Der Bounce ist mono; ein zusätzliches Live-Eingangssignal kann dabei nicht mit aufgenommen werden. Klang- und Pegeländerungen während des Durchlaufs werden in das Ergebnis geschrieben.

Alternativ erzeugt Mix to New Reel eine neue Vierspuraufnahme aus dem aktuellen Projekt. Das Ergebnis belegt entweder eine Monospur oder zwei Spuren für Stereo. Auf dem neuen „Reel“ bleiben damit drei beziehungsweise zwei Spuren frei, während das Ausgangsprojekt erhalten bleibt. Auch dieser Mix läuft in Echtzeit und erlaubt Änderungen an den Reglern während der Aufnahme. Die vermeintliche Vier-Spur-Grenze lässt sich also mehrfach umgehen, allerdings nur, indem Teile des Arrangements festgelegt werden. Genau darin liegt der kreative Reiz – und das Risiko einer Entscheidung, die später nur über ein früheres Reel zu ändern ist.

Tape, Reverse und Vari-speed

Field Four besitzt einen festen Tape-Schalter. Laut Handbuch kombiniert er Sättigung, eine sanfte Rundung von Pegelspitzen und eine leichte Absenkung hoher Frequenzen. Der Effekt wird bei Aufnahmen, Bounces und Echtzeit-Mischungen auf das neue Reel geschrieben und kann sich über mehrere Generationen aufbauen. Ein vollständiges Verhalten einer Kassette will die Software damit nicht nachbilden: Bandrauschen, Gleichlaufschwankungen und Flutter gehören ausdrücklich nicht zum Tape-Effekt.

Mit Vari-speed lässt sich die Bandgeschwindigkeit zwischen halber und doppelter Geschwindigkeit verändern. Tonhöhe und Dauer ändern sich dabei gemeinsam. Eine separat schaltbare Rückwärtsrichtung ermöglicht zudem, rückwärts abzuhören und aufzunehmen. Das sind Werkzeuge, die in einer großen DAW oft über mehrere Menüs oder Bearbeitungsschritte erreichbar wären, hier aber zum unmittelbaren Aufnahmeprozess gehören.

Field Four Four-Track Tape Recorder
Field Four Four-Track Tape Recorder

Digitale Dateien statt Bandarchiv

Trotz der Portastudio-Anmutung bleiben die Aufnahmen gewöhnliche WAV-Dateien. Field Four speichert jede belegte Spur als Mono-WAV mit 48 kHz und 32-Bit-Gleitkommaauflösung in einem Ordner neben der Projektdatei. Wer eine Skizze später in einer DAW ausarbeiten möchte, kann auf diese Dateien zugreifen. Ein fertiger Mix lässt sich als 24-Bit-WAV oder MP3 mit 320 kbit/s in Mono oder Stereo exportieren. Auch unkomprimierte WAV-Dateien können auf Spuren importiert werden.

Die digitale Bequemlichkeit endet bewusst an der Oberfläche: Field Four bietet weder verschiebbare Audioclips und Wellenformbearbeitung noch MIDI-Spuren, virtuelle Instrumente, Plugins oder Automation. Die maximale Länge eines virtuellen Bandes beträgt zwei Stunden. Für Overdubs sieht das Programm eine Kalibrierung des verwendeten Audio-Ein- und Ausgangs vor, damit neu eingespielte Spuren zeitlich zu den vorhandenen Aufnahmen passen. Das Handbuch empfiehlt, die Messung nach Änderungen am Audioweg zu wiederholen.

Für wen ist Field Four interessant?

Field Four dürfte sich vor allem für Songskizzen, kleine Arrangements und experimentelles Recording eignen. Wer jeden Ton nachträglich verschieben, viele Varianten verwalten oder eine komplette Produktion mit virtuellen Instrumenten bauen möchte, stößt schnell an die bewusst gesetzten Grenzen. Wer dagegen den Moment einer Aufnahme und das Zusammenspiel weniger Spuren sucht, bekommt einen ungewöhnlich direkten Einstieg. Der Klang einer echten Bandmaschine entsteht nicht schon durch vier Spuren auf dem Bildschirm; der Arbeitsrhythmus eines Portastudios wird hier jedoch nachvollziehbar.

Field Four 1.01 ist kostenlos über den Microsoft Store erhältlich. Der Hersteller nennt als Plattform Windows; für die Store-Version wird ein 64-Bit-PC mit Windows 10 ab Build 19041 oder neuer angegeben. Das Handbuch weist darauf hin, dass die praktische Prüfung bislang vor allem unter Windows 11 erfolgte. Weitere Informationen stehen auf der Produktseite, Einzelheiten zur Bedienung im Handbuch.

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Andreas

Musiker und Musikproduzent: Gitarre, Keyboards, Drums und Gesang, Tonstudio, Songwriter, Qualitätsmanager, Hobbyfotograf und Online-Redakteur.