Mit Animator veröffentlicht Foleys Finest Audio ein neues Audio-Plugin für immersive Produktionen, Sounddesign und kreative Raumbewegungen. Das Plugin positioniert Klangquellen nicht nur innerhalb eines dreidimensionalen Raums, sondern verwendet deren Bewegung gleichzeitig zur Steuerung verschiedener Audioeffekte. Auf diese Weise können Entfernung, Richtung, Höhe oder Geschwindigkeit unmittelbar den Klang beeinflussen.
Animator richtet sich damit insbesondere an Anwender aus den Bereichen Filmton, Game Audio, Hörspiel, Virtual Reality und experimentelle Musikproduktion. Unterstützt werden Lautsprecherkonfigurationen von Stereo bis hin zu 9.1.6.
Klangbewegung als Modulationsquelle
Wenn sich eine reale Schallquelle durch einen Raum bewegt, verändert sich nicht nur ihre Position. Mit zunehmender Entfernung nimmt die Lautstärke ab, hohe Frequenzen werden abgeschwächt und schnelle Bewegungen können zusätzliche klangliche Veränderungen hervorrufen.

Foleys Finest Animator versucht, solche Zusammenhänge innerhalb eines Plugins abzubilden. Im Mittelpunkt steht ein dreidimensionaler Szeneneditor, in dem eine Klangquelle frei positioniert oder entlang einer selbst gezeichneten Flugbahn bewegt werden kann.
Die Position des Klangobjekts dient anschließend als Modulationsquelle für die integrierte Effektsektion. Dadurch lassen sich räumliche Bewegung und Klangbearbeitung miteinander verknüpfen, ohne zahlreiche einzelne Automationskurven separat erstellen zu müssen.
Ein Sound, der sich etwa vom Hörer entfernt, kann gleichzeitig leiser und dumpfer werden. Eine schnell vorbeifliegende Klangquelle kann dagegen eine Veränderung der Verzögerungszeit auslösen. Auch deutlich übertriebene und physikalisch unrealistische Kombinationen sind möglich, wenn es weniger um Simulation als um kreatives Sounddesign geht.
Frei zeichnbare Bewegungsbahnen im 3D-Raum
Animator bietet zwei grundlegende Methoden zur Steuerung der Klangposition. Im Panner-Modus kann das Objekt direkt mit der Maus innerhalb der virtuellen Bühne bewegt werden. Für komplexere Bewegungsabläufe steht ein Pfadmodus zur Verfügung.
In diesem Modus wird die gewünschte Flugbahn anhand mehrerer Punkte in den dreidimensionalen Raum gezeichnet. Die einzelnen Punkte können als weiche Kurven oder harte Richtungswechsel definiert werden. Außerdem lässt sich der Pfad offen oder geschlossen anlegen.
Die Bewegung entlang des Pfades wird über den automatisierbaren Walk-Parameter gesteuert. Alternativ kann ein integrierter LFO die Klangquelle selbstständig bewegen. Dafür stehen unterschiedliche Bewegungsarten zur Verfügung:
- Circle springt nach Erreichen des Endpunkts wieder an den Anfang des Pfades.
- Zig-Zag bewegt das Klangobjekt abwechselnd vorwärts und rückwärts.
- Sine bremst die Bewegung an den Endpunkten ab und erzeugt einen weicheren Richtungswechsel.
Über die Funktion „Follow Host“ kann die automatische Bewegung an den Transport der DAW gekoppelt werden. Sobald die Wiedergabe startet, beginnt auch die Bewegung des Klangobjekts.
Von Stereo bis 9.1.6
Der integrierte Panner unterstützt nach Angaben des Entwicklers Kanalformate von Stereo bis 9.1.6. Damit eignet sich Animator sowohl für gewöhnliche Musikproduktionen als auch für umfangreiche Surround- und immersive Lautsprecheranordnungen.
Wer sich zunächst grundsätzlich mit räumlichen Audioproduktionen beschäftigen möchte, findet im BuenasIdeas-Grundlagenartikel Immersives Audio – Wenn Musik den Raum erobert eine ausführliche Einführung in die verschiedenen Wiedergabeformate und technischen Konzepte.
Die endgültige Positionierung des Signals erfolgt am Ende der Effektkette. Wird als Ausgangsformat Mono gewählt, bleibt der interne Panner ohne Funktion. Dieser Modus ist unter anderem dafür vorgesehen, das bearbeitete Signal anschließend als Objekt an einen externen Atmos-Workflow zu übergeben.
Eine direkte Übertragung der geometrischen Daten an den Dolby Atmos Panner ist laut Bedienungsanleitung derzeit allerdings nicht vorgesehen. Als mögliche Lösung beschreibt Foleys Finest einen Workaround: Die vom Plugin ausgegebenen X-, Y- und Z-Parameter werden zunächst als Automation aufgezeichnet und anschließend in die Pan-Automation von Pro Tools kopiert. Ein ähnliches Verfahren könnte grundsätzlich auch in anderen DAWs funktionieren, wurde vom Hersteller jedoch nicht ausdrücklich getestet.
Position, Entfernung und Geschwindigkeit steuern die Effekte
Die räumlichen Daten können innerhalb von Animator mehreren Modulationsquellen zugeordnet werden.
Dazu gehören:
- Entfernung vom Mittelpunkt
- reale Entfernung unter Berücksichtigung des Skalierungsfaktors
- Entfernung von der virtuellen Leinwand
- Position von vorn nach hinten
- Position von links nach rechts
- Höhe
- horizontaler Winkel
- Höhenwinkel
- Bewegungsgeschwindigkeit
Diese Werte lassen sich auf verschiedene Effektparameter übertragen. Ein Filter kann etwa weiter geschlossen werden, je weiter sich das Objekt entfernt. Gleichzeitig könnte der Pegel sinken und der LFE-Anteil verändert werden.
Der Zusammenhang zwischen Position und Effektparameter wird über frei editierbare Kennlinien festgelegt. Mehrere Kontrollpunkte ermöglichen sowohl weiche Übergänge als auch abrupte Klangwechsel. Die Bewegung eines Objekts muss daher nicht zwangsläufig eine lineare Veränderung verursachen.
So kann ein Effekt zunächst kaum reagieren, innerhalb eines bestimmten Raumbereichs plötzlich stark eingreifen und danach wieder abgeschwächt werden. Gerade für ungewöhnliche Bewegungs- und Spezialeffekte dürfte diese flexible Zuordnung interessant sein.
Flexible Effektkette mit Filtern und Delay
Animator enthält eine modular aufgebaute Effektkette, deren Reihenfolge verändert werden kann.
Derzeit stehen folgende Module zur Verfügung:
- Delay mit Beschleunigungs- und Verlangsamungseffekten
- Gain
- High-Pass-Filter
- Low-Pass-Filter
- Band-Pass-Filter
- High-Shelf-Filter
- Low-Shelf-Filter
- LFE-Pegelsteuerung
Die Module lassen sich in beliebiger Reihenfolge kombinieren und den geometrischen Modulationsquellen zuordnen. Damit geht Animator über einen klassischen 3D-Panner hinaus. Das Plugin verändert nicht nur die Position eines Signals, sondern kann dessen klangliche Eigenschaften passend zur Bewegung umformen.
Während ein gewöhnlicher Panner vor allem die Pegelverteilung zwischen den Ausgangskanälen kontrolliert, entsteht bei Animator eine Verbindung aus Bewegung, Filterung, Lautstärke, Verzögerung und Tieftonsteuerung.
Einstellungen für natürliche Bewegungen
Für die virtuelle Bühne stehen zusätzliche Parameter zur Verfügung. Über Scale wird festgelegt, welche reale Größe der dargestellte Raum besitzen soll. Dieser Faktor beeinflusst Modulationsquellen, die auf realen Entfernungswerten basieren. Die mögliche Skalierung reicht laut Handbuch von einem Meter bis zu einem Kilometer.
Mit dem Center-Parameter lässt sich bestimmen, welcher Anteil einer mittig positionierten Klangquelle tatsächlich über den Center-Lautsprecher wiedergegeben wird. Wird der Center-Kanal beispielsweise für Dialoge reserviert, kann sein Anteil reduziert und das Signal stattdessen stärker auf den linken und rechten Hauptlautsprecher verteilt werden.
Die Pan-Box definiert, wie schnell ein Klangobjekt die äußeren Lautsprecherpositionen erreicht. Zusätzlich begrenzt Speed Limit die Bewegungsgeschwindigkeit. Dadurch sollen unnatürliche Sprünge vermieden und weichere Positionsänderungen ermöglicht werden.
Presets lassen sich teilweise laden
Auch das Preset-System besitzt eine interessante Besonderheit.
Ein Animator-Preset besteht aus drei voneinander getrennten Bereichen:
- Einstellungen der virtuellen Welt und Klangquelle
- Bewegungsbahn
- Effektkette
Diese Bereiche können beim Speichern oder Laden einzeln gesperrt werden. Dadurch lässt sich eine bereits gezeichnete Flugbahn beibehalten, während verschiedene Effektketten ausprobiert werden. Umgekehrt kann ein Klangdesign unverändert bleiben, während unterschiedliche Bewegungsmuster geladen werden.
Diese Trennung dürfte besonders bei komplexeren Postproduktionsprojekten den Vergleich verschiedener Einstellungen erleichtern.
Einsatzgebiete von Foleys Finest Animator
Animator eignet sich nicht ausschließlich für realistische Bewegungen. Neben vorbeifahrenden Fahrzeugen, fliegenden Objekten oder sich entfernenden Schritten sind auch abstraktere Anwendungen denkbar.
In elektronischer Musik könnten rhythmische Bewegungsbahnen verwendet werden, um Flächen, Effektsounds oder Percussion durch den Raum wandern zu lassen. In Film und Hörspiel lassen sich Geräusche mit räumlich abhängigen Filtern und Pegeländerungen versehen. Für Game Audio und Virtual Reality bietet die Verbindung aus dreidimensionaler Position und Klangmodulation ebenfalls interessante Gestaltungsmöglichkeiten.
Wer zunächst mit einem klassischen Spatial-Audio-Werkzeug experimentieren möchte, findet mit dem Almudio 3D Panner eine kostenlose Alternative. Animator verfolgt allerdings einen etwas anderen Ansatz, da die räumliche Bewegung ausdrücklich als Steuerquelle für eine komplette Effektkette verwendet wird.
Verfügbarkeit und Einführungspreis
Foleys Finest Animator ist für Windows und macOS erhältlich. Unter Windows werden VST3 und AAX unterstützt. Die macOS-Version steht als VST3, Audio Unit und AAX zur Verfügung.
Damit lässt sich das Plugin unter anderem in zahlreichen aktuellen DAWs sowie in Pro Tools verwenden. Weitere Grundlagen zu den unterstützten Formaten bieten die BuenasIdeas-Artikel über VST3 und AAX für Pro Tools.
Eine vollständig freigeschaltete Demoversion kann 14 Tage lang getestet werden. Dafür sind weder ein Benutzerkonto noch die Angabe einer Kreditkarte erforderlich. Zum Start der Demo wird allerdings einmalig eine Internetverbindung benötigt.
Eine gekaufte Lizenz kann laut Dokumentation auf bis zu drei Computern aktiviert werden. Für Rechner ohne Internetzugang steht außerdem eine Offline-Aktivierung zur Verfügung.
Zum Veröffentlichungszeitpunkt bietet der Hersteller einen Einführungsrabatt von 30 Prozent an. Die Aktion läuft bis zum 14. September 2026. Auf der Produktseite wird der reguläre beziehungsweise reduzierte Geldbetrag aktuell nicht zuverlässig dargestellt, weshalb vor dem Kauf der tatsächlich im Warenkorb angezeigte Preis geprüft werden sollte.
Fazit
Foleys Finest Animator erweitert das Konzept eines immersiven Panners um eine ausgesprochen flexible Modulationsumgebung. Die Verbindung aus dreidimensionaler Bewegungsbahn, geometrischen Steuerdaten und modularer Effektkette ermöglicht sowohl realistische Raumbewegungen als auch deutlich experimentellere Klangverläufe.
Besonders interessant ist, dass sich mehrere Veränderungen aus einer einzigen Bewegung ableiten lassen. Anstatt Position, Lautstärke, Filter und Verzögerung jeweils separat zu automatisieren, kann die Geometrie der Szene alle beteiligten Parameter gemeinsam steuern.
Für klassische Stereoproduktionen dürfte Animator vor allem als ungewöhnliches Sounddesign-Werkzeug interessant sein. Sein eigentliches Potenzial entfaltet das Plugin jedoch in Filmton, Hörspiel, Game Audio und immersiven Produktionen. Die 14 Tage nutzbare Demoversion bietet genügend Gelegenheit, den Ansatz im eigenen Workflow auszuprobieren.
Weitere Informationen und Downloads stehen auf der Produktseite von Foleys Finest Animator bereit.



