Jeesonic Metering Cockpit kostenlos: Umfangreiches Metering-Plugin für Mixing und Mastering

Mit dem Jeesonic Metering Cockpit steht ein neues, kostenloses Analyse-Plugin für Mixing und Mastering bereit. Die Software kombiniert Loudness-Messung, Pegelanzeige, Dynamikanalyse, Frequenzspektrum, Stereokorrelation und Wellenformdarstellung innerhalb einer gemeinsamen Benutzeroberfläche.

Ergänzt werden die Messwerkzeuge durch eine Loudness-Historie, einen integrierten Referenzplayer und verschiedene Abhörfunktionen. Das Plugin ist für Windows und macOS erhältlich, benötigt kein Benutzerkonto und darf laut Hersteller sowohl privat als auch kommerziell kostenlos eingesetzt werden.

Alle wichtigen Messwerte in einem Fenster

Viele DAWs bringen inzwischen eigene Analysewerkzeuge mit. In der Praxis verteilen sich Pegelanzeige, Loudness-Meter, Spektrumanalyse und Stereokontrolle jedoch häufig auf mehrere Plugins oder unterschiedliche Fenster. Das Jeesonic Metering Cockpit verfolgt einen kompakteren Ansatz und stellt alle relevanten Informationen gleichzeitig dar.

Jeesonic Metering Cockpit
Jeesonic Metering Cockpit

Die Benutzeroberfläche besteht aus vier zentralen Bereichen. Eine Meter-Säule zeigt Pegel und Dynamik, während daneben die wichtigsten Loudness-Werte und deren zeitlicher Verlauf dargestellt werden. Im unteren Bereich befinden sich ein Frequenzanalysator und ein Stereo-Oszilloskop.

Damit soll sich ein Mix beurteilen lassen, ohne ständig zwischen verschiedenen Analysefenstern wechseln zu müssen. Das Metering Cockpit verändert das Audiosignal im Normalbetrieb nicht und erzeugt nach Angaben des Entwicklers keine zusätzliche Latenz.

Loudness-Messung nach BS.1770-4

Für die Loudness-Analyse unterstützt das Plugin den Standard ITU-R BS.1770-4. Angezeigt werden Momentary, Short-Term und Integrated Loudness. Die drei Werte betrachten die wahrgenommene Lautheit über unterschiedlich lange Zeiträume.

Momentary Loudness reagiert mit einem Messfenster von 400 Millisekunden vergleichsweise schnell auf Veränderungen. Short-Term Loudness betrachtet die jeweils letzten drei Sekunden. Integrated Loudness ermittelt dagegen die durchschnittliche Lautheit über den gesamten Messzeitraum und verwendet dabei das vorgeschriebene Gate-Verfahren.

Wer die Unterschiede zwischen RMS, Peak und moderner Lautheitsmessung genauer verstehen möchte, findet weitere Informationen im Professor-Pegel-Artikel RMS versus LUFS. Eine ausführliche Einführung bietet außerdem der Grundlagenartikel über LUFS im Mastering.

Zusätzlich berechnet das Metering Cockpit die Loudness Range nach EBU Tech 3342. Der als LRA angezeigte Wert beschreibt, wie stark sich lautere und leisere Abschnitte innerhalb des gesamten Programms voneinander unterscheiden.

Loudness-Verlauf mit verschiebbarem Zielwert

Eine eigene Historienanzeige stellt den zeitlichen Verlauf der Lautheit dar. Dabei kann wahlweise Momentary, Short-Term oder Integrated Loudness angezeigt werden. Der sichtbare Zeitraum lässt sich zwischen 15 Sekunden und fünf Minuten einstellen.

Besonders praktisch ist eine verschiebbare Ziellinie. Sie kann direkt innerhalb der Grafik auf den gewünschten Loudness-Wert gezogen werden. Die DAW erkennt diese Bewegung als zusammenhängende Automationsgeste, sodass sich der Zielwert bei Bedarf automatisieren lässt.

Stille Passagen werden als Lücke in der Kurve dargestellt. Dadurch bleibt die zeitliche Struktur erhalten und eine Pause verschwindet nicht einfach aus der Historie. Springt der DAW-Playhead zurück an den Anfang, kann das Plugin die Messung automatisch neu starten. Einfaches Stoppen und Fortsetzen an derselben Position setzt die Analyse dagegen nicht zurück.

Für Produktionen, die später über Streamingdienste veröffentlicht werden, ist nicht nur der gemessene LUFS-Wert entscheidend. Auch die automatische Loudness-Normalisierung bei Spotify, YouTube und Apple Music sollte bereits beim Mastering berücksichtigt werden.

True Peak mit vierfachem Oversampling

Neben den gewöhnlichen Sample Peaks ermittelt das Jeesonic Metering Cockpit auch True Peak. Die Messung arbeitet mit vierfachem Oversampling und speichert den höchsten Wert einer Session.

True Peak berücksichtigt mögliche Pegelspitzen, die bei der Rekonstruktion eines digitalen Audiosignals zwischen den einzelnen Samples entstehen können. Solche Inter-Sample Peaks sind auf einem gewöhnlichen Sample-Peak-Meter nicht immer sichtbar, können aber bei der Wiedergabe, Datenkompression oder Formatumwandlung zu Übersteuerungen führen.

Das Plugin erlaubt den direkten Wechsel zwischen Sample Peak und True Peak. Der gemessene Maximalwert bleibt dabei erhalten. Warum beide Messverfahren unterschiedliche Ergebnisse liefern können, erklärt der Artikel True Peak – Warum ein Master trotz 0 dBFS verzerren kann.

Crest Factor macht die Dynamik sichtbar

Zur Beurteilung der Dynamik zeigt das Metering Cockpit den Crest Factor für beide Kanäle an. Dieser beschreibt vereinfacht den Abstand zwischen dem durchschnittlichen Signalpegel und den höchsten Spitzen.

Anstatt lediglich einen Zahlenwert auszugeben, stellt Jeesonic den Crest Factor als schwebenden Balken zwischen dem kurzfristigen RMS-Wert und dem gehaltenen Spitzenpegel dar. Peak und Dynamik verwenden dabei dieselbe Dezibelskala und lassen sich unmittelbar miteinander vergleichen.

Die Farbe verändert sich abhängig vom verbleibenden dynamischen Spielraum. Grün steht für einen größeren Abstand zwischen Durchschnitts- und Spitzenpegel. Mit zunehmender Verdichtung wechselt die Anzeige über Gelb und Orange bis zu Rot. Die Farben dienen laut Handbuch allerdings nur als Orientierung und nicht als verbindliche Vorgabe.

Vertiefende Informationen zu dieser Messgröße bietet der Professor-Pegel-Beitrag Crest Factor – warum Dynamik oft wichtiger ist als maximale Lautheit.

Flexibler Frequenzanalysator mit bis zu 1/24 Oktave

Der integrierte Frequenzanalysator kann mit unterschiedlichen Auflösungen arbeiten. Zur Auswahl stehen Abstufungen von einer ganzen Oktave bis zu 1/24 Oktave. Alternativ lassen sich die unverarbeiteten FFT-Bins linear darstellen.

Eine grobe Oktavdarstellung eignet sich für den schnellen Überblick über die tonale Balance. Die feineren Einstellungen können dagegen benachbarte Problemfrequenzen deutlicher voneinander trennen. Bei Auflösungen bis zu 1/3 Oktave verwendet das Plugin ein Analysefenster mit 8192 Punkten. Ab 1/6 Oktave kommen 16.384 Punkte zum Einsatz.

Zusätzlich lassen sich Darstellungsschräge und Abklinggeschwindigkeit konfigurieren. Die wählbare Neigung verändert ausschließlich die grafische Darstellung und nicht das Audiosignal. Kleine Hold-Markierungen oberhalb der Balken zeigen die zuletzt erreichten Maximalwerte.

Einzelne Frequenzbereiche direkt abhören

Das Metering Cockpit beschränkt sich nicht auf die visuelle Spektralanalyse. Der Frequenzbereich kann in die drei Zonen Low, Mid und High unterteilt werden. Die beiden Übergangsfrequenzen lassen sich frei verschieben, während die ausgewählte Zone per Mausklick solo abgehört werden kann.

Zudem kann ein einzelnes Band des Frequenzanalysators isoliert werden. Dazu wird der Mauszeiger auf dem gewünschten Frequenzbereich gehalten. Diese Funktion kann die Suche nach Resonanzen, Härten oder störenden Bassfrequenzen erleichtern.

Die verwendeten Trennfilter arbeiten mit 24 dB pro Oktave und verursachen laut Entwickler keine Latenz. Während des Abhörens eines Frequenzbereichs messen die Anzeigen weiterhin das vollständige Signal. So werden die Messwerte nicht durch die vorübergehende Solo-Funktion verfälscht.

Referenztracks direkt im Plugin vergleichen

Ein integrierter Player ermöglicht das Laden eines Referenztracks. Anschließend kann direkt zwischen dem eigenen Mix und der Referenz umgeschaltet werden. Die Referenz folgt dabei der Position des DAW-Playheads, sodass beim wiederholten Abspielen eines Abschnitts stets dieselbe Stelle verglichen wird.

Für die Referenz steht eine unabhängige Pegelanpassung bereit. Das ist wichtig, weil eine lautere Version bei einem direkten Vergleich häufig zunächst druckvoller und besser erscheint. Der eigene Mix und der Referenztitel sollten deshalb vor der klanglichen Beurteilung möglichst genau in der Lautheit angeglichen werden.

Genau mit diesem Wahrnehmungsproblem beschäftigt sich der Professor-Pegel-Artikel über Level Matching und faire A/B-Vergleiche. Falls diese URL in WordPress anders vergeben wurde, sollte sie vor der Veröffentlichung kurz kontrolliert werden.

Das Metering Cockpit analysiert Mix und Referenz parallel. Beim Umschalten stehen dadurch für beide Quellen vergleichbare Werte für LUFS, Peaks, Crest Factor, Spektrum, Wellenform und Loudness-Verlauf zur Verfügung. Die Pegelkorrektur des Referenzplayers beeinflusst lediglich die Abhörlautstärke und nicht die angezeigten Originalwerte der Referenzdatei.

Jeesonic Metering Cockpit 24 Bands
Jeesonic Metering Cockpit 24 Bands

Stereo-Wellenform und Korrelationsanzeige

Im unteren Bereich befindet sich ein Stereo-Oszilloskop, das die Wellenformen des linken und rechten Kanals getrennt darstellt. Der sichtbare Zeitraum kann zwischen zwei Sekunden und fünf Minuten gewählt werden.

Die Stereokorrelation wird zusätzlich über eine Skala von minus eins bis plus eins angezeigt. Positive Werte sprechen für eine hohe Ähnlichkeit der beiden Kanäle. Werte in Richtung null weisen auf ein breiteres beziehungsweise weniger korreliertes Signal hin. Deutlich negative Werte können auf problematische Phasenbeziehungen und mögliche Auslöschungen bei der Monowiedergabe aufmerksam machen.

Eine solche Anzeige sollte allerdings nicht isoliert bewertet werden. Kurzzeitige negative Ausschläge müssen nicht automatisch ein Problem darstellen. Entscheidend bleibt, ob das Signal bei der Monosumme hörbar an wichtigen Bestandteilen verliert.

Schutz vor versehentlich bearbeiteten Exporten

Durch Referenzwiedergabe und Frequenz-Solo kann das Plugin vorübergehend in das hörbare Signal eingreifen. Jeesonic hat deshalb mehrere Schutzmechanismen integriert.

Bei einem Offline-Export wird grundsätzlich der unveränderte Mix ausgegeben. Das gilt auch dann, wenn gerade die Referenz aktiviert oder ein einzelner Frequenzbereich solo geschaltet ist. Bounce, Export und Freeze sollen somit nicht versehentlich die Referenzdatei oder ein gefiltertes Signal enthalten.

Bei einer Echtzeitaufnahme über den Ausgang des Audiointerfaces kann das Plugin diesen Schutz naturgemäß nicht gewährleisten. Während eine Abhörfunktion aktiv ist, erscheint deshalb ein entsprechender Hinweis in der Kopfzeile.

Kostenlos ohne Registrierung und Zeitlimit

Das Jeesonic Metering Cockpit 1.0.0 wurde am 20. August 2026 veröffentlicht. Das Plugin kann kostenlos genutzt werden und verlangt weder ein Benutzerkonto noch die Angabe einer E-Mail-Adresse. Auch ein Zeitlimit oder Einschränkungen für kommerzielle Produktionen gibt es laut Anbieter nicht.

Unter Windows wird ein 64-Bit-System ab Windows 10 vorausgesetzt. Das Plugin steht dort als VST3 zur Verfügung. Unter macOS werden mindestens macOS 11 sowie eine DAW mit VST3- oder Audio-Unit-Unterstützung benötigt. Unterstützt werden sowohl Intel-Prozessoren als auch Apple Silicon.

Weitere Informationen und den kostenlosen Download gibt es auf der offiziellen Seite des Jeesonic Metering Cockpit.

Fazit

Das Jeesonic Metering Cockpit bringt ungewöhnlich viele Analyse- und Kontrollfunktionen in einem kostenlosen Plugin zusammen. Loudness nach BS.1770-4, True Peak, Loudness Range, Crest Factor, Stereokorrelation, Frequenzanalyse und Wellenformdarstellung decken bereits einen großen Teil der alltäglichen Metering-Aufgaben ab.

Besonders interessant sind der integrierte Referenzplayer, die parallele Analyse von Mix und Referenz sowie die Möglichkeit, Frequenzbereiche direkt abzuhören. Auch der Schutz vor versehentlich in den Export gelangenden Solo- oder Referenzsignalen wurde sinnvoll gelöst.

Das Plugin nimmt keine automatische Korrektur oder Mastering-Bearbeitung vor. Es liefert vielmehr die Informationen, auf deren Grundlage fundierte Entscheidungen getroffen werden können. Und manchmal ist ein Cockpit, das alle Instrumente ordentlich anzeigt, eben hilfreicher als ein weiterer großer „Make it better“-Knopf.

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Andreas

Musiker und Musikproduzent: Gitarre, Keyboards, Drums und Gesang, Tonstudio, Songwriter, Qualitätsmanager, Hobbyfotograf und Online-Redakteur.