Lazy Mastering Suite v.2 von Semedo Audio: Neue Standalone Mastering Software

Nachdem wir gestern unseren Artikel über das Mastern mit Gratis Mastering Suites veröffentlicht haben, will ich heute einen Artikel über die dort auch erwähnte Lazy Mastering Suite von Semedo Audio erstellen. Soviel vorweg: Die Ergebnisse, die dieses Programm liefert, sind wirklich exzellent und müssen sich nicht hinter der bx_Masering Suite verstecken. Zudem bekommen wir nach dem Mastern in der Lazy Mastering Suite auch einen aussagekräftigen Bericht, was an der Audiodatei verändert wurde.

Mit der „Lazy Mastering Suite“ veröffentlicht Semedo Audio eine neue Standalone-Anwendung für Windows, die sich an Produzenten, Beatmaker, Künstler, Mixing-Engineers und Content-Creator richtet. Anders als viele Mastering-Lösungen handelt es sich hierbei nicht um ein klassisches Plugin für DAWs wie Cubase, Mixcraft, Luna oder FL Studio, sondern um eine eigenständige Desktop-Anwendung. Ziel der Software ist es, den Mastering-Prozess deutlich zu vereinfachen und gleichzeitig eine möglichst schnelle sowie praxisnahe Bearbeitung von Songs, Demos oder einzelnen Stems zu ermöglichen.

Semedo Audio - Lazy Mastering Suite
Semedo Audio – Lazy Mastering Suite

Die „Lazy Mastering Suite“ setzt dabei auf einen automatisierten Ansatz, kombiniert diesen jedoch mit umfangreichen Eingriffsmöglichkeiten. Anwender können entweder selbst einen Mastering-Stil auswählen oder die integrierte SmartScan-Funktion nutzen, die den Audiomix analysiert und automatisch eine passende Bearbeitungsrichtung bestimmt.

Gerade in Zeiten, in denen Musikproduktionen oft unter hohem Zeitdruck entstehen und Inhalte möglichst schnell veröffentlicht werden sollen, wächst die Nachfrage nach solchen Lösungen kontinuierlich. Standalone-Mastering-Software erlebt derzeit eine kleine Renaissance, da viele Produzenten unkomplizierte Werkzeuge bevorzugen, die unabhängig von einer DAW funktionieren und ohne komplexe Plugin-Ketten schnelle Ergebnisse liefern.

Kein Plugin, sondern eigenständige Anwendung

Die „Lazy Mastering Suite“ unterscheidet sich in einem zentralen Punkt von klassischen Mastering-Tools: Die Software läuft vollständig unabhängig von einer DAW. Statt ein Plugin in eine bestehende Produktionsumgebung einzubinden, wird die Anwendung separat gestartet. Nutzer laden ihre Audiodateien direkt in die Software, wählen einen Bearbeitungsstil oder lassen die SmartScan-Funktion arbeiten und exportieren anschließend das fertige Ergebnis.

Dieses Konzept erinnert an andere moderne Standalone-Lösungen im Bereich des automatisierten Masterings. Auch Brainworx verfolgt mit „bx_mastering studio“ einen ähnlichen Ansatz und setzt dabei ebenfalls auf eine eigenständige Desktop-Anwendung ohne zwingende DAW-Anbindung.

Der Vorteil solcher Anwendungen liegt vor allem im schnellen Workflow. Gerade für Beatmaker, Independent-Künstler oder Content-Creator ist es oft wichtiger, zügig eine präsentable Version eines Tracks zu erhalten, anstatt sich durch komplexe Mastering-Ketten mit zahlreichen Plugins zu arbeiten. Gleichzeitig sinkt die technische Einstiegshürde für weniger erfahrene Anwender erheblich.

Umfangreiche Mastering-Kette integriert

Die „Lazy Mastering Suite“ bringt eine vollständige Mastering-Kette mit. Laut Beschreibung umfasst diese unter anderem Loudness-Processing, True-Peak-Schutz, Equalizing, De-Essing, Stereo-Width-Bearbeitung, Multiband-Glue, Sättigung, Soft-Clipping sowie Noise-Cleanup.

Der Ansatz zielt darauf ab, Produktionen lauter, ausgewogener und insgesamt veröffentlichungsreifer klingen zu lassen, ohne dass Anwender selbst komplexe Signalwege konfigurieren müssen. Besonders interessant ist dabei die Kombination aus automatisierten Prozessen und manueller Kontrolle.

In den vergangenen Jahren hat sich Mastering-Software zunehmend in zwei Richtungen entwickelt: Einerseits entstehen hochkomplexe Profi-Werkzeuge mit maximaler Kontrolle, andererseits gewinnen intelligente Assistenten an Bedeutung, die viele Entscheidungen automatisieren. Die „Lazy Mastering Suite“ positioniert sich klar zwischen diesen beiden Welten.

Für viele Produzenten dürfte vor allem der schnelle Zugriff auf typische Mastering-Werkzeuge interessant sein. Gerade Loudness-Anpassung, True-Peak-Kontrolle und Stereo-Bearbeitung gehören mittlerweile zu den wichtigsten Anforderungen moderner Streaming-Produktionen.

Video: Semedo Audio Lazy Mastering Suite

SmartScan analysiert Audiomaterial automatisch

Ein zentrales Element der Software ist die sogenannte SmartScan-Funktion. Diese analysiert das geladene Audiomaterial und schlägt automatisch einen passenden Mastering-Stil vor. Laut Hersteller werden dabei Parameter wie Dynamik, Low-End, Energie, Tonalität und Helligkeit untersucht.

Solche automatisierten Analysen sind längst keine Seltenheit mehr. Viele moderne Audio-Tools nutzen inzwischen Algorithmen, um Mischungen oder Masters technisch auszuwerten und passende Bearbeitungen vorzuschlagen. Der praktische Nutzen liegt vor allem darin, schnell eine funktionierende Ausgangsbasis zu erhalten.

Besonders weniger erfahrene Produzenten profitieren häufig von solchen Systemen, da typische Probleme wie zu aggressive Höhen, unausgewogene Bässe oder fehlende Lautheit schneller erkannt werden können. Gleichzeitig kann SmartScan auch für erfahrene Nutzer interessant sein, um alternative Bearbeitungsansätze zu testen oder schnelle Referenzversionen zu erzeugen.

66 Mastering-Stile für verschiedene Genres

Die „Lazy Mastering Suite“ enthält insgesamt 66 verschiedene Mastering-Stile. Diese decken laut Beschreibung zahlreiche Genres und Einsatzbereiche ab – darunter Pop, Hip-Hop, Trap, Drill, Afro, Ambient, Cinematic und Club-orientierte Produktionen. Zusätzlich sollen auch streamingoptimierte sowie vocalfokussierte Varianten enthalten sein.

Die große Anzahl an Presets deutet darauf hin, dass die Software vor allem auf Geschwindigkeit und einfache Bedienung ausgelegt wurde. Nutzer müssen keine komplexen Ketten aus Kompressoren, Equalizern oder Limitern selbst konfigurieren, sondern können direkt mit stilistisch vorbereiteten Bearbeitungen arbeiten.

Dabei ist allerdings zu beachten, dass Presets grundsätzlich immer nur Ausgangspunkte darstellen können. Ein professionelles Mastering bleibt weiterhin stark abhängig von der Qualität des Mixdowns sowie von individuellen klanglichen Entscheidungen.

Interessant ist dennoch, dass Semedo Audio offenbar versucht, verschiedene moderne Produktionsstile gezielt abzudecken. Gerade im Bereich urbaner Musikproduktionen unterscheiden sich Loudness, Low-End-Balance und Transientenbearbeitung teilweise erheblich von klassischen Pop- oder Rock-Mastern.

Stem-Mastering als zusätzlicher Schwerpunkt

Neben vollständigen Songs unterstützt die „Lazy Mastering Suite“ auch Stem-Mastering. Anwender können einzelne Elemente wie Kick, Bass, Vocals, Synthesizer, Drums oder Effekte separat bearbeiten lassen.

Laut Beschreibung reagiert die Software dabei unterschiedlich auf verschiedene Instrumentengruppen. So soll etwa das Low-End bei Kick und 808 kontrollierter und monokompatibel bleiben, während Flächen, Synthesizer oder Ambience-Signale stärker verbreitert werden können.

Lazy Mastering Suite von Semedo Audio - STEM Mastering
Lazy Mastering Suite von Semedo Audio – STEM Mastering

Dieser Ansatz ist durchaus interessant, da Stem-Mastering in den vergangenen Jahren zunehmend populär geworden ist. Statt ausschließlich mit einer finalen Stereo-Datei zu arbeiten, greifen viele Produzenten inzwischen auf gruppierte Einzelspuren zurück, um mehr Kontrolle über problematische Frequenzbereiche oder Dynamikprozesse zu erhalten.

Vor allem bei modernen Bass-lastigen Genres kann Stem-Mastering Vorteile bieten, da sich Low-End und Vocal-Balance deutlich gezielter optimieren lassen.

Ws mir beim STEM-Mastern aufgefallen ist: Das Programm legt die nach dem Mastern erzeugte Audiodatei im Output-Ordner in einem Unterordner namens Stems ab, auch das Audiofile und der Mastering-Report hören nur auf diesen Namen. Ich denke, hier ist noch etwas Luft nach oben. Das „normale“ also Einzeldatei-Mastering, legt die Audiofiles wie auch die Mastering-Reports mit dem Originaldateinamen ab, was ich als sinnvoller erachte.

Referenz-Matching für moderne Produktionen

Ein weiteres wichtiges Feature der „Lazy Mastering Suite“ ist die integrierte Reference-Match-Funktion. Nutzer können dabei einen Referenzsong laden und den eigenen Mix klanglich daran annähern lassen.

Analysiert werden dabei unter anderem:

  • Spektralverteilung
  • Lautheit
  • Dynamik
  • Stereo-Breite
  • Transienten
  • Hochtonanteil
  • Bassbalance
  • Presence und Sibilance

Die Software soll laut Beschreibung bewusst konservativ arbeiten, um den Originalmix nicht vollständig zu verfremden.

Semedo Audio - Lazy Mastering Suite - Reference Match
Semedo Audio – Lazy Mastering Suite – Reference Match

Reference-Matching gehört mittlerweile zu den beliebtesten Funktionen moderner Mastering-Software. Besonders Independent-Produzenten orientieren sich häufig an professionellen Referenztracks, um die eigene Produktion besser in aktuelle Klangstandards einordnen zu können.

Dabei ersetzt ein solches System zwar nicht das Gehör eines erfahrenen Mastering-Engineers, kann aber durchaus dabei helfen, typische Probleme schneller zu identifizieren.

Analysewerkzeuge und Visualisierung

Die „Lazy Mastering Suite“ bietet zudem mehrere Analyse- und Vergleichswerkzeuge. Anwender können zwischen Vorher- und Nachher-Versionen umschalten und erhalten Zugriff auf Metering für LUFS, RMS, Peak und True Peak.

Zusätzlich integriert die Software einen Spektrum-Analyzer mit Overlay-Funktion. Dabei lassen sich die Frequenzkurven der unbearbeiteten und bearbeiteten Version gleichzeitig darstellen. Rot kennzeichnet das Originalsignal, Grün die bearbeitete Version.

Gerade solche visuelle Werkzeuge sind im modernen Produktionsalltag inzwischen Standard geworden. Viele Produzenten verlassen sich nicht mehr ausschließlich auf ihr Gehör, sondern kombinieren dieses mit visueller Analyse, um problematische Frequenzen oder Lautheitsunterschiede schneller zu erkennen.

Besonders bei Home-Studio-Produktionen kann dies hilfreich sein, da die Raumakustik häufig nicht optimal ist und visuelle Unterstützung zusätzliche Sicherheit bietet.

Offline-Verarbeitung ohne Cloud-Zwang

Ein interessanter Punkt ist die vollständig lokale Verarbeitung der Audiodaten. Die „Lazy Mastering Suite“ arbeitet laut Hersteller komplett offline und lädt keine Dateien auf externe Server hoch.

Das dürfte vor allem Anwender freuen, die Wert auf Datenschutz, schnelle Verarbeitung und vollständige Kontrolle über ihre Projekte legen. Cloudbasierte Mastering-Dienste erfreuen sich zwar wachsender Beliebtheit, stehen aber immer wieder in der Kritik, wenn es um Datenschutz oder Upload-Geschwindigkeit größerer Audiodateien geht.

Lokale Standalone-Anwendungen bieten hier klare Vorteile, da Projekte direkt auf dem eigenen System verarbeitet werden können.

Klangbeispiele:

Der unbearbeitete Mix:

Hier ist das bisher nicht mit Lazy Mastering Suite gemasterte Audiofile „If we all stick together“, eine aktuelle Produktion von mir.

Nun habe ich das Audiofile mit der Lazy Mastering Suite gemastert:

„And if we all stick together“ – MASTER
And if we all stick together Single file Master Report
And if we all stick together Single file Master Report

Und als Letztes habe ich es mit den STEMS gemastert

And we all stick together – STEMS-MASTER
And if we all stick together Single STEMS Report

Für wen eignet sich die Lazy Mastering Suite?

Die Zielgruppe der Software ist breit angelegt. Laut Beschreibung richtet sich die Anwendung an Produzenten, Beatmaker, Home-Studio-Nutzer, Rapper, Sänger, Mixing-Engineers und Content-Creator. Besonders interessant dürfte die „Lazy Mastering Suite“ für Anwender sein, die schnell professionelle Referenz-Master erstellen möchten, ohne sich intensiv mit komplexen Mastering-Prozessen auseinanderzusetzen.

Auch für Vorabversionen, Beatstore-Uploads, Social-Media-Clips oder Streaming-Demos könnte die Software eine praktische Lösung darstellen. Gleichzeitig dürfte sie erfahrenen Produzenten als schneller Referenz-Workflow dienen. Mit der „Lazy Mastering Suite“ bringt Semedo eine moderne Standalone-Lösung für schnelles und unkompliziertes Audio-Mastering auf den Markt. Besonders die Kombination aus SmartScan, Stem-Mastering, Referenz-Matching und umfangreicher Analysefunktion zeigt, dass sich die Software klar an aktuellen Produktionsworkflows orientiert.

Der Fokus liegt eindeutig auf Geschwindigkeit, einfacher Bedienung und praxisnahen Ergebnissen. Gerade Independent-Produzenten, Beatmaker und Content-Creator dürften von dem unkomplizierten Workflow profitieren.

Ob die automatisierten Prozesse tatsächlich professionelle Mastering-Engineers ersetzen können, bleibt wie bei vergleichbaren Lösungen weiterhin eine Frage des individuellen Anspruchs. Als schneller und vielseitiger Mastering-Assistent könnte die „Lazy Mastering Suite“ jedoch für viele moderne Musikproduktionen interessant sein.

Die Lazy Mastering Suite von Semedo Audio wird über Gumroad vertrieben, ihr könnt einen beliebigen Preis eintragen, den ihr dem Entwickler zahlen wollt. Ich habe 5 Euronen springen lassen, was sich dann allerdings mit der spanischen Mehrwertsteuer in 6,21 Euro verwandelte. Aber das Programm ist es meiner Ansicht nach wert, und nur wenn wir vereinzelt mal etwas springen lassen für solche nicht kommerziellen Produkte, kann der Entwickler weiter programmieren. Es ist also sinnvoll, einen kleinen Beitrag zu leisten.

Hier ist der Link: https://cmdo.gumroad.com/l/frysjj

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Andreas

Musiker und Musikproduzent: Gitarre, Keyboards, Drums und Gesang, Tonstudio, Songwriter, Qualitätsmanager, Hobbyfotograf und Online-Redakteur.