Mixing Cheat Sheet Plugin – Kostenloser Mixing-Helfer für EQ und Kompression

Mixing Cheat Sheet Plugin kostenlos – EQ und Kompression besser verstehen

Mixing Cheat Sheets gibt es im Internet wahrscheinlich ungefähr so viele wie Equalizer-Plugins. Meist handelt es sich dabei um Tabellen oder Grafiken, die erklären, bei welchen Frequenzen ein Signal beispielsweise „matschig“, „boxy“, „harsch“ oder besonders präsent klingt. Carve Audio verfolgt mit dem kostenlosen Mixing Cheat Sheet Plugin einen etwas anderen Ansatz: Statt die Tabelle neben den Bildschirm zu legen, landet der Mixing-Spickzettel direkt in der DAW.

Das Plugin soll dabei ausdrücklich keine fertigen EQ- oder Kompressor-Einstellungen liefern. Vielmehr geht es darum, das eigene Gehör zu trainieren und besser zu verstehen, was während des Mixings eigentlich zu hören ist.

Das Mixing Cheat Sheet Plugin steht für macOS und Windows kostenlos zur Verfügung.

Mixing Cheat Sheet Plugin
MixinMixing Cheat Sheet Plugin

Mixing Cheat Sheet Plugin statt statischer Tabelle

Die Grundidee hinter dem Plugin ist durchaus sinnvoll. Klassische Mixing-Tabellen enthalten häufig Empfehlungen nach dem Muster: Bei dieser Frequenz schneiden, dort anheben und für Gesang ungefähr diese Kompressor-Einstellung ausprobieren. Das Problem daran: Musik funktioniert nicht nach festen Tabellen.

Eine Gitarrenaufnahme kann bei 3 kHz unangenehm aggressiv wirken, während eine andere Aufnahme genau dort zusätzliche Präsenz benötigt. Auch die berühmten „matschigen“ Frequenzen im unteren Mittenbereich müssen nicht zwangsläufig entfernt werden. Carve Audio möchte deshalb weniger konkrete Einstellungen vorgeben, sondern dabei helfen, Frequenzbereiche und ihre klanglichen Auswirkungen tatsächlich hören zu lernen.

Was bedeutet eigentlich Mud, Body, Bite oder Air?

Gerade beim Einstieg in die Musikproduktion begegnet man ziemlich schnell einer ganzen Sammlung eigenartiger Begriffe. Ein Mix klingt „muddy“, eine Gitarre braucht mehr „Bite“, dem Gesang fehlt „Air“ und irgendwo gibt es offenbar noch „Fizz“. Wer bereits seit Jahren mischt, verbindet mit diesen Begriffen meist bestimmte Frequenzbereiche und Klangeindrücke. Für Einsteiger ist diese Sprache dagegen zunächst ziemlich abstrakt.

Genau hier setzt das Mixing Cheat Sheet Plugin an. Es soll Begriffe wie Mud, Body, Fizz, Bite, Harshness, Presence und Air mit dem tatsächlich hörbaren Ergebnis verbinden. Einzelne Frequenzbereiche können isoliert beziehungsweise gezielt abgehört werden, um deren Einfluss auf das Signal besser kennenzulernen.

Das ist wesentlich praxisnäher, als sich lediglich zu merken, dass beispielsweise 300 Hz mit „Mud“, 5 kHz mit Präsenz oder 12 kHz mit Air in Verbindung gebracht werden können. Denn zu wissen, wo 300 Hz liegen, bedeutet noch lange nicht, eine störende Betonung dieses Bereichs zuverlässig zu erkennen.

Hören statt Frequenzen auswendig lernen

Carve Audio bringt das Konzept auf einen ziemlich einfachen Nenner: Hear it, don’t memorize it. Und tatsächlich liegt hier wahrscheinlich der interessanteste Aspekt des Plugins. Das Mixing Cheat Sheet Plugin ist weniger ein weiterer Audioprozessor als vielmehr ein Lern- und Analysewerkzeug. Es soll nicht den Equalizer ersetzen, sondern dabei helfen, herauszufinden, was mit dem Equalizer überhaupt gemacht werden sollte.

Das dürfte insbesondere für Produzenten interessant sein, die sich beim EQing häufig dabei ertappen, mit einem schmalen Filter durch das Frequenzspektrum zu fahren und darauf zu hoffen, irgendwann die störende Stelle zu finden. Das funktioniert zwar durchaus – gelegentlich findet man dabei allerdings irgendwann fast jede Frequenz störend.

Daher versucht das Plugin deshalb, die Suche zunächst einzugrenzen und einen Zusammenhang zwischen dem gehörten Problem und dem entsprechenden Frequenzbereich herzustellen.

Auch Kompression gehört zum Konzept

Das Mixing Cheat Sheet beschränkt sich nicht ausschließlich auf Equalizer und Frequenzen. Carve Audio nennt ausdrücklich auch Kompression als einen Bereich, bei dem das Plugin bei Entscheidungen helfen soll. Dabei gilt wiederum das gleiche Prinzip: Es werden keine universellen Einstellungen vorgegeben.

Das ist durchaus begrüßenswert. Empfehlungen wie „Attack auf 10 ms, Ratio 4:1 und Threshold auf –20 dB“ sehen zwar wunderbar konkret aus, sind ohne Kenntnis des Ausgangsmaterials aber nur begrenzt sinnvoll. Stattdessen soll das Plugin dabei unterstützen, zunächst zu erkennen, was ein Signal oder ein Mix benötigt, bevor irgendwelche Regler bewegt werden.

Direkt in der DAW arbeiten

Ein wesentlicher Unterschied zu klassischen Mixing Cheat Sheets besteht darin, dass das Werkzeug direkt als Plugin in der DAW läuft.

Der Workflow ist entsprechend einfach gehalten: Das Plugin wird auf der gerade bearbeiteten Spur oder dem Mix geöffnet. Anschließend wird der Bereich ausgewählt, den man genauer untersuchen möchte. Danach lässt sich hören, welchen Einfluss der betreffende Frequenzbereich beziehungsweise die entsprechende Klangeigenschaft auf das Material hat.

Auf Grundlage dieser Information kann anschließend die eigentliche Mixing-Entscheidung getroffen werden.

Der Vorteil liegt auf der Hand: Statt während des Mixings zwischen DAW, PDF-Datei, Notizen, Browser und dem nächsten „Die zehn geheimen EQ-Frequenzen der Profis“-Video zu wechseln, bleibt das Hilfsmittel unmittelbar innerhalb der Session verfügbar.

Mixing Cheat Sheet - Vocals
Mixing Cheat Sheet – Beispiel

Der eigentliche Trick kommt nach dem Solo-Hören

Interessant ist vor allem die Arbeitsweise, die der Entwickler für das Mixing Cheat Sheet Plugin empfiehlt. Dabei geht es nicht einfach darum, einzelne Frequenzbereiche isoliert anzuhören. Zunächst wird die Frequency Map geöffnet und dort ein bestimmter Frequenzbereich ausgewählt. Dieser lässt sich per Solo-Funktion isolieren, sodass deutlich hörbar wird, welchen Anteil dieser Bereich am Klang beziehungsweise am gesamten Mix besitzt.

Danach folgt allerdings der entscheidende Schritt: Solo wieder ausschalten und den vollständigen Mix erneut anhören.

Der Entwickler weist darauf hin, dass das Gehör unmittelbar nach dem isolierten Anhören eines Frequenzbereichs häufig noch stärker auf genau diesen Bereich sensibilisiert ist. Im vollständigen Mix lässt sich anschließend leichter beurteilen, ob dieser Frequenzanteil sinnvoll zum Gesamtbild beiträgt, störend hervortritt oder möglicherweise bearbeitet werden sollte.

Der einfache Workflow lautet damit: Frequenzbereich isolieren > genau hinhören > Solo ausschalten > vollständigen Mix erneut beurteilen.

Gerade darin unterscheidet sich das Plugin von einer klassischen Frequenzübersicht. Die Frequency Map dient nicht nur als Nachschlagewerk, sondern wird zum kleinen Gehörtraining innerhalb der DAW.

Mixing Cheat Sheet - Solo Mode
Mixing Cheat Sheet – Solo Mode

Frequency Map und Tipps für einzelne Instrumente

Die Frequency Map vermittelt zunächst einen allgemeinen Überblick über wichtige Frequenzbereiche und typische Klangeigenschaften innerhalb eines Mixes. Dabei bleibt es allerdings nicht. Das Mixing Cheat Sheet enthält zusätzlich eigene Seiten für verschiedene Instrumente beziehungsweise Signaltypen. Dort finden sich weiterführende Hinweise zu Equalizer, Kompression und anderen typischen Mixing-Bearbeitungen der jeweiligen Klangquelle.

Damit lässt sich das Plugin auf zwei Ebenen verwenden: einerseits als allgemeine Orientierung im Frequenzspektrum und andererseits als Nachschlagewerk für die Bearbeitung konkreter Instrumente. Der Ansatz bleibt dabei erfreulich praxisbezogen. Statt irgendwelche Frequenzwerte auswendig zu lernen, wird direkt mit dem Audiomaterial gearbeitet, das gerade tatsächlich gemischt wird.

Kein automatisches Mixing

Wichtig ist allerdings auch, was das Mixing Cheat Sheet Plugin nicht macht. Es analysiert einen Mix nicht automatisch und verkündet anschließend: „Bei 347 Hz bitte 2,8 dB absenken.“ Auch automatische Mixing-Vorschläge oder KI-basierte Korrekturen stehen nicht im Mittelpunkt.

Die Entscheidung bleibt beim Anwender. Das Plugin möchte vielmehr dabei helfen, eine Verbindung zwischen Hören, Beschreibung und technischer Bearbeitung herzustellen. Langfristig soll genau das dazu führen, Mixing-Entscheidungen sicherer und schneller treffen zu können, ohne jedes Mal nach vorgefertigten Einstellungen suchen zu müssen.

Besonders interessant für Einsteiger und Home-Studios

Carve Audio richtet das Plugin vor allem an Home-Studio-Musiker, Indie-Produzenten und angehende Mixing Engineers. Das erscheint angesichts des Konzepts nachvollziehbar.

Wer seit 25 Jahren täglich Mischungen erstellt, wird wahrscheinlich keine Erklärung mehr benötigen, wie sich übermäßige Energie in den unteren Mitten bemerkbar macht. Wer gerade beginnt, sich intensiver mit Equalizern, Kompressoren und Frequenzbereichen auseinanderzusetzen, kann dagegen durchaus von einem direkt hörbaren Nachschlagewerk profitieren.

Interessant könnte das Plugin aber auch als kleines Trainingswerkzeug sein. Schließlich besteht ein erheblicher Teil des Mixing-Lernprozesses darin, technische Begriffe irgendwann automatisch mit dem entsprechenden Klangeindruck zu verbinden. Aus „Da klingt irgendetwas komisch“ wird dann irgendwann „Da ist wahrscheinlich etwas zu viel Energie in den unteren Mitten“. Und genau dieser Schritt ist beim Mixing ziemlich entscheidend.

Mixing Cheat Sheet Plugin kostenlos erhältlich

Das Mixing Cheat Sheet Plugin ist vollständig kostenlos erhältlich. Eine kostenpflichtige Version oder zeitlich begrenzte Demo wird auf der Produktseite nicht genannt. Unterstützt werden macOS und Windows.

Als Plugin-Formate stehen VST3, AU und AAX zur Verfügung. Damit sollte sich das Werkzeug in praktisch allen gängigen DAWs einsetzen lassen, sofern diese eines der entsprechenden Formate unterstützen.

Download und Installation erfolgen über Audioloom

Beim Download gibt es noch eine Besonderheit: Das Mixing Cheat Sheet Plugin wird über Audioloom bereitgestellt.

Nach der Anforderung des Plugins erhält man einen Link, über den ein Audioloom-Account erstellt werden kann, sofern noch keiner vorhanden ist. Anschließend befindet sich das Mixing Cheat Sheet im Bereich Licenses des Audioloom-Kontos. Dort kann der passende Installer für das verwendete Betriebssystem heruntergeladen werden.

Nach der Installation steht das Plugin in der DAW zur Verfügung und kann direkt auf einer Spur beziehungsweise im Mix eingesetzt werden.

Dass hierfür Audioloom zum Einsatz kommt, ist durchaus interessant. Die Plattform ermöglicht Entwicklern die Veröffentlichung und Verwaltung eigener Audio-Plugins und übernimmt unter anderem die Bereitstellung der entsprechenden Software. Beim Mixing Cheat Sheet lässt sich dieses Konzept nun bereits in der Praxis beobachten.

Fazit

Das Mixing Cheat Sheet Plugin von Carve Audio ist eine interessante Interpretation eines alten Studiowerkzeugs. Statt eine weitere Tabelle mit angeblich universellen EQ-Frequenzen und Kompressor-Einstellungen bereitzustellen, wandert der Spickzettel direkt in die DAW und wird mit dem eigenen Audiomaterial kombiniert.

Besonders sinnvoll erscheint dabei der Ansatz, keine pauschalen Mixing-Rezepte vorzugeben. Schließlich braucht nicht jede Stimme bei 5 kHz mehr Präsenz und nicht jeder Mix weniger 300 Hz.

Wer noch Schwierigkeiten damit hat, Begriffe wie Mud, Body, Bite, Harshness, Presence oder Air zuverlässig mit dem entsprechenden Klangeindruck zu verbinden, bekommt mit dem kostenlosen Plugin ein interessantes Trainingswerkzeug.

Und selbst wenn man anschließend weiterhin gelegentlich mit einem schmalbandigen EQ durch das Frequenzspektrum fährt: Vielleicht weiß man dann wenigstens etwas genauer, wonach man eigentlich sucht.

Weitere Informationen und den kostenlosen Download gibt es direkt bei Carve Audio: https://carveaudio.com/mixing-cheat-sheet/

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Andreas

Musiker und Musikproduzent: Gitarre, Keyboards, Drums und Gesang, Tonstudio, Songwriter, Qualitätsmanager, Hobbyfotograf und Online-Redakteur.