OMNi DAW führt eigenes Plug-in-Format und lokale Stem Separation ein

Die kostenlose OMNi DAW erhält mit ihrem bisher größten Update ein eigenes Plugin-Format. Hinzu kommen lokale Stem-Separation, ein integrierter Neural Amp Modeler, KI-gestützte Rauschminderung und zahlreiche Fehlerkorrekturen. Das klingt ambitioniert – allerdings befindet sich die Musiksoftware weiterhin in einer frühen Alpha-Phase.

Als wir die OMNi DAW erstmals vorgestellt haben, gehörten vor allem die moderne Rust-Basis und die Unterstützung für mehrere Plug-in-Standards zu den interessantesten Eigenschaften. Mit dem am 22. August 2026 veröffentlichten Update geht Entwickler Tomasz G?uc nun einen ungewöhnlichen Schritt: Zusätzlich zu VST2, VST3, CLAP und LV2 bekommt die DAW ein proprietäres Format namens Omni Plugin.

Neues Omni-Plugin-Format mit Sandbox

Die Dateien des neuen Formats tragen die Endung .omniplugin Laut Entwickler werden die Plugins in einer abgeschotteten Laufzeitumgebung ausgeführt. Sie sollen keinen direkten Zugriff auf das Betriebssystem erhalten und keine externen Programmbibliotheken nachladen können.

Ein Watchdog überwacht zudem, ob ein Plugin hängen bleibt. Die Benutzeroberflächen laufen auf einem eigenen Thread und sollen dadurch von der Audioverarbeitung entkoppelt sein. Dadurch möchte OMNi verhindern, dass ein fehlerhaftes Plugin die Audiowiedergabe oder die gesamte DAW blockiert.

Omni DAW
Omni DAW

Die Formulierung „vollständig sandboxed“ sollte vorerst dennoch als Entwicklerangabe betrachtet werden. Eine unabhängige technische Prüfung oder ein ausführliches Sicherheits-Audit des Formats liegt bislang nicht vor. Außerdem läuft die Sandbox laut Beschreibung innerhalb des OMNi-Prozesses. Das unterscheidet den Ansatz von Lösungen, bei denen Plugins konsequent in separate Prozesse ausgelagert werden.

Das neue Format ersetzt die bekannten Standards nicht. OMNi unterstützt weiterhin:

  • VST2
  • VST3
  • CLAP
  • LV2
  • Omni Plugin

Damit bleibt die DAW zumindest auf dem Papier mit einer großen Zahl vorhandener Instrumente und Effekte kompatibel. Wer die Unterschiede zwischen den etablierten Formaten genauer verstehen möchte, findet dazu unsere Erklärungen zu VST3 und zum neueren CLAP-Plug-in-Format.

Verschlüsselte Plugins für kommerzielle Entwickler

Omni Plugins können als einzelne, verschlüsselte Dateien verteilt werden. OMNi verwendet dafür nach eigenen Angaben AES-256-GCM. In veröffentlichten Versionen sollen zudem die Entwicklerwerkzeuge deaktiviert sein.

Damit richtet sich das Format nicht ausschließlich an Nutzer, die eigene Instrumente für private Experimente bauen möchten. Entwickler sollen damit auch geschlossene und potenziell kommerzielle Plugins anbieten können, ohne ihren Quellcode offenlegen zu müssen.

Genau hier stellt sich allerdings die entscheidende Frage: Warum sollte ein Entwickler ein Plugin veröffentlichen, das ausschließlich innerhalb einer noch jungen DAW funktioniert?

VST3 und CLAP erreichen zahlreiche Programme und damit einen erheblich größeren Kundenkreis. Ein proprietäres Format kann OMNi technisch mehr Kontrolle geben, muss aber erst ein ausreichend großes Ökosystem aufbauen. Für Anwender bedeutet es zudem, dass entsprechende Plugins voraussichtlich nicht in Ableton Live, Cubase, Bitwig Studio, LUNA, FL Studio, Mixcraft oder anderen DAWs eingesetzt werden können.

Omni DAW Update Omniplugins
Omni DAW Update Omniplugins

Acht Omni Plugins sind bereits enthalten

Damit das neue Format nicht ohne Inhalte startet, liefert OMNi acht passende Instrumente und Effekte mit.

Dazu gehören:

  • Alchemy
  • EqProQ
  • Lawa
  • PolyBass
  • Primordia
  • Slizg
  • Violin
  • WiatrDX7

Die Plugins demonstrieren unter anderem die neue Grafik-Engine, die Synchronisation mit dem Transport der DAW und die Kommunikation zwischen Oberfläche und Audioprozessor. OMNi kann dabei Live-Werte, Notenereignisse, zuletzt veränderte Parameter und Spektraldaten an die Oberfläche eines Plugins übertragen.

Für Nutzer ist die Bündelung praktisch, weil das Format unmittelbar ausprobiert werden kann. Ob daraus ein relevantes Drittanbieter-Ökosystem entsteht, lässt sich derzeit jedoch noch nicht beurteilen.

Lokale Stem Separation mit GPU-Unterstützung

Die zweite große Neuerung ist eine direkt integrierte Stem Separation. OMNi kann eine Audiodatei in vier Bestandteile aufteilen:

  • Gesang
  • Schlagzeug
  • Bass
  • übrige Instrumente

Die Berechnung erfolgt lokal auf dem Computer. Das Material muss dafür nicht an einen externen Onlinedienst übertragen werden. Bei kompatibler Hardware soll die Grafikkarte die Verarbeitung beschleunigen; alternativ steht eine Berechnung über die CPU zur Verfügung.

OMNi verwendet dafür ein auf HTDemucs basierendes ONNX-Modell. Dieses ist ungefähr 209 MB groß und wird beim ersten Einsatz der Funktion separat heruntergeladen. Vor der Trennung berücksichtigt die DAW bereits vorgenommene Änderungen wie Tonhöhenkorrekturen, Time-Stretching, Lautstärke und Fades.

Omni DAW Arranger
Omni DAW Arranger

Das kann beim Erstellen von Remixen, Playbacks und Mashups oder bei der nachträglichen Bearbeitung älterer Aufnahmen helfen. Was Stems eigentlich sind und wie sie sich von Einzelspuren unterscheiden, erklärt unser Artikel über Stem-Dateien in der Musikproduktion.

Wie gut die Trennung tatsächlich funktioniert, muss ein Praxistest zeigen. Die Qualität hängt bei solchen Systemen stark vom Ausgangsmaterial ab. Übersprechungen, Hall und dicht übereinanderliegende Frequenzen können hörbare Artefakte verursachen.

Neural Amp Modeler direkt in der DAW

Gitarristen erhalten mit dem Update eine integrierte Variante des Neural Amp Modelers. Dieser lädt Verstärkerprofile im .nam Format und bildet damit den Klang aufgenommener Gitarrenverstärker, Boxen und weiterer Audiogeräte nach.

Die Signalkette umfasst:

  1. Noise Gate
  2. Eingangsverstärkung
  3. NAM-Modell
  4. DC-Filter
  5. Dreiband-Klangregelung
  6. Ausgangslautstärke
  7. Dry/Wet-Regler

Verwendete Modelle können über „Collect & Save“ gemeinsam mit dem Projekt gesichert werden. Das soll verhindern, dass ein Projekt auf einem anderen Computer geöffnet wird und das benötigte Verstärkerprofil fehlt.

Bemerkenswert ist weniger die Technik selbst – der Neural Amp Modeler lässt sich bereits in verschiedenen Plugin-Hosts einsetzen – als seine direkte Integration in eine kostenlose DAW. Zusätzliche Plugins sind dafür nicht erforderlich.

RNNoise entfernt gleichmäßige Hintergrundgeräusche

Ebenfalls neu ist ein Denoiser auf Basis von RNNoise. Er soll insbesondere konstante Störgeräusche wie Lüfter, Wind oder elektrisches Rauschen reduzieren. Das Verfahren arbeitet unabhängig auf dem linken und rechten Kanal. Weil RNNoise intern eine Abtastrate von 48 kHz erwartet, passt OMNi Audiomaterial mit anderen Sampleraten während der Bearbeitung entsprechend an.

Die Funktion könnte für Sprachaufnahmen, Podcasts, Livemitschnitte und einfache Restaurierungsarbeiten interessant sein. Sie ist allerdings kein vollständiger Ersatz für spezialisierte Restaurationssoftware. Problematische Raumreflexionen, wechselnde Nebengeräusche oder starke Verzerrungen lassen sich mit einem einzelnen Denoiser gewöhnlich nicht zuverlässig beseitigen.

Sampler, Effekte und Plug-in-Hosting überarbeitet

Neben den sichtbaren Neuerungen enthält das Update eine lange Liste technischer Korrekturen. Unter anderem wurden der Sampler, das Plugin-Hosting sowie verschiedene integrierte Effekte überarbeitet. Der Sampler erhält destruktive Funktionen wie Normalisieren, Verstärken, Ein- und Ausblenden, Umkehren, Stille einfügen, Beschneiden und Ausschneiden. Diese Berechnungen laufen nun außerhalb des Audio-Threads und lassen sich rückgängig machen.

Der Entwickler nennt außerdem Korrekturen für zuvor mögliche Aussetzer, Probleme bei der Sampleratenumrechnung und Fehler bei der Speicherung von Plugin-Zuständen. Auch Abstürze und Deadlocks beim Betrieb von VST3-Plug-ins sollen reduziert worden sein.

Weitere Änderungen betreffen unter anderem Chorus, Delay, Kompressor, Convolution Reverb, Equalizer, Filter, Gate, Limiter und Phaser. MIDI-Dateien mit mehreren Spuren sollen jetzt vollständig importiert werden können. Eine neue „Save As“-Funktion erleichtert zudem das Anlegen verschiedener Projektversionen.

Omni DAW Mixer
Omni DAW Mixer

Diese Fehlerkorrekturen sind für die Praxis mindestens so wichtig wie das neue Plug-in-Format. Gleichzeitig zeigt die Art der behobenen Probleme, wie früh sich OMNi noch in der Entwicklung befindet. Fehler bei Sampleraten, Echtzeitverarbeitung und Plugin-Zuständen können in produktiven Projekten erhebliche Folgen haben.

Kostenlose Alpha für Windows und Linux

OMNi wird weiterhin kostenlos als Version 0.1 Alpha angeboten. Die DAW steht derzeit für Windows und Linux zur Verfügung. Eine macOS-Version wird auf der offiziellen Downloadseite nicht genannt.

Der Funktionsumfang ist für ein junges Projekt ungewöhnlich groß. Neben der linearen Timeline gehören dazu eine Session-Ansicht, Piano Roll, Step Sequencer, euklidische Sequenzen, integrierte Synthesizer und Effekte sowie die Unterstützung mehrerer Plug-in-Formate.

Diese Breite ist zugleich die größte Herausforderung des Projekts. Eine DAW muss nicht nur viele Funktionen bereitstellen, sondern bei langen Sitzungen, großen Projekten und Plugins unterschiedlichster Hersteller zuverlässig arbeiten. Genau das lässt sich anhand einer Funktionsliste nicht bewerten.

Einschätzung: Spannendes Labor, aber noch kein Produktionssystem

Das OMNi-Update gehört zu den ambitioniertesten Veröffentlichungen einer kostenlosen DAW in diesem Jahr. Ein eigenes Plug-in-Format, lokale Stem Separation, Neural Amp Modeling und Rauschunterdrückung in einem einzigen Update sind technisch bemerkenswert.

Das proprietäre Format ist dabei sowohl die spannendste als auch die fragwürdigste Neuerung. Die versprochene Sandbox könnte die Stabilität und Sicherheit verbessern. Ohne relevante Drittanbieter bleibt .omniplugin jedoch zunächst vor allem ein Format für die mitgelieferten Instrumente und Effekte.

Für Experimente und zum Verfolgen der Entwicklung ist OMNi interessant. Als Ersatz für eine etablierte Produktionsumgebung empfiehlt sich die Alpha-Version momentan noch nicht. Wer sie ausprobiert, sollte mit Kopien seiner Audiodateien arbeiten und wichtige Projekte zusätzlich sichern.

Weitere Details und die vollständige Liste der Änderungen stehen in der offiziellen Update-Ankündigung vom 22. August 2026. Die aktuelle Alpha-Version ist über die OMNi-Website erhältlich.

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Andreas

Musiker und Musikproduzent: Gitarre, Keyboards, Drums und Gesang, Tonstudio, Songwriter, Qualitätsmanager, Hobbyfotograf und Online-Redakteur.