Protoform ist ein sehr spezieller Sample-Player, der dazu ausgelegt ist, als Mini-Arrangement-Werkzeug für zufällig ausgewählte Samples und Loops zu dienen. Für schnelle erste Skizzen einer rhythmischen Idee, als Song-Starter und zur Neukombination von Loops.

Für Produzenten mit einem großen und idealerweise gut geordneten Sample Pool ist das ein sehr interessantes Plugin, denn es zieht auf die 16 MIDI-Noten /Pads Samples in Kombinationen, auf die man vielleicht nicht gekommen wäre, und beschleunigt diesen Prozess sehr.
Bislang gibt es das Programm als Live4MAX Device, ein konventionelles Plugin ist aber in Arbeit. Man kann sich für den Newsletter anmelden und bekommt so mit, wenn es fertig ist, und vermutlich einen Waitlist-Rabatt.
Das Programm ist im Detail recht durchdacht, es gibt verschiedene Gewichtungen für Ordner, aus denen Samples gezogen werden sollen, es gibt Pools nach Art des Samples, z. B. Kicks, es erkennt Loops, wenn sie entsprechend typisch benannt sind. Man kann Pads von der allgemeinen Zufallsauswahl sperren, man kann einzelne Pads zufällig so lange auswählen lassen, bis es im Kontext passt. Da gibt es einige Möglichkeiten, zu steuern, wie der Loop dann letztendlich klingt. Wobei auch mitentscheidend ist, wie die MIDI-Datei aufgebaut ist, welche rhythmische Struktur sie vorgibt. Und man kann beispielsweise langen Noten einen Ordner mit Atmosphären zuordnen.
Man kann den Startpunkt im Sample/Loop individuell vorgeben und es gibt den Modus Continuous, der im Hintergrund stumm das Sample weiterlaufen lässt, solange der Transport der DAW aktiv ist, was auch zu ständig wechselnden Startzeitpunkten führt und nicht bei jeden Noten-Trigger das Sample wieder vom Anfang startet.
Insgesamt finde ich es erstaunlich, wie man von dieser einfachen Grundidee zu verschiedenen Anwendungen des Programms bei der Loop-Erstellung, Song- (pre-)Arrangement und Sound Design kommt. Hat man einen Loop, der funktioniert, werden die einzelnen Samples in ihrer Sequenz als separate Stems direkt in das Arrangement von Live exportiert und können dort mit den üblichem Methoden weiterverarbeitet werden. Bei diesem Plugin werden die Stems auf die Tracks in der DAW gezogen..
Spektralist veröffentlichte bisher hauptsächlich Presets und Sample-Packs im Scoring oder düster-experimentellen Bereich. Darunter auch etliche für Generate von Newfangled Audio (siehe Testbericht hier), was sehr selten ist, und von diesen Presets, aber auch denen für Pigments oder Myth bin ich recht beeindruckt.
Ähnliche Plugins
Das aktuell bekannteste Plugin mit einer ähnlichen Funktionalität ist Rando von MonkeyC. Das hat nicht nur 16 Sample-Slots, sondern die gesamte Klaviatur kann flexibel zonenweise mit Samples belegt werden, bietet automatische Sample/&Loop-Kategorisierung und tuned die Samples auf die gewünschte Skala. Also viel weiter automatisiert und leichter zu bedienen. Dagegen bietet Protoform eine detailliertere Kontrolle der einzelnen Samples.
Ein weiteres gerade frisch herausgekommenes Plugin in dieser Richtung ist Vine von Dowfi, das aber viel einfacher gestaltet ist. Hier werden die gewünschten Samples in das Plugin importiert und bei jeder neuen Note wird daraus zufällig ein anderes Sample abgespielt. Das klingt abwechslungsreicher, aber ist deutlich zufälliger und nicht reproduzierbar.
Seite von Protoform als Plugin
https://spektralisk.com/landing/protoform
Video-Walktrough durch das Live4Max Device:

