Reason Studios öffnet sein virtuelles Rack für alle: Mit Reason Free steht ab sofort eine dauerhaft kostenlose Version der bekannten Musikproduktionssoftware zur Verfügung. Das Paket enthält nicht nur das Reason-Rack als Plugin für andere DAWs, sondern auch eine eigenständige Version der Reason-DAW. Mitgeliefert werden 15 ausgewählte Instrumente, Effekte, MIDI-Werkzeuge und Utilities.
Reason Studios betont ausdrücklich, dass es sich bei Reason Free weder um eine Demo noch um eine zeitlich begrenzte Aktion handelt. Die Software enthält keine Wasserzeichen, läuft nicht nach einigen Wochen ab und kann dauerhaft kostenlos verwendet werden. Damit vollzieht der traditionsreiche Hersteller einen bemerkenswerten Schritt, denn bislang war der Zugang zum Reason-Rack immer mit dem Kauf einer Lizenz oder einem Reason+-Abonnement verbunden.
Reason Rack Free läuft in nahezu jeder großen DAW
Das Herzstück des kostenlosen Pakets ist das Reason Rack Free Plugin. Es lässt sich unter Windows und macOS in kompatiblen Hosts als VST3-, AU- oder AAX-Plugin laden. Damit kann das virtuelle Reason-Rack beispielsweise in Cubase, Ableton Live, FL Studio, Logic Pro, Pro Tools, Bitwig Studio, Reaper oder GarageBand genutzt werden.

Das ist vor allem für Produzenten interessant, die zwar in ihrer gewohnten DAW bleiben möchten, den besonderen modularen Workflow von Reason aber trotzdem ausprobieren wollen. Instrumente, Effekte und Modulationswerkzeuge können innerhalb eines gemeinsamen Racks miteinander kombiniert werden.
Die Rückseite des virtuellen Racks ist ebenfalls vollständig verfügbar. Nach dem bekannten Druck auf die Tabulatortaste dreht sich das Rack um und zeigt Audio-, CV- und Gate-Anschlüsse. Geräte lassen sich dort frei verkabeln, Signale aufteilen und Modulationsverbindungen herstellen. Genau dieses spielerische Verkabelungskonzept gehört seit der ersten Reason-Version zu den wichtigsten Alleinstellungsmerkmalen der Software.
Vier Instrumente für Synthese, Drums und Songideen
Reason Free enthält insgesamt vier Klangerzeuger. Der umfangreichste davon ist der Europa Shapeshifting Synthesizer. Europa kombiniert drei spektrale Wavetable-Engines mit flexibler Wellenformbearbeitung, spektralen Filtern, Modulationen und integrierten Effekten. Mehr als 600 Presets sollen einen schnellen Einstieg ermöglichen, während sich fortgeschrittene Nutzer tief in die Klangerzeugung vorarbeiten können.
Der Kong Drum Designer stellt 16 Drum-Pads sowie verschiedene Synthese-, Sampling- und Effektmodule bereit. Dadurch eignet sich Kong nicht nur zum Abspielen fertiger Drum-Samples, sondern auch zum Erstellen eigener elektronischer Schlagzeugklänge.
Für Bässe ist der Monotone Bass Synthesizer zuständig. Der monofone Synthesizer arbeitet mit zwei Oszillatoren und einem analogen Filtermodell. Seine übersichtliche Bedienung ist auf eine schnelle Klangerstellung ausgelegt und dürfte besonders für elektronische Basslinien interessant sein.
Komplettiert wird die Instrumentenabteilung durch die ID8 Songwriter’s Toolbox. Dieses vergleichsweise einfache Modul bietet 36 General-MIDI-kompatible Klänge aus Bereichen wie Piano, Bass, Schlagzeug und Streicher. ID8 ist weniger als komplexes Sounddesign-Werkzeug gedacht, sondern dient vor allem dazu, musikalische Ideen schnell umzusetzen oder importierte MIDI-Dateien wiederzugeben.
Bekannte Reason-Effekte sind ebenfalls enthalten
Auch bei den Effekten setzt Reason Studios nicht ausschließlich auf kleine Einstiegsvarianten. Mit Scream 4 ist einer der bekanntesten Reason-Effekte im kostenlosen Paket enthalten. Das Modul stellt zehn verschiedene Verzerrungs- und Klangbearbeitungsmodelle bereit und reicht von leichter Sättigung über Bitcrushing bis zur vollständigen Klangzerlegung.
The Echo kombiniert digitale Delays mit Band- und Analogcharakter. Ducking-, Trigger- und Rollfunktionen ermöglichen sowohl klassische Echoeffekte als auch rhythmische Wiederholungen und experimentelle Performance-Effekte.
Für räumliche Effekte ist der RV7000 MkII Advanced Reverb zuständig. Der Hallprozessor bietet neun Algorithmen, eine EQ-Sektion und die Möglichkeit, eigene Impulsantworten zu laden. Das macht ihn deutlich flexibler als viele typische Hallgeräte, die kostenlosen Softwarepaketen beigelegt werden.
Der Audiomatic Retro Transformer verändert Audiomaterial mithilfe von zwölf unterschiedlichen Klangcharakteren. Die Bedienung erfolgt weitgehend über einen zentralen Regler. Je nach gewähltem Modell reicht die Bearbeitung von leichter Färbung bis zu deutlich hörbaren Lo-Fi- und Retro-Effekten.
Als Dynamikwerkzeug ist außerdem der MClass Maximizer enthalten. Der Brickwall-Limiter arbeitet mit Look-ahead-Verarbeitung und bietet eine Soft-Clip-Funktion. Er kann sowohl auf Einzelspuren als auch auf Bussen oder der Summe eingesetzt werden.
MIDI-Akkorde, LFOs und modulare Signalwege
Mit Scales & Chords enthält Reason Free auch einen MIDI-Player. Das Modul kann eingehende Noten auf eine gewählte Tonleiter begrenzen und aus einzelnen Tönen komplette Akkorde erzeugen. Mehr als 30 Tonleitern sowie Einstellungen für Umkehrungen, Akkordfarben und die Anzahl der erzeugten Noten stehen zur Verfügung.
Der Pulsar Dual LFO liefert zwei Modulationsoszillatoren mit insgesamt 16 Wellenformen. Damit lassen sich etwa Filterbewegungen, Tremoloeffekte, rhythmische Modulationen oder langsam veränderliche Klangflächen erzeugen.
Für komplexere Signalwege stehen Spider Audio Merger & Splitter und Spider CV Merger & Splitter bereit. Die beiden Geräte teilen Audio- beziehungsweise Steuersignale auf mehrere Ziele auf oder führen mehrere Quellen zusammen. So können parallele Effektketten und umfangreiche Modulationsstrukturen innerhalb des Racks entstehen.
Das MIDI Out Device überträgt MIDI-Daten an externe Hardware, andere Plugins oder Instrumente des Hosts. Der Combinator fasst schließlich mehrere Rack-Geräte zu einem gemeinsamen Patch zusammen. Eigene Makroregler und Bedienoberflächen erlauben es, umfangreiche Instrumenten- oder Effektkombinationen übersichtlich steuerbar zu machen.
Reason Free enthält auch eine kostenlose DAW
Reason Free beschränkt sich überraschenderweise nicht auf das Rack-Plugin. Der Installer enthält ebenfalls eine eigenständig nutzbare Version der Reason DAW. Diese bietet einen Mehrspur-Sequenzer, den Reason-typischen Blocks-Modus, Comping, Timestretching, Transponierung und Vocal Edit.
Hinzu kommen Audio-Slicing, Quantisierung, ein kompletter Mixer, Ableton Link sowie die Möglichkeit, externe Plugins in den Formaten VST2 und VST3 einzusetzen. Projekte sind allerdings auf insgesamt 16 Audio- und Instrumentenspuren beschränkt. Abgesehen von diesem Spurlimit sollen nach Angaben von Reason Studios keine weiteren wesentlichen Funktionsbeschränkungen bestehen.
Damit wird Reason Free auch zu einer interessanten kostenlosen DAW. Einsteiger können komplette Produktionen erstellen, ohne bereits eine andere Musiksoftware besitzen zu müssen. Wer schon mit Cubase, Ableton Live, Logic Pro oder einer anderen Produktionsumgebung arbeitet, kann stattdessen ausschließlich das Rack-Plugin verwenden.
Im direkten Vergleich zur ebenfalls kostenlosen Waveform Free 14 fällt das Spurlimit zwar deutlich ins Gewicht. Reason Free punktet dafür mit seinem modularen Rack, bekannten Instrumenten und der Möglichkeit, das gesamte System zusätzlich als Plugin zu laden. Auch gegenüber browserbasierten Lösungen wie der kostenlosen Open-Source-DAW openDAW verfolgt Reason einen deutlich klassischeren und stärker auf virtuelle Studiogeräte ausgerichteten Ansatz.
Reason Free unterstützt Rack Extensions
Die kostenlose Version ist nicht auf die mitgelieferten 15 Geräte festgelegt. Reason Free unterstützt weiterhin Rack Extensions. Das Rack lässt sich damit durch kostenlose oder kostenpflichtige Instrumente, Effekte und Hilfsgeräte erweitern.
Dies ist zugleich ein nachvollziehbarer strategischer Schritt von Reason Studios. Reason Free senkt die Einstiegshürde erheblich, öffnet aber gleichzeitig den Zugang zum hauseigenen Rack-Extension-Ökosystem. Wer später mehr Instrumente und Effekte benötigt, kann eine reguläre Reason-Lizenz erwerben, Reason+ abonnieren oder einzelne Rack Extensions ergänzen.
Einschätzung
Reason Free ist weit mehr als ein kleines Werbegeschenk. Allein Europa, Kong, Scream 4, The Echo und RV7000 MkII ergeben eine vielseitige Sammlung für Synthese, Drum-Programming und Effektbearbeitung. Durch Combinator, Pulsar und die Spider-Module bleibt zudem ein großer Teil des charakteristischen modularen Reason-Workflows erhalten.
Besonders überzeugend ist die doppelte Nutzbarkeit. Reason Free funktioniert sowohl als eigenständige DAW als auch als Rack-Plugin innerhalb bereits vorhandener Produktionsumgebungen. Das Spurlimit von 16 Spuren schränkt umfangreiche Produktionen zwar ein, reicht aber für Songskizzen, elektronische Arrangements, Podcasts und kleinere Recording-Projekte durchaus aus.
Reason Studios macht damit einen überraschend großen Teil seines Softwareklassikers frei zugänglich. Wer das virtuelle Rack bislang nur aus Videos oder älteren Reason-Versionen kennt, kann nun ohne Zeitdruck und ohne finanzielle Verpflichtung selbst Kabel ziehen. Vorsicht ist lediglich bei der Rückseite geboten: Aus „Ich probiere nur kurz Europa aus“ kann erfahrungsgemäß recht schnell ein Kabelsalat werden, für den selbst ein ordentlich beschrifteter Patchplan kaum noch ausreicht.
Reason Free ist für Windows und macOS erhältlich. Für den Download wird ein kostenloses Benutzerkonto bei Reason Studios benötigt.
Weitere Informationen und Download: Reason Free bei Reason Studios



