Reference Player kostenlos – Musik hören mit EQ, Kompressor und Limiter
Ein Musikplayer benötigt eine Wiedergabetaste, einen Lautstärkeregler und vielleicht noch eine halbwegs übersichtliche Musikbibliothek. Zumindest war das früher einmal so. Der neue Reference Player von M Media Audio sieht das offenbar etwas anders und stattet die Musikwiedergabe kurzerhand mit einem grafischen 31-Band-Equalizer, VCA-Kompression, Brickwall-Limiter und umfangreichen Analysewerkzeugen aus.
Das Ergebnis erinnert weniger an einen klassischen Media Player und mehr an eine kleine Mastering-Suite, die sich zufällig auch mit Musiksammlungen, Audio-CDs und Wiedergabelisten auskennt.
Besonders bemerkenswert: Reference Player ist für Windows kostenlos erhältlich. Es gibt weder eine zeitlich begrenzte Testversion noch ein Abonnement oder eine Registrierungspflicht. Lediglich die Funktion zum Brennen von CDs kann für einmalig 5 US-Dollar freigeschaltet werden.

Ein Musikplayer mit eingebautem Mastering-Rack
Im Zentrum von Reference Player steht eine vollständige Wiedergabekette, die deutlich weiter reicht als bei den meisten Audio-Playern. Musik kann nicht nur abgespielt, sondern während der Wiedergabe klanglich bearbeitet und analysiert werden.
Die interne Signalkette umfasst:
- einen grafischen 31-Band-Equalizer,
- einen VCA-artigen Bus-Kompressor,
- einen Brickwall-Limiter,
- Peak- und RMS-Meter,
- eine LUFS-Lautheitsmessung,
- einen Spektrumanalysator,
- eine Phasenanzeige,
- sowie klassische VU-Meter.
Damit richtet sich Reference Player nicht ausschließlich an Musikproduzenten. Auch Hörer, die den Klang ihrer Lautsprecher oder Kopfhörer etwas anpassen möchten, sollen mit der Software zurechtkommen.
Der Ansatz ist verständlich: Nicht jede Musiksammlung besteht aus gleich laut gemasterten Produktionen, nicht jeder Kopfhörer besitzt einen neutralen Frequenzgang und nur die wenigsten Wohnzimmer wurden von einem Akustiker vermessen. In vielen Räumen übernehmen Bücherregale, Sofakissen und strategisch verteilte Zimmerpflanzen diese Aufgabe – mit wissenschaftlich unterschiedlich gut belegtem Erfolg.
31-Band-Equalizer gegen dröhnende Räume und scharfe Kopfhörer
Der integrierte grafische Equalizer bietet 31 Frequenzbänder mit ISO-konformen Mittenfrequenzen im Dritteloktavabstand. Dadurch lassen sich sowohl breit angelegte Klangkorrekturen als auch gezielte Eingriffe vornehmen.
Klingen Lautsprecher im unteren Mittenbereich etwas mulmig, können die betreffenden Frequenzen vorsichtig reduziert werden. Besitzt ein Kopfhörer zu aggressive Höhen, lässt sich auch dieser Bereich abschwächen. Umgekehrt kann ein kleines Desktop-System etwas Unterstützung im Bassbereich erhalten – soweit seine Lautsprecher physikalisch überhaupt dazu in der Lage sind.
Allerdings gilt auch hier: Ein Equalizer kann vieles korrigieren, aber aus einem fünf Zentimeter großen Laptoplautsprecher wird dadurch noch kein ausgewachsenes Subwoofer-System. Wer mehr über die grundlegende Arbeitsweise erfahren möchte, findet im Beitrag Professor Pegel erklärt: Wie funktioniert ein Equalizer? die passenden Hintergründe.
Die Software merkt sich die vorgenommenen Einstellungen. Eine einmal erstellte Anpassung für das verwendete Wiedergabesystem muss daher nicht bei jedem Programmstart erneut eingestellt werden.
VCA-Kompressor für unterschiedlich laute Aufnahmen
Zusätzlich zum Equalizer besitzt der Reference Player einen VCA-artigen Bus-Kompressor. Dieser soll Pegelunterschiede etwas glätten und Aufnahmen aus unterschiedlichen Jahrzehnten oder von verschiedenen Alben klanglich näher zusammenbringen.
Das kann besonders bei umfangreichen Musiksammlungen hilfreich sein. Eine zurückhaltend gemasterte Aufnahme aus den 1970er-Jahren kann schließlich erheblich leiser wirken als eine moderne Produktion, die bereits beim Mastering bis knapp unter die Zimmerdecke komprimiert wurde.
Der Entwickler empfiehlt ausdrücklich einen vorsichtigen Einsatz. Der Threshold sollte nur so weit abgesenkt werden, dass die Gain-Reduction-Anzeige gelegentlich leicht reagiert. Reference Player soll schließlich Musik wiedergeben und nicht nachträglich jeden noch vorhandenen Rest an Dynamik aus ihr herauspressen.
Wer die Funktionsweise der Dynamikbearbeitung vertiefen möchte, findet dazu bei BuenasIdeas unter anderem den Artikel Professor Pegel erklärt Parallel Compression.
Ein Limiter als letzte Sicherheitsstufe
Am Ende der Bearbeitungskette sitzt ein Mastering-Limiter. Dieser fängt Pegelspitzen ab, die durch Equalizer-Anhebungen oder die zusätzliche Kompression entstehen können.
Das ist durchaus sinnvoll: Wird der Bassbereich deutlich angehoben, kann der resultierende Ausgangspegel erheblich höher ausfallen als beim unbearbeiteten Signal. Der Limiter soll verhindern, dass daraus digitale Übersteuerungen entstehen.
Auch dieses Werkzeug ist nicht als Einladung gedacht, jedes Musikstück möglichst laut gegen die Pegelgrenze zu drücken. Wird der Limiter permanent stark beansprucht, verändert er Transienten und Dynamik deutlich. Aus „etwas besser kontrolliert“ wird dann schnell „Warum klingt das Schlagzeug plötzlich wie nasse Pappe?“.
Die grundlegenden Unterschiede zwischen Pegelanpassung, Kompression und Normalisierung erläutert der Beitrag Professor Pegel erklärt die Normalisierung.
VU-Meter, Spektrum und LUFS: Musik zum Anschauen
Reference Player beschränkt sich nicht auf die klangliche Bearbeitung. Mehrere Echtzeitanzeigen visualisieren, was während der Wiedergabe im Audiosignal geschieht.
Dazu gehören klassische VU-Meter, Spitzenwert- und RMS-Anzeigen, ein Spektrumanalysator, ein Phasenkorrelationsmesser sowie eine Loudness-Messung nach BS.1770. Damit lässt sich beispielsweise beobachten, wie stark sich Dynamik, Frequenzverteilung und Stereobreite verschiedener Produktionen unterscheiden.
Gerade für angehende Produzenten und Mixing-Einsteiger kann das ausgesprochen lehrreich sein. Ein stark verdichteter moderner Titel sieht auf den Pegelanzeigen völlig anders aus als eine dynamische Jazzaufnahme. Auch übertriebene Stereoverbreiterung oder problematische Phasenbeziehungen werden in der entsprechenden Anzeige sichtbar.
Ähnliche Analyseverfahren beschreibt auch der BuenasIdeas-Artikel zum kostenlosen Jeesonic Metering Cockpit.
Die Anzeigen sind natürlich kein Ersatz für das Gehör. Sie können aber dabei helfen, gehörte Unterschiede besser einzuordnen. Außerdem bewegen sich beleuchtete VU-Meter einfach sehr schön. Dieser Punkt ist technisch möglicherweise nicht entscheidend, sollte aber auch nicht unterschätzt werden.
Drei verschiedene Bedienoberflächen
Reference Player kann in drei unterschiedlichen Ansichten betrieben werden.
- Der Full Player zeigt die komplette Musikbibliothek, Warteschlange, Transportsteuerung, Klangbearbeitung und sämtliche Analysewerkzeuge in einem großen Fenster.
- Der Strip Player reduziert die Oberfläche auf ein schmales, skalierbares Fenster. Diese Ansicht kann neben anderen Anwendungen platziert werden und stellt weiterhin die wichtigsten Wiedergabe- und Bearbeitungsfunktionen bereit.
- Der Mini Player sitzt unauffällig in der Nähe des Windows-Infobereichs. Hier lassen sich Titel anzeigen, pausieren und überspringen, ohne die komplette Benutzeroberfläche öffnen zu müssen.
Mehrere Designs verändern Farben, Grafiken und den optischen Charakter der Software. Der Entwickler betont, dass die Wiedergabe-Engine dabei unverändert bleibt. Der Player darf also aussehen wie eine Hi-Fi-Anlage aus den 1970er-Jahren, ohne automatisch Bandsättigung, Nikotingeruch und einen leicht kratzenden Lautstärkeregler hinzuzufügen.
Dateien, CDs und sogar ein Line-Eingang
Reference Player kann lokale Audiodateien und überwachte Musikordner verwalten. Dateien lassen sich außerdem per Drag-and-drop öffnen und in Wiedergabelisten beziehungsweise Warteschlangen organisieren.
Zudem unterstützt das Programm Audio-CDs und kann deren Inhalte in das MP3-Format übertragen. Auch ein Live-Line-Eingang lässt sich als Quelle verwenden. Damit kann das Signal eines externen Audiogeräts durch die interne Bearbeitungs- und Analysekette geführt werden.
Windows-Dateizuordnungen und Tastaturbefehle im Stil klassischer Winamp-Player sind ebenfalls vorhanden. Eine mitgelieferte Beispieldatei sorgt dafür, dass direkt nach der Installation etwas abgespielt werden kann.
CD-Brennen ist die einzige kostenpflichtige Funktion
Nahezu alle Funktionen des Reference Players sind kostenlos verfügbar. Lediglich das Brennen von Datenträgern erfordert eine einmalige Freischaltung für 5 US-Dollar pro Computer.
Anschließend kann die Software MP3- und FLAC-Datendiscs sowie Red-Book-kompatible Audio-CDs erstellen. Obendrein steht eine Funktion zum Lautheitsabgleich zur Verfügung. Dabei analysiert Reference Player zunächst alle vorgesehenen Titel und passt deren Wiedergabelautstärke für die CD an.
Das verhindert den bekannten Effekt, bei dem ein leiser Titel endet und der nachfolgende Song unvermittelt versucht, Lautsprecher, Haustiere und Nachbarn gleichzeitig aus dem Raum zu befördern.
Ein Abonnement, wiederkehrende Gebühren oder eine Begrenzung der Anzahl gebrannter Discs gibt es laut Anbieter nicht.
Keine Registrierung und keine Übertragung in die Cloud
Reference Player benötigt kein Benutzerkonto. Nach Angaben des Entwicklers werden weder die Musikbibliothek noch Einstellungen oder Hörgewohnheiten an einen Server übertragen. Sämtliche Daten verbleiben lokal auf dem Computer.
Gerade bei einem Musikplayer ist das eigentlich keine revolutionäre Idee. Dass der Hersteller diesen Punkt so deutlich hervorheben muss, sagt allerdings einiges darüber aus, wie sehr sich Software in den vergangenen Jahren verändert hat.
Oder anders gesagt: Reference Player spielt einfach die Musik ab, ohne vorher wissen zu wollen, wann Geburtstag ist, welche Freunde ebenfalls Reference Player nutzen und ob der Newsletter zweimal täglich zugestellt werden darf.
Reference Player: Verfügbarkeit und Preis
Reference Player wird von M Media Audio entwickelt und ist derzeit für Windows über den Microsoft Store erhältlich. Die vollständige Wiedergabe-, Bearbeitungs- und Analyseausstattung kann kostenlos genutzt werden.
Für die Aktivierung sämtlicher CD-Brennfunktionen werden einmalig 5 US-Dollar verlangt. Ein Benutzerkonto oder Abonnement ist nicht erforderlich.
Weitere Informationen bietet die offizielle Produktseite von M Media Audio. Der Download erfolgt über den Microsoft Store.
Fazit
Reference Player ist deutlich mehr als ein weiterer Musikplayer für Windows. Die Kombination aus Musikbibliothek, CD-Wiedergabe, 31-Band-Equalizer, VCA-Kompressor, Limiter und umfangreichem Metering macht die Software sowohl für anspruchsvolle Musikhörer als auch für Produzenten interessant.
Natürlich ersetzt das Programm weder eine gute Raumakustik noch geeignete Lautsprecher oder ein professionelles Mastering. Die integrierten Werkzeuge ermöglichen jedoch sinnvolle Anpassungen und vermitteln nebenbei einiges über Frequenzen, Dynamik, Lautheit und Stereowiedergabe.
Dass nahezu das gesamte Programm kostenlos und ohne Registrierung genutzt werden kann, macht Reference Player zusätzlich interessant. Und wer tatsächlich noch CDs brennt, darf für fünf Dollar beweisen, dass dieses traditionsreiche Speichermedium noch nicht ganz ausgestorben ist.



