Die Umwandlung von Audio zu MIDI gehört seit Jahren zu den spannendsten, aber leider auch zu den fehleranfälligsten Bereichen der Musikproduktion. Gerade bei Gitarren, Gesang oder komplexeren Instrumentenspuren stoßen viele bestehende Lösungen schnell an ihre Grenzen. Mit Semedo Notes erscheint nun ein neues Plugin, das sich genau diesem Problem widmet und dabei besonderen Wert auf eine möglichst saubere und direkt nutzbare MIDI-Transkription legt.
Das VST3-Plugin für Windows analysiert eingehendes Audiomaterial und wandelt erkannte Tonhöhen, Dynamikwerte und Notenlängen automatisch in MIDI-Daten um. Unterstützt werden dabei klassische Audioformate wie WAV, AIFF, FLAC, MP3 und OGG. Laut dem Entwickler soll das Plugin insbesondere bei monofonen und klar definierbaren Instrumenten wie Gitarre, Piano, Bass, Gesang oder Synth-Leads zuverlässig arbeiten. Eine macOS-Version wurde bereits angekündigt.
Audio zu MIDI bleibt eine technische Herausforderung
Wer bereits mit Audio-zu-MIDI-Systemen gearbeitet hat, kennt die typischen Probleme. Viele Lösungen erzeugen zusätzliche Fehlnoten, interpretieren Obertöne falsch oder reagieren empfindlich auf Nebengeräusche. Besonders bei Gitarrenaufnahmen oder Vocals entstehen häufig ungewollte MIDI-Events, die anschließend mühsam von Hand bereinigt werden müssen.
Genau an dieser Stelle setzt Semedo Notes an. Das Plugin nutzt laut Beschreibung ein eigenes „Ghost Note Filter“-System, das falsch erkannte Noten automatisch entfernen soll. Dabei werden typische Artefakte wie Oktav-Obertöne, Nebengeräusche oder ungewollte Zusatzstimmen erkannt und herausgefiltert. Zusätzlich begrenzt das System die maximale Polyfonie, damit Akkorde nicht unnötig mit zusätzlichen Stimmen überladen werden.
Gerade im Bereich Audio zu MIDI ist dieser Ansatz interessant, weil viele bestehende Lösungen zwar schnell arbeiten, die erzeugten MIDI-Daten jedoch oft umfangreiche Nachbearbeitung benötigen. Eine automatische Bereinigung könnte den Workflow deutlich beschleunigen, insbesondere für Produzenten, die Ideen spontan einspielen oder einsingen möchten.
Live-Aufnahme direkt im Plugin
Neben dem klassischen Datei-Import bietet Semedo Notes auch eine integrierte Live-Aufnahmefunktion. Während die DAW läuft, kann direkt über Mikrofon oder Instrument aufgenommen werden. Das Plugin zeichnet laut Entwickler bis zu zwei Minuten Audio auf und startet anschließend automatisch die Analyse. Ein vorheriges Exportieren oder Rendern von Audiodateien entfällt dadurch komplett.
Gerade für Songwriter und Produzenten könnte dieser Workflow interessant sein. Viele musikalische Ideen entstehen spontan und werden zunächst nur eingesungen oder auf der Gitarre improvisiert. Durch die direkte Audio-zu-MIDI-Konvertierung lassen sich solche Ideen schnell in editierbare MIDI-Daten umwandeln und anschließend mit virtuellen Instrumenten weiterbearbeiten.
Kontrolle über die Bereinigung der MIDI-Daten
Ein weiteres zentrales Element des Plugins ist der sogenannte „Purity Control“-Regler. Dieser bestimmt, wie aggressiv die Analyse bereinigt wird. Niedrige Einstellungen übernehmen nahezu alle erkannten Noten, während höhere Werte nur die sicher erkannten Events behalten.
Das ist besonders relevant, weil Audio zu MIDI immer ein Kompromiss zwischen Vollständigkeit und Präzision bleibt. Manche Produzenten möchten lieber möglichst alle erkannten Informationen erhalten und später manuell korrigieren. Andere bevorzugen eine kleinere, aber sauberere MIDI-Datei. Durch den Regler lässt sich dieser Schwerpunkt flexibel anpassen.
Pitch-Bend- und MPE-Unterstützung
Interessant ist auch die Unterstützung für Pitch-Bend-Daten und MPE-Export. Das Plugin analysiert nicht nur feste Tonhöhen, sondern erkennt laut Beschreibung auch Vibrato, Slides und Bendings. Diese Informationen können direkt in die erzeugte MIDI-Datei geschrieben werden.
Dafür stehen drei verschiedene Modi zur Verfügung. Neben einem klassischen Modus ohne Pitch-Bend gibt es eine „Mono Safe“-Variante für monofone Linien sowie einen vollständigen MPE-Modus. Letzterer verteilt einzelne Noten auf separate MIDI-Kanäle und ermöglicht dadurch unabhängige Pitch-Modulationen pro Note.
Gerade bei modernen Synthesizern mit MPE-Unterstützung wie Serum oder Pigments kann das interessant werden. Gitarren-Bendings oder Vocal-Slides lassen sich dadurch deutlich natürlicher in MIDI-Instrumente übertragen als mit herkömmlichen MIDI-Daten.
Quantisierung direkt bei der Analyse
Auch Timing-Korrekturen gehören zum Funktionsumfang. Semedo Notes liest das Tempo direkt aus der DAW aus und kann die transkribierten MIDI-Noten automatisch quantisieren. Unterstützt werden verschiedene Raster wie Viertel, Achtel, Sechzehntel oder Triolen. Gleichzeitig lässt sich bestimmen, wie stark die Noten an das Raster angepasst werden sollen.
Das ist besonders praktisch, weil viele Audio-zu-MIDI-Systeme zwar Noten erkennen, rhythmisch jedoch oft ungenaue Ergebnisse liefern. Durch die direkte Quantisierung innerhalb des Plugins könnte sich der Nachbearbeitungsaufwand reduzieren.
Scale-Filter und Tonhöhenbegrenzung
Zusätzlich integriert Semedo Notes verschiedene musikalische Filterfunktionen. Über den Scale-Filter lassen sich erkannte Noten auf bestimmte Tonleitern beschränken. Unterstützt werden unter anderem Major, Minor, Dorian, Mixolydian, Blues Minor oder pentatonische Skalen. Noten außerhalb der gewählten Skala werden entfernt, jedoch nicht automatisch verschoben.
Hinzu kommt ein Note-Range-Filter, mit dem sich ein minimaler und maximaler MIDI-Notenbereich festlegen lässt. Das kann helfen, tieffrequente Störgeräusche oder unerwünschte Fehlinterpretationen auszublenden. Gerade bei Gitarrenaufnahmen oder Gesangsspuren entstehen häufig tiefe Artefakte, die als ungewollte Bassnoten erkannt werden. Solche Filter gehören deshalb zu den sinnvolleren Ergänzungen im Bereich Audio zu MIDI.

Direkter MIDI-Export per Drag-and-drop
Der eigentliche Workflow bleibt dabei bewusst unkompliziert. Sobald die Analyse abgeschlossen ist, kann die erzeugte MIDI-Datei direkt aus dem Plugin in eine MIDI-Spur der DAW gezogen werden. Alternativ ist auch ein klassischer MIDI-Export möglich.
Zusätzlich sendet das Plugin seine MIDI-Daten in Echtzeit an die DAW, wodurch sich erkannte Noten direkt mit virtuellen Instrumenten testen lassen. Für schnelles Vorhören steht außerdem ein integrierter Synthesizer mit 32 Stimmen bereit.
Visualisierung mit Waveform und Piano Roll
Auch optisch orientiert sich Semedo Notes stark an klassischen Audio-Editoren und DAW-Workflows. Die Original-Wellenform wird oberhalb der Piano-Roll angezeigt, wodurch sich erkannte MIDI-Noten direkt mit dem Audiomaterial vergleichen lassen. Die Piano-Roll selbst visualisiert zusätzlich Velocity-Werte über unterschiedliche Helligkeiten.
Dadurch entsteht ein relativ transparenter Bearbeitungsprozess. Nutzer können schnell erkennen, welche Stellen korrekt erkannt wurden und wo eventuell nachgebessert werden muss.
Fokus auf Performance und Hintergrundanalyse
Laut Entwickler wurde zudem Wert auf geringe CPU-Belastung gelegt. Rechenintensive Prozesse wie Resampling oder KI-Analyse laufen in Hintergrund-Threads und sollen die eigentliche Audiowiedergabe der DAW nicht beeinträchtigen. Auch während laufender Projekte bleibt die Analyse aktiv, ohne Audioaussetzer zu verursachen.
Gerade moderne KI-basierte Audio-zu-MIDI-Systeme können je nach Komplexität erhebliche Rechenleistung benötigen. Ein stabiler Hintergrundbetrieb ist deshalb für viele Produzenten ein wichtiger Punkt.
Ein interessantes Werkzeug für modernes Audio zu MIDI
Mit Semedo Notes erscheint ein neues Werkzeug, das sich klar auf die praktische Nutzbarkeit von Audio-zu-MIDI-Transkriptionen konzentriert. Besonders der automatische Ghost-Filter, die MPE-Unterstützung und die direkte Live-Aufnahme könnten das Plugin von vielen bisherigen Lösungen unterscheiden.
Ob die Erkennung in der Praxis tatsächlich so sauber arbeitet wie beschrieben, wird sich allerdings erst im Alltagseinsatz zeigen. Gerade im Bereich Audio zu MIDI hängen die Ergebnisse stark vom Quellmaterial ab. Klare monofone Signale funktionieren meist deutlich besser als komplexe Akkordfolgen oder stark verrauschte Aufnahmen.
Trotzdem zeigt Semedo Notes, wie stark sich moderne Analyseverfahren inzwischen weiterentwickelt haben. Während die Audio-zu-MIDI-Konvertierung früher oft eher experimentellen Charakter hatte, entwickeln sich solche Systeme zunehmend zu ernst zu nehmenden Produktionswerkzeugen für Songwriter, Beatmaker und Produzenten.
Hier ist der Link, vielleicht könnt ihr ja den einen oder anderen Euro dalassen, der Entwickler muss ja von irgendwas leben.




**Deutsch**
Nein, ich mache kein „Vibe Coding“. Ich arbeite schon seit langer Zeit an meinen Plugins. Der Grund, warum jetzt mehrere Semedo-Audio-Plugins nach und nach erscheinen, ist einfach: Früher hatte ich keine eigene Website oder Plattform, über die ich sie sauber selbst veröffentlichen konnte.
Einige meiner VSTs sind außerdem nicht komplett neu. Manche basieren auf älteren Sourcecodes, die ich jetzt stark verbessert, modernisiert und technisch auf ein höheres Level gebracht habe. Die Technik ist heute einfach besser als vor ein paar Jahren, und dadurch kann man ältere Projekte viel weiter bringen.
An meinem EQ arbeite ich zum Beispiel seit ungefähr drei Jahren. Aktuell bin ich bei Version 3.1, und auch daran arbeite ich schon eine ganze Weile. Wenn die Basis eines Plugins einmal gut steht, gehen spätere Upgrades natürlich schneller.
Online-Informationen helfen heute ebenfalls, schneller technische Entscheidungen zu treffen. AI nutze ich hauptsächlich für Audits, Kontrolle, technische Informationen und zum Gegenchecken — aber nicht, um einfach per „Vibe Coding“ Plugins zusammenzuklicken. Es geht hier um ältere und eigene Sourcecodes, die ich Schritt für Schritt weiterentwickle und jetzt langsam veröffentliche.
Hi José, then my assumption was correct. Thank you very much for your comment, and please keep up the great work. We will be happy to cover your plugins, you really have some great ideas.
Best regards,
Andreas
Hi José, dann war ich mit meiner Vermutung richtig, vielen Dank für deinen Kommentar und mache bitte weiter so, wir werden gerne über deine Plugins berichten, du hast wirklich tolle Ideen. Gruß Andreas
Vibe Coding, musste ich erst einmal googeln, interessant. So wäre es erklärbar, mit welcher Geschwindigkeit Semedo Audio neue Plugins auf den Markt wirft. Aber vielleicht ist er einfach nur ein guter Programmierer, der viele Projekte in der Schublade hat und diese jetzt nahezu zeitgleich veröffentlicht, man weiß es nicht genau. Ich kann die Plugins von Semedo nur auf meinen Windows-Rechnern antesten. Ich habe zwar zwei Macs, aber die sind uralt. Daher sind Kommentare von Apple-Nutzern hier sehr erwünscht.
**English**
No, I am not doing “vibe coding.” I have been working on my plugins for a long time. The reason several Semedo Audio plugins are now being released gradually is simple: in the past, I did not have my own website or proper platform where I could release them myself.
Some of my VSTs are also not completely new. Some are based on older source code that I have now improved, modernized and upgraded technically. Technology is simply better today than it was a few years ago, so older projects can now be taken much further.
For example, I have been working on my EQ for around three years. I am currently working on version 3.1, and that version has also been in development for quite some time. Once a plugin has a strong foundation, upgrades naturally become faster.
Online information also makes it easier to make technical decisions faster nowadays. I use AI mainly for audits, checking, technical information and verification — not to simply “vibe code” plugins together. These are older and original source-code projects that I am improving step by step and now slowly releasing.
Ich muss gestehen, dass ich bei diesen ganzen Semedo-Plugins den Verdacht hege, dass sie via Vibe Coding entstanden sind…
to bad some people makes claims that are not treu you dont know how old my vst are and how long i been working on them
Hi José, No offense meant! 😉 Thanks for the Plugins!