Sonicware ELZ_1 core: 18 Synthese-Engines im kompakten Desktopformat

Sonicware ELZ_1 core: 18 Synthese-Engines kompakt

Sonicware bringt die Klangerzeugung des ELZ_1 play in ein kompaktes Desktopgehäuse. Der neue ELZ_1 core verzichtet auf Tastatur, Looper und Sync-Anschlüsse, übernimmt dafür aber alle 18 Synthese-Engines des größeren Modells. Mit USB-Host, MIDI, Audioeingang und integriertem Sequencer richtet sich der digitale Synthesizer vor allem an Musiker und Produzenten, die bereits mit einem Masterkeyboard, einer DAW oder einem Hardware-Setup arbeiten.

Das Konzept ist schnell erklärt: Statt noch eine weitere Tastatur ins Studio zu stellen, soll der ELZ_1 core als vielseitige Klangzentrale neben Controller, Groovebox oder Rechner Platz finden. Auf einer Stellfläche von 234 × 103 Millimetern vereint das Gerät Wavetable-, FM-, Granular-, Physical-Modeling– und Low-Bit-Synthese sowie eine kleine Drum-Engine. Damit gehört es zu jener seltenen Synthesizerklasse, die weniger eine bestimmte Klangfarbe als vielmehr einen ganzen Werkzeugkasten anbietet.

Sonicware ELZ_1 core
Sonicware ELZ_1 core

Vom ELZ_1 play zum ELZ_1 core

Technische Grundlage ist der ELZ_1 play. Sonicware hat dessen Syntheseplattform weitgehend unverändert übernommen und in ein Desktopmodul mit Walnussholz-Seitenteilen gesetzt. Entfallen sind die anschlagdynamische Tastatur, der Looper sowie die analogen Sync-In- und Sync-Out-Buchsen. Wer diese Funktionen benötigt, bleibt mit dem ELZ_1 play besser bedient.

Der ELZ_1 core gewinnt dafür einen eigenen USB-A-Hostanschluss. Ein kompatibles USB-MIDI-Keyboard oder ein anderer Controller lässt sich direkt anschließen und über den Synthesizer mit Strom versorgen. Ein Computer oder zusätzlicher USB-Host ist dafür nicht erforderlich. Über USB-C kommuniziert das Gerät wiederum mit einer DAW und überträgt neben MIDI auch Stereo-Audio.

Diese Aufteilung macht den core weniger zu einer abgespeckten Sparversion als zu einer alternativen Bauform. Er ist für Arbeitsplätze gedacht, an denen bereits eine gute Tastatur vorhanden ist oder der Synthesizer überwiegend aus einem Sequencer heraus gespielt wird. Einige Klänge, Akkorde und Drums lassen sich über die beleuchteten Tasten auf der Geräteoberfläche auch ohne externen Controller anspielen.

18 Synthese-Engines statt eines festen Klangkonzepts

Die eigentliche Besonderheit liegt in den 18 Klangerzeugern. Sie decken sehr unterschiedliche Ansätze ab und reichen von vergleichsweise klassischen Oszillatoren bis zu experimentellen Verfahren. Pro Klang lassen sich bis zu drei Oszillator-Layer kombinieren. Je nach gewählter Engine und Patch erreicht der Synthesizer eine Polyfonie von bis zu 20 Stimmen.

Zu den bekanntesten Bereichen gehört die Wavetable-Engine mit 256 Wellenformen. Ergänzt wird sie durch Super OSC, dessen fünf gegeneinander verstimmbare Teiloszillatoren breite Flächen, Leads und moderne Unisono-Klänge erzeugen. Wer einen stärker spezialisierten Softwareansatz vergleichen möchte, findet mit Native Instruments SuperStarSaw ein Instrument, das sich ganz auf gestapelte Sägezahn-Oszillatoren konzentriert. Der ELZ_1 core stellt solche Klangfarben dagegen nur als einen Teil eines wesentlich breiteren Systems bereit.

Mit ZTRINGS ist außerdem eine Physical-Modeling-Engine für gezupfte und gestrichene Saitenklänge an Bord. SiGRINDER zerlegt Audiomaterial granular, während DNA Explorer aus importiertem Audiomaterial neue Wellenformen ableitet. Dazu kommen unter anderem die Noise-Engine Masked Noise, Sand Flute, mehrere Varianten der 8-Bit-Wave-Memory-Synthese sowie ein Low-Bit-Oszillator.

Für vertrautere Synthesestrukturen stehen Standard- und Custom-Oszillatoren bereit. Eine FM-Engine arbeitet mit vier Operatoren und 31 Algorithmen. Die Bandbreite reicht damit von sauberen digitalen Glocken über metallische Texturen bis zu aggressiven Bässen. Der ELZ_1 core will offenkundig nicht nur Brot-und-Butter-Sounds liefern, sondern zum Experimentieren mit unterschiedlichen Synthesemethoden einladen. In diesem Punkt bestehen gewisse Parallelen zu ungewöhnlichen Softwarewerkzeugen wie den XNULLX-Plug-ins, auch wenn Sonicware die Klangforschung in ein eigenständiges Hardwareinstrument verlagert.

Die achtzehnte Engine ist STK Drummer. Sie enthält fünf Drumkits und kann Kit-Dateien im .stk-Format des Sonicware SmplTrek laden. Der Synthesizer ersetzt damit keine ausgewachsene Groovebox, kann aber rhythmische Elemente direkt in einen Patch oder eine Performance einbinden.

Waldorf-Wavetables und eigene Importdateien

Für die Wavetable-Sektion hat Sonicware 16 lizenzierte Waldorf-Wavetables integriert, deren Ursprung in Instrumenten wie PPG Wave und Microwave liegt. Zusätzlich lassen sich Wavetables im Serum-kompatiblen Format importieren. Das ist für Produzenten interessant, die bereits eine eigene Sammlung besitzen und sie nicht ausschließlich in Software verwenden möchten.

Der mitgelieferte Speicher umfasst 512 Klangplätze, davon sind 256 mit Presets belegt. Funktionen wie Patch-Tags, Favoriten und Shortcuts sollen dabei helfen, die wachsende Klangbibliothek zu ordnen. Zum Lieferumfang gehört außerdem eine 32-GB-Speicherkarte, auf der zusätzliche Presets und Wavetables abgelegt werden können.

Der Ansatz unterscheidet sich deutlich von Instrumenten, die eine einzelne historische Schaltung möglichst genau nachbilden. Ein Beispiel für diese andere Philosophie ist Morphoice EightyTen, das sich an einem polyfonen Analogsynthesizer der Achtzigerjahre orientiert. Sonicware setzt dagegen auf stilistische Offenheit: Der ELZ_1 core soll weder virtuell analog noch ausschließlich granular oder FM-basiert sein.

Sonicware ELZ_1 core SHAPE
Sonicware ELZ_1 core SHAPE

49 Effekte in vier Modulen

Auch die Effektsektion ist breit aufgestellt. Insgesamt stehen 49 Effekttypen zur Verfügung, die auf vier Module verteilt sind: Insert, EFX I, EFX II und Master. Bis zu vier Effekte können gleichzeitig aktiv sein. Die Auswahl umfasst unter anderem Verzerrung, Overdrive, Fuzz, Chorus, Flanger, Phaser, Ringmodulation, Tremolo, Vibrato, Bitcrusher, Filter, Delay, Reverb sowie Vinyl- und Kassetteneffekte.

Interessant für externe Signale: EFX II oder die Mastersektion können als Send-Effekt für den Stereo-Audioeingang arbeiten. Dadurch lässt sich etwa eine Groovebox oder ein zweiter Synthesizer durch einen Teil der internen Effektkette schicken. Der ELZ_1 core wird damit zwar noch nicht zum vollständigen Mischpult, kann aber in einem kleinen Hardware-Setup eine zusätzliche Rolle als Effektprozessor übernehmen.

Neun Filter- und Equalizer-Typen sowie vier Hüllkurvenmodelle formen den eigentlichen Synthesizerklang. Drei Performance-Makros lassen sich mit jeweils bis zu drei Parametern belegen. So können mehrere Veränderungen – etwa Filteröffnung, Effektanteil und Oszillatorverstimmung – über einen gemeinsamen Regler gesteuert werden. Gerade bei komplexen Patches ist das praxisnäher, als während einer Aufnahme durch mehrere Menüseiten zu springen.

Sequencer und Arpeggiator

Der interne Sequencer bietet eine Spur mit bis zu 128 Schritten und speichert 128 Patterns. Noten können schrittweise oder in Echtzeit eingespielt werden. Microtiming und nicht quantisierte Aufnahmen verhindern, dass jede Sequenz zwangsläufig am starren Raster klebt. Hinzu kommt ein Arpeggiator mit zwölf Modi.

Für Skizzen, wiederkehrende Melodien und Live-Phrasen reicht diese Ausstattung aus. Eine komplette Produktion lässt sich mit der einzelnen Sequencerspur allerdings kaum arrangieren. Im Verbund mit einer DAW, einem externen Hardware-Sequencer oder einer Groovebox wirkt das Konzept schlüssiger. Der interne Sequencer ist eher ein musikalisches Notizbuch und eine Performancehilfe als eine Produktionszentrale.

USB-Host, MIDI und DAW-Anbindung

Auf der Rückseite befinden sich klassische fünfpolige MIDI-Ein- und -Ausgänge. Hinzu kommen der erwähnte USB-A-Host sowie USB-C für MIDI, Massenspeicherzugriff und Audioübertragung. Das integrierte USB-Audiointerface arbeitet mit zwei Ein- und zwei Ausgangskanälen bei 48 kHz und 16 Bit.

Damit kann der Synthesizer ohne separate Audioverkabelung in einer DAW aufgenommen werden. Umgekehrt lässt sich Computersound zum Gerät schicken und dort weiterverarbeiten. Die Beschränkung auf 16 Bit ist allerdings konservativ. Für unkomplizierte Demos, mobile Setups und digitale Mitschnitte ist sie brauchbar; als Ersatz für ein modernes Studiointerface mit 24 Bit ist die USB-Verbindung nicht gedacht.

Analoge Signale erreichen den Synthesizer über einen 3,5-mm-Stereoeingang. Für die Ausgabe stehen zwei 6,3-mm-Line-Ausgänge und ein 3,5-mm-Kopfhöreranschluss bereit. Strom liefert das mitgelieferte 9-Volt-Netzteil. Einen Batteriebetrieb nennt Sonicware für das Desktopmodell nicht.

Kompakte Bedienoberfläche mit unvermeidbaren Menüs

Das 2,4 Zoll große Farbdisplay wird von fünf Endlosreglern und 25 farbig beleuchteten Tasten begleitet. Im Vergleich zu einem reinen Plug-in bietet das eine eigenständige, unmittelbar verfügbare Oberfläche. Ein Ein-Regler-pro-Funktion-Synthesizer ist der ELZ_1 core dennoch nicht. Achtzehn Engines, Modulation, Effekte und Sequencer lassen sich auf diesem Raum nur mit Menüs und wechselnden Reglerbelegungen unterbringen.

Wie schnell sich komplexe Patches tatsächlich programmieren lassen, wird deshalb stark von der Menüstruktur und der Beschriftung im Display abhängen. Die Performance-Makros und Shortcuts dürften vor allem im Livebetrieb helfen. Mit 0,97 Kilogramm bleibt das Gerät transportabel, ohne wie ein federleichter Kunststoffcontroller über den Tisch zu rutschen. Die Walnussholz-Seitenteile geben dem ansonsten digitalen Konzept einen kleinen analogen Dresscode – klanglich sind sie erwartungsgemäß unverdächtig.

Video: Sonicware ELZ_1 core

Preis und Verfügbarkeit

Sonicware nennt für den ELZ_1 core einen Preis von 499 US-Dollar beziehungsweise 539 Euro. Die erste Serie ist auf 50 Geräte begrenzt und soll ab Mitte Oktober 2026 ausgeliefert werden. Nach Angaben des Herstellers wird das Modell wegen steigender Bauteilkosten und instabiler Lieferketten zunächst auf Bestellung gefertigt. Interessenten müssen daher mit einer weniger kontinuierlichen Verfügbarkeit rechnen als bei einem regulären Großserienprodukt.

Zum Paket gehören Netzteil, 32-GB-Speicherkarte und ein Gutschein für Waldorf Edition 2 LE. Angesichts der umfangreichen Syntheseplattform ist der Preis nachvollziehbar, der ELZ_1 core bewegt sich aber nicht im Bereich eines spontanen Mitnahmegeräts. Entscheidend ist, ob die Vielzahl der Engines tatsächlich genutzt wird. Wer lediglich einen guten Wavetable- oder FM-Synthesizer sucht, findet günstigere und oft direkter bedienbare Alternativen. Wer verschiedene digitale Syntheseformen in einer einzigen Hardware kombinieren möchte, erhält dagegen ein ungewöhnlich breites Angebot.

Video: Sonicware ELZ_1 core

Erste Einschätzung

Der Sonicware ELZ_1 core ist vor allem dort sinnvoll, wo Tastatur und Sequencer bereits vorhanden sind. Er spart Platz, übernimmt die komplette Klangerzeugung des ELZ_1 play und ergänzt sie um eine praktische USB-Hostfunktion. Besonders interessant sind die Kombination aus drei Oszillator-Layern, Wavetable-Import, granularen und physikalischen Modellen sowie die Möglichkeit, externe Audiosignale durch die Effektsektion zu schicken.

Die Grenzen sind ebenso klar: Die Bedienung muss mit einem kleinen Display und fünf Reglern auskommen, der interne Sequencer bleibt einspurig, und USB-Audio endet bei 16 Bit. Auch der Verzicht auf Looper und Sync-Buchsen kann in bestimmten Hardware-Setups ins Gewicht fallen. Der ELZ_1 core ist daher weniger die vollständige Musikmaschine für unterwegs als ein flexibles digitales Klangmodul für ein bereits bestehendes System.

Gerade diese Konzentration könnte seine Stärke sein. Statt Tastaturfläche zu bezahlen und Platz dafür zu reservieren, fließt der Schwerpunkt in eine Syntheseplattform, die von klassischen Oszillatoren bis zu ausgesprochen eigensinnigen Verfahren reicht. Achtzehn Engines garantieren zwar noch keinen guten Song – aber erheblich mehr Ausreden, weshalb aus der geplanten Basslinie plötzlich eine zweistündige Klangforschung geworden ist.

Weitere Informationen: Sonicware ELZ_1 core – offizielle Produktseite

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Andreas

Musiker und Musikproduzent: Gitarre, Keyboards, Drums und Gesang, Tonstudio, Songwriter, Qualitätsmanager, Hobbyfotograf und Online-Redakteur.