Soundcraft Signature Plus verbindet Analogmixer und 4×4-USB-Interface

Soundcraft Signature Plus: Analogmixer mit 4×4 USB

Soundcraft erneuert seine analoge Signature-Serie. Die neue Baureihe Signature Plus umfasst vier Mischpulte mit 12, 16, 22 oder 32 Eingangskanälen und kombiniert klassische Kanalzüge mit Ghost-Mikrofonvorverstärkern, Sapphyre-EQs, dbx-Kompressoren und Lexicon-Effekten. Für die Verbindung mit Computer oder Mobilgerät ist bei allen Modellen ein 4×4-USB-C-Audiointerface integriert, das Abtastraten von bis zu 192 kHz unterstützt.

Damit positioniert Soundcraft die Serie zwischen traditionellem Analogpult und modernem Produktionszentrum. Die Bedienung bleibt unmittelbar: Pegel, Klangregelung, Dynamik und Effektanteile sind ohne Menüs oder Display erreichbar. Gleichzeitig lassen sich vier Audiokanäle zum Rechner übertragen und vier Signale aus einer DAW oder Streaming-Software zurückführen. Wichtig ist jedoch die Abgrenzung zu einem echten Mehrkanal-USB-Mixer: Auch das größte Pult mit 32 Eingängen überträgt nicht jeden Kanal separat an den Computer.

Soundcraft Signature Plus 32
Soundcraft Signature Plus 32

Vier Größen mit weitgehend einheitlicher Ausstattung

Die am 8. September 2026 vorgestellte Serie besteht aus Signature Plus 12, 16, 22 und 32. Laut Soundcraft bleibt die grundlegende Funktionsausstattung über alle Größen hinweg erhalten. Unterschiede ergeben sich vor allem aus der Zahl der verfügbaren Eingänge und dem Platzbedarf. Für die beiden kleineren Modelle 12 und 16 gehören Rackwinkel zum Lieferumfang.

ModellEingangskanäleUnverbindliche Preisangabe für die USABesonderheit
Signature Plus 1212799 US-DollarRackwinkel enthalten
Signature Plus 1616899 US-DollarRackwinkel enthalten
Signature Plus 22221.199 US-Dollargrößeres Pultformat
Signature Plus 32321.499 US-Dollarhöchste Kanalzahl der Serie

Offizielle Europreise lagen zum Zeitpunkt der Vorstellung noch nicht einheitlich vor. Die tatsächlichen Verkaufspreise können deshalb je nach Land, Händler und Lieferzeitpunkt abweichen.

Die Oberfläche wurde gegenüber der bisherigen Signature-Reihe neu geordnet. Soundcraft trennt Eingangs- und Ausgangssektion deutlicher voneinander und verwendet farbcodierte Bedienelemente. Die leicht abgerundeten, vom Hersteller als „Squircle“ bezeichneten Regler sollen sich auch unter schlechten Lichtverhältnissen sicher bedienen lassen. Ein QR-Code auf der Oberfläche führt zu Handbüchern, Schulungsmaterial und Supportangeboten.

Ghost-Preamps, Sapphyre-EQ und dbx-Kompression

Für die Mikrofoneingänge setzt Soundcraft erneut auf die aus früheren Pultserien bekannten Ghost-Vorverstärker. Die Preamps bieten laut Datenblatt bis zu 65 dB Verstärkung. Für das kleinste Modell nennt der Hersteller ein äquivalentes Eingangsrauschen von ?128 dBu und einen Frequenzgang von 20 Hz bis 20 kHz innerhalb von +0,5/?1,5 dB. Solche Laborwerte geben noch keine vollständige Auskunft über den Klang, deuten aber auf ausreichend Reserven für dynamische Mikrofone und typische Aufnahmesituationen hin.

Damit Mikrofonvorverstärker, Mischpult und Aufnahmegerät innerhalb ihres optimalen Arbeitsbereichs bleiben, sollten bereits beim Einpegeln die Grundlagen des Gain Staging in der Musikproduktion berücksichtigt werden.

Zur Klangbearbeitung dienen Sapphyre-EQs. Soundcraft beschreibt deren Abstimmung als musikalisch und verweist auf eine bewusste analoge Charakteristik. Auf den entsprechend ausgestatteten Mono-Kanälen ergänzt ein dbx-OverEasy-Kompressor die Klangregelung. Das Ein-Regler-Konzept richtet sich weniger an präzise Dynamikbearbeitung als an schnelle Pegelkontrolle bei Gesang, Sprache oder akustischen Instrumenten. Externe Prozessoren lassen sich über Insert-Buchsen in den Signalweg einbinden.

Wie Threshold, Ratio, Attack, Release und Make-up Gain zusammenspielen, zeigt unser ausführlicher Grundlagenartikel zur Kompression anhand praktischer Beispiele.

Der Vorteil dieses Aufbaus liegt in der Geschwindigkeit. Während ein Digitalpult oft mehrere Bearbeitungsstufen pro Kanal bereitstellt, bleiben diese teilweise hinter Menüs, Ebenen oder einer App verborgen. Beim Signature Plus liegen die wichtigsten Eingriffe gleichzeitig vor dem Nutzer. Der Preis dafür ist eine deutlich geringere Speichertiefe: Analoge Gain-, EQ- und Faderstellungen lassen sich nicht als komplette Szene sichern oder automatisiert wiederherstellen.

Lexicon-Effekte erhalten Speicherplätze und Tap Tempo

Ein integrierter Lexicon-Hardwareprozessor übernimmt Hall-, Delay- und Modulationseffekte. Neu sind laut Soundcraft eine Store-Funktion für eigene Einstellungen und Tap Tempo zur manuellen Eingabe rhythmischer Verzögerungszeiten. Damit wird die Effektsektion im Livebetrieb flexibler, weil wiederkehrende Einstellungen vorbereitet und Delay-Zeiten an das Songtempo angepasst werden können.

Die Einbindung eignet sich besonders für Beschallungen, Proberäume, kleinere Studios oder Sprachproduktionen, bei denen kein separater Effektprozessor und kein zusätzlicher Rechner eingesetzt werden soll. Wer komplexe Effektketten, Plugin-Automation oder mehrere voneinander unabhängige Hallräume benötigt, bleibt mit einer DAW oder einem Digitalmixer flexibler.

4×4 USB-C: vier Kanäle sind nicht 32 Einzelspuren

Die wichtigste Neuerung für hybride Produktionsabläufe ist das integrierte 4×4-USB-C-Interface. Es arbeitet mit Abtastraten bis 192 kHz und stellt vier Aufnahme- sowie vier Wiedergabekanäle zwischen Pult und Computer oder Mobilgerät bereit. USB-Rückwege können in Kanalzüge geführt oder für eine direkte Zuspielung auf den Hauptmix genutzt werden. Das ist für Pausenmusik, Einspieler, DJ-Sets, Podcasts oder Livestreams praktisch.

Die Bezeichnung 4×4 sollte dennoch genau gelesen werden. Sie bedeutet nicht, dass sämtliche analogen Eingänge gleichzeitig als getrennte Spuren in der DAW erscheinen. Unabhängig von der Pultgröße stehen über USB maximal vier Kanäle in jede Richtung zur Verfügung. Eine komplette Band mit zwölf oder mehr Mikrofonen lässt sich daher zwar analog mischen, aber nicht ohne Weiteres mit jedem Eingang auf einer eigenen DAW-Spur aufzeichnen.

Soundcraft Signature Plus 32 Draufsicht
Soundcraft Signature Plus 32 Draufsicht

Für einen Stereomitschnitt plus zwei zusätzliche Submix- oder Gruppensignale kann die Schnittstelle ausreichen. Auch ein Podcast mit wenigen getrennten Quellen, eine Streaming-Produktion oder das Einspielen von Stereo-Stems passt gut zum Konzept. Wer dagegen jedes Mikrofon nach der Aufnahme separat bearbeiten möchte, benötigt ein Mehrkanal-Audiointerface, einen Digitalmixer mit Multitrack-USB oder ein entsprechend ausgestattetes Netzwerk-Audiosystem.

Gerade im Vergleich mit den früheren Signature-MTK-Modellen ist diese Unterscheidung wichtig. Deren zentrales Merkmal war die Mehrspurübertragung zahlreicher Kanäle per USB. Signature Plus verbessert die normale Signature-Idee mit moderner USB-C-Verbindung und vier Audiowegen, ist aber kein gleichwertiger Ersatz für einen Mixer, der alle Eingangskanäle einzeln an die DAW sendet.

Welche technischen Merkmale bei der Auswahl einer externen Aufnahmelösung wichtig sind, erklärt unser Ratgeber zu Audiointerfaces – von der Zahl der Ein- und Ausgänge bis zu Treibern, Latenz und Abtastrate.

Vier Aux-Wege und flexiblere Kontrolle

Alle vier Signature-Plus-Modelle bieten vier Aux-Sends. Mit „Mix to Auxes“ soll sich ein bestehender Mix schneller auf die Aux-Ausgänge übertragen und anschließend anpassen lassen. Das erleichtert den Aufbau von Monitormischungen, Effektwegen oder separaten Signalen für Streaming und Aufnahme.

Ein eigener Listen-Bus ermöglicht die Kontrolle einzelner Kanäle, ohne den Hauptmix für Publikum oder Musiker zu unterbrechen. Ergänzend kann das Talkback-Signal gezielt an ausgewählte Ausgänge geschickt werden. Für Kopfhörer- und Control-Room-Ausgänge nennt Soundcraft getrennte Auswahlmöglichkeiten sowie Mute, Dim und Mono-Summe. Abhängig vom Aufbau lassen sich dort Aux-Signale, Listen-Bus, Hauptmix oder direkte USB-Rückwege abhören.

Damit geht die Serie bei Monitoring und Kommunikation über viele kompakte Analogmixer hinaus. Sie erreicht jedoch nicht die Routing-Tiefe aktueller Digitalpulte, die häufig mehrere vollständig unabhängige Monitorwege, parametrische EQs, Gates und Kompressoren in jedem Kanal sowie Fernsteuerung per Tablet bieten.

Für wen eignet sich Soundcraft Signature Plus?

Die Baureihe richtet sich vor allem an Anwender, die viele physische Eingänge und eine unmittelbar verständliche Bedienoberfläche benötigen, aber nur wenige Signale mit dem Computer austauschen wollen. Dazu gehören Proberäume, kleinere Bühnen, Veranstaltungsräume, Bildungseinrichtungen, Podcast-Studios und Live-Streaming-Setups mit analogem Schwerpunkt. Auch ein Synthesizer- oder Eurorack-Studio kann von den vielen dauerhaft verfügbaren Kanalzügen profitieren, sofern vier USB-Aufnahmekanäle genügen.

Für reine Studioproduktionen hängt die Eignung stark vom gewünschten Aufnahmeverfahren ab. Wer bereits beim Einspielen einen analogen Mix festlegt oder hauptsächlich Stereoaufnahmen anfertigt, erhält ein übersichtliches System mit integrierten Effekten und Dynamikbearbeitung. Wer alle Entscheidungen bis zum Mix in der DAW offenhalten möchte, stößt mit 4×4 USB schnell an Grenzen.

Grundlagen zu Signalfluss, Aufnahmepegel, Equalizer und Kompression bündelt die BuenasIdeas-Wissenslandkarte Musikproduktion.

Video: Soundcraft Signature Plus Mixer

Einschätzung

Soundcraft Signature Plus modernisiert den klassischen Analogmixer, ohne dessen Bedienprinzip aufzugeben. Ghost-Preamps, Sapphyre-EQs, dbx-Kompressoren und Lexicon-Effekte bilden eine praxisnahe Signalkette, die ohne Rechner funktioniert. USB-C, hohe Abtastraten und vier Audiowege öffnen das Pult für DAW-, Streaming- und Mobil-Workflows.

Der entscheidende Punkt bleibt die Begrenzung des Interfaces. Viele analoge Eingänge und 4×4 USB erfüllen andere Aufgaben als ein echter Mehrspur-Mixer. Wer diese Grenze berücksichtigt, findet in der Serie eine interessante Schaltzentrale für analogen Live- und Studiobetrieb. Wer 12, 22 oder 32 Eingänge einzeln aufnehmen möchte, sollte dagegen gezielt nach einer Multitrack-Lösung suchen.

Quellen

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Andreas

Musiker und Musikproduzent: Gitarre, Keyboards, Drums und Gesang, Tonstudio, Songwriter, Qualitätsmanager, Hobbyfotograf und Online-Redakteur.