Soundpaint 5.0 baut die kostenlose Sample-Plattform deutlich aus. Im Mittelpunkt steht Brush, ein direkt in die Anwendung integrierter Wellenform- und Sample-Editor. Hinzu kommen ein erheblich erweiterter Arpeggiator, neue Rack-Module, zusätzliche Effekte und mehrere Verbesserungen für den täglichen Arbeitsablauf. Mit dem separat erhältlichen Looper führt Soundpaint außerdem ein ungewöhnliches Aufnahmesystem mit fünf parallelen Schleifen ein.
Soundpaint hat Version 5.0 seiner Sample-Engine veröffentlicht. Das kostenlose Update steht seit dem 22. September 2026 für Windows und macOS bereit. Die wichtigste Neuerung ist der integrierte Sample-Editor Brush, mit dem sich eigenes Audiomaterial bearbeiten und zu spielbaren Instrumenten zusammenstellen lässt, ohne die zentrale Soundpaint-Umgebung verlassen zu müssen.
Die neue Version beschränkt sich allerdings nicht auf die Wellenformbearbeitung. Der Arpeggiator erreicht durch Unterteilungen bis zu 2.000 Schritte und erhält Funktionen wie Stutter, Glue, Swing und neue Umkehrungsmodi. Ergänzt wird das Update durch die Rack-Module Micro Tune, Round Robin, Vintage Drift und 505 sowie die neuen Effekte Boost, Transient, Pump Shape, Limiter und Expander.
Soundpaint entwickelt sich vom Sample-Player zur Produktionsumgebung
Soundpaint stammt aus dem Umfeld des Sample-Library-Herstellers 8Dio und verfolgt ein anderes Geschäftsmodell als viele etablierte Sampler. Die eigentliche Engine kann kostenlos genutzt werden; Einnahmen entstehen vor allem durch zusätzliche Instrumente und Sound-Libraries. Zum kostenlosen Einstieg gehören unter anderem eigene Gratis-Instrumente, während umfangreichere Klaviere, Synthesizer, Orchesterklänge und cineastische Libraries separat angeboten werden.
Die Plattform positioniert sich damit im Umfeld von Native Instruments Kontakt, Steinberg HALion und UVI Falcon. Ein direkter Ersatz für diese Systeme ist Soundpaint dennoch nicht. Die Programme unterscheiden sich deutlich bei Skripting, Library-Kompatibilität, Syntheseverfahren und der Tiefe der Instrumentenerstellung. Einen ausführlichen Eindruck von einem besonders umfangreichen Konkurrenzsystem vermittelt der BuenasIdeas-Testbericht zu UVI Falcon. Auch der ältere Kontakt-6-Testbericht zeigt, wie weit sich ein Sampler in Richtung komplexer Entwicklungsplattform ausbauen lässt.
Soundpaint konzentriert sich stärker auf einen unmittelbar zugänglichen Workflow. Mehrere Klangquellen können zu Programmen kombiniert, zwischen Parts gemorpht und über modulare Racks bearbeitet werden. Die Engine unterstützt nach Herstellerangaben bis zu 32 Instrumente, umfangreiche Keyswitches, Echtzeit-Timestretching und Instrumente mit bis zu 127 diskreten Dynamikstufen.
Brush bringt die Wellenformbearbeitung in die Hauptanwendung
Der neue Editor Brush ist die auffälligste Änderung in Soundpaint 5.0. Audiomaterial lässt sich darin importieren, auf der Wellenform zuschneiden und innerhalb eines spielbaren Instruments organisieren. Start- und Endpunkte sowie Loop-Bereiche können direkt am Sample festgelegt werden. Anschließend wird das Material über den gewünschten Tastaturbereich verteilt und mit Parametern für Stimmung, Filter und Hüllkurve weitergeformt.
Für einfache Instrumente genügt bereits eine einzelne Aufnahme. Ein Geräusch, angeschlagenes Metall, eine Gitarrennote oder eine Stimme kann über mehrere Tasten gestreckt und tonal gespielt werden. Anspruchsvollere Instrumente verwenden dagegen mehrere Aufnahmen für unterschiedliche Tonhöhen und Anschlagstärken. Dadurch fallen extreme Transpositionen geringer aus und der Klang bleibt über die Tastatur hinweg natürlicher.
Brush dürfte besonders bei folgenden Aufgaben interessant sein:
- Einzelne Aufnahmen in spielbare Texturen, Pads oder Bässe verwandeln
- Mehrere Tonhöhen zu einem Multisample-Instrument zusammenstellen
- Sample-Anfang und Ausklang präzise beschneiden
- Sustain-Bereiche über Loop-Punkte verlängern
- Unterschiedliche Anschlagstärken oder Klangvarianten organisieren
- Eigene Aufnahmen mit Soundpaint-Parts, Effekten und Morphing kombinieren
Grundlagen zu Aufnahme, Bearbeitung und musikalischem Einsatz eigener Klänge fasst der BuenasIdeas-Artikel Sampling in der Musikproduktion zusammen.
Eigene Samples waren schon vor Version 5.0 möglich
Die Formulierung „neuer Sample-Editor“ benötigt eine wichtige Einordnung. Soundpaint konnte bereits vor Version 5.0 eigene Samples verarbeiten. Dazu wurde der zusammen mit der Engine installierte Soundpaint Editor verwendet. Dieser ließ sich als eigenständige Anwendung oder über den Menüpunkt „User Sample Editor“ öffnen.
In diesem bisherigen Arbeitsablauf wurden Samples per Drag-and-drop auf eine Bildschirmtastatur gelegt, über Tonbereiche verteilt und anschließend als sogenannter Part erzeugt. Projekte des Editors ließen sich separat sichern; erst der Befehl „Generate Part“ übertrug das fertige Instrument in die Benutzerbibliothek von Soundpaint.
Brush führt somit nicht erstmals überhaupt einen eigenen Sample-Import ein. Die eigentliche Neuerung liegt in der engeren Integration der Wellenformbearbeitung in Soundpaint 5.0. Der Wechsel zwischen Instrument, Editor, exportiertem Part und erneutem Bibliotheks-Scan soll dadurch geringer ausfallen. Aus einem bisher eher vorgelagerten Werkzeug wird ein Bestandteil des kreativen Soundpaint-Arbeitsablaufs.
Das ist mehr als eine kosmetische Änderung. Bei der Entwicklung eines Sample-Instruments werden Startpunkte, Loops, Tonhöhenzuordnung und Hüllkurven selten in einem einzigen Durchgang perfekt eingestellt. Je kürzer der Weg zwischen Bearbeitung und musikalischem Test, desto schneller lassen sich Klickgeräusche, unpassende Loop-Übergänge oder problematische Transpositionen erkennen.
Die Grundidee erinnert an Programme wie Maize Sampler, mit denen bereits vor vielen Jahren eigene Sample-Instrumente erstellt werden konnten. Einen Rückblick bietet der BuenasIdeas-Artikel Maize Sampler – eigene Instrumenten-Plugins erstellen. Soundpaint verfolgt allerdings keinen Export als eigenständiges Plugin, sondern bindet selbst erstellte Parts in seine eigene kostenlose Engine ein.
Time Pro passt Samples an Tempo und Phrase an
Bei Loops und längeren musikalischen Phrasen spielt die zeitliche Anpassung eine wichtige Rolle. Soundpaint integriert dafür Time Pro. Der Algorithmus kann das Tempo des Audiomaterials erkennen und eine Aufnahme an das gewünschte Projekttempo anpassen. In Version 5.0 erhält Time Pro zusätzlich Phrase Sync.
Für rhythmische Aufnahmen ist diese Verbindung besonders nützlich. Ein importiertes Gitarrenpattern, eine Percussionphrase oder eine Gesangsaufnahme kann damit nicht nur tonal verändert, sondern auch rhythmisch in das Arrangement eingefügt werden. Die Qualität solcher Eingriffe hängt naturgemäß vom Ausgangsmaterial und vom Umfang der Tempoänderung ab. Dennoch erweitert Time Pro Brush über die reine Erstellung klassischer Multisample-Instrumente hinaus in Richtung Loop- und Phrasenbearbeitung.
Auch das Legato-Modul wurde aktualisiert. Die neue Generation HAL 4 soll polyphones Legatospiel innerhalb der Soundpaint-Instrumente verbessern. Konkrete technische Messwerte oder direkte Vergleiche mit der Vorgängerversion nennt der Hersteller im Änderungsprotokoll allerdings nicht.
Der neue Arpeggiator wird zum kleinen Step-Sequencer
Der überarbeitete Arpeggiator ist die zweite große Neuerung. Soundpaint spricht von bis zu 2.000 Schritten. Dahinter steht kein einzelnes, endlos breites Raster: Ausgangspunkt sind Pattern mit bis zu 128 Hauptschritten, die weiter unterteilt werden können. Auf diese Weise entstehen wesentlich feinere rhythmische Strukturen.
Jeder Schritt kann mit Stutter und Glue bearbeitet werden. Stutter erzeugt schnelle Wiederholungen innerhalb eines Schrittes, während Glue benachbarte Ereignisse musikalisch miteinander verbindet. Zudem stehen neue Swing- und Inversionsmodi zur Verfügung. Letztere verändern die Reihenfolge beziehungsweise Lage der gespielten Akkordtöne.
Der Arpeggiator eignet sich dadurch nicht mehr nur für klassische Aufwärts- und Abwärtsbewegungen. Er kann komplexe rhythmische Figuren, Akkordmuster, Wiederholungen und längere Entwicklungen erzeugen. Besonders in Verbindung mit eigenen Brush-Instrumenten entsteht ein vollständiger Arbeitsweg: Audiomaterial aufnehmen, spielbar machen, klanglich bearbeiten und anschließend über ein Pattern strukturieren.
Neue Rack-Module für Stimmung, Variation und Vintage-Bewegung
Soundpaint organisiert viele Funktionen in modularen Racks. Version 5.0 ergänzt vier neue Bausteine:
- Micro Tune erweitert die Möglichkeiten für Feinstimmung und alternative Tonsysteme. Das kann sowohl für historische Stimmungen als auch für mikrotonale Experimente oder bewusst leicht verstimmte Layer interessant sein.
- Round Robin sorgt für wechselnde Varianten bei wiederholten Noten. Gerade bei Schlagzeug, Percussion, gezupften Saiten oder kurzen Orchesterartikulationen fällt es schnell unangenehm auf, wenn immer exakt dieselbe Aufnahme abgespielt wird. Wechselnde Varianten vermindern diesen typischen Maschinengewehr-Effekt. Soundpaint bietet hierfür unter anderem sequentielle, zufällige und benachbarte Auswahlverfahren.
- Vintage Drift bringt kontrollierte Instabilität in den Klang. Leichte Schwankungen können statische Samples lebendiger erscheinen lassen und erinnern an die nicht vollkommen konstant arbeitenden Bauteile älterer Instrumente und Aufnahmegeräte.
- 505 wird im offiziellen Änderungsprotokoll als weiteres Rack genannt. Eine präzise technische Beschreibung liefert die Übersicht bislang nicht. Ohne ausführlichere Dokumentation wäre eine Zuordnung zu einem bestimmten historischen Gerät oder Klangprinzip daher spekulativ.
Boost, Transient und Pump Shape erweitern die Effektsektion
Auch die Effektpalette wächst. Boost dient der Verdichtung beziehungsweise Anhebung eines Signals, während Transient den Einschwingvorgang und den Körper eines Klangs formen kann. Damit lassen sich perkussive Samples härter herausarbeiten oder bewusst weicher gestalten.
Pump Shape zielt auf rhythmische Lautstärkebewegungen, wie sie häufig durch Sidechain-Kompression erzeugt werden. Ergänzend stehen nun ein Limiter zur Begrenzung von Pegelspitzen und ein Expander zur Vergrößerung des Dynamikumfangs bereit.
Weitere Änderungen betreffen Modwheel-Strumming, einen diatonischen Pitchbender und die Bedienung über die Buchstabentasten A bis Z. Zudem wurden Benutzerkonto und interner Downloader überarbeitet. Allgemeine Optimierungen sollen Stabilität und Leistung verbessern.
Der neue Looper ist nicht Bestandteil des kostenlosen Updates
Parallel zu Soundpaint 5.0 erscheint ein optionaler Looper, den der Hersteller als virtuelles Vintage-Aufnahmestudio beschreibt. Dieser gehört nicht zum kostenlosen Funktionsumfang der Engine und muss separat erworben werden.
Das System stellt fünf parallele Loop-Pods bereit. Jede Schleife kann bis zu 60 Sekunden lang sein. Die Pods lassen sich zum Host-Tempo synchronisieren oder bewusst gegeneinander driften. Als Quellen dienen Soundpaint-Instrumente, Mikrofon- und Audioeingänge, Systemaudio, Webinhalte sowie importierte Audio- und Videodateien.
Der Looper besitzt einen nichtdestruktiven Wellenform-Editor mit Markern, Slicing, Loop-Bereich, Zoom, Transposition und der Möglichkeit, Effekte dauerhaft in das Audiomaterial einzurechnen. Einzelne oder sämtliche Schleifen können als WAV-Dateien exportiert werden.
Bis zum 1. Oktober 2026 wird der Looper nach den derzeitigen Produktangaben für 69 US-Dollar angeboten. Anschließend soll der Preis 99 US-Dollar betragen. Soundpaint 5.0 und Brush bleiben davon unabhängig kostenlos.
Formate und Systemvoraussetzungen
Soundpaint 5.0 läuft unter Windows 10 oder neuer sowie unter macOS ab Version 10.14. Neben Intel-Macs werden Apple-Silicon-Systeme unterstützt. Die Engine steht als eigenständige Anwendung sowie in den Formaten VST, VST3, AU und AAX zur Verfügung. Die tatsächlich verfügbare Auswahl hängt vom Betriebssystem ab; AU ist macOS vorbehalten.
Als Mindestprozessor nennt der Hersteller einen Intel Core i5 oder eine vergleichbare CPU. 16 GB Arbeitsspeicher oder mehr werden empfohlen. Wegen der teilweise umfangreichen Sample-Libraries ist eine SSD ebenfalls sinnvoll.
Einschätzung: Brush beseitigt einen unnötigen Medienbruch
Soundpaint 5.0 ist vor allem deshalb interessant, weil das Update vorhandene Stärken besser miteinander verbindet. Eigene Samples, Part-Erstellung, Morphing, Racks, Effekte, Timestretching und der Arpeggiator bilden nun einen geschlosseneren Arbeitsablauf. Brush muss dabei nicht den Funktionsumfang eines spezialisierten Audioeditors oder einer ausgewachsenen Sampler-Entwicklungsumgebung erreichen. Entscheidend ist, dass wesentliche Korrekturen am Audiomaterial dort stattfinden, wo das Instrument anschließend gespielt wird.
Für Sounddesigner und Produzenten, die aus eigenen Aufnahmen schnell individuelle Instrumente bauen möchten, sinkt damit die Einstiegshürde. Kontakt, HALion und Falcon bleiben für komplexe Skripte, aufwendige Benutzeroberflächen oder kommerziell vertriebene Libraries umfangreichere Systeme. Soundpaint bietet dagegen eine kostenlose Umgebung, in der sich ohne Skripting aus wenigen Aufnahmen direkt musikalisch nutzbare Programme entwickeln lassen.
Ob Brush bei großen Multisample-Projekten auch in Bereichen wie Massenbearbeitung, automatische Tonhöhenerkennung, Velocity-Zuordnung und Loop-Suche überzeugt, muss ein Praxistest zeigen. Der naheliegende BuenasIdeas-Test wäre daher eindeutig: Aus einer kleinen Serie eigener Aufnahmen entsteht ein vollständiges Instrument – vom Schnitt über Loop-Punkte und Mapping bis zu Round Robins, Effekten und einem Arpeggiator-Pattern.
Soundpaint 5.0 ist kostenlos über die Website des Herstellers erhältlich. Die vollständige Liste der Änderungen steht im offiziellen Soundpaint-Changelog. Informationen zum kostenpflichtigen Zusatzmodul finden sich auf der Produktseite des Soundpaint Loopers.



