Mit SuperStarSaw veröffentlicht Native Instruments einen neuen Software-Synthesizer, der gemeinsam mit dem britischen Produzenten, Songwriter und PC-Music-Gründer A. G. Cook entwickelt wurde. Das Instrument überträgt einen der prägendsten Sounds moderner Pop- und Hyperpop-Produktionen in eine eigenständige, direkt spielbare Klangquelle.
Im Mittelpunkt steht die sogenannte Supersaw, bei der mehrere Sägezahnwellen gleichzeitig abgespielt, gegeneinander verstimmt und zu einem breiten, dichten Klanggebilde kombiniert werden. Dieser Sound ist seit vielen Jahren fester Bestandteil elektronischer Musik, spielt aber insbesondere in aktuellen Pop-Produktionen eine wichtige Rolle. A. G. Cook nutzt entsprechende Klangschichtungen unter anderem in seiner Arbeit mit Künstlerinnen wie Charli xcx, Beyoncé, Caroline Polachek und Oklou.
SuperStarSaw soll diesen bislang häufig arbeitsintensiven Produktionsansatz deutlich vereinfachen. Statt zahlreiche Synthesizer-Instanzen zu stapeln, gegeneinander zu verstimmen und anschließend aufwendig zu automatisieren, bündelt das neue Instrument die wesentlichen Bausteine in einer speziell entwickelten Oberfläche.

Aus persönlichen Patches wird ein eigener Synthesizer
Die Entwicklung von SuperStarSaw basiert auf einer zweijährigen Zusammenarbeit zwischen A. G. Cook und dem Designteam von Native Instruments. Als Ausgangspunkt dienten unter anderem persönliche Patches, Experimente und Produktionssessions des britischen Produzenten.
Dabei ging es offenbar nicht darum, lediglich eine Sammlung fertiger Sounds in ein virtuelles Instrument zu übertragen. Vielmehr sollte aus den vorhandenen Klangideen ein Synthesizer entstehen, der sich eigenständig spielen und in unterschiedliche musikalische Richtungen entwickeln lässt.
A. G. Cook beschreibt das Ziel des Projekts als Versuch, Klänge zu erzeugen, die sich unmittelbar zwischen schönen, weichen und bewusst harschen Zuständen bewegen können. Das Instrument sollte sich dabei mit wenigen Handgriffen grundlegend verändern lassen und immer wieder unerwartete musikalische Ergebnisse liefern.
Nach Angaben des Produzenten kam SuperStarSaw bereits während der Entwicklung in zahlreichen Sessions zum Einsatz. Obwohl der Synthesizer auf einem klar definierten Grundprinzip basiert, sollen dabei keine zwei Produktionen gleich geklungen haben.
Zwei unabhängige Oszillatorbänke mit jeweils 16 Sägezahnwellen
Das klangliche Fundament von SuperStarSaw bilden zwei unabhängig voneinander arbeitende Oszillatorbänke. Jede dieser Bänke erzeugt bis zu 16 Sägezahnwellen, sodass insgesamt sehr breite, komplexe und harmonisch dichte Klangstrukturen möglich sind.
Durch leichte Verstimmungen zwischen den einzelnen Wellen entstehen die typischen schwebenden Bewegungen einer Supersaw. Abhängig von den gewählten Einstellungen kann das Ergebnis von einem warmen, flächigen Pad bis zu einem aggressiven Lead-Sound reichen.
Die Aufteilung auf zwei getrennte Oszillatorbänke erweitert den klanglichen Spielraum zusätzlich. Unterschiedliche Einstellungen lassen sich miteinander kombinieren, überblenden und gegeneinander bewegen. Damit eignet sich der Synthesizer nicht nur für klassische Supersaw-Flächen, sondern auch für metallische Texturen, Bass-Sounds, experimentelle Akkorde und stark modulierte Klangschichten.
X/Y-Morpher verbindet vier Klangzustände
Eine zentrale Funktion von SuperStarSaw ist der sogenannte 4-Corner-X/Y-Morpher. In seinen vier Eckpunkten können unterschiedliche Klangzustände hinterlegt werden. Zwischen diesen Zuständen lässt sich anschließend stufenlos überblenden.
Was in einem herkömmlichen Produktionsaufbau zahlreiche Automationsspuren und Parameterverläufe erfordern würde, kann mit SuperStarSaw durch eine einzelne Bewegung umgesetzt werden. Auf diese Weise lassen sich etwa weiche Pads in aggressive Rave-Leads verwandeln oder harmonische Flächen schrittweise in dissonante Klangstrukturen überführen.
Der Morpher ist damit weniger als klassischer Preset-Wechsler gedacht, sondern vielmehr als spielbares Performance-Werkzeug. Klangveränderungen können während einer Aufnahme, einer Live-Performance oder innerhalb einer laufenden Arrangement-Struktur unmittelbar ausgeführt werden.
Gerade diese direkte Kontrolle passt zum Ansatz von A. G. Cook, Klangdesign nicht als statischen Prozess zu betrachten. Sounds sollen sich bewegen, ihre Form verändern und innerhalb weniger Sekunden vollständig neue Charaktere annehmen können.
Harmonische Hilfen für kontrolliertes Experimentieren
SuperStarSaw verfügt über mehrere musikalische Hilfsfunktionen, die das Experimentieren mit komplexen Klangstrukturen erleichtern sollen. Dazu gehören Akkord-, Skalen- und Quantisierungswerkzeuge. Diese Funktionen sorgen dafür, dass gespielte Noten auf Wunsch innerhalb eines ausgewählten harmonischen Rahmens bleiben. Dadurch lassen sich auch ungewöhnliche Akkordfolgen und schnelle Tonbewegungen erzeugen, ohne dass das musikalische Ergebnis vollständig unkontrollierbar wird.
Gleichzeitig erlaubt das Instrument gezielte Abweichungen vom Raster. Solche kontrollierten Verstimmungen oder außerhalb einer Tonleiter liegenden Töne können genutzt werden, um Spannung, Reibung und bewusst erzeugte Dissonanzen in einen Sound zu integrieren. Damit verbindet SuperStarSaw zwei Ansätze, die in moderner Popmusik häufig nebeneinander auftreten: klar strukturierte Harmonik und bewusst überzeichnete, teilweise instabile Klanggestaltung.
Glide und Offset für fließende Bewegungen
Zu den weiteren Funktionen gehören Glide- und Offset-Regler auf Stimmenebene. Sie ermöglichen gleitende Tonhöhenbewegungen, auseinanderlaufende Einzelstimmen und komplexe Stereoanimationen. Insbesondere extreme Glides gehören zu den charakteristischen Gestaltungsmitteln in vielen Produktionen von A. G. Cook. Töne werden dabei nicht einfach direkt gewechselt, sondern können ineinanderfließen, auseinandergezogen oder durch den Stereoraum bewegt werden.
Mit SuperStarSaw lassen sich solche Übergänge direkt innerhalb des Instruments erzeugen. Das kann von subtilen Bewegungen bis zu bewusst übertriebenen Tonhöhenverläufen reichen, die kaum noch an klassische Synthesizer-Spielweisen erinnern. Die Kombination aus Glide, Verstimmung, Stimmen-Offset und Morpher dürfte vor allem für Produzenten interessant sein, die nach flüssigen, expressiven und stark bewegten Synthesizer-Sounds suchen.
Presets zwischen harmonischen Flächen und metallischer Dissonanz
SuperStarSaw wird mit einer umfangreichen Preset-Bibliothek ausgeliefert. Inhaltlich deckt diese laut Native Instruments ein breites Spektrum ab. Dazu gehören schwebende Harmonieflächen, breite Akkordklänge, metallische Dissonanzen, Rave-Leads und extreme Glide-Sounds. Die Presets sollen sowohl als direkt spielbare Produktionssounds als auch als Ausgangspunkte für eigene Klangexperimente dienen.
Der Synthesizer ist damit nicht ausschließlich auf den typischen übergroßen Supersaw-Sound festgelegt. Durch die verschiedenen Oszillator-, Filter- und Morphing-Funktionen kann das Instrument offenbar auch deutlich filigranere oder abstraktere Klangfarben erzeugen. Für Anwender, die sich nicht intensiv mit der Programmierung komplexer Synthesizer beschäftigen möchten, dürfte die Presetauswahl einen schnellen Einstieg ermöglichen. Gleichzeitig bietet die Engine genügend Eingriffsmöglichkeiten, um vorhandene Sounds deutlich zu verändern.
Integrierte Filter und Effekte
Für die weitere Klangformung stehen Tiefpass-, Bandpass- und Hochpassfilter zur Verfügung. Die Filter können mit Flankensteilheiten von zwei oder vier Polen betrieben werden. Die unterschiedlichen Filtertypen ermöglichen sowohl grundlegende Klangkorrekturen als auch markante klangliche Eingriffe. Ein Tiefpassfilter kann etwa aggressive Höhen reduzieren und aus einer scharfen Supersaw eine weichere Fläche formen. Bandpass- und Hochpassfilter eignen sich hingegen für dünnere, fokussiertere oder rhythmisch bewegte Klangvarianten.
Ergänzt wird die Klangerzeugung durch integrierte Chorus-, Delay– und Reverb-Effekte. Der Chorus verbreitert die ohnehin bereits dichten Oszillatorstrukturen weiter, während Delay und Hall räumliche Tiefe und zusätzliche Bewegung erzeugen können. Damit lässt sich ein großer Teil des finalen Sounddesigns direkt innerhalb des Plug-ins umsetzen, ohne dass unmittelbar weitere Effekt-Plugins benötigt werden.
Mono- und Poly-Modus für unterschiedliche Einsatzbereiche
SuperStarSaw kann sowohl monofon als auch polyfon gespielt werden. Dadurch eignet sich das Instrument für verschiedene musikalische Aufgaben. Im monofonen Betrieb lassen sich Leads, Basslinien und stark gleitende Melodien erzeugen. Der polyfone Modus ist dagegen für Akkorde, breite Stacks und flächige Sounds vorgesehen.
Der Wechsel zwischen beiden Betriebsarten soll ohne aufwendige Anpassungen möglich sein. Produzenten können daher innerhalb eines Projekts unterschiedliche Rollen mit demselben Instrument abdecken, anstatt für Leads, Akkorde und Pads jeweils separate Synthesizer laden zu müssen. Besonders in Verbindung mit dem X/Y-Morpher kann ein Sound dabei weit über seine ursprüngliche Funktion hinausgehen. Eine harmonische Akkordfläche lässt sich beispielsweise in einen aggressiven Lead oder eine stark dissonante Textur überführen.
Integration mit Komplete Kontrol und Maschine
SuperStarSaw ist in das Native-Instruments-Ökosystem eingebunden und unterstützt sowohl Komplete Kontrol als auch Maschine. Dadurch können Presets, Parameter und Performance-Funktionen direkt über kompatible Native-Instruments-Hardware gesteuert werden. Insbesondere der X/Y-Morpher dürfte von einer direkten Hardware-Bedienung profitieren, da sich Klangbewegungen so deutlich intuitiver aufzeichnen lassen als mit der Maus. Für bestehende Nutzer von Komplete-Kontrol-Keyboards oder Maschine-Systemen fügt sich der Synthesizer damit in den bekannten Produktionsworkflow ein.
Visuelles Design von Simon Whybray
Nicht nur die Klangerzeugung, sondern auch die grafische Gestaltung entstand in enger Verbindung mit dem kreativen Umfeld von A. G. Cook. Das Logo und das Design des Morphers stammen von Simon Whybray, einem langjährigen visuellen Kollaborateur des Produzenten. Damit soll SuperStarSaw offenbar auch optisch die eigenwillige und digital geprägte Ästhetik widerspiegeln, die mit PC Music und den Produktionen von A. G. Cook verbunden wird.
Die visuelle Gestaltung ist in diesem Fall nicht nur dekoratives Beiwerk. Gerade der zentrale Morpher bildet eine direkte Verbindung zwischen Oberfläche und Klangveränderung und gehört damit zum eigentlichen Bedienkonzept des Instruments.
A. G. Cook und der Sound moderner Popmusik
A. G. Cook zählt zu den einflussreichsten Produzenten und Songwritern der vergangenen Jahre. Als Gründer des Labels und Künstlerkollektivs PC Music prägte er eine stark digitale, maximalistische und häufig bewusst überzeichnete Form moderner Popmusik.
Besonders bekannt ist seine langjährige Zusammenarbeit mit Charli xcx. Zudem arbeitete er unter anderem mit Beyoncé, Caroline Polachek und Oklou. Sein Einfluss reicht inzwischen weit über die ursprüngliche Hyperpop-Szene hinaus. Elektronisch verzerrte Stimmen, extreme Synthesizer-Schichtungen, digitale Artefakte und stark verdichtete Arrangements sind heute auch in zahlreichen Mainstream-Produktionen zu finden.

Für seine Arbeit an Charli xcx’ Album „brat“ erhielt Cook einen Grammy Award in der Kategorie Best Dance/Electronic Album. Zudem wurde er bei den BRIT Awards als Producer of the Year ausgezeichnet.
Neben seiner Tätigkeit als Musikproduzent komponierte er für Filmprojekte und entwickelte die klangliche Gestaltung für die Frühjahr-/Sommer-Kollektion 2026 von Alexander McQueen. Kooperationen mit Marken wie Stone Island zeigen zudem, dass sich seine Arbeit längst nicht mehr ausschließlich auf klassische Musikproduktionen beschränkt.
Native Instruments unter dem Dach von inMusic
Native Instruments gehört seit den jüngsten Veränderungen im Unternehmen zur inMusic-Familie. Der Hersteller ist seit mehr als drei Jahrzehnten in der Musiktechnologie aktiv und entwickelt Hard- und Softwarelösungen für Musiker, Produzenten und DJs. Mit SuperStarSaw setzt Native Instruments seine Strategie fort, bekannte Künstler und Produzenten direkt in die Entwicklung neuer Instrumente einzubeziehen. Statt lediglich Preset-Pakete unter bekannten Namen anzubieten, entstehen dabei zunehmend Werkzeuge, die auf individuellen Produktionsmethoden und Klangvorstellungen basieren.
SuperStarSaw ist ein gutes Beispiel für diesen Ansatz. Das Instrument versucht nicht, den gesamten Synthesizer-Markt abzudecken, sondern konzentriert sich auf einen klar definierten Sound und erweitert diesen zu einem eigenständigen Produktionswerkzeug.
Preis und Verfügbarkeit
Native Instruments SuperStarSaw ist zu einem regulären Verkaufspreis von 99 Euro beziehungsweise 99 US-Dollar erhältlich.
Der Synthesizer richtet sich vor allem an Produzenten elektronischer Popmusik, Hyperpop, Dance, Rave und experimenteller Clubmusik. Durch seine breite Klangerzeugung, die integrierten Harmoniehilfen und den X/Y-Morpher dürfte er jedoch auch für Sounddesigner und Anwender interessant sein, die jenseits klassischer Supersaw-Klänge arbeiten möchten.
Fazit
Mit SuperStarSaw überträgt Native Instruments einen der charakteristischen Sounds von A. G. Cook in ein eigenständiges Software-Instrument. Zwei Oszillatorbänke mit jeweils 16 Sägezahnwellen bilden die Grundlage für breite, dichte und bewegte Klänge, während der 4-Corner-X/Y-Morpher komplexe Klangveränderungen auf eine einzelne Bedienbewegung reduziert.
Musikalische Hilfsfunktionen, flexible Glide- und Offset-Einstellungen sowie integrierte Filter und Effekte erweitern den Synthesizer über eine reine Supersaw-Maschine hinaus. Besonders interessant ist der direkte Bezug zu Cooks eigenen Patches und Produktionssessions, die während der zweijährigen Entwicklungsphase als Ausgangspunkt dienten.
SuperStarSaw dürfte vor allem dort überzeugen, wo breite Pop-Synthesizer, extreme Glides, metallische Dissonanzen und stark bewegte Klangschichten gefragt sind. Mit einem Preis von 99 Euro positioniert Native Instruments das Instrument als spezialisierten Synthesizer für moderne Pop- und elektronische Musikproduktion.
Hier ist der Link: https://www.native-instruments.com/es/products/komplete/synths/superstarsaw/

