Tim Exile hat Finalist 2 veröffentlicht. Das Mixing-Werkzeug verarbeitet bis zu 64 Stems und soll aus vorgegebenen Klangrichtungen in kurzer Zeit unterschiedliche Mischungen erzeugen. Die neue Version läuft im Desktop-Browser oder als eigenständige Anwendung für macOS und Windows. Die bisher nötige Reaktor-Umgebung entfällt. Das Ausprobieren ist kostenlos; erst für den Export wird eine Bezahloption benötigt.
Von den Stems zur Mischung
Der Ablauf ist bewusst einfach gehalten: Audiodateien laden, ein Mix-Preset auswählen, das Ergebnis anhören und nach Geschmack anpassen. Finalist analysiert das angelieferte Material und setzt die gewählte Klangrichtung mithilfe seiner automatischen Mixing-Engine um. Das eignet sich vor allem, um schnell verschiedene Ansätze für ein Projekt zu vergleichen oder eine erste Mischung zu erstellen, wenn die Zeit knapp ist.
Der Begriff „Stems“ verdient dabei eine kleine Einordnung. Gemeint sind bereits vorhandene, getrennt exportierte Signalgruppen aus einem Projekt. Finalist zerlegt also keinen fertigen Stereo-Song nachträglich in Instrumente. Wie sich Stems, Einzelspuren und ein fertiger Stereo-Mix unterscheiden, erklärt der Professor-Pegel-Grundlagenartikel. Für die Arbeit mit Finalist müssen die gewünschten Gruppen zunächst als getrennte Dateien bereitstehen.
Finalist 2 bietet verschiedene Mix-Presets, die sich schnell gegeneinander abhören lassen. Regler für Stärke und Pegel ermöglichen Anpassungen pro Gruppe. Mit sogenannten Module Locks können einzelne Bearbeitungsmodule auf den Einstellungen eines Presets gehalten werden, während andere Teile des Mixes verändert werden. Gefällt ein Ergebnis, lässt es sich als Vorlage für weitere Titel sichern. Das könnte insbesondere bei mehreren Songs einer EP helfen, einen wiedererkennbaren Ausgangspunkt zu finden. Eine identische Klangbalance zwischen unterschiedlich arrangierten Songs ist dadurch allerdings nicht automatisch garantiert.
Automatisierte Analyse mit Eingriffsmöglichkeiten
Nach Angaben des Entwicklers wertet die Engine bei der Analyse rund 300 Merkmale des Audiomaterials aus. Zur Bearbeitung gehören unter anderem Mitten-Seiten-Verarbeitung, Multiband-Dynamik, Transientenformung, analoge Klangfärbung und Limiting. Die Presets definieren dabei eine Zielrichtung, auf die das Ausgangsmaterial abgestimmt wird. Wie stark die Eingriffe im Einzelnen ausfallen und wie gut sie zu verschiedenen Produktionen passen, lässt sich erst am eigenen Material beurteilen.
Interessant ist Finalist 2 auch für die Abstimmung mit Auftraggebern: Statt lange an einer einzigen Richtung zu arbeiten, können mehrere klanglich unterschiedliche Vorschläge erstellt und besprochen werden. Die Entscheidung über Gewichtung, Räumlichkeit und Charakter bleibt damit bei den Beteiligten, auch wenn ein großer Teil der technischen Bearbeitung automatisch erfolgt.
Separater Stem-Export und Limiter-Netzwerk
Eine Besonderheit ist die Ausgabe bearbeiteter Stems. Laut Tim Exile lassen sich diese so exportieren, dass ihre Summe dem fertigen Master entspricht. Dafür sei keine nachträgliche algorithmische Trennung eines Stereo-Mixes erforderlich: Finalist arbeitet bereits während der Bearbeitung mit den getrennten Gruppen. Ob die Summierung im konkreten Projekt exakt aufgeht, ist eine technische Herstellerangabe und kann bei Bedarf mit einem Nulltest überprüft werden. Welche Stolperfallen beim Export getrennter Gruppen auftreten können, erläutert ebenfalls unser Ratgeber zu Stem-Dateien.
Tim Exile beschreibt außerdem ein Netzwerk aus Limitern an mehr als 20 Stellen des Signalwegs. Wird der Ausgangspegel über +3 dB angehoben, soll diese Struktur Spitzen bereits in einzelnen Bereichen abfangen, bevor sie die gesamte Mischung belasten. Das verspricht mehr Lautheit, ohne einen einzigen Limiter am Ende der Kette stark zu beanspruchen. Wie transparent das in der Praxis klingt, hängt vom Material und vom Ausmaß der Bearbeitung ab.
Finalist 2 setzt damit früher im Produktionsprozess an als ein Dienst, der nur den fertigen Stereo-Mix annimmt. Zum Vergleich: Das kürzlich vorgestellte Waveroom Mastering analysiert und bearbeitet komplette Songs im Browser. Finalist greift dagegen auf getrennte Gruppen zu und kann deshalb die Verhältnisse innerhalb des Mixes verändern.
Verfügbarkeit und Bezahlmodell
Finalist 2 ist unter finalist.audio im modernen Desktop-Browser sowie als eigenständige Anwendung für macOS und Windows verfügbar. Es unterstützt nach Herstellerangaben bis zu 64 Stems; Reaktor wird nicht mehr benötigt. Mischungen können kostenlos erstellt und angehört werden. Für den Export nennt der Entwickler drei Wege: Credits, ein Abonnement oder eine einmalig bezahlte Lizenz. Besitzer von Finalist 1 sollen eine Upgrade-Möglichkeit erhalten. Konkrete Beträge werden auf der verlinkten Informationsseite nicht genannt; vor einem Kauf empfiehlt sich daher ein Blick auf die aktuellen Konditionen im Dienst selbst.
Finalist 2 klingt vor allem für Produzenten interessant, die eine Mischung schnell in mehreren Richtungen hören möchten. Ob aus dem automatischen Vorschlag bereits eine veröffentlichungsreife Fassung entsteht oder ob anschließend noch Handarbeit nötig ist, entscheidet das jeweilige Stück. Die Möglichkeit, getrennte bearbeitete Stems auszugeben, macht das Konzept zusätzlich interessant.



