Wer regelmäßig nach neuen Sounds sucht, kennt das Problem: Irgendwann klingen selbst umfangreiche Sample-Bibliotheken vertraut. Genau an diesem Punkt setzt VRAC von Beatsurfing an. Das kostenlose Plugin verfolgt einen ungewöhnlichen Ansatz und verwandelt praktisch jede beliebige Audiodatei in ein spielbares Drumkit. Ob Field Recording, Sprachaufnahme, Vinyl-Knistern oder ein beliebiger Synthesizer-Sound – VRAC analysiert das Material und formt daraus Kick, Snare, Hi-Hat und Clap.
Mit diesem Konzept richtet sich Beatsurfing nicht an Produzenten, die lediglich eine weitere Drum-Maschine suchen. Vielmehr steht kreatives Sounddesign im Mittelpunkt. Das Plugin soll helfen, innerhalb weniger Minuten individuelle Drumkits zu entwickeln, die sich deutlich von klassischen Sample-Libraries unterscheiden.

Ein Sound genügt
Das Grundprinzip von VRAC ist erstaunlich einfach. Nach dem Start wird lediglich eine Audiodatei in das Plugin gezogen. Unterstützt werden unter anderem WAV-, AIFF-, MP3-, FLAC– und OGG-Dateien. Auch längere Aufnahmen können importiert werden; sie werden automatisch auf maximal 30 Sekunden begrenzt. Anschließend bestimmt der Anwender den Startpunkt des Samples, aus dem VRAC die späteren Schlagzeugklänge erzeugt.
Im Gegensatz zu vielen klassischen Drum-Samplern werden die Audiodaten dabei nicht einfach auf Pads verteilt. Stattdessen analysiert VRAC das Material und nutzt einen sogenannten Drumification-Prozess, um daraus unterschiedliche Schlagzeugcharaktere zu erzeugen.
Drumification statt gewöhnlicher Samples
Das Herzstück des Plugins ist die Drumification-Engine. Dabei untersucht VRAC die Dynamik und den Frequenzverlauf des Ausgangssignals und formt dieses anschließend so um, dass typische Eigenschaften verschiedener Drum-Instrumente entstehen.
Die Steuerung erfolgt über eine grafische X/Y-Fläche. An deren vier Eckpunkten befinden sich die Grundmodelle:
- Kick
- Snare
- Hi-Hat
- Clap
Zwischen diesen Eckpunkten lässt sich frei navigieren. Dadurch entstehen nicht nur klassische Drum-Sounds, sondern auch zahlreiche Zwischenformen, die sich mit herkömmlichen Drum-Samplern kaum realisieren lassen. Je nach Position entstehen hybride Percussion-Klänge, die sich hervorragend für elektronische Musik, experimentelle Produktionen oder moderne Pop- und Hip-Hop-Beats eignen.
Aus einem Sample entsteht ein komplettes Drumkit
Sobald der gewünschte Ausschnitt ausgewählt wurde, erzeugt VRAC automatisch ein vollständiges Drumkit. Laut Benutzerhandbuch besteht dieses aus acht spielbaren Pads, die per Maus oder MIDI angesteuert werden können. Standardmäßig beginnt die MIDI-Zuweisung bei C1 (MIDI-Note 36), kann jedoch angepasst werden. Außerdem stehen Solo- und Mute-Funktionen für einzelne Pads zur Verfügung, wodurch sich Sounds schnell vergleichen oder isolieren lassen.
Interessant ist dabei, dass jede Drum-Stimme unabhängig bearbeitet werden kann. Änderungen bleiben erhalten, selbst wenn später ein anderes Ausgangssample geladen wird.
Umfangreiche Klangbearbeitung
Nach der automatischen Drum-Erzeugung beginnt die eigentliche Klanggestaltung. Für jedes Pad stehen zahlreiche Parameter zur Verfügung.
Unter anderem können eingestellt werden:
- Drumify-Anteil zwischen Originalsignal und bearbeitetem Drum-Sound
- Lautstärke des Originals
- Lautstärke des Drumified-Signals
- Velocity-Verhalten
- Wiedergabelänge
- Tonhöhe
- Panorama
Dadurch entstehen aus einem einzigen Sample sehr unterschiedliche Schlagzeugklänge. Während einige Pads nah am Original bleiben, können andere nahezu vollständig in synthetisch wirkende Percussion-Sounds verwandelt werden.
Globales Sound-Shaping
Zusätzlich zur Bearbeitung einzelner Pads verfügt VRAC über globale Klangparameter, mit denen sich das gesamte Drumkit gemeinsam formen lässt. Dadurch bleibt der Charakter des Kits konsistent, ohne dass jede Stimme einzeln angepasst werden muss. Gerade im kreativen Workflow spart dieser Ansatz viel Zeit. Statt stundenlang einzelne Samples zusammenzusuchen, genügt oft bereits eine interessante Aufnahme, aus der VRAC innerhalb weniger Minuten ein komplett neues Kit entwickelt.
Besonders spannend für Field Recordings
Einer der größten Reize von VRAC liegt darin, dass das Ausgangsmaterial praktisch beliebig sein darf.
Beatsurfing nennt beispielsweise:
- Sprachaufnahmen
- Field Recordings
- Vinyl-Knistern
- Naturgeräusche
- Alltagsgeräusche
- beliebige Instrumentensamples
Dadurch eignet sich das Plugin hervorragend für Produzenten, die eigene Klangwelten erschaffen möchten. Aus einer simplen Busfahrt, einer Kaffeemaschine oder einem Regenprasseln entstehen innerhalb weniger Sekunden individuelle Drumsets, die garantiert kein anderer Produzent besitzt.
Kreativität statt Sample-Bibliotheken
Während viele Drum-Plugins auf möglichst realistische Nachbildungen klassischer Schlagzeuge setzen, verfolgt Beatsurfing bewusst einen anderen Ansatz. VRAC ersetzt keine hochwertige Drum-Library. Stattdessen versteht sich das Plugin als Werkzeug für kreatives Sounddesign. Die Stärke liegt weniger in perfekt aufgenommenen Akustikdrums als vielmehr darin, ungewöhnliche Quellen in spielbare Percussion zu verwandeln. Gerade Produzenten elektronischer Musik dürften an diesem Konzept Gefallen finden.
Plattformen und Formate
VRAC steht kostenlos für macOS und Windows zur Verfügung.
Unterstützt werden die Formate:
- VST
- VST3
- AU
- AAX
Damit lässt sich das Plugin praktisch in allen modernen DAWs einsetzen, darunter Cubase, LUNA, Mixcraft Pro Studio, Ableton Live, Logic Pro, Studio One, Reaper oder Pro Tools.
Fazit
Mit VRAC liefert Beatsurfing eines der ungewöhnlichsten kostenlosen Drum-Plugins der letzten Zeit. Anstatt auf klassische Sample-Libraries zu setzen, verwandelt das Instrument nahezu jede beliebige Audioquelle in ein vollständiges Drumkit. Besonders die Drumification-Technologie mit ihrer frei steuerbaren Morphing-Oberfläche eröffnet kreative Möglichkeiten, die weit über herkömmliche Drum-Sampler hinausgehen.
Für Sounddesigner, Produzenten elektronischer Musik und alle, die auf der Suche nach frischen Drum-Sounds sind, dürfte VRAC deshalb eine spannende Ergänzung der eigenen Plugin-Sammlung sein. Vor allem der kostenlose Download macht das Plugin zu einem echten Geheimtipp, der zum Experimentieren einlädt und neue Wege bei der Entwicklung individueller Beats eröffnet.
Weitere Informationen und den Download findet ihr hier: https://beatsurfing.com/audio-plugins/vrac/


