Testbericht von Andreas, 14.09.2026

Steinberg Absolute 7 Test: Reichen Cubase und Absolute?

Es ist eine Frage, die sich vermutlich jeder Musikproduzent irgendwann stellt: Wie viele Plug-ins braucht ein Tonstudio wirklich? Auf vielen Studiorechnern haben sich über Jahre Hunderte Instrumente, Effekte, Sample-Libraries und kleine Spezialwerkzeuge angesammelt. Manche davon werden täglich eingesetzt, andere wurden einmal installiert und seitdem nur noch vom Plug-in-Scanner gesehen.

Mit Steinberg Absolute 7 bietet Steinberg eine Instrumentensammlung an, die gemeinsam mit Cubase beinahe wie ein geschlossenes Produktionssystem wirkt. Cubase übernimmt Aufnahme, MIDI-Bearbeitung, Arrangement, Mixing und Mastering. Absolute 7 liefert Synthesizer, Sampler, Drum-Instrumente, Klaviere, Orchesterklänge, Gitarren, Bässe und zahlreiche spezialisierte Sound-Libraries. Daraus ergibt sich die eigentliche Leitfrage dieses Tests:

Kann eine vollständige Musikproduktion ausschließlich mit Cubase und Steinberg Absolute 7 entstehen – ohne Instrumente oder Effekte anderer Hersteller?

Die kurze Antwort lautet: Ja, erstaunlich problemlos. Die ausführliche Antwort ist interessanter, denn technisch vollständig bedeutet nicht automatisch, dass jeder Produzent auf seine vertrauten Spezialisten verzichten möchte.

Steinberg Absolute 7
Steinberg Absolute 7

Was ist Steinberg Absolute 7?

Absolute 7 ist kein einzelnes Instrument, sondern Steinbergs große Sammlung virtueller Klangerzeuger und Sound-Libraries. Nach Herstellerangaben umfasst das Paket 35 Instrumente, mehr als 8.000 Presets und knapp 200 GB an Inhalten. Herzstücke sind HALion 7 und Groove Agent 6. Hinzu kommen unter anderem Backbone, Padshop 2, Retrologue 2 und The Grand 3 sowie zahlreiche Erweiterungen für unterschiedliche musikalische Aufgaben.

Zu den wichtigsten Neuzugängen der siebten Generation gehören Groove Agent 6, die E-Gitarren-Library Axe Machina, das Yamaha-C3X-Piano Etude, The Orchestra Colors, Colors LoFi Tapes, Carrier8, Verve, das Backbone-Paket Fractured und die Retrologue-Erweiterung Vintage Classics.

Absolute 7 ist damit weniger mit einem einzelnen Software-Instrument als mit einem gut bestückten virtuellen Instrumentenraum vergleichbar. Nur steht in diesem Raum nicht alles sichtbar nebeneinander. Ein erheblicher Teil des Angebots erscheint innerhalb von HALion beziehungsweise HALion Sonic. Das schafft eine gemeinsame technische Basis, macht die Sammlung beim ersten Kontakt aber weniger leicht überschaubar, als es die Zahl von 35 Instrumenten vermuten lässt.

Steinberg Absolute 7 - HALION 7 Etude Grand Piano
Steinberg Absolute 7 – HALION 7 Etude Grand Piano

Die Voraussetzungen des Selbstversuchs

Für diesen Test gilt eine einfache Regel: Als DAW dient Cubase 15 Pro. Sämtliche virtuellen Instrumente stammen aus Absolute 7. Für EQ, Dynamik, Hall, Delay, Modulation, Sättigung, Gitarrenbearbeitung und Mastering werden ausschließlich die mit Cubase gelieferten Effekte verwendet.

Erlaubt sind eigene Audioaufnahmen und selbst aufgenommene Samples. Nicht verwendet werden dagegen Kontakt-Libraries, Synthesizer anderer Hersteller, externe Drum-Plug-ins, Drittanbieter-Effekte oder zusätzliche Mastering-Suiten. Damit soll nicht bewiesen werden, dass andere Produkte überflüssig sind. Der Versuch soll zeigen, ob im Steinberg-System eine funktionale oder klangliche Lücke entsteht, die eine Produktion tatsächlich zum Stillstand bringt.

Installation: Der erste kleine Hindernislauf

Absolute 7 wird über den Steinberg Download Assistant installiert. Die Lizenzen verwaltet der Steinberg Activation Manager, während der Speicherort der Sound-Libraries im Steinberg Library Manager festgelegt werden kann. Ein USB-eLicenser wird nicht mehr benötigt; Steinberg hat das alte eLicenser-System 2025 endgültig eingestellt.

Der modulare Aufbau ist grundsätzlich sinnvoll, denn niemand muss sämtliche Inhalte installieren. Bei einem Gesamtbedarf von rund 194 GB ist eine selektive Installation sogar empfehlenswert. Wer nur elektronische Musik produziert, kann auf große Orchester- oder Piano-Inhalte zunächst verzichten.

Elegant ist der Vorgang trotzdem nicht immer. Download Assistant, Activation Manager und Library Manager verteilen Installation, Freischaltung und Speicherverwaltung auf mehrere Anwendungen. Nach der Einrichtung funktioniert das System zuverlässig, doch die erste Begegnung fühlt sich mehr nach Softwareverwaltung als nach Musikproduktion an. Eine schnelle SSD ist angesichts der Datenmenge dringend zu empfehlen.

HALion 7: Das Studio im Studio

HALion 7 ist der wichtigste Grund, warum das Experiment funktioniert. Die Bezeichnung „Sampler“ beschreibt nur einen Teil des Instruments. HALion verbindet umfangreiches Multisampling mit subtraktiver Synthese, Wavetable-, Granular-, Spektral- und FM-Klangerzeugung. Zonen lassen sich in Layern und Programmen organisieren, umfangreich modulieren, mit Effekten versehen und zu komplexen Instrumenten kombinieren.

Für den schnellen Einsatz stehen Tausende Presets und spezialisierte Oberflächen bereit. Für tieferes Sounddesign kann HALion dagegen zu einer eigenen Entwicklungsumgebung werden. Eigene Samples lassen sich mappen, bearbeiten und mit Synthese-Engines kombinieren. Auch Multisamples, Velocity-Layer, Round Robins, Keyswitches, Trigger Pads und eigene Bedienoberflächen gehören zum System.

Diese Tiefe ist zugleich Stärke und Schwäche. HALion kann sehr viel, präsentiert seine Möglichkeiten aber nicht mit der unmittelbaren Zugänglichkeit eines bewusst reduzierten Spezial-Synthesizers. Ein Preset ist schnell geladen. Ein komplexes Instrument von Grund auf zu bauen, verlangt Einarbeitung. Wer diese investiert, erhält jedoch ein Werkzeug, das mehrere ansonsten getrennte Plug-in-Kategorien ersetzt.

Steinberg Absolute 7 - HALION 7 FM-LAB C8
Steinberg Absolute 7 – HALION 7 FM-LAB C8

Im Produktionsalltag deckt HALion nahezu alle grundlegenden Aufgaben ab: Bässe, Leads, Flächen, Keyboards, akustische Instrumente, experimentelle Texturen, eigene Samples und aufwendige Layer. FM Lab erweitert das Angebot um einen achtoperatorigen FM-Synthesizer. Instrumente wie Tales, Trium, Voltage, Hot Brass, Studio Strings, Electric Bass, World Instruments oder HALion Symphonic Orchestra füllen konkrete Klangbereiche aus.

Die Frage „Brauche ich zusätzlich Kontakt, Falcon, Omnisphere oder Serum?“ lässt sich daher funktional meist mit „Nein“ beantworten. Die wichtigere Frage lautet, ob bestimmte Fremdprodukte einen bevorzugten Workflow oder einen unverwechselbaren Klang bieten. Das bleibt eine persönliche Entscheidung.

Elektronische Klänge: Retrologue, Padshop und HALion

Für elektronische Musik ist Absolute 7 besonders breit aufgestellt. Retrologue 2 liefert klassische virtuell-analoge Synthese und eignet sich für druckvolle Bässe, Leads, Sequenzen und Flächen. Seine Oberfläche ist schneller zu durchschauen als die große HALion-Struktur. Vintage Classics erweitert die Preset-Auswahl in eine bewusst klassische Richtung.

Steinberg Absolute 7 - Retrologue2 Vintage Classics
Steinberg Absolute 7 – Retrologue2 Vintage Classics

Padshop 2 konzentriert sich auf granulare und spektrale Klangwelten. Atmosphären, bewegte Flächen und aus Samples entwickelte Texturen gehören zu seinen Stärken. Mit Erweiterungen wie Polarities, Zero Gravity und Granular Guitars steht reichlich Ausgangsmaterial bereit. Wer tiefer in die Grundlagen einsteigen möchte, findet in unserem Artikel zur Granularsynthese den technischen Hintergrund.

HALion schließt die verbleibenden Lücken mit Wavetable-, Spektral- und FM-Synthese. Dadurch entsteht nicht nur eine große Preset-Sammlung, sondern ein tatsächlich umfassendes Syntheseangebot. Für Pop, Ambient, Techno, Filmmusik und experimentelles Sounddesign reicht diese Kombination deutlich über eine Grundausstattung hinaus.

Was fehlt? Vor allem der Reiz bestimmter Spezialisten. Ein moderner Ein-Fenster-Wavetable-Synthesizer kann schneller zu bedienen sein, während manche Emulationen alter Hardware klanglich stärker auf ein bestimmtes Vorbild zugeschnitten sind. Das sind jedoch Unterschiede im Charakter und Bedienkonzept, keine existenziellen Lücken.

Steinberg Absolute 7 - Padshop 2 Granular Guitars
Steinberg Absolute 7 – Padshop 2 Granular Guitars

Groove Agent 6: Mehr als nur eine Drum-Machine

Groove Agent 6 übernimmt akustische Drums, elektronische Kits, Beat-Produktion und Sample-basierte Percussion. Die neue Version bringt unter anderem eine skalierbare Oberfläche, einen überarbeiteten Mixer, einen neuen Pattern Editor und eine kontextabhängige MediaBay mit. Für akustische Produktionen stehen detaillierte Kits bereit, während Beat Agent das Bearbeiten eigener Samples und elektronischer Kits ermöglicht.

Im Selbstversuch ist Groove Agent eines der wichtigsten Instrumente. Schlagzeug gehört zu den Bereichen, in denen viele Produzenten fast reflexartig zu Drittanbietern greifen. Steinbergs Lösung deckt jedoch die gesamte Kette ab: Sounds auswählen, Samples layern oder ersetzen, Pattern programmieren, Grooves variieren, Einzelausgänge nutzen und das Ergebnis im Cubase-Mixer weiterbearbeiten.

Die mitgelieferten Inhalte reichen von akustischen Kits bis zu modernen elektronischen Produktionen. Absolute 7 ergänzt Groove Agent außerdem mit Content-Paketen. Nicht jede Library wird jeden persönlichen Geschmack treffen, doch ein Song scheitert hier sicher nicht an fehlenden Drums.

Steinberg Absolute 7 - Groove Agent 6
Steinberg Absolute 7 – Groove Agent 6

Gitarren und Bässe: Die schwierigste Disziplin

Virtuelle Gitarren gehören zu den anspruchsvollsten Instrumenten überhaupt. Axe Machina erweitert Absolute 7 um eine umfangreiche E-Gitarren-Library. Riffs, Artikulationen und spielbare Sounds ermöglichen überzeugende Gitarrenparts, insbesondere wenn diese im Arrangement eine klar definierte Funktion übernehmen.

Für Basslinien bietet Absolute unter anderem Electric Bass. In Kombination mit Cubase Amp-Simulationen, EQ, Kompression und Sättigung lassen sich tragfähige Bassspuren erstellen.

Steinberg Absolute 7 - HALION 7 Axe Machina
Steinberg Absolute 7 – HALION 7 Axe Machina

Trotzdem zeigt sich hier am deutlichsten eine Grenze des Komplettsystems. Wer realistische Solo-Gitarren, komplexe Strumming-Patterns oder sehr individuelle Spielweisen programmieren möchte, findet bei spezialisierten Gitarren-Libraries teilweise ausgefeiltere Artikulationssysteme. Eine echte, gut eingespielte Gitarre bleibt ohnehin schwer zu ersetzen. Für Pop-, Rock- und Medienproduktionen liefert Absolute 7 brauchbares Material; Gitarrenspezialisten werden ihre bevorzugten Werkzeuge wahrscheinlich nicht aussortieren.

Piano, Orchester und akustische Instrumente

Mit Etude enthält Absolute 7 ein auf einem Yamaha C3X basierendes Piano. Die Library umfasst rund 18 GB chromatisch aufgenommene Samples, zwölf Dynamikstufen, vier Mikrofonperspektiven und einstellbare Resonanzen. Der Klang eignet sich besonders für intime Pop-, Jazz- und Songwriter-Arrangements. Verve ergänzt diese Seite um ein weicheres Felt Piano.

The Grand 3 erweitert die Auswahl um weitere Flügel- und Klavierklänge. Dadurch bleibt das Paket nicht auf einen einzigen Piano-Charakter festgelegt. Für die meisten Produktionen ist das mehr als ausreichend, auch wenn ausgesprochene Piano-Spezialisten weiterhin Unterschiede bei Raum, Mechanik, Mikrofonierung und Spielgefühl suchen werden.

Steinberg Absolute 7 - The Grand 3
Steinberg Absolute 7 – The Grand 3

Im orchestralen Bereich liefern HALion Symphonic Orchestra, Studio Strings, Hot Brass und The Orchestra Colors ein erstaunlich breites Vokabular. The Orchestra Colors zielt dabei weniger auf die detaillierte Einzelprogrammierung jeder Orchesterstimme als auf schnell einsetzbare, vorkombinierte Farben. Für Pop-Arrangements, Trailer, Songskizzen und hybride Filmmusik ist das ausgesprochen praktisch.

Für eine vollständig ausnotierte, realistische Orchestermockup-Produktion stößt das System eher an Grenzen. Hoch spezialisierte Orchester-Libraries bieten mehr Artikulationen, Round Robins, Mikrofonpositionen und Detailkontrolle. Dank der modernisierten Expression Maps von Cubase 15 lassen sich vorhandene Artikulationen allerdings sehr komfortabel steuern. Für viele Produktionen ist nicht die Zahl der Artikulationen entscheidend, sondern wie schnell ein glaubwürdiges Arrangement entsteht – und dabei arbeitet das Steinberg-System überzeugend.

Steinberg Absolute 7 - HALION 7 The Orchestra Colors
Steinberg Absolute 7 – HALION 7 The Orchestra Colors

Eigene Samples und Sounddesign: Backbone als Geheimwaffe

Backbone wird neben HALion und Groove Agent leicht übersehen. Das Instrument zerlegt Samples in tonale und geräuschhafte Bestandteile, erlaubt Resynthese, Layering und detaillierte Bearbeitung von Transienten und Klangkörpern. Es eignet sich besonders für Drums, kann aber ebenso aus beliebigem Audiomaterial neue Instrumente und Effekte erzeugen.

Mit Fractured enthält Absolute 7 zusätzliches, bewusst beschädigtes und verzerrtes Ausgangsmaterial. In Kombination mit Cubases Modulatoren und Automationsmöglichkeiten wird Backbone zu einer leistungsfähigen Sounddesign-Zentrale. Hier zeigt sich ein Vorteil des geschlossenen Systems: Ein Sample lässt sich in Cubase aufnehmen, schneiden, in Backbone oder HALion weiterverarbeiten und anschließend mit den DAW-eigenen Effekten mischen, ohne dass Formate oder Browser-Konzepte gewechselt werden müssen.

Steinberg Absolute 7 - Backbone
Steinberg Absolute 7 – Backbone

Cubase liefert den restlichen Werkzeugkasten

Absolute 7 enthält in erster Linie Instrumente. Die andere Hälfte des Versuchs übernimmt Cubase Pro. Channel Strip, Frequency 2, StudioEQ, Kompressoren, Multiband-Bearbeitung, Gate, Envelope Shaper, Magneto, Verzerrung, Modulation, Delay, algorithmischer Hall, Faltungshall, Pitch-Bearbeitung und Limiting decken die klassischen Aufgaben einer Mischung ab.

VariAudio übernimmt die Tonhöhen- und Timingkorrektur von Gesang. AudioWarp, Sampler Track und Hitpoints helfen bei Timing, Sampling und Drum-Bearbeitung. Die Control Room-Funktionen ermöglichen professionelles Monitoring. Für das Mastering stehen präzise Pegelanzeigen, Loudness-Messung, EQ, Dynamikprozessoren, Clipper und Limiter bereit. Der neue UltraShaper aus Cubase 15 verbindet Transientenbearbeitung, Clipping, EQ-Formung und Pegelkompensation.

Auch kreative Aufgaben sind abgedeckt. Modulatoren, Step- und Pattern-Funktionen, Akkordspur, Chord Pads, Logical Editor und umfangreiche MIDI-Werkzeuge können Ideen erzeugen oder vorhandenes Material variieren. Cubase 15 bringt zudem Omnivocal als Vocal-Synthese und eine integrierte Stem-Separation mit.

Cubase 15 Pro - Projekt
Cubase 15 Pro – Projekt

Wer die technischen Zusammenhänge der Effekte vertiefen möchte, findet passende Grundlagen in der Wissenslandkarte von Professor Pegel, beispielsweise zu Equalizern, Kompression, Headroom, Sättigung, Stereo-Imaging und Limiting.

Der größte Vorteil: Integration statt Plug-in-Tourismus

Der auffälligste Vorteil ist nicht ein einzelner Klang, sondern die Ruhe im Workflow. MediaBay, Preset-System, VST Sound, Instrumentenspuren, Quick Controls, Automation und Expression Maps greifen ineinander. Viele Sounds lassen sich projektbezogen durchsuchen, vorhören und laden. Parameter erscheinen zuverlässig in der Automation. Mehrkanal-Instrumente lassen sich sauber in den Cubase-Mixer führen.

Wer ausschließlich im Steinberg-System arbeitet, verbringt weniger Zeit in unterschiedlichen Browsern, Lizenzmanagern und Oberflächen. Das klingt nach einer Nebensache, kann aber kreative Entscheidungen beschleunigen. Aus „Welchen meiner zwölf Kompressoren nehme ich?“ wird wieder die sinnvollere Frage: „Was braucht diese Spur?“

Die Begrenzung kann sogar produktiv sein. Ein überschaubarer Werkzeugkasten fördert Vertrautheit. Wer Frequency 2, die Cubase-Kompressoren, REVerence, Groove Agent und HALion wirklich beherrscht, arbeitet häufig schneller und gezielter als jemand, der ständig zwischen vermeintlich besseren Alternativen wechselt.

Wo Drittanbieter weiterhin Vorteile haben

Das Ergebnis des Tests ist kein Plädoyer für eine musikalische Monokultur.

Einige Bereiche bleiben für Spezialanbieter attraktiv:

  • Große Orchesterproduktionen profitieren von umfangreicheren Artikulationen und detaillierteren Spezial-Libraries.
  • Virtuelle Gitarren und Bässe können bei komplexen Spieltechniken spezialisiertere Performance-Systeme bieten.
  • Audio-Restauration und chirurgische Reparaturen sind nicht die eigentliche Stärke von Cubase und Absolute. Spezielle Werkzeuge wie Steinberg SpectraLayers gehen dort weiter.
  • Manche Produzenten bevorzugen besonders charakterstarke Analogemulationen, ungewöhnliche Effektkonzepte oder einen bewusst anderen Synthesizer-Workflow.
  • Beim Mastering bieten spezialisierte Suiten wie zum Beispiel Steinberg Wavelab teilweise umfassendere Assistenz-, Vergleichs- und Qualitätskontrollfunktionen.

Hinzu kommt ein kreativer Punkt: Unterschiedliche Hersteller bringen unterschiedliche Denkweisen mit. Ein neues Instrument kann inspirieren, gerade weil es nicht wie HALion oder Cubase funktioniert. Absolute 7 macht Drittanbieter daher nicht überflüssig. Es macht sie optional.

Bedienung und Übersicht

Die enorme Breite hat ihren Preis. Absolute 7 wirkt nicht überall wie ein aus einem Guss entwickeltes Gesamtinstrument. Manche Produkte besitzen moderne, skalierbare Oberflächen, andere erinnern stärker an frühere Softwaregenerationen. Dazu kommen eigenständige Instrumente, HALion-Instrumente und Erweiterungspakete, deren Zusammenhänge Einsteiger zunächst verstehen müssen.

Steinberg Absolute 7 - HALION 7 Olympus Choir Micro
Steinberg Absolute 7 – HALION 7 Olympus Choir Micro

Auch die Preset-Menge kann überwältigen. Mehr als 8.000 Klänge sind nur dann ein Vorteil, wenn Suchbegriffe, Favoriten und Filter konsequent genutzt werden. Ohne Ordnung wird aus der großen Bibliothek schnell ein langer Rundgang durch Presets. Die MediaBay hilft, verlangt aber eine gewisse Disziplin bei Bewertung und Verschlagwortung.

Klangqualität: Gibt es eine erkennbare Steinberg-Grenze?

Eine pauschale Klangsignatur lässt sich Absolute 7 kaum zuschreiben. Ein Yamaha-Piano, ein granular zerlegtes Gitarrensample, ein Retrologue-Bass und ein akustisches Groove-Agent-Kit verfolgen völlig unterschiedliche Ziele. Die Qualität reicht von solide bis ausgezeichnet; entscheidender ist die Auswahl des passenden Instruments und dessen Einbettung in das Arrangement.

Auch Cubases Effekte sind längst keine bloßen Beigaben. Frequency 2, REVerence, die Dynamikwerkzeuge und die aktuellen kreativen Effekte sind professionell einsetzbar. In einem fertigen Mix wird niemand zuverlässig erkennen, dass ausschließlich Steinberg-Werkzeuge verwendet wurden. Schlechte Entscheidungen werden allerdings auch durch 8.000 Presets nicht besser – und gute Entscheidungen benötigen keine Plug-in-Sammlung mit vierstelliger Trefferzahl.

Ressourcenbedarf und Speicherplatz

Knapp 200 GB Inhalt sind für heutige Sample-Pakete nicht außergewöhnlich, aber dennoch relevant. Empfehlenswert ist die Installation auf einer schnellen SSD. Nicht benötigte Libraries sollten zunächst ausgelassen werden. HALion und Groove Agent können je nach Preset, Stimmenzahl, Effekten und Disk-Streaming sehr unterschiedliche Lasten erzeugen.

Cubases Render-in-Place-, Freeze- und Spur-deaktivieren-Funktionen helfen bei großen Projekten. Gerade beim konsequenten Arbeiten mit einem System ist dieser Workflow angenehm, weil Instrument, Routing und gerenderte Audiospur innerhalb derselben Projektumgebung bleiben.

Wir haben auf einem aktuellen Intel?i5 mit 64 GB RAM und 3 TB SSD getestet und hatten während des Tests keinerlei Performance-Probleme.

Wertung

BereichBewertungEinordnung
Klangvielfalt9/10Von akustischen Instrumenten bis zu mehreren Syntheseformen sehr breit
Klangqualität8,5/10Überwiegend hochwertig, einzelne Spezial-Libraries der Konkurrenz gehen weiter
Sounddesign9,5/10HALion, Padshop und Backbone bilden ein außergewöhnlich tiefes Trio
Drums und Beats9/10Groove Agent 6 deckt akustische und elektronische Produktion umfassend ab
Orchester7,5/10Für Pop, Hybrid und Skizzen stark; für detaillierte Mockups begrenzter
Gitarren und Bässe7,5/10Gut nutzbar, Speziallösungen bieten teils realistischere Performance-Systeme
Integration in Cubase9,5/10Einer der größten Vorteile des Pakets
Bedienkomfort8/10Gute Suche, aber viele Ebenen und mehrere Verwaltungsprogramme
Preis-Leistung9/10Sehr hoher Gegenwert, sofern ein großer Teil der Sammlung genutzt wird
Gesamteindruck9/10Ein nahezu vollständiges Instrumentenstudio mit enormer Tiefe

Fazit: Reichen Cubase und Absolute 7 wirklich aus?

Ja. Cubase Pro und Steinberg Absolute 7 reichen aus, um komplette Produktionen auf professionellem Niveau zu erstellen, aufzunehmen, zu arrangieren, zu mischen und zu mastern. Elektronische Musik, Pop, Rock, Hip-Hop, Ambient, Songwriter-Produktionen, Werbemusik und viele Formen von Filmmusik lassen sich ohne ein einziges zusätzliches Plug-in realisieren.

HALion 7 ist dabei der entscheidende Baustein. Seine Kombination aus Sampler, Synthesizer und Instrumentenplattform schließt viele Lücken, bevor sie überhaupt entstehen. Groove Agent 6 kümmert sich überzeugend um Rhythmus und Drums, während Padshop, Retrologue und Backbone eigene Schwerpunkte setzen. Cubase liefert alle notwendigen Aufnahme-, Bearbeitungs-, Misch- und Masteringwerkzeuge.

Steinberg Absolute 7 - HALION 7 Electric Bass
Steinberg Absolute 7 – HALION 7 Electric Bass

Absolute 7 ersetzt allerdings nicht automatisch jede persönliche Lieblingssoftware. Spezialisierte Orchester-Libraries, besonders realistische Gitarreninstrumente, Restaurationswerkzeuge oder charaktervolle Boutique-Effekte können weiterhin sinnvoll sein. Der Unterschied ist entscheidend: Solche Produkte werden nicht mehr benötigt, um grundsätzlich arbeitsfähig zu sein. Sie werden gekauft, weil sie einen bestimmten Klang, Komfort oder kreativen Impuls bieten.

Damit beantwortet der Versuch auch die Frage nach dem eigentlichen Luxus moderner Musiksoftware. Luxus bedeutet nicht, möglichst viele Plug-ins zu besitzen. Luxus bedeutet, auswählen zu können. Cubase und Absolute 7 bilden bereits ein vollständiges Studio. Alles Weitere ist Erweiterung – nicht Voraussetzung.

Stärken

  • Außergewöhnlich breite Instrumenten- und Preset-Auswahl
  • HALion 7 als sehr leistungsfähige Sampling- und Syntheseplattform
  • Groove Agent 6 für akustische und elektronische Drums
  • Tiefe Integration in Cubase und MediaBay
  • Hervorragende Möglichkeiten für eigenes Sounddesign
  • Dauerlizenz statt verpflichtendem Abonnement
  • Ein System deckt Komposition, Produktion, Mixing und Mastering ab

Schwächen

  • Hoher Speicherbedarf und umfangreiche Downloads
  • Installation und Verwaltung verteilen sich auf mehrere Programme
  • Sammlung wirkt nicht an jeder Stelle vollständig einheitlich
  • HALion verlangt für tiefes Sounddesign Einarbeitung
  • Spezial-Libraries können bei Orchester und Gitarren mehr Detail bieten
  • Vorhandene Einzelprodukte werden beim Kauf des Bundles nicht immer individuell angerechnet

Preis und weitere Informationen

Steinberg nennt für die Vollversion von Absolute 7 einen regulären Preis von 499 Euro beziehungsweise 499,99 US-Dollar; regionale Preise und Aktionen können abweichen. Updates und Crossgrades sind je nach vorhandener Lizenz erhältlich. Absolute 7 läuft unter Windows und macOS als VST3-, AU- beziehungsweise AAX-Instrumentensammlung und lässt sich damit nicht nur in Cubase verwenden.

Weitere Informationen: Steinberg Absolute 7