Ein Testbericht von Andreas,
veröffentlicht am 22.03.2026
Mit dem H4MIDI WC präsentiert CME ein MIDI-Interface, das sich deutlich von klassischen Lösungen abhebt. Während viele Interfaces lediglich als Verbindungsglied zwischen Computer und MIDI-Hardware dienen, verfolgt das H4MIDI WC einen deutlich weitergehenden Ansatz. Es kombiniert USB-Host-Funktionalität, umfangreiche MIDI-Verarbeitung und Standalone-Betrieb in einem kompakten Gerät.
Damit richtet sich das Interface gezielt an Musiker und Musikproduzenten, die entweder komplett ohne Computer arbeiten oder hybride Setups mit USB- und DIN-MIDI-Geräten realisieren möchten. Der Test zeigt, wie gut dieses Konzept in der Praxis funktioniert und welche Stärken sowie Einschränkungen zu berücksichtigen sind.
Konzept und Positionierung
Das CME H4MIDI WC ist als zentrale MIDI-Schaltstelle konzipiert. Im Kern vereint es drei Funktionen:
- USB-Host für den direkten Anschluss von USB-MIDI-Geräten
- Klassisches MIDI-Interface für die Verbindung mit Computern
- MIDI-Prozessor für Routing, Mapping und Filterung
Diese Kombination ermöglicht es, MIDI-Daten nicht nur zu übertragen, sondern aktiv zu steuern, umzuleiten und zu verändern. Gerade in komplexen Setups entsteht dadurch ein erheblicher Mehrwert gegenüber herkömmlichen Interfaces. Das Gerät richtet sich insbesondere an DAWless-Setups mit Hardware-Synthesizern, hybride Studios mit moderner und klassischer MIDI-Technik, Live-Performances mit mehreren Geräten sowie MIDI-gesteuerte Pedalboards.
Bastelstunde
Das CME H4MIDI WC kann optional auch MIDI-Signale via Bluetooth senden und empfangen, allerdings muss dazu erst der Prozessor (muss extra erworben werden) in das Gerät eingebaut werden. Das ist nicht schwer und wird in einer Anleitung ausführlich und verständlich erklärt.
Zuerst muss das Gerät geöffnet werden. Dazu wird unten ein Aufkleber vorsichtig entfernt. Darunter befinden sich zwei Schrauben, die gelöst werden müssen. Danach kann man das Gehäuse mit sanfter Gewalt öffnen. Vorsicht mit den LEDs, diese werden durch ein gelochtes Stück Plastik fixiert. Lasst dieses möglichst auf den LEDs, damit sich diese nicht bewegen können.

Nun ist es an der Zeit, den WIDI Pro Prozessor, welcher für die Bluetooth-Midi Funktionaltät notwendig ist, aus seiner Verpackung zu entfernen und selbigen dann in die freie Aufnahme rechts einzusetzen. Auch hier bitte vorsichtig, achtet darauf, dass alle Pinne in die richtigen Löcher gelangen.

Schlussendlich setzt ihr das Gehäuse wieder zusammen, setzt die Schrauben ein und klebt den Aufkleber wieder an seine ursprüngliche Position. Wenn das H4MIDI WC nach dem Anschließen an ein optionales Netzteil oder via USB nicht anfängt zu qualmen, war alles richtig und ihr könnt jetzt auch MIDI über Bluetooth nutzen. (Das mit dem Qualmen war ein übler Scherz meinerseits, die Montage ist eigentlich narrensicher.)
Verarbeitung und Design
Das H4MIDI WC setzt auf ein kompaktes, robustes Gehäuse mit klarer Funktionalität. Mit einer Länge von rund 14 Zentimetern bleibt das Interface transportfreundlich und lässt sich problemlos in bestehende Setups integrieren.
Das Design ist funktional gehalten. Mehrere LED-Anzeigen liefern Informationen über Signalfluss und Aktivität, was vornehmlich im Live-Betrieb hilfreich ist. Die Anschlüsse sind logisch angeordnet und ermöglichen eine übersichtliche Verkabelung. Bedingt durch das geringe Gewicht ist das Gerät prädestiniert für mobile Anwendungen. Gleichzeitig wirkt die Verarbeitung solide genug für den regelmäßigen Einsatz auf der Bühne oder im Studio.
Anschlüsse und Konnektivität
Ein zentraler Aspekt des H4MIDI WC ist die Anschlussvielfalt im Verhältnis zur Größe. Das Gerät bietet:
- 2× MIDI IN (5-Pin DIN)
- 2× MIDI OUT (5-Pin DIN)
- 1× USB-A (Host)
- 1× USB-C (Client)
Damit lassen sich sowohl klassische MIDI-Geräte als auch moderne USB-Controller integrieren. Besonders hervorzuheben ist die USB-Host-Funktion, die den direkten Anschluss von Controllern ohne Computer ermöglicht.

Über einen USB-Hub kann die Anzahl der angeschlossenen Geräte deutlich erweitert werden. In der Praxis lassen sich mehrere USB-MIDI-Geräte gleichzeitig betreiben, wodurch das Interface zu einem echten MIDI-Hub wird. Die USB-C-Verbindung stellt zusätzlich mehrere virtuelle MIDI-Ports bereit. Dies erleichtert die Integration in DAWs und komplexe Software-Setups.
Standalone-Betrieb als zentrales Feature
Eine der wichtigsten Eigenschaften des H4MIDI WC ist die Fähigkeit, vollständig ohne Computer zu arbeiten. Alle Konfigurationen werden im Gerät gespeichert und stehen jederzeit zur Verfügung.
Im Standalone-Modus lassen sich unter anderem USB-Controller direkt mit Synthesizern verbinden, MIDI-Signale gezielt verteilen und komplexe Routing-Strukturen realisieren. Dies eröffnet zahlreiche Möglichkeiten für DAWless-Setups. Besonders im Live-Kontext ergibt sich ein entscheidender Vorteil, da kein Computer benötigt wird und die Fehleranfälligkeit reduziert wird.
Die Preset-Funktion erlaubt das schnelle Umschalten zwischen verschiedenen Konfigurationen. Dadurch lassen sich unterschiedliche Setups oder Songs mit minimalem Aufwand realisieren.
MIDI-Routing und Signalverarbeitung
Das H4MIDI WC geht weit über die Funktion eines einfachen Interfaces hinaus. Es ermöglicht eine detaillierte Bearbeitung von MIDI-Daten.
Zu den wichtigsten Funktionen zählen frei konfigurierbares Routing zwischen allen Ports, die Filterung bestimmter MIDI-Daten (z. B. Clock oder Controller), das Mapping von MIDI-Befehlen sowie das Zusammenführen (Merge) mehrerer Signale und das Aufteilen (Split) von Datenströmen. Diese Funktionen machen das Gerät zu einem leistungsfähigen Werkzeug für komplexe MIDI-Setups. So lassen sich beispielsweise bestimmte Controller-Daten gezielt an einzelne Geräte senden, während andere Signale gefiltert werden.

In der Praxis ermöglicht dies eine präzise Steuerung selbst umfangreicher Setups, ohne dass zusätzliche Hardware oder Software erforderlich ist.
Performance und Stabilität
Das H4MIDI WC arbeitet mit einem modernen Prozessor, der eine schnelle und zuverlässige Verarbeitung von MIDI-Daten gewährleistet. Auch bei komplexen Routings bleibt die Latenz minimal. Die Unterstützung umfangreicher MIDI-Datenformate, einschließlich SysEx und MPE, stellt sicher, dass das Interface mit aktuellen und zukünftigen Geräten kompatibel bleibt.
Im praktischen Einsatz zeigt sich das Gerät stabil und zuverlässig. Auch bei mehreren angeschlossenen Geräten kam es zu keinen erkennbaren Verzögerungen oder Aussetzern.
Software: HxMIDI Tools
Für die Einrichtung und Konfiguration stellt CME die Software HxMIDI Tools kostenlos zur Verfügung. Diese ist für verschiedene Plattformen (Windows, macOS, iOS, Android) erhältlich und ermöglicht eine grafische Verwaltung der MIDI-Strukturen.
Zu den wichtigsten Funktionen gehören visuelles Routing, Filter- und Mapping-Optionen, die Verwaltung von Presets sowie die Anpassung von MIDI-Flows. Die Bedienung ist funktional, wenn auch nicht vollständig selbsterklärend. Eine gewisse Einarbeitungszeit ist erforderlich, insbesondere bei komplexeren Setups.
Nach der Konfiguration arbeitet das Gerät jedoch vollständig autark, sodass die Software im Live-Betrieb nicht benötigt wird.
Erweiterungsmöglichkeiten
Wie weiter oben bereits beschrieben, bietet das CME H4MIDI WC die Möglichkeit zur Erweiterung. Über ein optionales Modul lässt sich Bluetooth-MIDI integrieren. Dadurch können MIDI-Daten kabellos übertragen werden, was speziell in Live-Situationen oder bei minimalistischen Setups von Vorteil ist.
Zusätzlich ermöglicht die Unterstützung von USB-Hubs den Anschluss mehrerer Geräte, wodurch das Interface auch in größeren Setups eingesetzt werden kann.
Stromversorgung
Das Gerät kann über USB-C mit Strom versorgt werden, was eine flexible Nutzung ermöglicht. Alternativ steht ein Anschluss für ein Netzteil zur Verfügung, was vorwiegend im Studio oder auf dem Pedalboard sinnvoll ist. Die Möglichkeit, das Interface über eine Powerbank zu betreiben, erweitert die Einsatzmöglichkeiten zusätzlich.
Praxiseinsatz
In der Praxis zeigt das H4MIDI WC seine Stärken vor allem in komplexen Setups.
DAWless Setups
Hier fungiert das Interface als zentrale Steuerungseinheit. USB-Controller können direkt mehrere Synthesizer ansteuern, während das Routing individuell angepasst wird.
Hybrid-Studios
Die Kombination aus USB- und DIN-MIDI ermöglicht die Integration älterer Geräte in moderne Produktionsumgebungen.
Live-Performance
Durch die Preset-Funktion lassen sich verschiedene Setups schnell abrufen. Die stabile Standalone-Funktion reduziert die Abhängigkeit von Computern.
Pedalboards
Auch im Gitarrenbereich kann das Interface zur Steuerung von MIDI-fähigen Effekten eingesetzt werden.
Stärken und Schwächen des CME H4MIDI WC
Stärken
- umfangreiche MIDI-Routing-Funktionen
- Standalone-Betrieb ohne Computer
- USB-Host und klassisches Interface in einem
- kompakte Bauweise
- hohe Flexibilität
- Erweiterbarkeit
Schwächen
- Einrichtung erfordert Software
- begrenzte Anzahl an DIN-Ports
- Funktionsumfang kann für Einsteiger komplex wirken
- Zusatzfunktionen wie Bluetooth nur optional verfügbar
Preis und Verfügbarkeit
Das H4MIDI WC und der MIDI Core Bluetooth Prozessor sind im Musikfachhandel und direkt über die Webseite des Herstellers verfügbar. Der empfohlene Preis liegt bei 69,99 US Dollar, das Gerät ist aber im Musikfachhandel schon für 53,– Euro zu haben (Stand: 22. März 2026). Der WIDI Core Bluetooth-Prozessor kostet 29,99 US Dollar auch hier liegt der Straßenpreis aktuell etwas darunter.
Fazit
Der CME H4MIDI WC positioniert sich als vielseitige MIDI-Schaltzentrale für moderne Produktionsumgebungen. Die Kombination aus USB-Host, umfangreicher MIDI-Verarbeitung und Standalone-Betrieb hebt das Gerät deutlich von klassischen Interfaces ab.
Besonders in DAWless- und Hybrid-Setups entfaltet das Interface sein volles Potenzial. Die Möglichkeit, MIDI-Daten flexibel zu routen, zu filtern und zu bearbeiten, eröffnet zahlreiche kreative und technische Optionen. Für einfache Anwendungen ist der Funktionsumfang möglicherweise überdimensioniert. In komplexen Setups hingegen bietet das H4MIDI WC eine leistungsfähige und kompakte Lösung, die sowohl im Studio als auch auf der Bühne überzeugt.
Insgesamt handelt es sich um ein durchdachtes Spezialwerkzeug, das vor allem fortgeschrittene Anwender und Live-Musiker anspricht.
Weitere Informationen sowie die Bestellmöglichkeit findet Ihr bei CME: https://www.cme-pro.com/h4midi-wc-usb-host-midi-interface/
Über den Hersteller: CME
CME ist ein international tätiger Hersteller im Bereich digitaler Musikinstrumente und MIDI-Technologie, der sich seit vielen Jahren als feste Größe in der Musikproduktionsbranche etabliert hat. Das Unternehmen hat sich insbesondere auf die Entwicklung innovativer Lösungen für die digitale Musikproduktion spezialisiert und genießt weltweit einen guten Ruf unter Musikern, Produzenten und Technikern.
Die Ursprünge von CME reichen bis ins Jahr 1993 zurück, als Zhao Yitian gemeinsam mit Partnern die Central Music Company in Peking gründete. Ausgehend von dieser Basis entwickelte sich das Unternehmen zunächst als Distributor internationaler Musiktechnologie und begann später mit der Entwicklung eigener Produkte.
Ein entscheidender Schritt in der Unternehmensgeschichte erfolgte im Jahr 2012, als CME als eigenständige Marke neu organisiert und in Singapur als CME PTE. LTD. registriert wurde. Ziel dieser strategischen Neuausrichtung war es, die Markenidentität zu stärken, geistiges Eigentum besser zu schützen und die internationale Expansion gezielt voranzutreiben.
Heute ist CME global aufgestellt und vertreibt seine Produkte in mehr als 50 Ländern. Das Unternehmen verfügt über ein internationales Team mit Standorten unter anderem in China, Taiwan, Europa und den USA, wodurch Entwicklung, Produktion und Vertrieb weltweit koordiniert werden können.
Im Fokus steht die Entwicklung moderner MIDI- und Audio-Lösungen, die Kreativität und Technologie miteinander verbinden. CME verfolgt dabei einen innovationsgetriebenen Ansatz und arbeitet eng mit Musikern zusammen, um praxisnahe Produkte zu entwickeln. Dieser sogenannte „Crowd-Creation“-Ansatz soll sicherstellen, dass neue Geräte nicht nur technisch fortschrittlich, sondern auch auf reale Anforderungen zugeschnitten sind.
Die Unternehmensphilosophie basiert auf dem Leitgedanken „Music Has Value“ sowie dem Anspruch, technologisch stets einen Schritt voraus zu sein. Daraus resultiert eine klare Ausrichtung auf zukunftsorientierte Lösungen, insbesondere im Bereich moderner MIDI-Technologien wie USB-Interfaces und drahtlosen MIDI-Systemen.
Mit dieser Kombination aus langjähriger Erfahrung, internationaler Ausrichtung und Innovationsfokus hat sich CME als relevanter Anbieter im Segment digitaler Musikproduktion etabliert und trägt aktiv zur Weiterentwicklung moderner MIDI-Workflows bei.


