Ein Testbericht von Andreas,
veröffentlicht am 21.05.2026
In letzter Zeit bin ich bei meinen Recherchen immer mal wieder über den Begriff DANTE gestolpert, eine Technologie, welche es erlaubt, Audiosignale über das Netzwerk zu senden und zu empfangen. Die ESI Audiotechnik GmbH hat seit einiger Zeit bereits Audiointerfaces mit DANTE-Technologie im Sortiment. Neben dem Planet 22c folgte in jüngster Vergangenheit das Planet 22x, welches ich hier für einen Test auf dem Studiotisch stehen habe.
Nun ist es so, dass der Anschluss eines USB-Audiointerfaces so ziemlich das Einfachste ist, was es in der Studiotechnik an Aufgabestellungen so gibt. Eine neue Technik, eine neue Erfahrung, eine neue Odyssee.
So ging es mir mit DANTE. Ich konnte wie immer nicht abwarten: Ein kurzer Blick in die Bedienungsanleitung (auch deutschsprachig, Daumen hoch, ESI!) und ich habe die virtuelle Soundkarte direkt einmal auf meinem Audiorechner Nummer 1 installiert.
Dumm gelaufen, nur dass dieser bloß einen Netzwerkanschluss hat. Den brauche ich allerdings für meinen Internetzugang (mein Studio steht im Nachbarhaus, allerdings haben beide Häuser 1 Meter dicke Granitwände, sodass an WLAN-Empfang nicht zu denken ist, daher habe ich mir ein Kabel durch die Wände gebohrt). Ich habe es probiert, das Planet 22X an meine Switch anzuschließen, was aber leider bisher noch nicht funktionierte.
Also was machen? Auf nach Amazonien und einen Rechner mit zwei Netzwerkanschlüssen suchen, der meinen Budgetvorstellungen entspricht. Ich habe dann auch einen gefunden von GMKtec, einen AMD-Ryzen-Mini-PC mit Windows 11 Pro, 16 GB RAM (was für mich wenig ist, meine anderen Rechner haben alle 64 Gigabyte RAM) und einer 512-GB-SSD (auch wenig, normalerweise bewegt sich bei mir nichts unter 2 Terabyte SSD), aber zwei Netzwerkanschlüsse, also Ethernet, sind vorhanden, das war der Plan.
Soweit, so gut. Nun musste ich allerdings die bereits auf Audiorechner Nummer 1 installierte virtuelle Soundkarte auf den neuen Rechner übertragen. Das geht bedauerlicherweise nicht. Die DANTE-Erfinder aus Australien namens Audinate lassen keinen Transfer der von ESI mitgelieferten virtuellen DANTE-Soundkarte zu. Der einzige Weg war der Erwerb einer transferierbaren virtuellen Soundkarte, Kostenpunkt: knappe 50,– Euro. Also habe ich in den sauren Apfel gebissen und mein Budget weiter belastet. Was schon aufzeigt, dass der Weg in die DANTE-Welt nicht unbedingt günstig ist.
Der Transfer von Rechner 1 zum neuen Rechner verlief dann unproblematisch. Wenn ich das allerdings richtig verstanden habe, war es das denn auch mit den Transfers, denn das geht wohl nur einmal. Hoffen wir, dass der neue Rechner lange hält.

Die Einrichtung der DANTE Virtual Soundcard
Die Installation ging schnell vonstatten. Da ich ja ein großer Fan von Plug & Play bin, startete ich direkt nach der Installation meine DAW auf dem neuen Rechner. Pustekuchen, kein DANTE-Audiotreiber, aber dafür habe ich einen REALTEK-ASIO-Treiber gefunden, der wohl beim neuen Rechner dabei war. Ich wusste gar nicht, dass die im Konsumerbereich schon ASIO-Treiber anbieten, nicht schlecht! Doch schlecht! Denn ich wollte ja mein ESI Planet 22X an meinen neuen PC anschließen. Also Plug & Pray …

So habe ich ein wenig weiter geforscht und siehe da: Es ist notwendig, eine weitere Software zu installieren, die Audinate-DANTE-Controller-App, welche allerdings kostenfrei ist. Diese habe ich heruntergeladen und installiert, das Programm gestartet und kurz darauf befand ich mich auch schon in der Matrix, in der DANTE-Matrix wohlgemerkt. In dieser tauchen alle DANTE-Geräte auf, welche dann untereinander verbunden werden können.
In der Ansicht tauchte allerdings nur das neue ESI Planet 22x auf und nicht die virtuelle Soundkarte. Ich habe ein wenig gebraucht, bis ich diesen kleinen Schalter in der GUI der Soundkarte mit der Aufschrift „Start“ fand. Also habe ich die virtuelle Soundkarte gestartet und siehe da, selbige tauchte dann auch in der Dante-Controller-App auf.

Was ihr oben in dem Bild seht, ist der jetzige Zustand, den ich mir durch das Ansehen einiger Youtube-Videos, und die Übersetzung des DANTE-Handbuchs in die deutsche Sprache und viel Lesen erarbeitet habe. Denn ich konnte keine Häkchen setzen, also die grünen, die jetzt so selbstverständlich erscheinen. Es lag daran, dass ich zwei unterschiedliche Abtastraten in der DANTE-Konfiguration hatte.
Die virtuelle Soundcard lief auf 44,1 kHz und das ESI Planet 22X auf 48 kHz. Einen Hinweis dazu gab es von der DANTE-Controller-App unfreundlicherweise allerdings nicht: Diese gab keine Warnmeldung oder Information aus.
Nach der Sichtung mehrerer Youtube-Videos fand ich die Lösung. Mittels Doppelklick auf die Geräteauswahl konnte ich der virtuellen Soundcard auch 48 kHz bei der Abtastrate zuweisen. Und das war’s. Jetzt konnte ich die Verbindung zwischen virtueller Soundkarte und DANTE-Audiointerface mittels Häkchen (rechte Maustaste) herstellen und alles war Wölkchen. Es waren ja nur drei Tage bis dahin …

Raus ja, nur bis jetzt nicht rein …
Ihr ahnt sicher schon, was mir als Nächstes passiert ist, genau es müssen nicht nur die Ausgänge festgelegt werden, sondern auch die Eingänge. Das ging dann aber auch recht schnell in der DANTE-Controller-Matrix. In der folgenden Grafik seht ihr meine Konfiguration.
Jetzt zur Technik
Mit dem Planet 22x verbindet ESI moderne Netzwerk-Audiotechnik mit den Anforderungen eines kompakten professionellen Audiointerfaces. Statt sich ausschließlich auf klassische USB- oder Thunderbolt-Konzepte zu verlassen, setzt das Interface auf das Dante-Protokoll und damit auf Audio-over-IP-Technologie, wie sie längst in professionellen Broadcast-, Live- und Studio-Umgebungen etabliert ist. Gleichzeitig bleibt das Gerät kompakt genug für mobile Recording-Setups und kleinere Produktionsumgebungen.
Das Planet 22x richtet sich damit nicht nur an Tonstudios mit bestehender Dante-Infrastruktur, sondern auch an Produzenten, Musiker und Content-Creator, die ein flexibles Audiointerface mit hochwertiger Wandlung und Netzwerkfähigkeit suchen. Im Mittelpunkt stehen zwei hochwertige analoge Ein- und Ausgänge, kombiniert mit professionellen Mikrofonvorverstärkern, Hi-Z-Instrumenteneingängen und einer vollständig netzwerkbasierten Audioanbindung.
Die beiden symmetrischen XLR-/Klinke-Comboeingänge arbeiten mit 24-Bit-/96-kHz-AD-Wandlern und erreichen einen Dynamikumfang von 118 dB(A). Auf der Ausgangsseite kommen hochwertige DA-Wandler mit 123 dB(A) Dynamikumfang zum Einsatz. Gerade bei Sprachaufnahmen, akustischen Instrumenten oder dynamischem Gesang macht sich die saubere und transparente Signalverarbeitung bemerkbar. Die integrierten Mikrofonvorverstärker arbeiten angenehm rauscharm und liefern ausreichend Reserven für unterschiedlichste Mikrofontypen. +48V Phantomspeisung steht selbstverständlich ebenfalls zur Verfügung.
Interessant ist zudem die flexible Eingangsstufe. Pro Kanal lässt sich zwischen Mikrofon-, Line- und Hi-Z-Betrieb umschalten. Dadurch eignet sich das Planet 22x gleichermaßen für Gesangsaufnahmen, Synthesizer, Drumcomputer oder direkt angeschlossene Gitarren und Bässe.
Auch beim Monitoring zeigt sich die professionelle Ausrichtung. Der Masterpegel der symmetrischen XLR-Ausgänge wird über ein hochwertiges Step-Potenziometer geregelt, was präzise Lautstärkeanpassungen ermöglicht. Ergänzt wird das Setup durch einen leistungsfähigen, regelbaren Kopfhörerverstärker, der sich auch für anspruchsvollere Studiokopfhörer eignet.
Der eigentliche Kern des Planet 22x ist jedoch die Dante-Integration. Befinden sich weitere Dante-fähige Geräte im selben Netzwerk, erkennt sich das System automatisch und lässt sich flexibel erweitern. Mehrere Audiointerfaces, Stageboxen oder digitale Mischpulte können so über ein einziges Netzwerk miteinander kommunizieren. Gerade in modernen Produktionsumgebungen reduziert das den Verkabelungsaufwand erheblich.
Ein großer Vorteil liegt dabei in der Skalierbarkeit. Während klassische Audiointerfaces oft durch ihre physikalischen Anschlüsse limitiert sind, lässt sich ein Dante-Netzwerk flexibel erweitern. Das Planet 22x kann dadurch sowohl als kompaktes Standalone-Interface als auch als Bestandteil einer größeren professionellen Infrastruktur eingesetzt werden.
Besonders interessant wird das Konzept durch die mitgelieferte Dante Virtual Soundcard für Mac und PC. Dadurch erscheint das Netzwerk-Audiointerface im System wie ein klassisches Recording-Interface und kann direkt mit DAWs genutzt werden. Unterstützt werden ASIO 2.0 unter Windows sowie CoreAudio unter macOS.

Auch für mobile Anwendungen bringt das Planet 22x einen entscheidenden Vorteil mit: die Stromversorgung via PoE (Power over Ethernet). Das Interface kann entweder klassisch über das mitgelieferte 12-V-Netzteil oder direkt über das Netzwerkkabel betrieben werden. Gerade bei Live-Recordings, mobilen Produktionsplätzen oder Installationen ohne direkte Steckdose ist das ein enorm praktisches Feature. Leider benötigt man dafür wohl einen Netzwerk-Switch mit Power-over-Ethernet-Funktion, mein neuer Rechner liefert keine Spannung über das Ethernet-Kabel.
Im Lieferumfang befinden sich zusätzlich eine Lizenz der Dante Virtual Soundcard (wie bereits beschrieben, vorsicht damit, nur dann installieren, wenn man sich ganz sicher ist), die DAW Bitwig Studio 8-Track sowie inTone 2 ESI Edition von Audified. Ich fand im Paket auch noch eine Steinberg Wavelab LE 10 und eine JackTrip Virtual Studio Lizenz. Ob das allerdings immer dabei ist, weiß ich nicht, auf der Webseite von ESI Audio ist in der Produktbeschreibung nur von den ersten drei Softwarebeigaben etwas zu sehen … Mit diesem Audio-Software-Paket lässt sich direkt nach dem Auspacken loslegen und produktiv arbeiten.
Mit seinen kompakten Abmessungen von etwa 17,5 × 12 × 4,5 cm bleibt das Planet 22x angenehm transportabel und passt problemlos auf kleinere Studiotische oder in mobile Recording-Rigs.
Insgesamt präsentiert sich das Planet 22x als modernes Audiointerface mit klarem Fokus auf professionelle Netzwerk-Audioanwendungen. Die Kombination aus hochwertiger Wandlung, flexibler Signalführung, Dante-Integration und PoE-Stromversorgung hebt das Gerät deutlich von klassischen Desktop-Interfaces ab. Gerade für Studios mit wachsender Infrastruktur oder Anwender, die frühzeitig auf Audio-over-IP setzen möchten, ist das Konzept äußerst interessant.
Der praxisnahe Ansatz aus hochwertiger Audiotechnik und flexibler Netzwerkintegration wirkt durchdacht und zukunftssicher. Stilistisch bewegt sich das Planet 22x klar zwischen klassischem Studiointerface und professioneller Dante-Lösung – genau darin liegt seine besondere Stärke.
FAZIT
Ich bin wieder schlauer geworden, die DANTE-Odyssee hat mich gelehrt, Handbücher erst einmal komplett durchzulesen. Die Einrichtung der virtuellen Dante-Soundkarte war etwas schwierig, hier ist etwas Fachwissen im Bereich Netzwerktechnik nützlich. Da ich ja oben bereits beschrieben habe, welche Fehler ich gemacht habe und wie ihr selbige umgehen könnt, sollte es für euch einfacher sein, das Dante-Protokoll auf eurem Rechner zu etablieren.
Jenseits meiner DANTE-Odyssee geht es in diesem Test hauptsächlich um das Audiointerface Planet 22x und da kann die Technik sich wirklich sehen oder besser hören lassen. Das ESI Planet 22x ist ein gelungenes DANTE-Audiointerface, welches hervorragende, hochwertige Mikrofonvorverstärker und Line- und HI-Z-Eingänge bietet. Es sind zwar leider nur insgesamt 2 Ein- und 2 Ausgänge. Bei dem Preis, den ESI für das Planet 22x festgelegt hat, ist das aber mehr als zu verschmerzen, und so wie ich ESI Audio kenne, legen die mit Sicherheit zeitnah einige größere Modelle nach, zwischen 4 und 16 Kanälen könnte ich mir vorstellen.
Die DANTE-Welt ist nicht billig, ESI Audio bietet mit dem Planet 22x einen sehr preiswerten Einstieg in die neue Zukunft der Produktion von Musik und weiteren Audio-Events. Das Planet 22x ist aktuell zwischen 329,– Euro und 446,– Euro zu haben. Es lohnt sich, die Preise zu vergleichen. Ein Spitzbube verlangt auf eBay sogar mehr als 500,– Euro, also aufgepasst.
Von mir gibt es aufgrund des niedrigen Preises und der exzellenten Qualität unseren wohlverdienten BuenasIdeas-Tipp für das ESI Audio Planet 22x DANTE Audiointerface.
Weitere Informationen findet ihr bei ESI Audio: https://www.esi-audio.de/produkte/planet22x/










Einen fehlenden LAN-Anschluss kann man auch günstig mittels USB-Adapter nachrüsten:
https://www.ebay.de/b/Usb-Lan-Adapter/44932/bn_7005497924
Tatsächlich, ja! Bin ich nicht darauf gekommen, aber so habe ich einen neuen Rechner 😉