Ein Testbericht von Andreas,
veröffentlicht am 21.03.2026
Einleitung: Warum gutes Hören im Studio entscheidend ist
Im Tonstudio entscheidet das Gehör über die Qualität. Während Mikrofone, Wandler und Monitore technisch immer besser werden, bleibt ein entscheidender Faktor oft unbeachtet: das eigene Hörvermögen.
Gerade Musikproduzenten, Tontechniker und Musiker ab etwa 40 oder 50 Jahren bemerken erste Veränderungen. Höhen werden weniger präzise wahrgenommen, Transienten verlieren an Klarheit und die Balance im Mix wird schwerer einzuschätzen. Genau hier setzt Hears Perfection an.
Das Plugin von Brainworx verspricht eine individuelle Anpassung des Hörens direkt im Audiosignal – eine Art „Korrektur des Gehörs“ für den digitalen Workflow.
Doch wie sinnvoll ist das für die Musikproduktion? Und kann ein Plugin tatsächlich helfen, besser zu mischen und zu mastern?
Was ist Hears Perfection?
Hears Perfection ist kein klassisches Audio-Tool wie ein EQ oder Kompressor. Stattdessen handelt es sich um ein spezialisiertes Plugin zur individuellen Höranpassung.
Das Prinzip ist dabei, dass mittels der Durchführung eines Hörtests ein persönliches Hörprofil erstellt wird, welches dann zur Anpassung des Audiosignals basierend auf diesem Profil dient. Dabei ist es nicht das Ziel, den Klang zu verändern – sondern die Wahrnehmung zu korrigieren. Gerade im Studio-Kontext ist das ein entscheidender Unterschied. Während klassische Tools den Mix verändern, soll Hears Perfection sicherstellen, dass der Nutzer den Mix „richtig“ hört.
Hörverlust im Studio: Ein unterschätztes Problem
Aus Sicht eines Hörgeräteakustikers ist klar: Hörverlust ist kein plötzlicher Zustand, sondern ein schleichender Prozess.
Typische Veränderungen bei Musikproduzenten:
- Abnahme der Hochtonwahrnehmung (ab ca. 4 kHz)
- geringere Differenzierung von Details
- eingeschränkte Transientenwahrnehmung
- schnellere Hörermüdung
Im Alltag fällt das oft kaum auf. Im Studio jedoch schon – vor allem bei:
- Equalizing
- De-essing
- Raumabbildung
- Stereobreite
- Feinabstimmung im Mastering
Hier kann bereits eine kleine Hörveränderung zu Fehlentscheidungen führen.
Einrichtung und Hörtest im Detail
Die Einrichtung von Hear Perfektion beginnt mit einem integrierten Hörtest, der sich an audiologischen Prinzipien orientiert. Aus fachlicher Sicht ist dieser Ansatz sinnvoll. Zwar ersetzt er kein professionelles Audiogramm, doch liefert er eine praxisnahe Grundlage. Gerade für Musiker und Musikproduzenten, welche bisher keine akustische Diagnostik durchgeführt haben, kann dieser Test ein wichtiger erster Schritt sein.
Anwendung im Tonstudio
1. Mixing: Mehr Kontrolle über Frequenzen
Im Mixing ist präzises Hören essenziell. Hears Perfection kann hier besonders bei folgenden Aufgaben helfen:
- Erkennen von problematischen Höhen
- bessere Einschätzung von Zischlauten
- differenziertere Wahrnehmung von Hi-Hats und Air-Frequenzen
- klarere Trennung von Instrumenten
Viele Nutzer berichten, dass Mischungen transparenter wirken, ohne dass tatsächlich mehr EQ eingesetzt wurde.
Aus akustischer Sicht bedeutet dies: Hears Perfection gleicht individuelle Hördefizite aus und ermöglicht so eine neutralere Wahrnehmung.
2. Mastering: Feinarbeit auf höchstem Niveau
Beim Mastering geht es um kleinste Nuancen. Hier zeigt sich besonders deutlich, ob das Gehör korrekt arbeitet. Hears Perfection kann dabei unterstützen, die Brillanz präziser zu beurteilen, Loudness-Effekte besser zu kontrollieren, Verzerrungen zuverlässiger wahrzunehmen und die Feinabstimmung im Hochtonbereich zu optimieren. Gerade ältere Musikproduzenten profitieren hier besonders stark, da hohe Frequenzen oft als Erstes vom natürlichen Hörverlust betroffen sind.
3. Monitoring: Individuelles Referenzhören
Ein oft unterschätzter Vorteil ist die Anpassung des Monitorings.
Mit Hears Perfection entsteht eine Art „persönlich kalibriertes Hören“.
Dies bedeutet, dass nicht der Raum oder die Monitore angepasst werden – sondern die akustische Wahrnehmung. Was besonders hilfreich ist bei nicht optimal akustisch behandelten Räumen oder mobilen Setups.
Vergleich mit klassischen Studio-Tools
| Tool-Typ | Funktion | Unterschied zu Hears Perfection |
|---|---|---|
| Equalizer | Frequenzen verändern | Hears Perfection verändert Wahrnehmung |
| Analyzer | visuelle Kontrolle | Hears Perfection arbeitet auditiv |
| Sonarworks / Calibration | Raum & Monitore anpassen | Hears Perfection passt Gehör an |
| Hörgeräte | medizinische Lösung | Hears Perfection = Softwarelösung |
Wichtiger Punkt:
Hear Perfektion ersetzt keine bestehenden Tools – es ergänzt sie auf einer völlig anderen Ebene.
Vorteile für Musikproduzenten
Ein klareres Hören ermöglicht präzisere Mixentscheidungen, reduziert typische Überkompensation wie ein übermäßiges Anheben der Höhen – ein häufiger Effekt bei Hörverlust, den Hears Perfection gezielt ausgleicht. Dies sorgt gleichzeitig für geringere Hörermüdung, da ein ausgewogener Klang das Gehör spürbar entlastet.
Einige kleine Zutaten
Neben einer Pegelanzeige bietet Hears Perfection Abhörmöglichkeiten, nur des linken oder rechten Kanals, nur die Stereomitte und nur die Stereo-Seiten. Im mittleren Bereich des Plugins können wir den Pegel für jeden Kanal getrennt anpassen. Zudem finden wir hier die Möglichkeit, den Anteil des Hörprofils anzugleichen.

Grenzen im Studioeinsatz
Trotz aller Vorteile gibt es auch Einschränkungen, denn Hears Perfection ersetzt keine medizinische Diagnose, ist stark von einer korrekten Kalibrierung abhängig, kann eine gewisse Gewöhnungszeit erfordern und ist nicht für Live-Situationen optimiert, wobei grundsätzlich gilt, dass das Plugin nur so gut funktioniert wie das zugrunde liegende Hörprofil.
Zielgruppe: Warum besonders Produzenten 50+ profitieren
Mit zunehmendem Alter verändert sich das Gehör – auch bei erfahrenen Musikproduzenten. Da ich auch zu dieser Altersgruppe gehöre, habe ich ein Hörprofil mit Hears Perfection anfertigen lassen. Dies dauert knapp 5 Minuten. Es werden für jedes Ohr eine Folge von Frequenzen abgespielt. Wenn diese Töne nicht mehr gehört werden, muss dies bestätigt werden. Aus diesem Ja-/Nein-Profil wird dann eine Frequenzkurve errechnet, die Hears Perfection nutzt, um den Frequenzgang an die jeweilige akustische Wahrnehmung anzupassen. Dazu muss Hears Perfection als letztes Plugin im Masterbereich eingesetzt werden.
VORSICHT: Nicht vergessen, das Plugin vor dem Export des Masters zu deaktivieren!
Um nicht unbeabsichtigt das eigene Hörprofil in den Master zu zaubern, hat Brainworx mitgedacht und einen Reminder in das Plugin integriert, der mit einem sich wiederholenden Rauschen darauf aufmerksam macht, dass Hears Perfection aktiv, also nicht im Bypass Modus ist.
Praxisbeispiel aus akustischer Sicht
Ein typischer Fall aus der Hörakustik:
Ein Musikproduzent bemerkt, dass seine Mixe auf anderen Systemen zu höhenlastig klingen oder die Vocals zu scharf wirken und die Becken zu präsent wirken. Die Ursache ist oft nicht der Mix – sondern das Gehör, das diese Mixeinstellungen „verbrochen“ hat. Mit Hears Perfection kann dieser Effekt ausgeglichen werden, was zur Folge hat, dass neutralere Entscheidungen bezüglich des Klangs gefällt werden können.
Integration in den Workflow
Empfohlene Nutzung:
- als letztes Plugin in der Monitoring-Kette
- nicht im finalen Export (!!!!!!)
- nur für das eigene Hören aktiv
So bleibt der Mix unverändert, während die Wahrnehmung optimiert wird.
Preis und Verfügbarkeit
Hears Perfection wechselt aktuell für 49,99 Euro den Besitzer, dies ist ein Sonderpreis, der Normalpreis liegt bei satten 129,- Euro. Ihr bekommt das Plugin bei der Plugin Alliance: https://www.plugin-alliance.com/products/perfection Ihr könnt das Plugin 14 Tage ohne Einschränkung kostenfrei testen.
Fazit:
Hear Perfektion ist kein klassisches Plugin – sondern ein Werkzeug zur Selbstkorrektur. Für Musikproduzenten bietet es mehr Präzision, bessere Mixentscheidungen und eine langfristige Unterstützung des Gehörs. Aus Sicht eines Hörgeräteakustikers ist besonders interessant, dass hier Prinzipien der Audiologie in den Studioalltag übertragen werden. Und ich denke, dass man mit der Softwarelösung die Anschaffung eines Hörgerätes zumindest hinauszögern kann. Denn, wovon bezahlt der Hörgeräteakustiker seine Rechnungen? Genau, vom Verkauf von Hörgeräten, mehr will ich dazu nicht sagen.
Hears Perfection ist ein hochinteressantes Tool für alle, die im Studio auf ihr Gehör angewiesen sind. Besonders für Produzenten und Engineers über 50 bietet es eine echte Chance, die eigene Hörqualität zu stabilisieren und weiterhin auf professionellem Niveau zu arbeiten. Im Kontext der Musikproduktion ist es weniger ein Effekt – sondern vielmehr ein persönliches Referenzsystem.
Empfehlung: Für ambitionierte Produzenten, Mixing- und Mastering-Engineers mit Fokus auf Präzision absolut empfehlenswert, und daher ist mir Hears Perfection einen BuenasIdeas Tipp wert!



