Ein (kurzer) Testbericht von Perry Staltic,
veröffentlicht am 06.07.2026
KI-FREIER INHALT!

Mit REV OCEAN hat ARTURIA ohne lange Vorankündigung ein neues Reverb-Plugin veröffentlicht, das sich nicht als Standard-Hall für alle Fälle, sondern sich vielmehr als Spezialist für submarine Klanglandschaften andient. Ob ARTURIA bei der Namensgebung wohl das gleichnamige norwegische Forschungsschiff auf dem Schirm hatte…? 😉


Trockendock

Seine grundsätzlichen Features teilt sich REV OCEAN weitgehend mit den anderen Effekt-Plugins von ARTURIA. Es ist ein reines 64-Bit-Plugin für WINDOWS 10 und 11 sowie für macOS ab Version 11. Es ist in den in den Plugin-Formaten VST, VST3, AAX und AU (nur macOS) verfügbar und NKS-kompatibel.

Ich habe lediglich die VST-Varianten unter WINDOWS 10 getestet, auf meinem alten, aber bewährten Studiorechner mit i7-4790K (4 x 4,0 GHz) und 16 GB RAM.

Nach der Installation muss das Plugin noch aktiviert werden, bei ARTURIA kann dies erfreulicherweise sowohl online als auch offline geschehen. Für beide Optionen benötigt man das sogenannte ARTURIA SOFTWARE CENTER (ASC), eine separate Verwaltungs-App, über die auf Wunsch auch der Download erfolgen kann. REV OCEAN kann auf bis zu fünf Rechnern gleichzeitig aktiviert und betrieben werden.

ARTURIA REV OCEAN
ARTURIA REV OCEAN

Die Bedienoberfläche von REV OCEAN ist in einem weiten Bereich Prozent skalierbar und bietet je eine obere und eine untere Toolbar, die unter anderem das Preset-Menü, eine A/B-Funktion zum Vergleichen und Kopieren von Parametereinstellungen, eine globale Lautstärkeeinstellung, mehrfaches Undo und Redo inklusive Historie, ein Bypass-Schalter sowie eine prozentuale Anzeige des aktuellen Ressourcenverbrauchs beherbergen.

ARTURIA REV OCEAN - Preset-Browser
ARTURIA REV OCEAN – Preset-Browser

Die obere Toolbar gewährt ebenfalls Zugriff auf den Preset-Browser, der neben diversen Kategorien sowie Such- und Filter-Funktionen auch eine eigene Favoritenliste besitzt, in der man seine vorab gekennzeichneten bevorzugten Presets sammeln kann.

ARTURIA REV OCEAN - In-App-Tutorials
ARTURIA REV OCEAN – In-App-Tutorials

Wer eine kurze Einführung in das Plugin wünscht, ohne erst ins PDF-Manual schauen zu müssen, kann sich flugs durch die In-App-Tutorials hangeln. Dabei handelt es sich um kurze Texte in englischer Sprache, die unter optischer Hervorhebung der jeweiligen Funktionsbereiche in die Bedienung von REV OCEAN einführen und darüber hinaus auch noch mit einigen praktischen Anwendungs-Tipps aufwarten.

Übrigens, die Parameter von REV OCEAN lassen sich nicht direkt einem MIDI-Controller zuweisen, auch wenn ARTURIA auf den Produktwebseiten zu seine Effekt-Plugins Gegenteiliges behauptet und sich nun schon seit vielen Jahren nicht davon abbringen lässt. Immerhin lassen sich die virtuellen Regler des Plugins auch via Mausrad steuern.


Kreuzfahrt…

REV OCEAN ist sehr übersichtlich gehalten. Alle Parameter befinden sich im direkten Zugriff, ein ADVANCED PANEL, wie es bei vielen Plugins von ARTURIA gang und gäbe ist, existiert hier nicht.

Einen nicht unbeträchtlichen Anteil des zur Verfügung stehenden Platzes nimmt der sogenannte Visualizer ein, das ist eine animierte Grafik, die stilisierte Meereswellen in Einklang mit den jeweiligen Parametereinstellungen anzeigt. Wen dies nervt oder wer keine unnötigen Rechner-Ressourcen vergeuden möchte, der kann die Animation in der unteren Toolbar abschalten, dann wird nur ein statisches Bild wie ganz oben im ersten Screenshot angezeigt.

ARTURIA REV OCEAN mit animiertem Visualzer
ARTURIA REV OCEAN mit animiertem Visualzer

Bei REV OCEAN kommt dieselbe FDN-Engine (das steht für „Feedback Delay Network“) wie in EFX AMBIENT zum Einsatz, allerdings mit einer feiner aufgelösten Parametersteuerung als in diesem.

REV OCEAN kommt mit relativ wenigen Reglern aus, was die Bedienung sehr einfach gestaltet. Unter der Haube sind noch weitaus mehr Parameter und diverse Effektketten aktiv, durch die Verwendung dreier Macro Modi, ABYSS, FOAM und TIDE getauft, wird man als Anwender aber nicht unmittelbar mit damit behelligt. Man kann sich diese drei Macro Modi im Prinzip auch als die grundlegenden Reverb-Algorithmen vorstellen.

ARTURIA REV OCEAN - die drei Macro Modi
ARTURIA REV OCEAN – die drei Macro Modi

ABYSS („Abgrund“) besteht aus mehreren parallelen Reverse-Reverbs, bei denen einige zusätzlich abwärtsgerichtete Tonhöhenverschiebungen erzeugen. FOAM („Schaum“) arbeitet mit einer langen Diffusion und mit Transientenglättung, um das Audiosignal in eine dichte Klangwolke zu verwischen. TIDE („Gezeiten“) schließlich setzt mehrere durch nicht miteinander synchronisierte LFOs sich allmählich verändernde Filter-Sweeps auf dem Reverb-Ausklang ein, um langsame Bewegungen im Klang zu erzeugen. Die Intensität jedes dieser drei Macros lässt sich dabei in einem Regelbereich von 0.00 bis 100 einstellen.

Mittig in der unteren Hälfte des Plugins platziert finden wir drei virtuelle Drehregler, mit denen die Hauptparameter des Reverbs gesteuert werden. SIZE legt die zu erzeugende Raumgröße in Prozent fest (30.0% bis 200%). DECAY bestimmt die Ausklingzeit und reicht von von unter 0.500 Sekunden bis zu satten 59 Sekunden. In Maximalstellung wird automatisch der FREEZE-Modus aktiviert, der eine nicht endende geloopte Hallfahne erzeugt. Mittels des Schneeflockenssymbols kann man den FREEZE-Modus auch unabhängig vom aktuellen DECAY-Wert direkt einschalten, nach dem Ausschalten springt der Regler dann wieder automatisch auf eben diesen Wert zurück. BRIGTHNESS bietet eine einfache Tonkontrolle. Dieser Regler arbeitet bipolar und betont entweder die Höhen oder die Tiefen des Signals.

Zusätzliche Parameter sind PRE DELAY (Vorverzögerung, wahlweise in Millisekunden oder in musikalischen Notenwerten synchron zum Host-Tempo einstellbar), TRANSIENT (bügelt bei Bedarf unerwünschte Transienten im Signal platt, um einen konsistenteren Hall zu erzielen), DUCKING (unterdrückt das Reverb um einen einstellbaren Wert, solange das Eingangssignal ertönt, etwa um Gesang nicht zu sehr zu verwaschen) und WIDTH (kontrolliert die Stereobreite der Hallfahne von 0% bis 150%, 0% erzeugt hierbei ein Monosignal).

Des Weiteren gibt es ein kombiniertes Hoch- und Tiefpassfilter für das Eingangssignal, das mit zwei getrennt regelbaren Grenzfrequenzen im Bereich von 20 Hz bis 20 kHz arbeitet. Zu guter Letzt finden wir auch noch einen MIX-Regler, der das Verhältnis zwischen trockenem und bearbeitetem Audiosignal kontrolliert und mittels Lock-Funktion vor einer Veränderung bei einem Preset-Wechsel geschützt werden kann. Ihm zur Seite steht ein zusätzlicher Regler für WET VOLUME, mit das bearbeitete Signal bei Bedarf noch separat in einem Bereich von +/- 24 dB eingestellt werden kann.


Leinen los…

Wenngleich ARTURIA mit dem Namen, der Beschreibung und nicht zuletzt auch mit dem Visualizer ein wenig den Eindruck erweckt, REV OCEAN eigne sich ausschließlich zur Erzeugung unwirklicher Ambientsounds und aquatischer Klanglandwelten, so sind damit durchaus auch dezentere Reverbeffekte möglich, die gar nicht mal so „over the top“ wirken. Aber die vorgenannten eher experimentellen Klangverbiegungen sind auf jeden Fall mit REV OCEAN machbar, ganz wie angekündigt und erwartet.

Ich habe für die folgenden Klangbeispiele wieder einmal ein paar meiner dafür vorgesehenen Standdardklänge benutzt, einfach nur deshalb, weil sich so einfacher ein Vergleich mit anderen von mir bereits getesteten Effekt-Plugins bewerkstelligen lässt.

Den Anfang macht eine weibliche Gesangsphrase aus einer KONTAKT-Library, zunächst einmal trocken, dann zehnmal mit unterschiedlichen Effektbearbeitungen:

Klangbeispiel ARTURIA REV OCEAN – Vox

Beim 808-Drumloop, sind die ersten vier Takte ebenfalls unbearbeitet, anschließend folgen zehn Bearbeitungen mit REV OCEAN, jeweils mit einer Länge von vier Takten:

Klangbeispiel ARTURIA REV OCEAN – Drumloop

Zum Abschluss kommt eine aufsteigende Notenfolge aus dem BEHRINGER MS-101 zum Einsatz, einmal trocken und zehnmal mit REV OCEAN effektiert:

Klangbeispiel ARTURIA REV OCEAN – MS-101


Wie man hören kann, habe ich beim Dry/Wet-Verhältnis zumeist etwas übertriebene Werte gewählt, damit der Effekt stärker zur Geltung kommt.


Fazit:

REV OCEAN mag kein Standardreverb für alle Fälle sein, aber davon haben wir eigentlich auch schon mehr als genug (jede bessere DAW hat so etwas ja bereits an Bord). Dafür haben wir es hier mit einem Kreativeffekt zu tun, der dabei dienlich ist, aus einfachen Sounds interessante Klangwolken zu erzeugen, die man gut in entsprechenden Musikstilen, aber auch für Filme und Games einsetzen kann. Mit der Freeze-Funktion lasen sich sogar einfach ganze Drones und dergleichen erstellen.

Da REV OCEAN nicht mit einer überbordenden Anzahl an Parametern daherkommt, ist die Lernkurve sehr flach und passende Einstelllungen sind in der Praxis auch schnell gefunden. Einen obligatorischen Minuspunkt gibt es von mir lediglich wegen der von ARTURIA angepriesenen, aber fehlenden MIDI-Mapping-Funktion, ein anscheinender Dauerbrenner.

REV OCEAN ist derzeit noch zum Einführungspreis von 49,- Euro erhältlich. In dieser bis zum 14.07.2026 dauernden Einführungsphase erhalten Bestandskunden in ihrem ARTURIA-Account individuelle Sonderpreise angezeigt, deren jeweilige Höhe von Art und Anzahl der bereits erworbenen Produkte abhängt. Wer sich für de komplette FX COLLECTION 6 PRO interessiert, die regulär für 499,- Euro zu haben ist, der erhält REV OCEAN beim Kauf gratis dazu. Eine Demoversion lässt sich vor dem Kauf kostenlos ausprobieren.


Positives:
+ guter Grundklang
+ interessante Effektklänge möglich
+ einfache Bedienung
+ Freeze-Funktion
+ praktische In-App-Tutorials
+ Offline-Aktivierung möglich

Negatives:
– kein MIDI-Mapping von Parametern


Produktwebseite: https://www.arturia.com/de/products/software-effects/rev-ocean/overview#de

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