Testbericht InstaChord 2 von W. A. Production

Ein Testbericht von Stefan Federspiel,
veröffentlicht am 06.08.2022

W. A. Production brachte nun die Version 2 ihres erfolgreichen Akkord-MIDI Generators heraus. Am Markt gab es bisher mit Scaler 2 eigentlich nur ein vergleichbares Programm mit deutlich mehr Features, zu dem es auf BuenasIdeas einen Testbericht gibt. Ansonsten gibt es noch Forager, zu dem es auch einen Testbericht gibt, der aber ausschließlich Akkorde ohne weitere Extras produziert. Darüber hinaus gibt es noch Akkord-Sequenzer, wie Harvest oder die Captain Chord/Bass/Melody/Drum Plugins.

InstaChord 2
InstaChord 2

InstaChord 2 wurde vor allem mit einem Pattern Editor ausgebaut, bisher war das eine Pattern-Liste, fester vorgefertigter Pattern, die mit Keys getriggert werden konnten. Nun funktioniert das ähnlich wie in der Piano Roll einer DAW, Noten können eingezeichnet, verschoben und kopiert werden. Aber diese Noten sind Platzhalter für Noten-Höhen im gerade gültigen Akkord. Bis zu sechs übereinander können es sein, plus eine einzelne Bass-Root-Note. Das erinnert sehr an die Grundfunktionalität von Phrasebox von Venomode. Phrasebox wird mit Akkorden aus der Piano Roll der DAW gefüttert, diese müssen also schon von woanders her kommen. Phrasebox bietet allerdings über die Lines für die im Akkord enthaltenen Intervalle hinaus noch welche für z. B. die leisesten und lautesten Velocity-Werte an, die dann separat getriggert werden. In InstaChord 2 hat man das Gesamtpaket aus der Akkord-Auswahl, der Erzeugung einer Progression und nun neu einer Noten Sequenzer-Funktion. Ähnlich wie in Scaler 2 aber doch ganz anders.

Der Pattern Editor
Der Pattern Editor

Das Prinzip von InstaChord

Zwei Listen bestimmen, was geschieht. Auf der linken Seite die Akkord-Liste, die wie die Actions-Liste daneben in Gruppe A und B unterteilt ist. Eine Gruppe belegt jeweils 12 Tasten auf dem Input-Keyboard, das ganz unten im Interface zu sehen ist und die dann jeweils Akkorde oder Pattern triggern. Ist ein Akkord mittels einem Tastendruck ausgewählt, spielt eine Pattern-Taste ein Pattern mit den Noten dieses Akkords ab, so lange sie gehalten wird. Wobei es verschiedene Hold Mode gibt, auch solche, bei denen eher das Prinzip von Strum und Fret angewandt wird, wie bei der Gitarre, also dass eine Taste sozusagen die Saiten anschlägt und die andere die Bünde drückt.

Die Akkord- und die Actions-Liste
Die Akkord- und die Actions-Liste

Ein Presets erstellt man, indem man die Slots in der Akkord-Liste mit Akkorden befüllt, die man entweder aus einer Liste auswählt oder manuell selbst erstellen kann. Die „Picks“ (Actions) Pattern-Liste, die sozusagen das Anschlagen der Saiten auf einer Gitarre simuliert enthält Pattern, die man entweder aus den Ordnern mit vorgefertigten Pattern auswählt oder selbst im Pattern-Editor rechts einzeichnet.
In der Pattern-Liste können neben Pattern auch Actions liegen, die dann auf Tastendruck z. B. den Output eine Oktave höher transponieren.

Die untere Hälfte der Programmoberfläche nimmt ganz unten die Darstellung des Input-Keyboards ein und darüber des Output-Keyboards, das anzeigt, welche Noten nach der Kombination von Akkord und Pattern an das Ziel-Instrument ausgegeben werden.

Die Input und Output Keyboards
Die Input und Output Keyboards

Fast intelligente Automatiken

Von seinem Plugin InstaComposer übernahm W. A. Production die mit künstlicher Intelligenz unterstützte automatische Generierung von Pattern und Progressionen. Bei den Pattern kommen dabei meist Kombinationen kurzer Akkorde heraus, manchmal werden einzelne Noten eingestreut. Da kam mir die Pattern-Generation in InstaComposer doch noch etwas vielfältiger vor. Die in den Presets gezeigten Arpeggi und Strums werden nicht erzeugt.

Es können automatisch Progressionen mit bis zu acht Akkorden hintereinander erzeugt werden, auch ein neues Feature. Wie viele es sind bleibt zufällig, acht wurden es bei meinen Versuchen bisher nie. Die Ergebnisse sind durchwachsen. Manches ist direkt brauchbar, anderes nicht. Die Akkordfolge kann man dann mit dem Klick auf einen Button in die Akkordliste A oder B laden. Dabei landen die Akkorde jedoch hintereinander auf den weissen und schwarzen Tasten. Die Presets allgemein sind aber so gestaltet, dass immer nur die weissen Tasten in einer Oktave auf dem Keyboard mit Akkorden belegt sind, weil das einfacher live zu spielen ist. Wenn man nicht Live spielt, was der Normalfall sein dürfte, hat man seine MIDI-Triggernoten für die Akkordauswahl in der Piano Roll meist auch schon daran ausgerichtet und müsste das dann wieder umbauen.

Die automatische Erstellung einer Progression in InstaChord 2.

Progressionen von Hand

Hat man nicht sowieso ein umfassendes Wissen zu Harmonielehre kann man ohnehin bei der Erstellung von Progressionen nur nach Gehör vorgehen. Im Idealfall liegen die Akkorde passend zur Skala schon auf einzelnen Tasten und man kann verschiedene Abfolgen einfach ausprobieren. Hier erscheint es Sinnvoll, zunächst die Akkorde nach ihrer Root-Note aufsteigend in der gültigen Skala zu sortieren. Hat man eine interessante Kombination gefunden, kann man sie allerdings nicht so einfach wie in Scaler per Drag & Drop umgruppieren, sodass die Tasten, wie die Abfolge der Progression sein soll hintereinander liegen. Die Akkorde liegen festbetoniert auf ihrem Platz in der Liste, will man sie einen oder mehrere Plätze weiter oben oder unten in der Abfolge haben, muss man sie an der entsprechenden Stelle neu erstellen, also die Root-Note des Akkords festlegen und den entsprechenden Akkord-Typ aus einer langen Liste auswählen oder aus dem Ordner mit den User-Akkorden laden. Dabei überschreibt man den Akkord, der vorher auf diesem Platz lag. Das ist ziemlich umständlich, wenn man nicht die Trigger-Noten so beibehalten will, wie man die beste Abfolge gefunden hat. Bei den Presets ist es aber natürlich so eingerichtet, dass eine aufsteigende Notenfolge auf den weissen Tasten die Progression so abspielt, wie vorgesehen. Man hat also zwei verschiedene Ordnungs-Prinzipien. Man merkt schon, dass mich das etwas genervt hat.
In dem Video wird der Prozess eine Progression von Grund auf von Hand zu erstellen durchlaufen, auch ein Custom Chord wird zusammengestellt.

Generell ist es ein deutlicher Fortschritt, dass man eigene Akkord-Typen erstellen kann, auch wenn man das nicht so oft braucht, denn die wesentlichen Grundakkorde und noch einige mehr sind schon in der Auswahlliste. Die Erstellung per MIDI-Step Eingabe oder manuell mit der Auswahl von Halbtonschritten relativ zur Root-Note ist gegenüber Scaler ebenfalls umständlich, da kann man sich den Akkord beliebig einfach auf einer kompletten Pianotastatur zusammenklicken. Bei der Erstellung kann man den Akkord abhören, indem man einen der Pick-Keys spielt.

Custom Chord erstellen
Custom Chord erstellen

Wiederum besser gegenüber Scaler ist die Unabhängigkeit des Akkord-Typs von der Root-Note. Man erstellt grundsätzlich einen Major- oder Minor Akkord mit der entsprechenden Ausgestaltung, z. B. einen C13#11 – ups – geht ja gar nicht, der hat ja sieben Töne… Nun gut – bei großen Akkorden kann man zwischendrin auch eine Note weglassen. Dann kann man diesem 13#11 nachträglich jede beliebige Root-Note zuweisen, weil das in InstaChord 2 voneinander getrennt ist, in Scaler hat der Akkord dagegen eine fixe Root-Note. Man muss also für einen exotischen Akkord-Typ nur drei Versionen erstellen, Major/Minor/Diminished und den Stufen dann einfach durch die Anpassung der Root-Note zuweisen.
Bestehende Akkorde können in der Akkord-Liste noch mit verschiedenen Voicings versehen werden, also Umkehrungen oder mit der Wide-Option aufgespreizt werden. Wobei es auch bei größeren Akkorden nur zwei Umkehrungen gibt, bei denen die jeweiligen 1. und 2. Noten zwei Oktaven nach oben transponiert werden. Also das, was ich eigentlich unter “wide” verstehen würde und was auch Sinn macht. Wide verteilt die Noten in der Grundstellung dann über dreieinhalb Oktaven, was schon etwas extrem ist.

Presets und Unter-Presets

Neben dem Preset, das alles umfasst, was man auf der Oberfläche eingestellt hat, Akkorde, Pattern, Hold-Mode usw. gibt es die Möglichkeit, unabhängig nur die Pattern abzuspeichern und auch selbst erstellte Akkorde können benannt und als User-Akkorde separat gespeichert werden. In InstaChord 1 gab es nur die Gesamt-Presets. InstaChord 2 ist zu den Presets der ersten Version bis auf die kleine Einschränkung, dass es keine Velocity/Speed-sensitiven Strums mehr gibt abwärtskompatibel.

Pattern Ordner
Pattern Ordner (in dem Fall die Arpeggios)

Zudem können jeweils, wenn man ein neues Preset lädt entweder die Akkord-Sets oder die Liste mit den Pattern mit dem Lock A/B Button erhalten werden. Man hat also z. B. die bisherigen Pattern, die man behalten will, aber ein Akkord-Set eines anderen Presets dazu und erhält so eine Neukombination, denn Akkord-Sets oder Patternlisten kann man nicht separat abspeichern.

Zweihändig spielen

Es kommt immer darauf an, welches Instrument man mit InstaChord ansteuert. Aber auch wenn es ein Lead-Synth ist, wird man noch einen Bass-Synth dazu benötigen und damit eine weitere Plug-in Instanz von InstaChord. Spielt man ein virtuelles Piano hat man mit einer Instanz sozusagen nur die rechte Hand und dazu eine einzelne Bassnote eine Oktave tiefer. Das ist in Scaler besser gelöst, weil man da die Noten, die angeschlagen werden frei über die Tastatur verteilen kann. Allerdings ist es da etwas komplizierter, wenn man Pattern verwenden will, es gibt die eingebauten oder man triggert Einzelnoten innerhalb des erweiterten Akkords über die Pianoroll. Ganz frei ist man da in der Gestaltung auch nicht.
In InstaChord muss man für die untere Stimme eine weitere Instanz verwenden, das mit den Pattern funktioniert aber direkter. Für die linke Bass-Hand stimmt man dieses Plug-in zwei Oktaven weiter nach unten und verwendet in beiden Instanzen nicht die Bass-Note. Dann muss man natürlich Akkorde mit der gleichen Root-Note in der gleichen Tonleiter gleichzeitig triggern.

Zwei Instanzen von InstaChord 2 spielen ein Piano zweihändig.

Das gleiche gilt für eine Kombination von Keys und Bass.

Fazit

InstaChord 2 ist eine erfreuliche Weiterentwicklung der Vorversion, die immer etwas eingeschränkt in ihren Möglichkeiten mit vorgefertigten Akkorden und Strums war. Zwar konnte man auch dort gezielt manuell Einzelnoten in der Pianoroll der DAW triggern, was auch heute noch mit den Actions geht, aber ein kompletter Pattern-Editor ist ein deutlicher Fortschritt. Und ich finde gerade dieses Feature zugänglicher als in Scaler 2.
Die automatische Generierung von Pattern und Progressionen ist ein nettes Feature, das eher zufällig Ergebnisse liefert, die man in dem aktuellen Kontext brauchen kann – oft eher nicht. Ich denke, da ist, was den heutigen Stand von Künstlicher Intelligenz angeht, noch Luft nach oben. Doch muss man auch sehen, dass wir es hier nicht mit Google oder einer Forschungsgruppe an einer Uni zu tun haben, sondern mit einem einzelnen Entwickler.

Die Custom Chords sind zwar etwas umständlich zu erstellen, aber dennoch eine wichtige Ergänzung, dass das nun möglich ist, wenn man es braucht.

In der Akkordliste würde ich mir noch wünschen, dass man Akkorde per Drag & Drop umsortieren kann wie in Scaler. Auch wäre es eine bessere Lösung, wenn eine automatisch generierte Progression auf die weissen Tasten gemappt wird. Falls es doch mal acht Akkorde werden sollten, kann man ja einen noch auf eine schwarze Taste schieben. Aber wie gesagt, kam das in vielen Versuchen nie vor.

Hat man bisher weder Scaler 2 noch InstaChord 1 oder eine vergleichbare Lösung, um Akkordprogressionen und darauf aufbauende Notensequenzen zu generieren, dann ist InstaChord 2 zum Einführungsangebot (und sicher später noch stattfindenden Rabatt-Aktionen) die günstigere Lösung. Scaler 2 ist sicher das professionellere Programm, die Einstiegshürde ist aber größer, wenn man nicht nur Presets verwenden will. InstaChord 2 ist direkter und macht einige Abläufe einfacher und übersichtlicher.

Jedenfalls denke ich, dass ich obwohl ich bisher hauptsächlich mit Scaler arbeite die neue Version von InstaChord öfter verwenden werde als die alte.

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