Testbericht: ESI XJAM – Liebling, ich habe den Pad-Controller geschrumpft

Ein Testbericht von Perry Staltic,
veröffentlicht am 17.08.2022

Die in Leonberg ansässige ESI AUDIOTECHNIK GmbH ist schon längst ein alter Hase im Audio- und MIDI-Sektor und dürfte sicherlich den meisten unserer Leser ein Begriff sein, zumal wir hier immer wieder einmal neue Produkte zum Test hatten, die uns dabei stets zu überzeugen vermochten. Der Firma scheint es regelmäßig zu gelingen, preislich sehr attraktives Recording-Equipment zu präsentieren, das jedoch keineswegs billig im Sinne von minderwertig ist, sondern sich durchweg als performant und langlebig herausstellt.

Bei mir selbst etwa sind seit gut fünfzehn Jahren Nahfeldmonitore, Controller-Keyboards sowie MIDI- und Audio-Interfaces älterer Produkt-Generationen im Einsatz (die findet man heute nur noch in ESIs Produktarchiv) und sie funktionieren immer noch wie am Tag ihres Kaufs. Im Studio von Kollege Andreas Eberhardt befinden sich ebenfalls diverse (neuere) ESI-Geräte, und auch seine Rückmeldungen dazu fallen positiv aus.

Aktuell hat ESI einen kleinen Pad-Controller namens XJAM am Start, bei diesem handelt es sich um eine Zusammenarbeit mit der in den Vereinigten Staaten beheimateten Firma ARTESIA PRO. Dann wollen wir doch mal sehen, ob das Teil uns gleichfalls überzeugen kann.


Erstkontakt…

Auf den freigestellten Produktfotos erscheint das XJAM zugegebenermaßen erstmal nicht sonderlich spektakulär, wie ein weiterer Drum-Pad-Controller eben. Umso erstaunter ist man dann, wenn man das Teil auspackt und zum ersten Mal in den Händen hält: Der ist ja richtig süß! Auch meine Liebste, nicht unbedingt eine Controller-Fetischistin, fand ihn auf Anhieb schick, und das will tatsächlich etwas heißen!

Mit einer Grundfläche von gerade einmal 20cm x 13,5cm und einem Gewicht von nur 371 Gramm, zählt das XJAM zu den kleinsten und handlichsten MIDI-Controllern auf dem Markt (in etwa so groß wie ein 8“-Tablet) und wirkt damit ein wenig wie ein eingelaufenes Mitglied der MPD-Reihe von AKAI. Die Frage nach der Portabilität stellt sich beim XJAM überhaupt nicht, die ist diesem Gerätchen einfach immanent. Vermutlich passt das XJAM sogar locker in die Beintasche einer Moleskinhose.

ESI XJAM
ESI XJAM

Wenngleich das XJAM aufgrund seiner geringen Größe wie ein Spielzeug wirken mag, verweisen Materialauswahl und Verarbeitung eher in eine professionelle Richtung. Die obere Hälfte des Gehäuses besteht aus mehrere Millimeter starkem und verwindungssteifem Aluminium und macht einen wertigen Eindruck.

Die Unterseite, die übrigens über ein eingelassenes Schraubgewinde zur Befestigung des XJAM an einem Stativ verfügt, ist aus einem stabilen Kunststoff gefertigt, ebenso wie die sechs Drehregler. Drum-Pads und Drucktaster bestehen aus einem gummiartigem Material. Dank der sechs Gummifüße an der Unterseite steht das XJAM auch auf glatten Oberflächen, ohne zu verrutschen.

ESI XJAM - Unterseite mit Stativgewinde
ESI XJAM – Unterseite mit Stativgewinde

Alle Bedienelemente und auch die rückwertigen Anschlussbuchsen sind sauber und gerade ins Gehäuse eingelassen und wackeln bei Benutzung nicht herum. Es sind an keiner Stelle des Geräts fragwürdige Spaltmaße erkennbar, alles wirkt wie aus einem Guss. An der grundsätzlichen Verarbeitungsqualität des XJAM habe ich also absolut nichts auszusetzen.

Neben einer ausführlichen gedruckten (!) Bedienungsanleitung (nur auf Englisch, entspricht dem online verfügbaren PDF-Manual) finden sich in der Verpackung des XJAM auch drei postkartengroße Flyer mit den Seriennummern bzw. Downloadcodes der mitgelieferten Software-Produkte, als da wären die beiden Sequencer/DAW-Programme BITWIG STUDIO 8-TRACK (für WINDOWS und macOS) und STEINBERG CUBASIS LE 3 (für iOS) sowie der Audiobearbeitungssoftware STEINBERG WAVELAB LE 10 (wiederum für WINDOWS und macOS). Wer noch nicht über eine entsprechende Ausstattung verfügt, erhält damit ein mehr als brauchbares Einstiegspaket zum XJAM dazu.


Außendienst…

Den größten Teil der Oberseite beanspruchen die sechzehn Pads für sich. Sie sind in einer Matrix von vier mal vier Pads angeordnet, was auch dem Standard vieler Mitbewerber und vor allem auch dem Layout bei nicht wenigen Drum-Sampler-Plugins entspricht. Ich persönlich bevorzuge eine derartige Anordnung ebenfalls gegenüber den Zweierreihen, wie sie etwa KORG NANOPAD, ARTURIA BEATSTEP (PRO) oder AKAI LPD8 bieten. Dadurch ergibt sich beim XJAM im Gegensatz zu den vorgenannten Pad-Controllern auch ein deutlich praktischeres Format, wenn man es zum Befingern in der Hand halten oder auf den Schoß legen möchte.

Die Pads selbst sind mit einer Seitenlänge von etwa 24mm recht klein, aber sofern man nicht gerade Paul Pranke heißt und Finger wie Bratwürste hat, lassen sie sich recht gut bedienen. Beim BEATSTEP und beim BEATSTEP PRO sind die Pads ja auch nicht größer.

Wo wir schon gerade bei Vergleichen sind, ich finde die Spielbarkeit der Pads beim XJAM besser als bei den gerade erwähnten ARTURIA-Geräten, die mir dagegen etwas schwammig vorkommen. Und einem Billigheimer wie dem NANOPAD oder dem ICON I-PAD zeigt das XJAM bezüglich der Haptik mal ganz locker die Schlussleuchten. Wenn man einmal vom Größenunterschied absieht, sehe ich die Pads des XJAM durchaus auf Augenhöhe mit den typischen AKAI-Pads, wie sie etwa auch in meinem RHYTHM WOLF verbaut sind.

Während des Tests vermochte ich auch keinerlei Fehlfunktionen festzustellen. So traten unerwünschte Doppeltrigger, wie sie früher beim NANOPAD häufig an der Tagesordnung waren, beim XJAM zu keinem Zeitpunkt auf. Sehr gut! Ach ja, die Pads sind nicht nur anschlagsdynamisch, sondern können darüber hinaus sowohl polyphonen als auch kanalbezogenen Aftertouch erzeugen.

Wenn man auf den Pads spielt, quittieren sie dies mit einem Aufleuchten der integrierten LEDs, und zwar je nach Anschlagsstärke in einer der drei Farben Grün, Gelb (könnte auch noch als Orange durchgehen) und Rot. Diese Pad-Beleuchtung dient beim Programmieren von Einstellungen und Belegungen auch als Ersatz für das nicht vorhandene Display.

ESI XJAM - hintergrundbeleuchtete Pads und Schalter
ESI XJAM – hintergrundbeleuchtete Pads und Schalter

Übrigens, die Pads veranstalten keine kleine Lightshow (wie es etwa der RHYTHM WOLF und einige andere Geräte tun), wenn sie via USB mit einer DAW verbunden sind und von dort Notenbefehle zugeschickt bekommen. Ich finde dies aber nicht weiter schlimm, abgesehen von einem gewissen Unterhaltungswert, kann ich solchen potentiellen Epilepsie-Triggern auch keinen rechten Nutzen abgewinnen.

Falls man die Pads nicht zum Einspielen von Drums verwenden möchte, sondern als Schalter für irgendwelche DAW-Funktionen oder zur Auswahl von Clips, könnte eine bidrektionale Verbindung allerdings durchaus Sinn ergeben.

Als weitere Bedienelemente verfügt das XJAM neben sechs ebenfalls mit dreifarbigen LEDs ausgestatteten Gummitastern, die einen spürbaren Druckpunkt aufweisen und die verschiedene übergeordnete Funktionen übernehmen (dazu gleich mehr), auch noch über sechs Drehregler, denen verschiedene Parameter zugewiesen werden können.

Es handelt sich dabei um Encoder, also Endlosregler, was sich zur Vermeidung von Parametersprüngen als praktisch erweist. Die Reglerkappen besitzen eine Riffelung und für mein Empfinden auch ausreichend Abstand voneinander, sie lassen sich daher gut mit den Fingern greifen (wieder einmal vorausgesetzt, dass man keine Baggerschaufeln als Hände besitzt…). Die Endocer müssen zwar auf eine Rasterung verzichten, besitzen jedoch einen angenehmen Drehwiderstand, so dass man sie wohl nicht aus Versehen verstellt. Wie weiter oben schon beschrieben, sitzen die Regler vernünftig im Gehäuse und wackeln bei Betätigung nicht herum.

Klar könnte man sich auch noch mehr als sechs Drehregler wünschen, doch erstens fehlt hier einfach der Platz (die Regler wollen ja schließlich auch noch vernünftig bedient werden) und zweitens diktierte sicherlich auch der Rotstift eine Grenze, um den angestrebten Verkaufspreis realisieren zu können. Mein altes AKAI MPD-16 musste damals mit einem popeligen Schieberegler auskommen, da wirken sechs Encoder fast schon wie Luxus.

ESI XJAM - Rückseite mit Anschlüssen
ESI XJAM – Rückseite mit Anschlüssen

An Anschlüssen wartet das XJAM mit einer USB-Buchse sowie zwei Buchsen im Miniklinke-Format auf. Beim USB-Anschluss handelt es sich löblicherweise nicht um die elendigen Micro-Buchsen, sondern um die mechanisch deutlich stabilere USB-C-Variante, bei der man zudem auch nicht mehr darauf achten muss, wie herum man den Stecker einführen muss (in hektischen Live-Situationen ein nicht zu unterschätzender Vorteil!).

Das mitgelieferte Kabel mag mit seiner Länge von etwa einem Meter in manchen Studio-Setups eventuell etwas knapp bemessen sein, aber längere Kabel bekommt man ja günstig bei den einschlägigen Non-Food-Discountern (ACTION, TEDI, EUROSHOP etc.), und unterwegs ist man vermutlich eher froh, keine überlangen Fußangeln mitschleppen zu müssen. Das XJAM benötigt übrigens keine gesonderten Treiber, sondern ist class compliant.

Über den USB-Aschluss erhält das XJAM auch seine Stromversorgung. Wenn man es autark ohne Rechner betreiben möchte (Stichwort DAWless Setup), dann kann man auch ein übliches Handy-Netzteil oder eine Powerbank verwenden (die angesichts des geringen Stromverbrauchs wohl seeehhhr lange halten dürfte…).

Die oben erwähnten Miniklinke-Buchsen dienen als MIDI-Out sowie für den Anschluss eines Fußschalters. Daraus ergibt sich, dass in den meisten Fällen für eine sinnvolle Nutzung noch zusätzliche Adapter notwendig werden.

Insbesondere beim MIDI-Ausgang bedaure ich, dass ESI hier keinen Adapterstecker auf 5-polig DIN mitliefert. Das war vermutlich eine weitere Kostenfrage. Die fraglichen Adapter gibt es ab etwa fünf Euro zu kaufen, sofern man nicht selbst zum Lötkolben greifen möchte. Ich hatte für den Test zum Glück noch passende Exemplare vom BEATSTEP PRO und vom NOVATION CIRCUIT parat liegen.


Eingabeaufforderung…

Grundsätzlich verfügt das XJAM drei Arten von Speicherbänken zur Ablage von Konfigurationen. Die CTRL BANK beherbergt die Belegungen der sechs Encoder, während die der Pads sich dementsprechend in der PAD BANK befinden. Die sogenannte SCENE BANK schließlich enthält nicht anderes als beliebige Kombinationen von Presets aus den anderen beiden Bänken.

ESI XJAM - Bank-Taster
ESI XJAM – Bank-Taster

Die CTRL BANK umfasst 18 Presets (3 Sets à 6 Encoder), bei der PAD BANK sind es 48 Presets (3 Sets à 16 Pads). Diese jeweils drei Sets werden aufgerufen, indem man jeweiligen Bank-Schalter drückt. Bei jeder Betätigung wechseln sie ihre Farbe (von Grün zu Gelb, von Gelb zu Rot und von Rot wieder zu Grün) und jede der drei Farben repräsentiert ein Set.

ESI XJAM - Scene Bank-Menü
ESI XJAM – Scene Bank-Menü

Auch die SCENE BANK enthält 48 Presets. Sie wird durch gleichzeitiges Drücken von CTRL BANK und PAD BANK aufgerufen, mit dem PAD BANK-Schalter wechselt man anschließend durch die drei farblich kodierten Sets. Betätigt man dann das Pad 13 ganz oben links (RECALL), so leuchten alle Pads in der Farbe des jeweiligen Sets und fungieren als Auswahlschalter für die jeweils 16 Scenes.

Die Art der Bedienung muss man sicherlich ein paar mal einüben, um sie auch ohne Blick ins Handbuch tätigen zu können, aber das ist ja generell bei den meisten Geräten mit mehrfach belegten Tastern der Fall.

Pads und Encoder sind ab Werk bereits mit sinnvollen Funktionen belegt, diese können jedoch vom Anwender jederzeit den eigenen Bedürfnissen angepasst werden. Das geht sowohl manuell über die Bedienelemente des XJAM als auch mittels einer separat herunterzuladenen Setup-Software namens XJAM EDITOR. Mit der Software geht das natürlich schneller und komfortabler vonstatten, aber wer mit einem anderen Betriebssystem oder gar DAWless unterwegs ist, wird zu schätzen wissen, dass nahezu alle Funktionen auch direkt am Gerät einstellbar sind.

Auch hierzu wird man in den meisten Fällen wohl erst einmal das Handbuch konsultieren müssen, aber während der Testphase ist es mir durchaus gelungen, die eine oder andere Einstellung auf Anhieb ohne nachzulesen vorzunehmen, etwa die Optionen des REPEAT-Tasters. Bei der Fülle an Funktionen, die das XJAM hier bietet, dürfte es allerdings besondere Gedächtniskünste erfordern, um alle Bedienschritte komplett zu verinnerlichen.

ESI XJAM - Konfiguration direkt am Gerät
ESI XJAM – Konfiguration direkt am Gerät

Hinter dem gerade erwähnte REPEAT-Taster versteckt sich übrigens eine Schnellfeuer-Funktion zum Erzeugen von automatischen Noten-Wiederholungen durch das parallel dazu gedrückte Pad. Bei diversen anderen Pad-Controllern nennt sich so etwas ROLL. Damit kann man auf die Schnelle stakkatoartige Snare-Wirbel oder Hihat-Muster u.ä. einspielen. Das XJAM erlaubt hierbei sogar die Einstellung von Tempo in BPM (bei Bedarf kann REPEAT auch tempo-synchron zu einer externen Clock-Quelle erfolgen), zeitlichem Teiler, Swing-Faktor und Gate-Länge.

Was die Programmierung der Pads angeht, so können diese nicht nur Noten-Befehle ausgeben, sondern auch mit beliebigen MIDI-CC-, Programmwechsel- oder MMC-Befehlen belegt werden. Selbiges gilt auch für den optional anschließbaren Fußschalter, bei diesem erfolgt die Einstellung jedoch global und nicht in unterschiedlichen Presets. Jedem Pad kann auch ein individueller MIDI-Kanal zugewisen werden.

Anhand dieser Angaben lässt sich schon erahnen, dass das XJAM nicht bloß als reiner Drum-Pad-Controller taugt, sondern auch allerlei andere Aufgaben übernehmen kann. Dank seiner beleuchteten Pads eignet er sich auch gut auf dunklen Bühnen, sei es etwa zum bequemen Aufruf von Presets angeschlossener Geräte oder als Fernsteuerung für Programme usw.

Die Encoder können ebenfalls vielfältig belegt werden, neben MIDI-CC- und Programmwechselbefehlen können dies auch Pitch- sowie kanalbezogene Aftertouch-Daten sein.

Zusätzlich zu diesen auf die einzelnen Bedienelemente bezogenen Einstellmöglichkeiten existiert auch noch eine Reihe an globalen Parametern, unter anderem besteht bei Belegung der Pads mit Noten-und MIDI-CC-Befehlen die Möglichkeit, diese entweder in einem temporären Modus (nur solange das Pad gedrückt wird, also ähnlich einer Türklingel) oder in einem Togggle-Modus (Ein- und Ausschalter) zu senden. Zudem lässt sich die Notenausgabe aller Pads gemeinsam um bis zu vier Oktaven nach oben oder unten verschieben. Auch die Anschlagsdynamik der Pads lässt sich in mehreren Stufen anpassen.


Weichzeichner…

Weiter oben habe ich bereits den XJAM EDITOR erwähnt, mit dem man alle vorgenannten Einstellungen und sogar noch ein wenig mehr via Software vornehmen kann. Die Bedienung mit Maus und Bildschirm ist fraglos angenehmer, aber wie ich oben ebenfalls schon angemerkt habe, finde ich es dennoch gut, dass man die meisten Funktionen auch von Hand einstellen kann (in manchen Anwendungsfällen ist das eben doch schneller als erst die Software aufrufen zu müssen).

Der XJAM EDITOR ist auf der Website von ESI verfügbar und unterstützt laut der dortigen Angaben offiziell nur WINDOWS 10 und 11 (32-Bit und 64-Bit) sowie macOS 10.x, 11 und 12. Im Test war es jedoch überhaupt kein Problem, die Software auch unter WINDOWS 7 zu installieren und zu betreiben. Darüber hinaus existiert noch eine Version des Editors für iPadOS, diese ist wie üblich über den App Store erhältlich.

Für den XJAM EDITOR existiert eine eigene, ausführliche Bedienungsanleitung im PDF-Format (ebenfalls nur auf Englisch), die sich auch direkt aus der App aufrufen lässt.

Die Programmoberfläche gliedert sich in sieben Tabs auf, die jeweils verschiedene Menüs beherbergen. In allen Tab ist auf der rechten Seite stets ein MIDI-Monitor verfügbar, der eingehende MIDI-Daten anzeigt, eine praktische Sache. Die Software selbst wird sicherlich keine Schönheitspreise abräumen, aber sie ist funktionell und erfüllt ihren Zweck wie erwartet, das soll uns dann auch genügen.

ESI XJAM EDITOR - Startseite
ESI XJAM EDITOR – Startseite

Der erste Tab, schlicht XJAM benannt, dient in erster Linie der Verwaltung von Konfigurationsdateien und dem Einspielen von eventuellen Firmware-Updates. Nach dem ersten Start der App stellte der Editor fest, dass die Firmware des Geräts nicht mehr auf dem aktuellsten Stand war und bot mir ein Update auf die neueste Version an, dass ich dann auch sogleich ausführte und das im Übrigen ohne irgendwelche Ungereimtheiten ablief.

Ansonsten kann man hier noch die Einstellungen des XJAM sichern bzw. den XJAM damit betanken oder einen Factory Reset durchführen. Bei den MIDI-Thru-Optionen lassen sich die vom XJAM eingehenden Daten vom Editor an einen anderen MIDI-Port des Rechners weiterleiten, so dass die App dann zwischen dem XJAM und dem damit anzusteuernden Ziel arbeitet.

ESI XJAM EDITOR - Configuration
ESI XJAM EDITOR – Configuration

Das Menü CONFIGURATION ist für die Zuweisung von Parametern zu den einzelnen Bedienelementen zuständig, hier werden also die Inhalte der einzelnen Scenes konfiguriert. Man klickt einfach das einzustellende Element (Pad, Encoder oder Pedal) an und wählt dann die gewünschten Paramter aus den angebotenen Pulldown-Menüs aus, fertig! Undo und Redo-Funktionen helfen dabei, Fehlgriffe zu korrigieren Die vorgenommenen Einstellungen können direkt zum XJAM gesendet werden.

Kleines Detail am Rande: wenn man im Editor die Schalter für CTRL BANK, PAD BANK oder SCENE BANK betätigt, dann ändert sich am XJAM ebenfalls die Farbe der Schalter-Beleuchtung. Zumindest in diesem Punkt scheint also eine bidirektionale Verbindung zwischen Hard- und Software möglich zu sein.

ESI XJAM EDITOR - Global
ESI XJAM EDITOR – Global

Der Tab GLOBAL führt uns, Ihr erratet es sicher schon, zu diversen globalen Einstellungen des XJAM, die dann für alle Scenes gelten. Hier lässt sich der grundlegende MIDI-Channel ändern, die Notennummern der Pads in Halbtonschritten und Oktaven verschieben sowie Dynamikkurven auswählen.

Die Empfindlichkeit der Pads und das Verhalten der Aftertouch-Funktion kann man hier detailliert für jedes Pad separat oder für alle Pads gemeinsam festlegen. Mit den drei für FIXED VALUE zuständigen Schiebereglern kann man jeweils einen festen Dynamikwert bestimmen, der bei einem Anschlag ausgegeben wird. Damit kann man etwa auch ein Pad mit einem Wert von 127 betreiben und so sicherstellen, dass es stets „volle Kanne“ arbeitet.

ESI XJAM EDITOR - Velocity Curves
ESI XJAM EDITOR – Velocity Curves

VELOCITY CURVES widmet den Dynamikkurven noch einmal eine separate Konfigurationsseite. Sie lassen sich hier nicht nur auswählen und grafisch darstellen, sondern auch detailliert bearbeiten und an die eigenen Bedürfnisse anpassen.

ESI XJAM EDITOR - Zeichnen eigener Dynamikkurven
ESI XJAM EDITOR – Zeichnen eigener Dynamikkurven

Wem danach ist, der kann hier auch selbst Hand anlegen und seine individuellen Dynamikkurvenverläufe mit der Maus einzeichnen. Die einzelnen Knotenpunkte lassen sich dann bei Bedarf noch nachträglich verändern. Ich vermute mal, dass man dabei mit einem Grafiktablett und passendem Stift deutlich präziser arbeiten kann als mit der Maus.

Zumindest sind mir mit dem Trackball nur äußert krakelige Kurven ohne großen Nutzwert gelungen. Ich muss allerdings auch gestehen, dass mir derartige Eingriffmöglichkeiten eigentlich schon fast zu viel des Guten sind, und ich persönlich wohl niemals Gebrauch davon machen werde, reichen mir die zahlreichen bereits mitgelieferten Dynamikkurven für meine Anwendungszwecke doch völlig aus. Aber es wird ja schließlich auch niemand gezwungen, seine eigenen Kurven zu malen…

ESI XJAM EDITOR - Repeat
ESI XJAM EDITOR – Repeat

Unter REPEAT finden sich die Einstellmöglichkeiten für die weiter oben schon beschriebene gleichnamige Funktion des XJAM. Wenngleich ich die für mich wichtigesten damit verbundenen Parameter auch problemlos von Hand am Gerät eingestellt bekomme, hat man hier alles schön auf einen Blick beisammen und sieht dann auch die exakten Zahlenwerte.

Der letzte Tab schließlich nennt sich HELP und macht nichts anderes, als die bereits erwähnte Bedienungsanleitung zum XJAM EDITOR (die übrigens ebenso lang ist, wie die Anleitung zum XJAM selbst) aufzurufen. Einen Screenshot spare ich mir daher…


Fazit:

Platzsparend, handlich und stabil, das XJAM vereint damit drei Eigenschaften, die sicherlich nicht nur ich zu schätzen weiß. Vorbei die Zeiten, in denen man sich zum Finger Drumming entweder eine dicke Kiste hinstellen oder mit einem kleinen, durchbiegefreudigen Controller im Querformat vorlieb nehmen musste, sind vorbei, denn das XJAM ist sowohl klein als auch robust.

Die Pads weisen gute mechanische Eigenschaften auf, arbeiten präzise und lassen sich detailliert konfigurieren. Auch die Encoder geben keinen Anlass zur Klage. Dass sich das XJAM trotz des Editors bei Bedarf nahezu vollständig am Gerät selbst konfigurieren lässt, wenn auch natürlich nicht ganz so komfortabel, ist ebenfalls ein Pluspunkt.

Das ESI XJAM wird mit einer UVP von 149,- Euro angeboten, das ist auch der aktuelle Verkaufspreis, zu dem es bei den einschlägigen Versandhändlern erhältlich ist. Diesen Preis halte ich angesichts der einwandfreien Verarbeitungsqualität und der gebotenen Features für angemessen und fair.

Es gibt zwar noch billigere Pad-Controller auf dem Markt, aber das sind dann häufig reine Plastikschachteln, mit einigen davon hatte ich in der Vergangenheit schon zu tun, diese waren von einer Langlebigkeit weit entfernt und baldige Ausfallserscheinungen bei den Pads waren eher die Regel als die Ausnahme. Wer (zu) billig kauft, kauft zweimal…

Auch wenn ich das XJAM jetzt noch nicht einem Langzeittest zu unterziehen vermochte, ich habe es ja schließlich erst seit kurzem, so wage ich anhand meiner Erfahrungen mit allerlei anderem Equipment von ESI die Prognose, dass auch dieses Gerät noch in vielen Jahren klaglos seinen Dienst verrichten wird!

Ein weiteres Gadget aus dem Hause ESI, das sich unseren BuenasIdeas-Tipp verdient hat!

BuenasIdeas-Tipp
BuenasIdeas-Tipp

Positives:
+ handliches Format
+ Verarbeitungsqualität
+ gut spielbare Pads
+ einfache Einrichtung
+ umfangreiche Konfigurationsmöglichkeiten
+ polyphoner Aftertouch
+ benötigt keine Treiber
+ Stativgewinde
+ zusätzliches Software-Bundle
+ faires Preis/Leistungs-Verhältnis

Negatives:
– MIDI-DIN-Adapter leider nicht im Lieferumfang


Produktwebseite: https://www.esi-audio.de/produkte/xjam/

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