Blackhole Reverb iOS App Testbericht

There is a machine translated English version of this review.

Mit Blackhole portiert Eventide einen ausgewachsenen Hall-Effekt auf die iOS Plattform, zusammen mit dem UltraTap Delay und MicroPitch, was sehr erfreulich ist. Blackhole Reverb verspricht speziell kosmisch abgespacte überirdisch große Hallräume und war ursprünglich eine Teilmenge des DSP4000 Hardware-Rackeffekts von Eventide.

Blackhole ist ein algorithmisches Reverb, das also zur Laufzeit den Halleffekt errechnet und nicht auf einem gesampleten Faltungshall basiert. Deshalb sind seine Parameter frei auf Werte einstellbar, die mit natürlichen Hallräumen nicht möglich sind.

Die Bedienung und Parametervielfalt eines Halleffekts kann von sehr einfach zu sehr komplex reichen. Blackhole bewegt sich hier im Mittelfeld und kann noch als einfach bedienbar bezeichnet werden bei einer gleichzeitig hohen Flexibilität des Effekts, der von relativ realistischen kleinen simulierten Räumen zu überdimensionalen Hallen und resonanten Delay-Effekten reichen kann.

Wie es sich heutzutage für iOS gehört liegt Blackhole neben Standalone und InterApp Audio auch als AUV3 Effektplugin vor und kann in Mixern wie Audiobus und AUM oder in DAWs wie Cubasis eingebunden werden. Die Oberfläche ist fast identisch zur PC-Version, nur die Anordnung der zusätzlichen Steuerbuttons ist von unten auf die Seite gerückt. Auch der Presetbrowser ist seitlich angeflanscht und an sich leider noch immer keine Selbstverständlichkeit unter iOS.

Auffällig ist gleich der Ribbon-Controller unten mit der zurückhaltend animierten elektrischen Bogenentladung als Positionsanzeiger. Dieser Ribbon stellt einen Makro-Controller dar, über den die Regler von Blackhole simultan gesteuert werden können. Dazu weiter unten mehr.

Parameter

Die Parameter von links nach rechts sind zunächst die Eingangslautstärke über den Schieberegler, daneben der Mix-Regler, der das für Reverbs wichtige Mischungsverhältnis zwischen trockenem und effektiertem Signal festlegt. Der Gravity-Regler legt die Decay-Zeit, also die Länge des ausklingenden Signals fest. Als Besonderheit verfügt er ab 12 Uhr gegen den Uhrzeigersinn über negative Werte, die den Ausklang invertieren, also lauter statt leiser machen, bis er abrupt abbricht. Ein interessanter Effekt, der im Zusammenwirken mit dem nächsten Regler, dem Size, wenn das auf exotische Minuswerte gedreht wird – der geht nach Null noch bis -10 dann zusammen mit dem Feedbackregler metallische Färbungen hervorbringen kann. Weit aufgedreht sorgt Size dann maßgeblich für die sehr langen Aushallzeiten, die mit diesem Hall-Effekt möglich sind. Der nächte Regler Predelay wird in seinen Werten bei Sync Off mit Millisekunden angegeben oder mit aktivem Sync in Notenwerten, 8tel, 4tel usw. und bewirkt je nachdem, wie die anderen Regler stehen eine klassische Erweiterung des Hallraums mit der angewendeten Verzögerungszeit, bis die Hallfahne einsetzt oder bei Negativwerten von Decay und Size und hohem Feedback auch einen resonanten Delay-Effekt. Nach Predelay folgt ein Hoch- und Tiefpassfilter, der Resonance-Regler darunter steuert die Filter-Resonanz.

Depth und Rate in der unteren Reihe bringen mit einem Pitch-Modulationseffekt Bewegung in die Hallfahne. Feedback füttert ganz klassisch den Output anteilig wieder in in den Input des Effekts, kann damit den Raum zusätzlich aufblasen oder mit langen Predelay-Werten einen Delayeffekt erzeugen. Feedback kann aber noch mehr, jenseits der 100 warten noch die Modi Infinite und Freeze. Infinite schichtet immer weitere Feedbacks aufeinander, die sich dann überlagern und endlos fortsetzen. Freeze geht noch weiter und friert die gegenwärtige Hallfahne ein, loopt sie sozusagen und fügt aber keinen neuen Input hinzu. Freeze kann auch direkt über den Freeze-Button oben ganz rechts getriggert werden.

Ribbon-Controller

Der Ribbon-Controller ermöglicht es ein Preset im Live-Betrieb völlig zu verändern oder auch nur subtil, wie es ansonsten nur durch eine Automation der Parameter in einer DAW möglich wäre. Die Programmierung dieses Makro-Kontrollers ist einfach, während der Programmiermodus rechts oder links neben dem Ribbon mit kleinen Buttons aktiviert wird zieht jede Bewegung der Regler einen Bereich auf, in dem sich die Werte bewegen, wenn der Ribbon durchfahren wird. Dabei kommt es darauf an welcher der Buttons aktiv ist, wenn man den Regler im Uhrzeigersinn oder dagegen dreht. Dadurch können sich Regler hinterher auch gegenläufig bewegen und z. B. Gravity verringert werden, währen Feeedback aufgedreht wird. Der Ribbon bringt auf jeden Fall sehr viel Abwechslung und Variation mit hinein und ist für viele kreative Anwendungen brauchbar.

Hotswitch

Eine weitere Möglichkeit spontanen Einfluss auf ein Preset von Blackhole zu nehmen ist der Hotswitch-Button in der Mitte ganz rechts. Wird er länger gedrückt wechselt er in den Programmiermodus und nun kann man auch alle Regler völlig anders einstellen. Mit einem Knopfdruck wechselt Blackhole nun zwischen zwei Zuständen Übergangslos hin und her.

Preset-Beispiele

Mit den in Blackhole zur Verfügung stehenden Parametern und ihrer flexiblen Variation über den Ribbon-Controller ist eine Menge unterschiedlicher Hall- und Delay-Effekte möglich. Je nach Material, auf das der Effekt angewendet wird wirkt sich das wieder anders aus.
In der Folge einige Beispiele, in denen auf ganz verschiedene Instrumental-Loops die Presets von Blackhole angewandt werden. Die Presets selbst teilen sich in einige Factory-Presets und Artist-Presets auf, die teils von bekannten Sound-Designern stammen, wie Richard Devine oder dem YouTuber Jakob HaQ.

Ein E-Gitarren-Lead mit ganz verschiedenen Presets, die meisten haben einen sinnvollen Effekt

Auf Drums, hier speziell die resonanten Delays

Auf einfachen gesampleten Chor-Stimmen aus Pure Synth1 Platinum

Einige Presets mit einem simplen Ocarina-Sound

Blackhole auf Ambient-Piano, das davon sehr profitiert

Der Halleffekt auf Synthsounds

Fazit

Auch auf der iOS Plattform gibt es raffiniertere und realistischer klingende Reverb-Effekte als Blackhole. Jedoch trumpft Blackhole auf, wenn es um epische, überirdische Hallräume geht und klingt einfach nur gewaltig! Zudem haben mir die resonanten, metallischen Delay-Effekte sehr gefallen, die damit möglich sind, sei es auf Drums oder Gitarren. Der Ribbon macht es wirklich einfach Blackhole als einen sehr lebendigen Live-Effekt zu benutzen und ermöglicht das Morphen von Sounds, was ansonsten nur mit einer aufwendigen Automatisierung der Parameter möglich wäre. Eine sehr willkommene Bereicherung für futuristische Old Scool Hall-Effekte aller Art.

Blackhole im App Store:
https://apps.apple.com/app/blackhole-reverb/id1452345570

Zu der Musikproduktion unter iOS allgemein habe ich einen Erfahrungsbericht geschrieben:
iOS und Musikproduktion Erfahrungsbericht

Ein Testbericht von Stefan Federspiel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen