Moodal Testbericht

Testbericht von Stefan Federspiel

Moodal ist ein Sound-Effekt von Tritik, der auf einem bisher kaum genutzten Prinzip basiert. Eine massive resonante Filterbank mit bis zu 1000 Filtern setzt meines Wissens nach bisher nur Kaleidoscope von 2CAudio ein, unterscheidet sich aber von der Art und Weise, wie diese angeregt werden grundsätzlich von Moodal.

Dieser Sound-Effekt ist viel einfacher und übersichtlicher aufgebaut, alles ist auf einer Oberfläche erreichbar, die lobenswerterweise stufenlos skalierbar ist. Das Audiosignal wird auf die einzelnen Filter aufgeteilt, die als senkrechte Striche entlang einer Frequenzachse aufscheinen und in drei Displays in ihrer Dichte, Ausklingzeiten und relativer Lautstärke beeinflusst werden können. Das Ergebnis ist ein Hall-Effekt und metallisch klingende Verschiebungen im Obertonspektrum, die dadurch entstehen, dass die Frequenzen, ähnlich einem Kammfilter ausgedünnt werden und eher ungerade und unregelmäßige Harmonische der Grundfrequenz überwiegen.

Moodal
Das Interface von Moodal

In den Spektral-Displays können Punkte einer Kurve gesetzt, gezogen und bei Bedarf wieder gelöscht werden. Die Linien zwischen den Punkten erhöhen oder vermindern je nach Display an dieser Stelle im Spektrum die Dichteverteilung der Partiale/Obertöne, beeinflussen also die Klangfarbe oder wenn es an der Stelle sehr ausgedünnt ist, welche Frequenzen überhaupt angesprochen werden können. Oder wie lange in diesem Frequenzbereich der Ton abklingt im Verhältnis zur generellen Master Decay Zeit, die rechts in der Mitte eingestellt wird. Die gesetzten Punkte im untersten Display regeln über das Spektrum hinweg die Lautstärke, wirken also ähnlich einem Equalizer.

Rechts neben dem obersten Display wird die Anzahl der Resonatoren eingestellt. Wenige geben einen sehr künstlich wirkenden Klang, wie bei einem additiven Synthesizer mit wenigen Partialen. Tausend Resonatoren sind dann schon in der Lage einen mehr oder minder natürlich klingenden Hall zu erzeugen. Bei den größeren Räumen, die durch eine Kombination einer längeren generellen Ausklingzeit mit einer abnehmenden Ausklingzeit zu den höheren Frequenzen und geringerer Lautstärke der höheren Frequenzen erreicht werden, gleicht der entstehende Raumeindruck dem einfacherer Hall-Plugins. Also nichts besonderes, kein Feature, das man einsetzen würde, wenn man schon einen qualitativ hochwertigen Hall zur Verfügung hat. Solche Werte, wie ein Pre-Delay oder ähnliches gibt es nicht.

Etwas anders sieht es bei den simulierten Objekten aus, das Resonanzverhalten einer Flasche oder kleinen Metall-Box wird man mit einem Freeware-Reverb kaum hin bekommen. Eher mit einem auf Impulsantworten basierenden Hall, wenn man eine entsprechende Impulsantwort hat.

Der Metall-Effekt

Die eigentliche Spezialität Moodals aus meiner Sicht sind metallische Effekt-Sounds, man hätte das Plugin also auch treffend „Metalizer“ oder so nennen können. Man kann hier eigentlich schon von einem „One Trick Pony“ sprechen, denn den wesentlichen Nutzen stellt dieser Modus dar, die Hall- und Resonanzräume bekommt man auch mit Mitteln hin, die man meist ohnehin schon zur Verfügung hat. Doch der Hall gehört zu diesem Metall-Effekt, denn ohne Ausklingzeit kann sich kein metallischer Klang entfalten.

Die metallische Färbung entsteht durch verschiedene Faktoren. Meist beteiligt sind aber, dass der Dry-Anteil auf Null gefahren wird, die Anzahl der Resonatoren eher gering ist und der Decay über alle Frequenzen gleich.

Durch die Regler unter dem Punkt „spectral constraint“ lässt sich die Anzahl und Verteilung der verwendeten Resonatoren weiter beeinflussen. Ist das Feature aktiviert, verschieben sich schon mal die Mehrzahl der aktiven Resonatoren in den oberen Frequenzbereich. Höhere Werte des Reglers inharmonicity dünnen den Anteil der Partiale aus und verteilen sie aber wieder etwas gleichmäßiger. Der Regler relaxation verbreitert die einzelnen Partiale zu breiteren Balken, die einen größeren Frequenzbereich abdecken und zu einem durchgängigen Spektrum verschmelzen, wenn die Anzahl der Resonatoren nahe 1000 ist. Ist inharmonicity bei Null und relaxation ganz rechts am Anschlag gibt es keinen Unterschied mehr, ob das Feature nun aktiv ist oder nicht. Vorausgesetzt, der Kreisförmige Frequenzbegrenzer ist ganz auf 20 Hertz heruntergeregelt. Damit wird bestimmt, bis zu welcher Frequenz zwischen 20 und 1000 Hertz die Verteilung der Balken nach unten reicht.

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Breitere Balken in den Displays durch den relaxation-Regler

Je nachdem, wie breit die Balken und groß die Lücken zwischen ihnen sind, verändert sich das Klangbild von einer Hallsimulation hin zu einem ausgedünnten, künstlichen Sound. Interessant ist dabei, dass bei manchen Stellungen der Regler inharmonicity und relaxation zueinander sich die Resonanz und das „Übersprechen“ der Frequenzanteile untereinander etwas verstärkt.

Insgesamt hört sich der Metall-Effekt relativ gleich an, etwas mehr oder weniger harmonisch, etwas verändert in der Gewichtung der dunklen und hellen Anteile des Spektrums, die durch Kurve im unteren Gains-Display zustande kommen, aber nicht vergleichbar zu den großen harmonischen Stimmungsunterschieden, die in Kaleidoscope durch die verschiedenen Skalen-Presets möglich sind. Aber dieser eine, zumindest etwas variable Effekt hört sich gut an und ist sehr brauchbar.

Soundbeispiele

Sehr gut wirkt Moodal auf Percussion. Eine etwas unspektakuläre Sequenz auf einem Mini-Cajon wird deutlich aufgewertet.

Moodal auf Cajon-Percussion

Eine Schlagfolge auf einem Metall-Spülbecken wird noch metallischer. Wenn man den Dry-Anteil erhöht kommen auch die Transienten wieder ganz gut durch, ohne dass der Klang auseinanderfällt.

Ein Test mit einer gepfiffenen Sequenz fördert zwischen den metallischen Effekt-Presets keine größeren Unterschiede zutage. Die vielen Obertöne sind immer ähnlich präsent.

Pfeifen mit dem Hall-Preset Cathedral, einmal ohne, einmal mit Dry-Anteil, einmal mit aktiviertem spectral constraint, einmal zusätzlich mit Dry-Anteil.

Wirklich interessant finde ich die Wirkung des Plugins auf Foley-Sounds und Fieldrecordings, weil hier etwas Neues entsteht.

Eine Aluplatte über Beton geschoben, zuerst Dry, dann verschiedene Effekt-Presets.

Gerüstbauer bei der Arbeit im Hinterhof. Das Fieldrecording wird zu einer abstrakten Textur.

Da Kaleidoscope prinzipiell auf den gleichen Grundbausteinen beruht interessierte mich der Vergleich. Ich dachte, es müsste dort möglich sein, etwas ähnliches herauszubekommen. Ist es aber nicht, zumindest fand ich kein Preset in den Kategorien, die zunächst in Frage kamen, das einen so klaren metallischen Effekt hervorbringt.

Die gepfiffene Sequenz durch Presets von Kaleidoscope gejagt.

Auch Kaleidoscope wirkt besser auf die Spülbecken-Percussion, als auf das Pfeifen. Aber auch hier weit entfernt von den Ergebnissen aus Moodal, wirklich ähnlich ist das nicht.

Fazit

Bei den drei Anwendungsbereichen von Moodal kann man die normalen Hallräume getrost als Beigabe betrachten, das erledigt eigentlich fast jedes normales Hall-Plugin eben so gut oder besser. Bei den Objekt-Sounds wird es schon schwieriger, sicher klingt ein Plattenhall aus z. B. Vallahalla Vintageverb wesentlich besser, aber für Objektsounds, wie die Resonanz einer Flasche braucht man entweder ein sehr flexibles algorithmisches Reverb-Plugin oder man müsste schon eine Effekt-Impulsantwort bemühen und die müsste man erst mal auftreiben.

Die Flexibilität der massiven resonanten Filterbank kommt bei den metallischen Effekt-Sounds voll zum Tragen und dürfte in dieser Form einmalig sein. Zumindest ist mir noch kein Effekt begegnet, der Audiomaterial in so klare metallische Klänge verwandelt. Für Ambient-Hintergrundtexturen ist das sehr nützlich und auf Percussion macht der Effekt auch eine gute Figur. Da man bei der Vielzahl von Plugins immer mal was verpassen kann, wäre ich für Hinweise dankbar, ob es hier Alternativen gibt.

Die Bedienung ist vorbildlich übersichtlich und die spektralen Eigenschaften des Klangs lassen sich sehr schnell einstellen. Der Einsatzbereich ist zwar begrenzt, was es macht, macht es aber gut.

Der einzige Kritikpunkt ist der im Verhältnis zum Nutzen zu hohe reguläre Preis, 75 € sind deutlich zu viel, der Einführungspreis von 35 €, der bis zum 15.ten November 2015 gilt erscheint mir eher angemessen.

Link auf die Produkt-Seite von Moodal: http://www.tritik.com/products/moodal/

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