Testbericht: FabFilter PRO-C2 – Das Chamäleon unter den Kompressor-Plugins

Testbericht von Perry Staltic

Der Audio-Kompressor – von unbedarften Anfängern oft einfach ignoriert oder als mystische Raketenwissenschaft empfunden, von Fortgeschrittenen dagegen erkannt und geschätzt und von Profis schließlich routinemäßig als Werkzeug bei der täglichen Arbeit eingesetzt, wie die Stichsäge vom Schreiner oder die Waschmaschine von der Housefrau.

Kaum ein anderer Audioeffekt, dessen regulärer Einsatz dem ungeübten Ohr so verborgen bleibt und dessen Vorhandensein man häufig dann erst bemerkt, wenn man ihn wieder deaktiviert. Es wäre in der heutigen Zeit sicher mal ein interessantes Experiment, beliebige aktuelle Unterhaltungsmusik komplett ohne Kompression zu hören… 😉

Seit ich hier bei BuenasIdeas Testberichte verfasse, hatte ich bisher nur ganze zwei virtuelle Kompressoren auf dem Review-Seziertisch, und da aller guten Dinge bekanntlich drei sind, habe ich mir heute zur Abwechslung mal wieder einen solchen Vertreter zur Begutachtung in mein Testlabor bestellt.

Die Menge an heutzutage verfügbaren Software-Kompressoren entspricht für mich zumindest gefühlt mittlerweile schon dem Äquivalent des sprichwörtlichen Sands am Meer (Das gilt allerdings gleichfalls für Delays, Reverbs, EQs…). Jede DAW bringt mindestens einen eigenen Kompressor mit, es gibt sie in allen preislichen Regionen, während man für manche Exemplare nur den Gegenwert einer Pizzabestellung auszugeben braucht, darf man für andere Kandidaten gehobene dreistellige Beträge entrichten. Dazwischen ist prinzipiell alles möglich und selbst im Freewaresektor ist die Anzahl der Kompressoren inzwischen kaum noch überschaubar.

Und wie so oft sagt auch der Kaufpreis wieder nahezu nichts über die Qualität oder die Brauchbarkeit des jeweiligen Kompressors aus. Es gibt günstige oder gar kostenlose Exemplare, die wirklich sehr gut sind, und es gibt ebenso überteuerte Vertreter, die allenfalls als medioker zu bezeichnen sind. Dann gibt es wieder hervorragende Kompressoren, die aber auch ihren stolzen Preis haben, und es gibt billigen Mist, den eigentlich keiner braucht…

Auch hinsichtlich anderer Parameter, wie etwa Klang, Regelverhalten, Bedienung oder Einsatzzweck, gibt es deutliche Unterschiede. Während die einen Entwickler sich ein möglichst unhörbares und transparentes Verhalten zum Ziel gesetzt haben, steht bei anderen eben gerade eine charaktervolle Klangfärbung im Vordergrund. Mache Kompressoren eignen sich besser für Gesangsspuren, andere besser für Drums oder für den Bus, wieder andere besser für extreme Effekte oder fürs Mastering. Und so halten viele Anwender gleich einen ganzen Schwung dieser Dynamikprozessoren in ihrem Plugin-Ordner bereit. Dem Verfasser dieser Zeilen geht es ebenso.

Bei FabFilter in den Niederlanden hat man sich hingegen wohl gedacht, dass das Eine ja gar nicht unbedingt das Andere abschließen muss und dass man eigentlich auch die ganzen unterschiedlichen Möglichkeiten unter einer Haube vereinen könnte, um so eine optimale Flexibilität zu bieten und damit die Anzahl der benötigten Kompressor-Plugins auf möglichst 1 zu minimieren. Der hauseigene PRO-C2 soll stattdessen fortan alle anfallenden Kompressionsaufgaben im Alleingang erledigen und seine Kollegen in Rente schicken. Ein vollmundiger Anspruch, bloß wieder nur so ein Werbeversprechen, oder gilt für den PRO-C2 tatsächlich “Einer für Alle(s)”?

Einlauf…

FabFilter ist nun ja nicht gerade ein Neuling auf dem Markt. Diese in Amsterdam ansässige Firma um Frederik Slijkerman und Floris Klinkert besteht bereits seit über eineinhalb Jahrzehnten und erfreute die DAW-Jünger in der Vergangenheit immer wieder mit Plugins, die sowohl durch ihren Klang als auch durch ihre Optik schnell eine Fangemeinde um sich scharten.

Der PRO-C2 stellt keine komplette Neuentwicklung dar, sondern basiert auf dem schon seit einigen Jahren verfügbaren und recht beliebten PRO-C, der für das Upgrade auf Version 2 allerdings noch einmal gehörig umgekrempelt und erweitert wurde.

Fangen wir mit dem Grundsätzlichen an. Alle gängigen Plugin-Formate für Windows und OSX werden abgedeckt, als da wären VST, VST3, AU, AAX Native und AudioSuite (für 64 Bit und 32 Bit) sowie RTAS (nur für 32 Bit). Vom PRO-C2 existiert sowohl eine Stereo- als auch eine Mono-Variante. Ich habe mich für diesen Test wieder mal auf die VST-Versionen in 32 und 64 Bit beschränkt.

Die Installation verläuft unauffällig und schnörkellos, zur endgültigen Aktivierung muss beim ersten Start des PRO-C2 lediglich ein von FabFilter gelieferter Authorisierungscode (gibt es nach der Registrierung im Online-Account…) eingegeben und die DAW muss danach einmal neu gestartet werden. Keine lästigen Dongles oder Aktivierungscenter, das erfreut den Tester und den Anwender! Von Instabilitäten, Abstürzen oder sonstigen Ungereimtheiten blieb ich löblicherweise während des gesamten Tests verschont. Auf meinem i7 waren die CPU-Anforderungen auch mit aktiviertem, vierfachem Oversampling beruhigend gering.

MIDI-Learn und Parameterveränderungen per Mausrad(-emulierenden Drehregler…) gehören ja eigentlich schon zum guten Ton und auch der PRO-C2 hält sich hier brav an die Etiquette. Wer möchte, der kann sogar exakte numerische Werte per Tastatur eingeben. UNDO, REDO, COPY sowie A/B-Vergleichsmöglichkeiten sind ebenfalls gern gesehen.

Ansichtssache…

Bezüglich der Benutzeroberflächen hat sich FabFilter ja stets wohltuend von der breiten Masse abgehoben und dabei einen hohen Nutz- und Wiedererkennungswert kreiert. Ein FabFilter-Plugin kann man sofort anhand seiner Optik identifizieren. Fotorealistische Bedienpanele mit Metall- und Lackoptik, Vintage-Dehreglern und Lichtreflexen im vermeintlich gewölbten “Glas” virtueller VU-Meter sucht man hier vergeblich, ebenso wie wohlig aufglühende Fake-Röhren. Stattdessen ist man sich bei Fabfilter offensichtlich bewusst, dass der Anwender schließlich vor einem Computermonitor sitzt und eben nicht vor einem 19-Zoll-Rack, und so nutzt man auch die Vorteile, die eine Bildschirmbedienung hinsichtlich der Anzeigemöglichkeiten und der visuellen Interaktion bieten kann.

FabFilter PRO-C2 - skalierbare GUI
FabFilter PRO-C2 – skalierbare GUI

Das GUI ist dabei in drei Stufen skalierbar, damit dürfte eine Anpassung an verschiedene Bildschirmgrößen und -auflösungen im Studio kein Problem darstellen. Wer es besonders üppig mag, der kann den PRO-C2 zudem auch in einen bildschirmfüllenden FULL SCREEN MODE versetzen. Ein Neustart nach der Größenänderung wie noch bei manch anderen Plugins ist hier übrigens nicht notwendig, sehr praktisch!

FabFilter PRO-C2 - Knee- und Wellenformanzeige
FabFilter PRO-C2 – Knee- und Wellenformanzeige

Ein Großteil des vorhandenen Platzes geht dabei für die Visualisierung des Audiosignals und seiner Bearbeitung durch die Kompression in Echtzeit sowie für die Darstellung der Knee-Kurve drauf, während das Bedienpanel mit den Hauptreglerm in unveränderlicher Größe stets darüber mittig angeordnet im Zugriff liegt. Das Eingangssignal wird dunkelgrau dargestellt, der Ausgangssignal dagegen hellgrau, ganz oben wird die applizierte Kompression, also die Gain Reduktion, mittels roter Linie angezeigt.

Während gerade ungeübte Anfänger (aber nicht nur die!) von diesen Anzeigen profitieren können, mögen alte Studiohasen, die es gewohnt sind allein mit den Ohren zu arbeiten, über derlei Animationen vielleicht müde lächeln, schließlich sind ganze Generationen von Toningenieuren ja auch ohne so etwas ausgekommen.

Nun denn, auch den Puristen unter den Kompressions-Jockeys wird Rechnung getragen, denn per Mausklick lassen sich sowohl Knee-Darstellung als auch das Wellenform-Display einfahren, gleichzeitig werden die vertikalen simulierten LED-Pegelanzeigen auf der rechten Seite platzsparend horizontal unter das Bedienpanel gelegt, sodass sich eine reduzierte Ansicht ergibt, wie sie den meisten Anwendern von vielen anderen Kompressoren her gewohnt erscheinen dürfte.

FabFilter PRO-C2 - Mini-GUI
FabFilter PRO-C2 – Mini-GUI

Damit sollte die grundsätzliche Bedienung des PRO-C2 für erfahrene Anwender keine Rätsel aufgeben und sie auch nicht unnötig ablenken. Ansonsten gibt es auch noch hilfreiche Pop-Ups mit Hinweisen zu jedem Parameter.

Regelwerk…

Da wir hier einen Testbericht und kein Einführungstutorial in die Audiokompression vorliegen haben, setze ich an dieser Stelle einmal Grundkenntnisse in der Anwendung von Kompressoren voraus.

Mit den Drehreglern für THRESHOLD, RATIO, ATTACK, RELEASE und GAIN haben wir auch gleich die Haupt- Parameter eines Kompressors abgedeckt. Für den TRESHOLD gibt es eine Vorhörmöglichkeit und sowohl RELEASE als auch GAIN verfügen über hinzu schaltbare Automatikfunktionen mit programmabhängiger Zeitanpassung bzw. selbsttätiger Pegelanhebung. Ein weiterer Drehregler (DRY) ist für das Mischungsverhältnis zwischen unkomprimiertem und komprimierten Audiosignal zuständig, somit lässt sich die beliebte Parallel- oder auch “New York”-Kompression etwa für Drumspuren ganz ohne Spurduplikation oder Routing-Gefummel verwirklichen. Die Drehregler für GAIN und DRY verfügen jeweils über einen äußeren Ring, mit dem sich zusätzlich das Gleichgewicht zwischen MID- und SIDE-Signal einstellen lässt. Ja klar, der PRO-C2 erlaubt auch M/S-Bearbeitung, was seine Flexibilität einmal mehr erhöht!

FabFilter PRO-C2 - Large GUI
FabFilter PRO-C2 – Large GUI

Am unteren Rand des Panels befinden sich noch vier horizontale Schieberegler. Der mit KNEE betitelte Regler ist erlaubt eine stufenlose Überblendung von HARD nach SOFT, das oben erwähnte Display zeigt die Veränderung dann sofort grafisch dar. Den RANGE-Parameter findet man ebenfalls nicht bei allen Kompressoren, er ist jedoch schnell erklärt: Damit lässt sich der Gesamtgrad der Kompression unabhängig von den vorgenannten Parametern begrenzen, die Spanne liegt hier bei 0 dB bis 60 dB.

LOOKAHEAD erlaubt dem PRO-C2 bei der Analyse des Eingangssignals bis zu 20 ms in die Zukunft zu schauen, um sich so besser auf reinkommende Peaks und Transienten vorbereiten zu können. Selbstverständlich kann auch der PRO-C2 nicht hellsehen, das Audiosignal wird einfach entsprechend lange vorgepuffert, bevor es bearbeitet wird. Logischerweise verursacht dies auch jeweils einen mehr oder minder großen Zeitversatz. Damit man eine solche Latenz in kritischen Situationen auszuschließen vermag, lässt sich diese Funktion auch mal schnell in der unteren Plugin-Leiste komplett deaktivieren, ohne den Regler dazu vorher auf Null schieben zu müssen.

Ein Schieberegler namens HOLD, der von 0 ms bis 100 ms reicht, verlängert die Peaks im Signal um die eingestellte Zeit, bei entsprechend langen Werten kann man damit auch den Pump-Faktor der Kompression anheben.

FabFilter hat den PRO-C2 mit einer zuschaltbaren OVERSAMPLING-Funktion ausgestattet, die unerwünschte Artefakte in kritischen Situationen zu vermeiden hilft, eine Aktivierung erhöht dann aber auch dementsprechend ein wenig den Hunger nach CPU-Zyklen. Zur Anpassung an die jeweiligen Rechnerressourcen und die eigenen Qualitätsansprüche lässt sich das Oversampling in zwei Stufen (2x und 4x) einstellen oder auch komplett deaktivieren (dies ist dann auch der Default-Zustand).

Wer bisher noch eine Anpassungsmöglichkeit für das Ein- und das Ausgangssignal vermisst hat, keine Sorge, diese verbirgt sich unten rechts und lässt sich via Mausklick nach vorne holen und dort gegebenenfalls auch fixieren. Diese Sektion bietet nicht nur Pegelsteller, sondern ermöglicht über deren äußere Ringe auch ein L/R-Panning des Signals.

FabFilter PRO-C2 - Level-Sektion
FabFilter PRO-C2 – Level-Sektion

Über einen Schieberegler kann auch hier das Mischungsverhältnis zwischen unbearbeitetem und bearbeitetem Signal festgelegt werden, es kann dabei sogar ein Wert von bis zu 200% eingestellt werden. Letztendlich findet sich in dieser Sektion auch noch ein globaler Bypass-Schalter für den PRO-C2.

Multible Persönlichkeit…

Im Hauptpanel, zwischen den beiden Reglern für RATIO und ATTACK existiert ein STYLE benanntes Menü, dass insgesamt acht (beim Vorgänger waren dies nur drei) unterschiedliche Kompressionsalgorithmen zur Auswahl beherbergt. Diese bewirken zum Teil recht drastische Veränderungen im Regelverhalten und im Klang. Im Prinzip verhält sich der PRO-C2 dadurch wie acht verschiedene Kompressoren im selben Gewand und mit denselben Einstellmöglichkeiten. Dies untermauert FabFilters Anspruch, andere Kompressor-Plugins überflüssig machen zu wollen, in der Tat ein gutes Stück weiter.

Nachfolgend eine kurze Beschreibung der acht STYLES des PRO-C2. Die ersten Drei davon sind Besitzern der Vorgängerversion bereits bekannt und wurden von dieser übernommen.

CLEAN bietet sich für allgemeine Anwendungen an und liefert eine recht verzerrungsarme, programmabhängige Feedforward-Kompression.

CLASSIC arbeitet nach Art klassischer Feedback-Kompressoren, ebenfalls mit starker Programmabhängigkeit.
Bei OPTO handelt es sich, wie der Name schon besagt, um eine Emulation eines Kompressors mit Fotowiderständen/-transistoren. Dementsprechend fällt hier das Regelverhalten auch etwas träger aus, dafür ist der Klangverlauf linearer.
VOCAL dient dazu, Aufnahmen von (Gesangs-)Stimmen mehr in den Vordergrund zu bringen und ihnen Präsenz zu verschaffen. Bei diesem STYLE werden KNEE und RATIO automatisch vom PRO-C2 gesteuert, die Regler sind also deaktiviert, der Anwender bestimmt mithilfe des THRESHOLD-Reglers, wie stark die Stimme bearbeitet wird.

MASTERING verzichtet auf jegliche gewollte Klangfärbung. Hier steht eine größtmögliche Transparenz mit so geringen harmonischen Verzerrungen wie möglich im Vordergrund, während schnelle Transienten nach wie vor bearbeitet werden können.

BUS dürfte sich ebenfalls selbst erklären und eignet sich vorrangig dazu, um etwa Drum-Subgruppen oder auch gleich ganze Mischungen “zusammenzuschweißen”, ähnlich den Kompressoren, die man in älteren Edel-Konsolen vorfindet.

PUNCH stellt sich als Nachbildung traditioneller Analog-Kompressoren vor, spezielle Anwendungsgebiete hebt FabFilter hierbei im Manual zum PRO-C2 nicht hervor, stattdessen merkt man an, dass dieser STYLE auf eigentlich allem gut klinge…

PUMPING betont ein Verhalten von Kompressoren, dass man üblicherweise im normalen Anwendungsfall tunlichst zu vermeiden sucht, nämlich als “Pumpen” bezeichnete, schnelle Pegelveränderungen anstelle einer gleichmäßigen Reduktion durch den Kompressor. Bei diesem STYLE wird aber gerade dieser Effekt zum Stilmittel erhoben, denn allerspätestens seit Benny Benassis “Satisfaction” ist er im Zusammenhang mit dem inzwischen beliebten Bass-Ducking via Side Chain (Jawohl, das beherrscht der PRO-C2 ebenfalls!) auch endlich in den kommerziellen Charts angekommen. Auch Drums kann man mit diesem STYLE sehr gut in die Mangel nehmen.

Selbstverständlich spricht nichts dagegen, die vorgenannten STYLES auch einmal entgegen der Anwendungsvorschläge FabFilters einzusetzen, wenn das Endergebnis stimmig erscheint, getreu dem Motto “Wenn es gut klingt, dann IST es auch gut!”… 😉

Um zumindest einmal einen groben Eindruck von den acht STYLES zu vermitteln, habe ich nachfolgend ein und denselben Drumloop durch den PRO-C2 geschickt und dabei nach jedem Durchlauf einen Style weiter geschaltet (der erste Durchlauf erfolgt bei via CUBASE-Schalter deaktiviertem Kompressor, daher auch der kleine Aussetzer bei Aktivierung des PRO-C2…), ohne die einmal eingestellten Kompressor-Parameter weiter zu verändern. Die Kompression habe ich hier deutlich kräftiger zupacken lassen, als man das üblicherweise tun würde, dies nur, damit der Effekt besser hörbar wird…

Fab Filter PRO-C2-STYLES-Drumloop


Das Spielchen habe ich danach auch noch mal mit einem Sprach-Sample wiederholt, auch hier erfolgt der erste Durchlauf trocken:

Fab Filter PRO-C2-STYLES-Speech

Das mögen jetzt zugegeben nicht unbedingt die aussagekräftigsten Klangbeispiele sein, zwischen manchen STYLES, nämlich den transparenteren, wird man dabei nur eher subtile Unterschiede feststellen, während manche (etwa VOCAL) eindeutig hörbar anders arbeiten und auch klingen. Die einzelnen STYLES und deren Einstellungen wollen natürlich auch korrekt an das jeweilige Audiosignal angepasst werden, was ich hierbei zwecks Hörvergleich ja absichtlich unterlassen habe.

Seitenhiebe…

Um auf die SIDE CHAIN-Optionen des PRO-C2 zugreifen zu können, lässt sich diese Sektion per Mausklick nach unten ausfahren. Zunächst einmal hat man die Wahl zwischen internem und externem Side Chain. Während bei IN dasselbe (aber gegebenenfalls gefilterte) Audiosignal als Triggersignal für den Kompressor benutzt wird, kann man bei EXT ein fremdes Audiosignal über einen entsprechenden zusätzlichen Audiobus in den Kompressor leiten und zum Auslösen der Kompression verwenden, beispielsweise eine Kickdrum, die den Bass erschrocken zurückweichen lässt, um hier nur einen offensichtlichen Anwendungszweck zu nennen. Mittels Schieberegler lässt sich das Side Chain-Signal gesondert einpegeln und per AUDITION auch solo abhören.

FabFilter PRO-C2 - Side Chain-Sektion
FabFilter PRO-C2 – Side Chain-Sektion

Um die externen Triggereingänge überhaupt nutzen zu können, muss die DAW natürlich ebenfalls mitspielen. Während die besseren Programme und die Platzhirsche sowieso über entsprechende Routing-Möglichkeiten verfügen, findet man diese bei den Einsteiger-DAWs leider nicht immer. Hoffentlich besteht dann aber zumindest die Möglichkeit, MIDI-Signale auf den PRO-C2 zu routen, denn der kann alternativ auch MIDI-Noten dazu verwenden, um den Kompressor auszulösen! Dieser verhält sich dann so, als werde er durch ein 0 dB lautes Audiosignal getriggert. Aktivieren kann man diese Option übrigens im MIDI-Learn-Menü.


In der SIDE CHAIN-Sektion befindet sich ebenfalls ein Regler namens STEREO LINK, mit dem bei Stereosignalen stufenlos zwischen unabhängiger Kanalbearbeitung und teilweiser bis hin zu kompletter Kanalverlinkung wählen kann (natürlich nur bei der Stereo-Version des PRO-C2!).

Die erste Hälfte des Regelweges reicht von 0% bis zu 100%, wenn man den Regler noch weiter nach rechts zieht, dann wird nur noch ausschließlich entweder das MID- oder aber das SIDE-Signal bearbeitet.

Unmittelbar darunter ist ein unscheinbarer kleiner Schalter angebracht, der vier Optionen zur M/S-Bearbeitung bereitstellt, als da wären MID, bei der der PRO-C2 nur durch das Mid-Signal angesteuert wird und auch nur dieses komprimiert, SIDE, bei der es sich eben genau andersherum verhält, M>S, bei der das Mid-Signal die Kompression auslöst, die dann auf das Side-Signal angewendet wird sowie S>M, welche hier nicht etwa die Abkürzung für gewisse randgruppenspezifische Aberrationen darstellt, sondern bei der das Side-Signal zur Triggerung des zu komprimierenden Mid-Signals herhalten muss.

Fabfilter setzt mit dem integrierten Equalizer beim PRO-C2 noch ordentlich einen darauf, der neben je einem Tief- und einem Hochpassfilter auch über ein vollparametrisches Mittenband verfügt, das zudem ebenfalls per Automatik durch den PRO-C2 kontrolliert werden kann. Die Bedienung erfolgt direkt über ein grafisches Display, wie man es auch schon von diversen anderen EQs her kennt, etwa von FabFilters hauseigenen oder auch von denen in CUBASE etc.

Durch diese aufwendige Filtersektion ist eine frequenzabhängige Kompression sehr leicht zu bewerkstelligen. Bei internem Side Chain können die zu bearbeitenden Frequenzbereiche sehr genau definiert werden, etwa lässt sich der Bassbereich von der Ansteuerung der Kompression vollständig ausschließen. Bei externem Side Chain könnte man sogar einen kompletten Drumloop als Trigger hernehmen und einzelne Rhythmuselemente daraus zur Kompression beispielsweise eines Flächensounds isolieren. Zieht man nun noch das M/S-Processing hinzu, dann kann man sich vorstellen, dass ich hier die möglichen Einsatzgebiete lediglich ankratze.

Diese Filtermöglichkeiten für den Side Chain-Weg gehen also deutlich über das hinaus, was man bei der Mehrzahl der Kompressoren normalerweise so vorfindet, falls solche denn überhaupt vorhanden sind.
Hier wird eine Fläche durch einen Drumloop komprimiert, durch Verschieben der Filterpunkte verändert sich auch die Rhythmik der Kompression:

Fazit:

Mit dem PRO-C2 liefert FabFilter ein hervorragendes Kompressor-Plugin aus. Soviel Flexibilität bei gleichzeitig hoher Klangqualität findet man nicht oft. Die inzwischen acht verschiedenen Kompressions-Styles des PRO-C2 sind eine echte Bereicherung des Konzepts.

Ein direkter Konkurrent zum PRO-C2 könnte eventuell der etwas teurere COMPASSIVE von DMG AUDIO darstellen, der ebenfalls sehr flexibel ist und mit einer Visualisierung aufwarten kann, allerdings verfolgt dieser insgesamt etwas andere Schwerpunkte als der PRO-C2.

Mit 129,- Euro liegt der PRO-C2 preislich im oberen Mittelfeld, das ist zwar kein direkter Taschengeldpreis mehr, aber angesichts der umfangreichen Feature-Liste und der gebotenen Qualität wirkt der PRO-C2 keineswegs überteuert. Gutes Werkzeug hat halt in der Regel seinen Preis und beim PRO-C2 ist dieser im Gegensatz zu manchen Konkurrenten durchaus gerechtfertigt. Schließlich erwirbt man damit ein professionelles Arbeitsmittel, das sicher nicht bloß die meiste Zeit faul im Plugin-Ordner herumlungern wird, nur um sich ab und zu mal die Ehre zu geben. Dass die verschiedenen Kompressions-Styles sich alle unter derselben Haube befinden, hilft dem Ungeübten sich langsam aber sicher einzuarbeiten, während es dem Profi einen beschleunigten Workflow beschert.

Sicher gibt es auch im unteren Preissegment einige gut klingende Kompressoren, ja sogar manch kostenloses Exemplar klingt alles andere als schlecht, aber bei den meisten Vertretern dürfte man viel schneller an die Grenzen der jeweiligen Möglichkeiten stoßen, als mit dem PRO-C2. Vermutlich werden eingefleischte Anhänger gewisser teurer Emulationen von noch teurer Hardware auch weiterhin auf diese schwören, als handele es sich dabei um den heiligen Gral, jedoch sei ihnen dies gegönnt, denn schließlich haben sie ja auch ordentlich Kohle dafür hingeblättert… 😉

buenasideas-Tipp
BuenasIdeas Tipp

Der PRO-C2 bietet sich durch seine Wandlungsfähigkeit für nahezu alle anfallenden Kompressionsaufgaben im Alltag an und zumindest bei mir wird er dafür sorgen, dass einige der anderen Dynamik-Plugins, die sich inzwischen bei mir auf der SSD angesammelt haben, nun endgültig ihr Bleiberecht verwirkt haben (ein paar andere Kompressoren werde auch ich noch aus reiner Gewohnheit behalten, so auch mein konzeptionell etwas Ähnliches, jedoch klanglich kaum transparente FOCUSRITE Liquid Mix 16 mit seinem coolen Hardware-Controller, solange dieses noch vom Betriebssystem unterstützt wird…). Aber für die Übernahme des Großteils aller Kompressionsarbeiten hat sich der PRO-C2 jedenfalls bei mir mit seiner Bewerbung eindeutig qualifiziert. Da ich zudem während Test keine negativen Attribute zu entdecken vermochte, halte ich hier unseren BuenasIdeas-Tipp! Einmal mehr für angemessen. Frohes Komprimieren!

Positives:
+ guter Grundklang
+ überragende Flexibilität
+ visuelle Darstellung
+ skalierbares GUI
+ ausgefeilte Side Chain-Optionen
+ M/S-Processing
+ Oversampling
+ MIDI-Learn
+ MIDI-Triggering
+ Parameteränderungen per Scroll-Wheel möglich

Negatives:
Ehrlich gesagt nix!

Produktwebseite: https://www.fabfilter.com/products/pro-c-2-compressor-plug-in

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