UtraTap für iOS von Eventide Testbericht

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UltraTap ist das zweite der drei aus der H9 Serie für iOS veröffentlichten Effekt-Plugins von Eventide. Ursprünglich ist dieser Delay-Algorithmus also ein Bestandteil der DSP-Software in der H9 Stomp-Box von Eventide. Eine PC-Version gibt es schon länger, nun also eine für iOS, die praktisch identisch ist. Das Reverb Blackhole wurde schon auf BuenasIdeas besprochen, in einigen Details der Bedienung wird auf diesen Testbericht https://www.buenasideas.de/test/musikproduktion/plugins/effekte-und-tools/blackhole-reverb-ios-app-testbericht/ verwiesen, wenn man es genauer wissen will, da sie in allen drei Plugins gleich sind. 

GUI von UltraTap

Als Delay ist UltraTap mittlerweile ein Klassiker, der in unzähligen Tracks verwendet wurde und einen gewissen Vintage-Charme hat. Dennoch ist UltraTap auch aus heutiger Sicht ein vielseitiges und mächtiges Werkzeug und auch für die iOS Plattform eine willkommene Bereicherung. Die App gibt es wie ihre Geschwister als Standalone, AU V3 und Interapp Audio Version.

Schon im Namen enthalten ist der Tap als bestimmendes Element, denn es gibt sehr ungefähr gesagt zwei Sorten Delays, Tap- basierte und Feedback-basierte. Wobei das Feedback im Prinzip bei beiden Typen wirkt, ein Teil des Signals wird zurück in das Signal gespeist und wiederholt. Bei Feedback-parametrisierten Delays läuft das über die Stärke des Feedbacks und einen Zeit-Parameter, bei Tap-Delays über die Anzahl der Taps (also Wiederholungen), die in einer bestimmten Zeitspanne wiederholt werden. 

UltraTap bietet bis zu 64 Taps, was schon Ultra-viel ist, bei sehr kurzen Zeitwerten werden sie schon ununterscheidbar und man bekommt einen kurzen Dauerton, bei dem die Anzahl der Wiederholungen tatsächlich die Tonhöhe bestimmt und der Delay-Effekt damit schon beinahe zu einem Oszillator wird. 

Interessanterweise bietet mein Lieblings Delay auf dem PC, Late Replies nur acht Taps, dafür aber zahlreiche Möglichkeiten diese wiederum zu vervielfachen und die Möglichkeit auf jeden Tap eine eigene Effektkette zu legen, genau so auf die zwei Crossover-fähigen Feedback-Kanäle, was dieses Delay zu einem so anders gearteten Biest macht als UltraTap, dass man genau so gut ein Rennpferd mit einem geflügelten Pegasus vergleichen könnte. Zur Zeit der Entwicklung des UltraTap-Algorithmus war an solch exotische Features natürlich nicht zu denken. 

UltraTap bietet mit seinen 64 Taps in Kombination mit seinen anderen Parametern jedoch wiederum Delay-Effekte, die mit Late Replies nicht gehen würden. 

Obere Regler-Reihe

Einerseits bietet UltraTap mit seinen verhältnismäßig wenigen Bedienelementen einen direkten Zugriff auf alle Möglichkeiten, andererseits wirken einige Parameter erst in der Kombination in einer bestimmten Weise. 

Der Mix-Regler bestimmt wie üblich das Mischungsverhältnis, Length legt die Zeitspanne fest, in der alle Taps ausgelöst werden. Frei laufend, Sekundenbasiert liegt der Bereich zwischen 0 und 10 Sekunden, synchronisiert zwischen 0 bzw. einem 32.tel und vier Takten. Der große Tap-Button ganz rechts oben im Interface bietet in diesem Zusammenhang die Option das Tempo manuell einzuklopfen. 

Mit Tap stellt man die Anzahl der Taps ein, die von 1 bis 64 reichen können. Weil die erste Wiederholung nicht auf die Eins des Taktes fällt, sondern alle auf den eingestellten Zeitraum dahinter verteilt werden beginnt die erste Wiederholung bei 8 Taps und einer Länge von einem Takt ein Achtel nach dem Anfang und der letzte Tap fällt auf das Ende des Taktes und man hört ihn nur, wenn bei einem eingestellten Loop der Loop länger ist, als der Takt. Bei ganz kurzen Werten für Length fällt die Wiederholung und der auslösende Audio-Event praktisch zusammen und ist nicht zu hören. Es sei denn man dreht am nächsten Regler Pre-Delay, der den Einsatz der Wiederholungen bis zu einem halben Takt oder einer Sekunde nach hinten verschiebt. Lässt man nun viele Taps in einem sehr kurzen Zeitraum ablaufen bekommt man einen Impuls mit unterschiedlicher Tonhöhe, die von der Anzahl der Taps abhängt. 

In der oberen Reihe Regler folgt nun Spread, der die Taps ungleichmäßig in dem Zeitraum verschiebt. Negative Werte verschieben die Wiederholungen proportional in Richtung Anfang, sie laufen also zuerst schneller und dann langsamer ab, als bei einer gleichmäßigen Verteilung, erzeugen also den Eindruck einer Verlangsamung. Positive Werte wirken umgekehrt, die Echos beschleunigen sich zum Ende hin. 

Taper blendet die Echos von leise nach laut ein oder lässt sie leise verklingen. In der Kombination mit Spread kann sich so der Eindruck der Echofahne völlig verändern. Die Regler Slurm, Chop und Chop Speed wirken hier ebenfalls je nach Einstellung mit hinein. 

Zunächst ein Video zu den Grund-Parametern Length, Taps, Spread und Taper mit einem Drum Loop, das nur aus einem Schlag am Anfang besteht und so die Architektur des Tap-Delay-Effekts am deutlichsten wiedergibt. 

Video Tap -Einstellungen

Am Anfang der unteren Reihe von Reglern stehen über Tempo die Modi für die Zeit-Synchronisierung. Aus, also frei von der DAW laufend, mit Zeitbasierten Werten auf dem Length, Pre-Delay und Chop Speed -Reglern. Die anderen Modi sind Notenbasiert, bei Sync im Takt mit der DAW, bei Manual kann man die BPM unabhängig festlegen, Off und Manual reagieren auf das ein-Tappen der Geschwindigkeit auf dem großen runden Tap-Button ganz rechts oben. 

Bild untere Regler-Reihe

Width stellt die Stereobreite der Taps ein, Tone filtert nach links gedreht die hohen Frequenzanteile aus, nach rechts die dunklen. Slurm verschmiert die einzelnen Taps ineinander und moduliert sie auch etwas, damit sie lebendiger klingen, Slurm reduziert bei extremen Werten aber auch das Volumen. 

Chop ist ein Multi-Funktionsregler. einerseits eine Art Tremolo, dass den Sound zerhackt, bzw. Volumenmoduliert bevor er in die Taps geleitet wird und das moduliert durch verschiedene LFO-Wellenformen, deren Geschwindigkeit mit dem nächsten Regler eingestellt wird. Weiter gedreht wechselt der Regler aber in einen Swell-Modus, der Volumen-Swells produziert. Allerdings meinem Eindruck nach nur bei bestimmten Reglerkombinationen von Taps und Taper, es gibt einige wenige Presets bei den Artist-Presets, die damit arbeiten, aber so direkt reingedreht hat dieser Modus kaum eine Auswirkung. 

Trigger schneidet eine einstellbare Zeitspanne nach einem Impuls das Delay hart ab. 

Da diese Parameter auf Drums oder kontinuierlichem Material, wie Vocals unterschiedlich wirken hier zwei Videos zu dem vielfältigen Chop-Regler. 

Slurm Chop Video

Echo Chop Video

Ganz unten befindet sich wie bei den anderen zwei Plugins der Ribbon mit dem Entladungsbogen als Schieberegler. Er dient dazu die Parameter von UltraTap zu automatisieren und bewegt mehrere Regler auf ein mal, ein Makro-Regler also. In dem Testbericht zu Blackhole findet sich ein Video wie das über die Buttons rechts und links des Ribbons programmiert wird.

Bei den großen runden Buttons rechts sorgt der Hotswitch für eine alternative A/B Reglereinstellung aller Parameter, auf die man zwischendurch mit einem Fingertap umschalten kann. “Active” ist ein Bypass-Button, der das Plugin deaktiviert. 

Während des Tests stürzte UltraTap ein mal so ab, dass Cubasis mit in den Orkus gerissen wurde und etliche Male stellte das Plugin einfach den Dienst ein, Parameteränderungen oder Preset-Wechsel änderten das manchmal, meist musste das Plugin aber entfernt und neu gestartet werden. Einige wenige Presets funktionierten auf komplexen Klangquellen gar nicht oder nur mit Aussetzern.

Presets

Dieselben Presets wirken auf verschiedenen Instrumenten jeweils etwas anders. Die Presets unterteilen sich in Factory-Presets mit verschiedenen Kategorien wie Delay, Glitch und Stutter, Reverb etc. und Artist- Presets von Sound Designern. Diese Presets spiegeln die Bandbreite der mit UltraTap möglichen Klangveränderungen und Echokaskaden wider.

Presets auf Drums

Presets Guitar

Presets Piano

Presets Keys

Fazit

Mit UltraTap ist eine sehr breite Palette an Delay-Effekten möglich, sie reichen von einfachen Brot- und Butter Delays zu exotischen Glitch-Effekten und resonanten Hallräumen. Die bis zu 64 Taps bilden eine solide Grundlage für allerlei Klangexperimente und die interne Automation mit dem Ribbon sorgt für interessante, fließende Variationen. Dieses Delay ist eine wichtige Erweiterung des Effekt-Werkzeugkastens unter iOS, die man nicht mehr missen möchte. 

UltraTap im App Store
https://apps.apple.com/de/app/ultratap-delay/id1463784516

Ein Testbericht von Stefan Federspiel

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