d16 Group „LuSH-101“, „The only synthesizer you need“…? – Testbericht

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Testbericht von Perry Staltic

Okay, ich gebe es ja zu: Auch mir kam früher bei Polen, unserem Nachbarland im nahen Osten noch häufig das altbekannte Stereotyp von den …ähhh… „sozialistisch umgelagerten“ deutschen Automobilen in den Sinn, und als polnische Exportprodukte hätte ich auch lediglich die unvermeidlichen Königsberger Klopse, die putzigen „Autos“ von Polski Fiat und allenfalls noch einige, für mich persönlich eher fragwürdige Wurstspezialitäten benennen können… 😉

Das ist im Jahre 2012 schon etwas anders, mittlerweile kommt aus Polen auch hochwertige Software, und so fallen dem geneigten Pluginisten hier wohl sicherlich als Erstes die hervorragenden Plugins von PSP Audioware und der d16 Group ein.

Letztere hat sich vor allem durch die Portierung der TB-303 sowie diverser alter Drummachines von ROLAND in die DAW-Welt einen guten Namen gemacht. Der Verfasser dieser Zeilen selbst arbeitet auch gerne mit den verschiedenen „SilverLine“-Effekten aus dem Hause d16, mit denen man so mancher etwas schlappen Spur eine gehörige Portion Klangfärbung und Edel-Dreck mit auf dem Weg kann.

Schon seit einigen Jahren angekündigt (damals noch unter dem etwas eigenwillig klingenden Namen „Shioitor„ – siehe auch hier: d16-group-shioitor-die-revolution-der-analogen-synthese-als-audio-plugin) und nun endlich verfügbar, präsentiert die d16 Group ihr neuestes Werk, das einmal mehr die Emulation eines alten ROLAND-Klassikers darzustellen versucht. Dieses Mal hat es den SH-101 getroffen, einen monophonen Synthie aus den frühen 1980ern.

Der Begriff „Emulation“ ist im Falle des LuSH-101, so heißt das neue Pferd im Stall inzwischen, allerdings einigermaßen untertrieben, denn es handelt sich hierbei augenscheinlich eher um eine Art multi-timbralen und polyphonen SH-101 auf anabolen Steroiden.

Ob „LuSH“ nun tatsächlich für „üppig“ oder doch eher für „lasch“ und „Lusche“ steht, soll dieser Test ans Licht und Ohr bringen.

ROLAND SH-101 und MC-202

Drehen wir mal kurz die Zeit um rund dreißig Jahre zurück… Im Jahre 1982 erblickte der SH-101 der japanischen Firma ROLAND die Welt. Dabei handelte es sich um einen monophonen Analogsynthesizer mit recht simpler Ein-Oszillator-Klangarchitektur, nicht unähnlich dem Aufbau der wenig später folgenden Juno-Serie. Der SH-101 verfügte natürlich noch nicht über MIDI, dafür aber über ein CV/Gate-Interface. Er besaß einen einfachen Onboard-Sequencer sowie einen Arpeggiator.

Als Besonderheit konnte der SH-101 auch mit Batterien betrieben werden. Wenn man ihn dann mit dem optional erhältlichen Umhängegurt sowie dem Modulationshandgriff (siehe Bild) ausstattete, dann konnte man damit auf der Bühne sogar so ähnlich herumhampeln, wie ein Gitarrist. Vielleicht erinnern sich die Älteren unter Euch ja noch an diverse Musik-Videos und Fernsehauftritte verschiedener Synthiepopbands (beispielsweise von „I.O.U.“ oder von „Trans-X“) aus den frühen 80ern.

Klangmäßig bewegte sich der SH-101 irgendwo zwischen TB-303 und den gerade schon erwähnten frühen Junos, vollanalog mit knackigen Hüllkurven, durchaus kräftig und trotz des einfachen Aufbaus zu einer Vielzahl an unterschiedlichen Klängen fähig, wenngleich auch nicht unbedingt DER Synthesizer für Alles.

roland-sh101
Roland SH101 Synthesizer

Neben dem SH-101 brachte ROLAND auch noch den MC-202 auf den Markt. In einem kleinen Desktop-Gehäuse untergebracht verfügte dieses Gerät, das ebenfalls via Batterien mit Strom versorgt werden konnte, über einen im Vergleich zum SH-101 leicht abgespeckten Synthesizer (etwa ohne Rauschgenerator und mit einem vereinfachten LFO)., dafür jedoch über einen verbesserten Sequencer mit eigenem Haribo-Keyboard.

Roland MC202
Roland MC202

Von der etwas veränderten Klangarchitektur mal abgesehen, besitzen MC-202 und SH-101 aber mehr oder weniger den gleichen Grundklang.

Wo wir gerade beim Thema sind, da fällt mir noch ein kleiner Schwank aus meiner Jugendzeit ein: Vor rund zwanzig Jahren hatte ich mal das Vergnügen, mir einige zeitlang eine MC-202 ausleihen zu können. Diese nahm ich damals auch mit zu einem kleinen, lokalen Live-Auftritt, bei dem im Rahmen eines Wettbewerbs mehrere Bands nacheinander spielten. Vor meinem Auftritt fand auch ein kurzer Soundcheck statt. Hinter dem Mischpult in der Ecke saß ein Mann in Öko-Look, der eher so wirkte, als ob er sonst nur irgendwelche Gemeinde-Rockbands auf Pfarrfesten abmischen würde.

Als zunächst der Kanal mit meinem JD-800 eingepegelt wurde, bemerkte ich sofort, dass der Öko-Mann anscheinend etwas Angst um sein PA-Equipment hatte und daher, sagen wir mal, etwas konservative Lautstärkeeinstellungen wählte. Statt eines fetten Sounds kam aus den Boxen bloß warme Luft bei mir an. Als nächstes war die MC-202 an der Reihe. Dieses Mal stellte ich deren Lautstärkeregler vorsichtshalber auf lediglich 12 Uhr (also auf 50%). Wieder kam alles viel zu leise aus den Boxen. Etwas später dann beim eigentlichen Auftritt lief irgendwann auch eine Sequenz aus der MC-202 mit.

Ich spielte an den Reglern herum, bis schließlich nur noch ein stakkatohafter Reigen aus typischen Filter-Resonanz-Klängen á la Kraftwerk (Zapp!) zu hören war. Das vorwiegend junge Publikum stand etwa einen Meter von den großen PA-Boxen am Rande der Bühne entfernt und wirkte durchaus etwas gelangweilt. Nun hielt ich die Zeit für gekommen, die MC-202 endlich auf volle Lautstärke zu stellen. Ich glaube, die Szene danach werde ich nie vergessen. Als dieser „Black & Decker-Sound“ plötzlich mit voller Pulle aus den Boxen nagelte, sprangen die überraschten Zuhörer alle reflexartig einen Meter nach hinten.

Der Müslimann am Mischpult, der anscheinend die ganze Zeit vor sich hingedöst hatte, wurde hingegen höchst hektisch am Ecktisch, hüpfte wie von der Tarantel gestochen aus seinem Stuhl hoch und versuchte panisch den einen Mischpultkanal mit der stehenden roten LED-Kette herunterzuregeln. Wie bereits erwähnt, die MC-202 hatte überaus knackige Hüllkurven… 😉

Jetzt aber zum d16 LUSH-101 …..

Allgemeines (Installation, Optik, Bedienung etc.)

Wie immer kam mein übliches, betagtes Test-System zum Einsatz: Windows XP Professional x32 mit SP3, Athlon X2 4200+ mit 2,5 Gigabyte RAM. Die verwendeten Hosts waren wieder mal EnergyXT 2.6 und Cubase 5.5.

Als Käufer muss man sich bei d16 online registrieren und findet dann dort in seinem User-Account die Installer für MacOS und Windows (32bit und 64bit) sowie die zum Freischalten notwendige Lizenz-Datei als Download. Des weiteren ist dort auch das mit 98 Seiten recht umfangreiche Manual als PDF erhältlich. Dieses Manual behandelt wirklich ausführlich jede Sektion des LuSH-101, allerdings nur für Anglophile…

Die Setup-Datei kopiert das Plugin in einen frei wählbaren Ordner auf der Festplatte, anschließend muss nach dem Aufruf des Plugins in einem Host noch die vorher herunter geladene Lizenz-Datei lokalisiert werden. Fertig!

Wer schon mal mit einem der oben genannten Synthies gearbeitet hat, der dürfte sich auf dem LuSH-101 sicherlich sofort zurechtfinden. Ihm wird dann aber wohl auch direkt auffallen, dass der LuSH-101 im Vergleich zu seinem Hardware-Vorbild ordentlich an Parametern zugelegt hat, doch dazu gleich mehr.

Die GUI mag auf aktuellen Bildschirmen mit ihren hohen Auflösungen dem einen oder anderen einer Brille bedürftigen User möglicherweise etwas klein erscheinen, auf den beiden nebeneinander stehenden 19-Zöllern des Verfassers mit jeweils 1280 x 1024 Pixeln hingegen erscheint die Größe durchaus noch in Ordnung.

Noch während des Tests und rund eine Woche nach der Veröffentlichung des LuSH-101 erschien schon das erste Update (v1.0.1), das nun auch das wahlweise Verbergen des GUI-Keyboards erlaubt, um wertvollen Bildschirmplatz zu sparen.

d16-lush-101
d16 Group LuSH-101

Sehr schön auch, dass die d16 Group ihren Plugins die von mir so begehrte Mausradbedienung spendiert. Der LuSH-101 bildet hier keine Ausnahme. Wer schon mal andere Testberichte des Verfassers gelesen hat, der weiß, dass dieser eine fixe Idee bezüglich gewisser 1-Knopf-Controller pflegt. Daher hier ein Extrapunkt von mir!
Dank MIDI-Learn kommt der LuSH-101 natürlich auch problemlos mit normalen MIDI-Controllern zurecht. Wer jedoch Parameter-Automation benutzen möchte oder sogar muss (Stichwort „Novation Automap“), der muss dazu vorher noch in einem speziellen Menü festlegen, welchen der zahlreichen Parameter er über welchen der dazu vorhandenen 128 Slots zu steuern gedenkt (siehe Abbildung unten).

Der Grund dafür liegt darin, dass die Host-Automation lediglich bis zu 128 verschiedene Parameter erlaubt, der LuSH-101 allerdings über weitaus mehr zu steuernde Parameter verfügt. Ähnliches kennt man etwa auch schon von Spectrasonics Stylus RMX und Omnisphere.

d16-lush101-parameter
d16-LuSH-101-Parameter Automation

Ein wichtiger Punkt ist sicherlich auch immer die CPU-Auslastung, die ein Plugin verursacht. Nun, der LuSH-101 gehört hier anscheinend nicht unbedingt zu den sparsamsten Vertretern seiner Zunft. Ein einzelner Layer ohne Effekte frisst eigentlich gar nicht so viel Brot und klingt doch schon recht kraftvoll, allerdings verfügt der LuSH-101 über insgesamt bis zu 8 Layers sowie über mehrere Effekt-Sektionen. Je mehr davon in einem Preset zum Einsatz kommen, desto höher steigen logischerweise auch die CPU-Anforderungen.

Auf meinem ollen Rechner konnte ich zwar die meisten der mitgelieferten Presets problemlos spielen, bei einigen mit 5 oder noch mehr Layers jedoch ging die Kiste dann doch ziemlich schnell in die Knie. Das Auslastungs-Meter von Cubase 5.5 machte dann gleich einen Satz bis zum Anschlag, der die Audiosausgabe begann zu stottern. Unter EnergyXT war es ähnlich.

Allerdings sind solche Presets ja auch fast schon vergleichbar mit 8 einzeln geladenen Synthie-Plugins inklusive zusätzlicher Effektketten.

EnergyXT ist übrigens gar nicht multicore-fähig. Da die CPU-Auslastung allerdings mehr oder minder gleich war, liegt die Vermutung nahe, dass der LuSH-101 auch nur einen einzelnen Prozessorkern verwendet. Auf einem nahezu identisch ausgestatteten Zweitrechner, auf dem aber noch ein Einzelkern-Athlon64 aus der Steinzeit hockt, war die Auslastung dann tatsächlich vergleichbar mit meiner ansonsten rund doppelt so schnellen Dual-Core-DAW.

Nun steht der LuSH-101 mit seinen bisweilen hohen CPU-Anforderungen nicht ganz allein auf weiter Flur. Bei meinem „DCAM Synth Squad“ von Fxpansion ist es teilweise ähnlich, und auch die DIVA von U-HE soll nicht gerade zu den bescheidensten Plugins zählen, wie man so hört. Das Re-Modelling analoger Bauteile und Komponenten kostet nun eben mal ordentlich Rechenzyklen…

Beim LuSH-101 lässt sich übrigens im Optionsmenü die Klangqualität in zwei Stufen einstellen („NORMAL“ und „HIGH“), dies kann auch als gewünschte Defaulteinstellung für das Plugin gespeichert werden.

Die Klangarchitektur des LuSH-101

Wie schon eben erwähnt, kann ein Preset des LuSH-101 aus bis zu 8 sogenannten Layers bestehen, doch dazu gleich noch mehr. Wenden wir uns zunächst einmal einem einzelnen Layer und dessen Klangmöglichkeiten zu.

d16-LuSH-101-Oszillator+Filter-Sektion
d16-LuSH-101-Oszillator+Filter-Sektion

Dieser entspricht prinzipiell in seinem Aufbau dem Vorbild durch den SH-101 (ein Oszillator, der sowohl Sägezahn- als auch Pulswelle mit einstellbarer und modulierbarer Pulsweite gleichzeitig und stufenlos mischbar erzeugen. Dazu kommen ein Suboszillator, zur Bassanfettung sowie Noise, diese Signalquellen durchlaufen dann ein einfaches Hochpassfilter ohne Resonanz und ein 24dB-Tiefpassfilter inklusive Resonanz. Das Ganze geht dann noch durch eine einzige Hüllkurve. Für Modulationszwecke steht noch ein LFO zur Verfügung), auf den ersten Blick sieht man aber schon, dass d16 es nicht dabei belassen hat.

So gibt es hier etwa gleich 2 Hüllkurven und 2 LFOs. Auch die Filtersektion ist gegenüber dem SH-101 stark erweitert. So gibt es hier ein Multimode-Filter mit Tiefpass, Bandpass und Hochpass. Die Filtercharakteristik lässt sich zusätzlich auch noch zwischen „NORMAL“ und „SH-101“ umschalten. Den Unterschied beschreibt d16 dermaßen: Während der Spitzenpegel im NORMAL-Modus über das gesamte Cutoff- und Resonanzspektrum stets gleich bleibt und auch etwas weicher klingt, versucht der SH-101-Modus eben eher das Verhalten des gleichnamigen Originals zu emulieren. In der Praxis fand ich den SH-101-Modus in der Tat etwas kräftiger und dynamischer, es zwitscherte deutlich mehr.

In der Oszillator-Abteilung hat d16 auch ordentlich angebaut. Zu den wichtigsten Upgrades zählt die mittlerweile wohl unvermeidliche Supersaw-Sektion für die in der kontemporären, kommerziellen Tanzmusik so beliebten verstimmten Sägezahn-Klänge. Der Verfasser muss an dieser Stelle gestehen, dass ihm diese trötigen Kirmeshupen persönlich doch gehörig auf den Zeiger gehen und eher als ein Zeichen schlechten Geschmacks bzw. Anbiederung an Modetrends bewertet… 😉

Dennoch lassen sich bei extremen Einstellungen beim LuSH-101 damit auch völlig anders klingende Sounds erzeugen, die dann eher in Richtung „vintage“ gehen.

Der LuSH-101 bietet darüber hinaus auch noch die Möglichkeit zur harten Oszillator-Synchronisation an. Moment mal, HardSync bei einem 1-Oszillatoren-Synth…?! Der geneigte Synthesist, der morgens nicht gerade mit dem Kopf zuerst aus dem Bett aufsteht, wird sich zurecht fragen, wie das denn wohl funktionieren soll. Nun, der LuSH-101 besteht ja nur aus Programmcode, und unter der Haube hat d16 eben dafür gesorgt, dass zu der HardSync-Zwecken benötigte zweite Oszillator softwaremäßig bereitgestellt wird.
d16-LuSH-101-Oszillator
Direkt über der Sektion mit den eigentlichen Klangparametern befinden sich zusätzliche Einstellmöglichkeiten für das jeweilige Layer. So lassen sich Audio-Ausgang, MIDI-Kanal, Transposition und Keyboardzone frei wählen, und auch ein Preset-Managementsystem für die Klänge eines einzelnen Layers (nach dem ROLAND-Vorbild hier als „Timbre“ bezeichnet…) steht hier bereit. Darüber hinaus lässt sich hier auch die Polyphonie festlegen (maximal 32 Stimmen) sowie ein Insert-Effekt für das Timbre wählen.

An Effekten stehen hier Chorus, String Ensemble, Phaser, Flanger, Distortion, Vowel filter, Decimator und Tremolo zur Verfügung. Je nach gewähltem Effekt wird eine kleine Anzahl von dazu passende Bedienelementen auf der GUI angezeigt.

Normalerweise bin ich ja nicht unbedingt ein großer Freund eingebauter Effekte bei Synthesizer-Plugins, oft genug schalte ich diese nämlich ab und verwende dafür meine eigenen Effektketten. Nun kommen bei mir in genau diesen aber öfters auch die Effekt-Plugins der SilverLine von d16 zum Einsatz. Insofern wusste ich schon, das die d16 Group vernünftige Effekt-Algorithmen programmieren kann. Tatsächlich scheinen eben diese Algorithmen auch in ihren Weg in den LuSH-101 gefunden zu haben, denn die integrierten Effekte wissen zu gefallen und geben so manchem Klang noch ein wenig Würze mit auf die Reise.
d16-LuSH-101-Arpeggio-gateJeder Layer verfügt als Krönung auch noch über ein eigenes Arpeggiator/Gater-Modul mit ausgesprochen umfangreichen Möglichkeiten. Der Gater ist kein Audio-Effekt, sondern ein Step-Sequencer mit 16 Schritten. Eine zweite Step-Reihe („TIE“) dient dem Zusammenbinden aufeinanderfolgender Noten zu einer einzigen, um komplexere Patterns zu erzeugen. Diese Sektion besitzt übrigens ihr eigenes Managementsystem zum Abspeichern und Laden von Presets. Auch können die aktuellen Einstellungen durch Drücken des kleinen Vorhängeschloss-Symbols (Padlock) oben rechts vor dem Überschreiben bei einem Wechsel kompletter Layer-Presets schützen.

Doctor Octopus…

Wie nun schon mehrfach erwähnt, birgt der LuSH-101 gleich 8 solcher Layers mit identischen Parametern. Diese Layers lassen sich in der Sektion am oberen Ende der GUI verwalten. Über Direktwahl-Buttons lässt sich zwischen den 8 Layers umschalten. Mit den kleinen, LED-artigen Buttons lassen sich einzelne Layers bei Bedarf abschalten, etwa um Systemressourcen zu sparen. Auch hier stehen wieder die kleinen Padlocks zum Überschreibschutz der jeweiligen Timbre-Layers zur Verfügung.

d16-luSH-101-Layerverwaltung
d16-luSH-101-Layerverwaltung

Presets, die aus einer Kombination mehrerer Timbre-Layers mit jeweils ihren individuellen Einstellungen bestehen können, lassen sich wiederum mit einem eigenen Verwaltungssytem abspeichern und laden. Hier lässt sich auch durch die über 1600 mitgelieferten, kategorisierten Presets browsen.

d16-luSH-101-Presetverwaltung
d16-luSH-101-Presetverwaltung

Rechts oben findet man drei farbige Knöpfe: „SYNTHESIS“, „MODULATION MATRIX“ und „MASTER MIXER“. SYNTHESIS öffnet die schon bekannte GUI-Ansicht zur Timbre-Editierung. MASTER MIXER hingegen ruft gleich ein komplettes virtuelles Mischpult inklusive 3 weiteren, globalen Send-Effekten im LuSH-101 auf.

d16-luSH-101-Mischpult
d16-luSH-101-Mischpult

Zunächst finden sich hier die 8 Kanäle für die 8 Layers. Jeder dieser Kanäle verfügt neben den üblichen Parametern wie Volume und Panorama jeweils auch noch über einen eigenen Kompressor sowie über einen einfachen parametrischen EQ. Darüber hinaus gibt es pro Kanal 3 Send-FX-Regler für die dazu gehörigen Effekte auf der rechten Seite, als da wären Reverb, Delay und Chorus. Auch Reverb- und Delay-Presets lassen sich übrigens separat verwalten. Neben den Layer-Kanälen befinden sich im Mixer sogar noch 3 Return-Kanäle für die gerade erwähnten Effekte.

Da der LuSH-101 insgesamt über 11 Ausgänge verfügt, kann man diese Mixer-Kanäle bei Bedarf sogar einzeln abgreifen, natürlich ein geeigneter Host vorausgesetzt. Cubase-Nutzer sollten den LuSH-101 also am besten ins altbewährte Rack laden und nicht in eine dieser Intstrumentenspuren, wie sie die etwa neueren Cubase-Versionen bieten.

Der vorhin aufgezählte Knopf „MODULATION MATRIX“ schließlich bringt folgende Ansicht zum Vorschein:

d16-luSH-101-MODULATION  MATRIX
d16-luSH-101-MODULATION MATRIX

Hier lassen sich nach Belieben Modulationsquellen und -ziele auswählen und die Modulationstiefe sowohl im positiven, als auch im negativen Wertebereich definieren.
Natürlich kann noch weitaus mehr, als die in der Abbildung oben angezeigten Verknüpfungen erstellen (und auch wieder löschen).

An Modulationsquellen lässt sich neben diversen MIDI-Controllern interessanterweise auch der Output des Gaters auswählen, und als Modulationsziele kommen nicht nur die üblichen Synthesizer-Bausteine in Frage, sondern auch verschiedene Parameter der Insert-Effekte. Schön!

Ich habe jetzt sicherlich den einen oder anderen Parameter des LuSH-101 noch nicht erwähnt, aber dieser Testbericht soll ja schließlich auch nicht das User-Manual ersetzen, das sich im Übrigen ja jedermann auf der Produktseite des LuSH-101 frei herunterladen kann (siehe Link ganz unten)…

Der Klang des LuSH-101

Machen wir’s kurz und bündig: Das Teil erfüllt durchaus die klanglichen Erwartungen, die der Verfasser im Vorfeld aufgebaute, nachdem d16 dieses Plugin derart vollmundig angekündigt hatte.

Leider habe ich hier nicht einen SH-101 oder wenigstens eine MC-202 für einen direkten Vergleich herum stehen, aber zumindest das, was mir davon klangmäßig noch im Hirn hängen geblieben ist, kommt für mein subjektives Empfinden dem, was ein einzelner Layer ohne FX im LuSH-101 hervorzubringen vermag, schon sehr Nahe. Vor allem die Hüllkurven sind bei Bedarf genauso knackig, wie ich es von der MC-202 in Erinnerung habe.

Selbst der simple Init-Sound mit seinem Sägezahn kommt schon mit ordentlich Druck aus den Strümpfen. Die verschiedenen Presets verfügen auch im Gegensatz zu manch anderem virtuellen Synthie über einen recht weiten „Sweet Spot“ und klingen nicht nur in einzelnen Tonlagen gut. Das Ganze klingt für mich persönlich schon eindeutig in Richtung alter, analoger ROLAND-Klassiker.

SH-101-Fetischisten finden sicherlich immer noch ein Quäntchen mehr „analogen Klang“ in ihrer Hardware, aber ob sich dieses dann hinterher auch noch im fertigen Mix durchzusetzen vermag, das ist eine ganz andere Frage…

Da die klanglichen Möglichkeiten des LuSH-101 jedoch noch weit über die seiner realen Vorbilder hinaus geht und er zudem auch polyphon und multi-timbral spielbar ist, ist er zu einem weitaus größeren Spektrum an Klängen fähig, als man es zunächst von ihm als SH-101-Emulation erwarten würde. Dank Layer-Sounds und guten Effekten erzeugt der LuSH-101 beispielweise auch Klänge, die eher aus meinem hochgeschätzten JD-800 stammen könnten, den ich einst mein Eigen nannte.

Die unzähligen mitgelieferten Presets sind professionell und ohrenscheinlich mit viel Liebe erstellt worden. Sie decken einen weiten Bereich ab. Man findet dort Sound-Patches von retro-mäßig bis hin zu hochmodern, womit der LuSH-101 also auch für Produktionen, die dem aktuellen Trend folgen, gut geeignet ist. Und die „Tempo-Based“ Presets erzeugen auch bei den Trägeren richtig Laune zum Musizieren.

Ausgesprochen gut haben mir übrigens auch die Drum- und Percussion-Sounds gefallen, die der LuSH-101 hinbekommt. Solche Sounds findet man zwar auch in anderen virtuellen Synthies, aber dort klingen sie mir oft genug zu flauschig oder einfach zu schlecht.
Beim LuSH-101 kommt derartiges aber knackig und mit dem gewünschten Druck aus der Dose. Wer hätte das von der d16 Group erwartet…? 😉
So, und jetzt hört doch einfach mal selbst und bildet Euch euer eigenes Urteil:

Klangbeispiele D16-LuSH-101

Auf der Produktseite des LuSH-101 noch allerlei weitere Demo-Tracks , und auch eine Demo-Version des LuSH-101 lässt sich hier abgreifen. Saugen und selbst Testen!

Fazit: Also, klangmäßig gefällt mir der LuSH-101 ja doch schon ziemlich gut, ich steh‘ nun halt mal auf diesen „ROLAND-Sound“. Auf der anderen Seite allerdings bereitet mir die bei Vollbetrieb auftretende CPU-Belastung ein wenig Kopfzerbrechen. Ich behalte meine Hardware ja meistens so lange wie möglich und überspringe bei einem Upgrade dann gleich mehrere Generationen. Extra wegen dem LuSH-101 würde ich mir sicherlich jetzt auch keinen Achtkern-Prozessor anschaffen, sondern eher mit genügsameren Presets (davon gibt es viele) und/oder mit Track-Bouncing arbeiten. Ach so, hatte ich schon wieder ganz vergessen, auch acht oder hundert Kerne würden mich bei dem LuSH-101 ja derzeit noch nicht allzu weit bringen, wenn er tatsächlich nur einen davon nutzt… 😉

Wer allerdings über einen aktuellen und potenten Rechner verfügt, der meine alte Kiste sowieso locker abhängen dürfte, der macht sich vermutlich auch keinen Kopf wegen der recht hohen Systemanforderungen des LuSH-101 und erfreut sich dafür vielmehr an dessen fetten Multi-Layer-Klängen. Wie gesagt, mit solchen CPU-Anforderungen dürfen sich teilweise auch die Nutzer des DCAM SYNTH SQUAD und vor allem der U-HE DIVA herumschlagen. Testet vor dem Kauf also unbedingt die Demo-Version auf eurem Rechner! Bei wem der LuSH-101 wirklich rund läuft, der wird von ihm mit tollen Sounds belohnt.

Der LuSH-101 ist online bei der d16 Group erhältlich und kostet 149,- Euro. Das ist sicherlich kein Preis, den jeder Hobbymusiker mal so eben aus der Portokasse zusammenklauben kann, allerdings kosten vergleichbare professionelle Software-Synthesizer ähnlich viel Kohle. Für den Profi stellt der Preis daher wohl auch kaum ein Hindernis dar. Und wenn man sich mal ansieht, wie hoch die Gebrauchtmarktpreise für die alten Hardware-Vorbilder mittlerweile liegen (Tja, so um 1987/88 herum wurde die vermeintlich überholte MC-202 in lokalen Kleinanzeigen noch für rund 100,- bis 150,- Deutschmark vertickt… Diese Zeiten sind vorbei!), dann ist der LuSH-101 auf einmal auch gar nicht mehr so teuer.

Tipp: Den LusH-101 kann man sich ja auch zu Weihnachten schenken lassen… 😉
Um die eingangs gestellte Frage zu beantworten (die ja eigentlich aus der Werbung von d16 zum LuSH-101 stammt), auch der LuSH-101 wird mich sicherlich nicht dazu bewegen, alle meinen anderen Synthies von der Platte zu löschen, weil ich sie nun nicht mehr brauche. Aber das hatte ja wohl auch niemand wirklich erwartet, oder? Auf jeden Fall steht das „lush“ aber tatsächlich eher für „üppig“, was Sound und CPU-Anforderung angeht, und lediglich mein alter Rechner hat sich als die Lusche hier herausgestellt.
Was mir besonders gut gefiel:

  • Sehr guter Grundklang
  • Konzept
  • Bedienung
  • optisches Design
  • gut klingende integrierte Effekte
  • MIDI-Learn
  • Reglerbedienung via Mausrad möglich

Was mir weniger gut gefiel:

  • teilweise recht hohe CPU-Belastung (flotter Rechner notwendig)

Mein subjektives Testurteil nach Schulnoten: gut (2)
Produktseite: www.d16.pl/lush-101
Testbericht geschrieben von Perry Staltic

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