Falcon von UVI Testbericht

Schon der erste Blick zeigt, dass man hier eine andere Klasse Klangerzeuger vor sich hat, als normalerweise, ein Hybrid-Instrument, das aussergewöhnlich viele Möglichkeiten der Sounderzeugung vereint. Die schiere Anzahl von Oszillatortypen und Sample-Playern ist schon erstaunlich und noch erstaunlicher, dass man eine beliebige Anzahl davon verwenden, mappen und layern kann, nur die Prozessorkapazität setzt hier eine natürliche Grenze. Das Konzept dieses Instruments ist so flexibel, dass man theoretisch jeder einzelnen Taste einen separaten Stapel unterschiedlicher Oszillatoren und Samples zuweisen könnte.

Es wurde schnell klar, wenn man die Möglichkeiten von Falcon ganz ausschöpfen will, dann muss man sich mindestens einige Monate intensiv damit auseinandersetzen. Deshalb greife ich für diesen Testbericht auch auf die Beiträge erfahrener MachFive User in den Forums-Threads auf KVRaudio zu Falcon zurück. Warum MachFive? Weil Falcon im Prinzip die nächste Version von MachFive 3 von Motu ist, also MachFive 4, aber von UVI, die MachFive im Auftrag von Motu programmierten.

Falcon_Edit_Screen

Ich weiss nicht, was da im Hintergrund gelaufen ist, jedenfalls hat UVI offenbar die Rechte an einem Großteil des Codes und brachte das Programm modernisiert und weiterentwickelt unter einem neuen Namen bei dem eigenen Label heraus.

Dennoch gibt es einige Unterschiede: MachFive wurde eher als ein Sampler in Konkurrenz zu Kontakt vermarktet, was sich auch in einer großen, hochwertigen Sample-Library niederschlug und in Importformaten für Multisample-Bibliotheken anderer Sampler von Akai über Giga bis Kontakt 4. All das fehlt jetzt, die Samplebibliothek ist gegenüber MachFive relativ klein und auf die Sound Design Fähigkeiten des Programms und unter anderem auf den neuen Multigranularen Sample-Player ausgerichtet. An Importformaten gibt es nur die Basics, immerhin auch FLAC und MP3, was MachFive nicht kannte und als einziges Samplebibliothek-Format, ausser dem Hauseigenen UVI-Format und MachFive gibt es SFZ, allerdings nur etwas eingeschränkt, dazu aber später mehr. Im UVI /MachFive Format existieren noch einige wenige Bibliotheken von Drittherstellern, z. B. das herausragende Ravenscroft-Grand Piano von VI Labs oder die neue „Tines“ E-Piano Bibliothek von Gospel Musicians.

Falcon hat seinen Schwerpunkt stärker auf Sound Design, als MachFive, gerade die neu hinzugekommenen Oszillator-Typen, wie der Pluck Oszillator oder der Multi-Granulare Sampleplayer oder der aufgebohrte Wavetable-Oszillator schärfen das Profil in diese Richtung deutlich. Mit der Oszillator-Sektion setzte sich MachFive schon deutlich vom Sampler-Platzhirsch Kontakt ab, doch am ehesten vergleichen kann man Falcon mit Steinbergs Halion, der über eine ähnliche Mischung aus virtuell-analogen und sonstigen Oszillatoren und Sample-Playern einschließlich Multi-Sampleinstrumenten verfügt. Aber mit dieser Phalanx an Oszillatoren und vor allem Effekten kann die gegenwärtige Inkarnation von Halion nicht mit halten.

Der zumindest auf der PC-Plattform unlängst verblichene Sample-Synthesizer Alchemy kommt noch in den Sinn, doch die Unterschiede sind zu groß, als dass man diese Instrumente in dieselbe Kategorie einordnen könnte.

Alles in allem kann man sagen, dass Falcon im Moment die Spitze dessen darstellt, was man in einem Instrument an modularen und sehr flexiblen Komponenten für Sound Design -Aufgaben haben kann. Was man höchstens noch vermissen könnte, um auf sehr hohem Niveau zu jammern, sind die spektralen und additiven Synthesemethoden von Alchemy und dessen geniale Snapshot-Überblendung, aber sonst kaum etwas.

Wie sieht diese Eierlegende Wollmilchsau also im Detail aus? Aus der Fülle lassen sich nur die wichtigsten Komponenten und Eigenschaften herausgreifen.

Programmstruktur

Um all die Komponenten und ihr Zusammenwirken überhaupt handhabbar zu machen braucht ein so umfangreiches Programm eine klare Struktur, sowohl in der Programmlogik, als auch im Aufbau der Bedienoberfläche.
Ein Instrumenten-Preset baut sich nach einer ineinander verschachtelten Hierarchie auf. Jede Instanz von Falcon enthält als alles umfassenden Container ein Multi, der beliebig viele Parts enthalten kann, die jeweils ein Program beherbergen, was im Prinzip auf dieser Ebene dann einem normalen Preset eines Synthesizers mit mehreren Layern entspricht. Beliebig viele Layer kommen als nächstes, diese setzen sich aus einer oder sehr vielen Keygroups zusammen und dann sind wir mit den Oszillatoren, aus denen eine Keygroup besteht, auch hier nur einer oder mehrere übereinander geschichtet, erst bei den Grundbausteinen, die überhaupt den Sound produzieren.

Falcon_Structure_Man_Screen
Die Hierarchie von Falcon

Was ich mich gleich gefragt habe, ist dass Part und Program zunächst doppelt gemoppelt erscheint, denn ein Part kann ja nur jeweils ein Program enthalten, dann könnte man ja Part weg lassen und gleich Program nehmen. Der Witz liegt hierbei aber darin, dass man unabhängig vom enthaltenen Progam solche Werte wie MIDI-Kanal, Lautstärke oder Event-Prozessoren wie Arpeggiatoren zuweisen kann und das alles erhalten bleibt, auch wenn das enthaltene Program gewechselt wird.

Auf jeder dieser fünf Ebenen in der Hierarchie können Modulationen, Effekte und MIDI-Prozessoren eingesetzt werden. Über die Gliederungsmöglichkeiten von Kontakt beispielsweise geht das weit hinaus. In der Programmoberfläche spiegelt sich diese Komplexität durchaus, dennoch schälen sich die groben Konturen des Aufbaus mit Ausprobieren oder etwas Handbuchstudium schnell heraus. Dem entgegen kommt das angenehm klare und schnörkellose Design der Oberfläche, die für mein Empfinden dennoch schön ist und das tote Grau so manch anderer klarer, aber an Uralt-Windows Anno Zopf Design-Wüsteneien erinnernden Lösungen vermeidet. Werte und Button- oder Sliderzustände sind gut erkennbar und das Ganze wirkt dennoch modern und nicht altbacken.

Ohne zu sehr ins Detail zu gehen teilt sich die Oberfläche im wesentlichen in die obere Menüleiste, einen Mittelteil, in dem der größte Teil der Einstellungen stattfindet und eine linke und eine rechte Seitenleiste auf.
In der linken Seitenleiste findet die Navigation innerhalb der Hierarchie statt. Je nach Situation in einem groben Überblick der Parts des Multis, einer Tree View, die wie eine Baumstruktur eines Dateibetrachters zu den letzten Details des Aufbaus eines Sounds führt und einer Listenansicht, die vor allem bei der Arbeit mit Keygroups im Mapping-Editor nützlich ist.
Die rechte Seitenleiste beherbergt den File- und Preset Browser, der alles, was es an Dateien für Falcon geben kann präsentiert.

Die Oberfläche in ihre Bereiche aufgeteilt
Die Oberfläche in ihre Bereiche aufgeteilt

Die Tree View bietet die wichtigste Übersicht über ein Preset in fast allen seinen Teilen. Effekte, Events und Modulatoren kann man ein- und ausblenden um je nachdem eine noch bessere Orientierung zu gewinnen. Klickt man einen Punkt an, springt die Ansicht in der Edit-View auf diese Ebene und ihre Inhalte, ebenso im Hintergrund in den anderen Tabs. Man kann also z. B. das Effekte-Fenster auf haben und auf den verschiedenen Hierarchieebenen hin und her springen und jeweils die Effekte und ihre Einstellungen sehen. Ein Doppelklick auf einen Eintrag bringt einen direkt zu diesem in seinem primären Editier-Fenster.

Die Tree View ermöglicht einen schnellen Zugriff auf viele Parameter und bietet den besten Überblick über den Aufbau eines Programs.
Die Tree View ermöglicht einen schnellen Zugriff auf viele Parameter und bietet den besten Überblick über den Aufbau eines Programs.

In die Main View im Mittelteil können per Tab verschiedene Ansichten eingeblendet werden, die wichtigste ist die Edit-View, in der der Hauptteil der Einstellungen stattfindet. Die Edit View ist von der Programmebene ab ein Abbild der Hierarchie über die Layer und Keygroups bis hinunter zu den Oszillatoren, überall kann man hier direkt Werte verändern oder neue Layer oder Oszillatoren einfügen.

Die Edit View zeigt die wichtigsten Bestandteile eines Presets.
Die Edit View zeigt die wichtigsten Bestandteile eines Presets.

Unter dem Block für die Oszillatoren befindet sich der Mapping-Editor, mit dessen Hilfe die Keygroups einzelnen Tasten oder Pitch- und Velocityzonen auf der Keyboardtastatur zugewiesen werden.
Schaut man in die Foreneinträge zu Falcon finden sich hierzu viele Hilferufe, weil manches im Detail nicht so funktioniert, wie erwartet und dieser Bereich sehr komplex und diffizil zu bedienen ist. Die Besonderheit von Falcon tritt auch an dieser Stelle zu Tage, es können auf das Mapping-Grid eben nicht nur Samples, sondern auch Synth-Oszillatoren mit allen Einstellungen, wie sie sich denn nun zu verhalten haben gemappt werden. Das Grundprinzip ist aber das ähnliche, wie in jedem anderen anspruchvolleren Sampler. Zu erwähnen ist, dass hier zum Beispiel verschiedene Artikulationen eines akustischen Instruments in Layern organisiert werden, zwischen denen man dann per zugewiesenenem Keyswitch während des Spiels wechseln kann.

Im Mapping Editor werden die Keygroups von Samples und Oszillatoren positioniert und Multisamples erstellt.
Im Mapping Editor werden die Keygroups von Samples und Oszillatoren positioniert und Multisamples erstellt.

Anstelle des Mapping Editors wird bei einem geladenen Sample in einem Sample-Oszillator ein Wave-Editor eingeblendet, der grundlegene Festlegungen wie Sample oder Loop-Startpunkte und -Ende oder Loop-Bereiche ermöglicht.

Unter dem Mapping-Bereich ist zum Abschluss noch der Block für die Modulatoren. Wenn irgendein Parameter in der Edit-View selektiert wird erscheint hier der Pfad und die zugewiesenen Modulatoren. In der unteren Hälfte des Blocks können diese Modulatoren, seien es nun Envelopes, LFOs oder einer der anderen Modulator-Typen eingestellt werden.

Ganz unten ist ein Modulator, in dem Fall eine Multi-Segment-Hüllkurve eingeblendet.
Ganz unten ist ein Modulator, in dem Fall eine Multi-Segment-Hüllkurve eingeblendet.

Der Effects Tab neben dem Edit Tab blendet die Effekt-Abteilung ein, hier auch wieder hierarchisch gegliedert können auf jeder Ebene von Falcon Effekte eingeklinkt werden, zu den Effekten weiter unten genaueres. bei den Tabs für Events, die im weiteren Sinne alles mit MIDI verwalten und dem für Modulationen hat man es mit ebenfalls in hierarchischer Abfolge organisierten Ansichten zu tun, die ausschließlich und mit mehr Details diese Themen behandeln, die schon in der Edit View auftauchen.

Ganz links der erste Tab ist der Info Tab, der eine Art Programmoberfläche darstellt, wie bei Kontakt-Instrumenten, hier tauchen Makro-Regler auf, wenn sie zugewiesen wurden, die mit wichtigen Parametern in den Tiefen des Instruments verbunden sind. Dabei können einem Regler auch mehrere Parameter auf ein mal zugewiesen werden. Informationen zu diesem Preset findet man hier ebenfalls.

Per Makro Regler auf der Info-Seite gelingen schnelle Eingriffe in den Sound.
Per Makro Regler auf der Info-Seite gelingen schnelle Eingriffe in den Sound.

Werden die Hauseigenen Sample-Instrumente mit gescripteten Oberflächen geladen, dann erscheinen auf der Info Seite deren Oberflächen mit allen Bedienelementen. Fügt man allerdings in den Tiefen von Falcon eigene Layer dazu gibt es keine Möglichkeit mehr Makro-Regler zusätzlich auf die Info Seite zu legen. Hier funktioniert nur noch die direkte Kontrolle über MIDI CC.

Die Oberfläche eines Sample-Instruments von UVI auf der Info Seite.
Die Oberfläche eines Sample-Instruments von UVI auf der Info Seite.

Der File-Browser in der rechten Seitenleiste ist nach Festplatten, Places, was definierte Lieblingsordner darstellt und Soundbänken gegliedert. Dateien wie z. B. Samples lassen sich hier per Drag and Drop in die Tree View hieneinziehen. Über die Soundbank-Ansicht lassen sich Programs per Doppelklick laden. Während der Arbeit an einem Sound kann man die einzelnen Module wie Oszillatoren, Effekte und Modulatoren in die Hierarchie an die gewünschte Stelle ziehen. Für Multis und Programs gibt es auch große separate Browser, die man mit einem Klick auf den Namen des Multis oder des Programs erreicht und die den Main-Screen überlagern. Dass der offene Preset-Browser in der Seitenleiste ständig wieder zu klappt, sobald man zu einem anderen Plugin wechselt oder etwas im Main Screen editiert und da zwischen den Tabs hin und her schaltet, wird schon in den Foren bemängelt. Und das ärgerliche ist dann, dass es keinen Pfad beim Preset-Namen gibt, man sich den merken und jedes mal wieder von Anfang an durch drei Ebenen durchklicken muss um wieder im vorigen Preset-Unterordner zu landen.

Der File- und Preset Browser verfügt über verschiedene Tabs und Ansichten, die die vielfältigen Quellen für Falcon erschließen.
Der File- und Preset Browser verfügt über verschiedene Tabs und Ansichten, die die vielfältigen Quellen für Falcon erschließen.

Oszillatoren

Falcon verfügt über verschiedenste Oszilllatoren, darunter auch einen virtuell-analogen Oszillatortyp, was an sich nicht so wirklich etwas besonderes ist – aber in der Verbindung mit all den anderen Möglichkeiten mit anderen Oszillator-Typen und Samples eben doch. UND diese virtuell-analogen Oszillatoren sind keine nette Beigabe sondern klingen wirklich gut. Nein, keine perfekte Emulation eines bestimmten Vintage-Oszillators, aber warm, fett und rund und immer gut um Druck zu erzeugen.
In diesem modularen Umfeld, in dem man alles übereinander layern, nacheinander anordnen und vielfältig modulieren kann macht die acht-fach-Variante davon, Analog Stack, besonders Eindruck, die einen Sound mit parallelen, verschiedenen Wellenformen und Verstimmungen samt Positionierung im Stereofeld gewaltig aufblasen kann.

Die FM-, die gute Orgel-Emulation und Drum-Synthese Oszillatoren seien der Vollständigkeit halber erwähnt, auch hier gilt: die Kombination erweitert die Möglichkeiten enorm, aber anspruchsvoller ist der Pluck-Oszillator.
Dabei handelt es sich um eine ausgefeilte physikalisch modellierte String-Synthese, die eine Menge Kontrollen mit bringt. Ungewöhnlich dabei ist, dass neben einem Synth-Ton und Rauschen auch Samples als Exiter fungieren können und man sogar eigene Samples verwenden kann. Des weiteren können zwei Saiten miteinander gekoppelt werden und beeinflussen sich gegenseitig, was vom Prinzip her an Chromaphone erinnert und zum Abschluss kann auch noch zwischen verschiedenen Karplus-Strong Algorithmen gewählt werden. Je nachdem, was man erreichen will, einen gedämpften Bass oder einen hohen, klaren Anschlag eignet sich die eine oder andere der vier Alternativen.

Der Pluck Oszillator ist mit etlichen fortgeschrittenen Eingriffsmöglichkeiten ausgfestattet.
Der Pluck Oszillator ist mit etlichen fortgeschrittenen Eingriffsmöglichkeiten ausgestattet.

Der Wavetable Oszillator ist ebenfalls ein Neuzugang und bringt die typischen Wavetablesounds hervor. Er bietet einige Kontrollen, die Position, Verzerrung und Modulation beeinflussen, ist aber natürlich nicht auf dem Niveau eines Spezialisten, wie Serum oder Nave und verfügt über keinen Wavetable-Editor. Extern erstellte Wavetables können aber importiert werden, darüber hinaus kurze Audioschnipsel, die dann in ihre Wellenzyklen auseinandergenommen werden und erstaunlicherweise Bilder. Bei den Bildern wird die Helligkeitsinformation pro Pixelzeile genomen, um den Verlauf der Wellenform eines Slots festzulegen. Es gibt eine größere Anzahl von Factory-Wellenformen, die man als Ausgangspunkt für eigene Fahrten durch die Wellenabfolge nehmen kann.

Es gibt schon etliche Wellenformen zur Auswahl und gerade die Image-Import Funktion bietet einen schnellen Weg für ungewöhnliche Wavetable-Experimente.
Es gibt schon etliche Wellenformen zur Auswahl und gerade die Image-Import Funktion bietet einen schnellen Weg für ungewöhnliche Wavetable-Experimente.

Sample Player

Schon die Oszillatoren von Falcon und ihre unbegrenzten Kombinationsmöglichkeiten für sich genommen ergeben einen Synthesizer, der es in sich hat. Die Sample Player, UVI nennt sie Sample Oscillators ergänzen diese akustische Werkzeugpalette um alle Töne, die man in dieser Welt mit Mikrofonen einfangen kann und dreht sie mit speziellen Algorithmen durch die Mangel.

Auch hier gibt es einfachere und anspruchsvollere Typen, sowohl was die Einstellmöglichkeiten und Klangqualität betrifft, als auch die dabei entstehende Prozessorlast.
Zunächst ist Falcon, wie MachFive ein mächtiger Sampler, in dessen Mappingsystem man Samples in verschiedenen Lautstärkeabstufungen den einzelnen Tasten/Tönen zuweisen kann. UVI bietet bisher ja fast ausschließlich, bis auf die erst jüngst hinzugekommenen Effekt-Plugins Samplebibliotheken in ihrem eigenen Format, das mit der UVI-Workstation abgespielt werden kann an. Diese Bibliotheken lassen sich natürlich genau wie diejenigen im MachFive-Format in Falcon öffnen. Wie in Kontakt auch kann man eigene Samples über den Mapping-Editor auf dem Keyboard verteilen, über Layer werden verschiedene Sounds übereinandergeschichtet. Das Verhalten auf bestimmte Trigger hin kann über Skripts festgelegt werden, auch hier gibt es kaum Unterschiede zwischen Falcon und den anderen großen Samplern.
In der Praxis existiert eine weitaus größere Anzahl von Samplebibliotheken für Kontakt und der Verlust der Importmöglichkeit zumindest für Kontakt 4-Bibliotheken ist schon ärgerlich. Wobei, wie gesagt liegt der Schwerpunkt von Falcon eher beim Sound Design und man wird in vielen Fällen einzelne Samples in die Sample Oszillatoren ziehen und diese dort manipulieren.

Eher für Drumloops gibt es den Slicer, der das macht, wie er heisst, nämlich Loops in ihre Bestandteile zerlegen und über Tastenschläge neu anordnen. Sehr nützlich ist hierbei, dass Falcon auch REX-Loops importiert, die schon vorgeschnitten sind. Man kann die Loops aber auch mit allen Schikanen selbst unterteilen. Ein Klick auf den Button „Map“ verteilt die Slices in einem neuen Layer auf entsprechend viele Tasten, per Drag and Drop zieht man dann ein MIDI-File in den Host und kann von dort die Drum Hits umarrangieren.
Neben den „normalen“ Sample Playern punktet Falcon vor allem mit den hochwertigen Audio-Algorithmen des Pariser IRCAM-Instituts, die innerhalb großer Bandbreiten fast Artefakt-frei Time-Stretching und Pitch Shifting applizieren und in der Qualität hier mindestens an Kontakt heranreichen. Neu hinzugekommen ist der Multi-Granulare Sample-Oszillator, der Audiodateien mit mehreren granularen Abspielköpfen durchfährt und nicht nur dieselben, sondern noch einige Kontrollen mehr bietet, als der bisherige Single-Grain Oszillator. Die Ergebnisse mit passendem Audiomaterial sind beeindruckend. Laut Auskunft von Simon Stockhausen in dem epischen Falcon Thread auf KVRaudio ist dieser Granulare Oszillator fast genau so gut, wie der von Halion, der nur durch seine längeren Grain-Sizes die Nase vorn hat.

Der Multi Granular Oszillator ist sehr gut für abwechslungsreiche Soundscapes einsetzbar.
Der Multi Granular Oszillator ist sehr gut für abwechslungsreiche Soundscapes einsetzbar.

SFZ Import

Ausser dem Hauseigenen Format für Sample Bibliotheken und dem MachFive Format kann Falcon im Gegensatz zu dem sehr Kontaktfreudigen MachFive nur noch das SFZ Format lesen. Das ist zunächst mal sehr gut, weil dem Quelloffenen SFZ Format gehört im Gegensatz zu dem mittlerweile sehr angegrauten SoundFont Format die Zukunft. Zumindest theoretisch. Praktisch gibt es einfach noch nicht allzu viele SFZ Bibliotheken. Das Magazin Beat treibt das zwar mit ihrem sehr löblichen Zampler RX Plugin und den entsprechenden Bibliotheken voran und Ploque mit dem Sforzando Player und einigen frei verfügbaren Bibliotheken, die damit mit kommen, aber ansonsten gibt das Internet noch nicht allzu viel her. DasTool sfZed http://audio.clockbeat.com/sfZed.html ermöglicht die Umwandlung von SoundFonts in SFZ und erschließt damit eine größere Anzahl Sounds, doch hier verschwinden nach und nach die Hosts, auf denen man sie noch findet. Das Dumme ist nur, dass sich mittlerweile verschiedene Dialekte des SFZ Formats herausgebildet zu haben scheinen. SFZ Presets von Cakewalks Dimension und Rapture werden vom Zampler und Sforzando nicht geöffnet und Falcon öffnet zwar die Bibliotheken, die mit dem Zampler mit kommen, aber die komplexeren von Sforzando, die wahrscheinlich Befehle enthalten, die Falcon nicht kennt, werden nicht erkannt. Da nun eindeutig Falcon das ausgefeilteste Audioprogramm ist, in das man zur Zeit SFZ laden kann wäre es sehr gut, wenn sich UVI noch ein mal an die Implementation des Formats setzen würde um es so erweitern, dass es wirklich alle Befehle die SFZ umfasst und die mittlerweile in Gebrauch sind auch versteht.

Modulationen

Im Modulation Tab werden alle Modulationsquellen, die in einem Preset aktiv sind aufgeführt. Über eine Breadcrumb-Navigation werden einzelne Nodes ausgewählt und die Modulatoren auf dieser Ebene werden angezeigt. Alternativ kann man sie auch über die Tree View erreichen.
Zugewiesen werden Modulationsquellen normalerweise über einen Rechtsklick auf die Kontrolle des Parameters, den man beeinflussen will.

Mit einem Klick auf einen Parameter in der Edit-View wird zwar der dazugehörige Modulator unten angezeigt, aber bei vielen Modulatoren ist es im Modulator Tab selbst schwierig herauszufinden, welche Ziele dieser oder jener Modulator nun tatsächlich hat. Es wäre hilfreich, wenn das durch ein Info-Feld oder eine andere Auflistung von Pfaden gleich klar wäre.

An Typen stehen einige herkömmliche Hüllkurven, auch eine DAHDSR-Variante, eine Multi-Segment-Hüllkurve und ein Step-Envelope, in die man einfach Steps einzeichnet zur Verfügung. Die einfachen AD oder die analoge ADSR arbeiten aber nur auf dem Keygroup-Level, was eine ziemliche Einschränkung bedeutet. Auf die eigentlich ganz schick aussehende DAHDSR trifft das auch zu. Es ist tatsächlich, wie im Forum schon erwähnt ein Designfehler, dass man diese Modulatoren zwar auf Layer- Ebene zuweisen kann, sie aber einfach keine Wirkung haben. Die Multi-Segment Envelope arbeitet auch auf auf einem Layer, allerdings funktioniert das Retriggering nicht, was irgendwie auch seine Logik hat. Da etliche Effekte auf dem Keygoup-Level gar nicht zur Verfügung stehen, kann man z. B. ein Delay oder ein Reverb nicht mit einer Envelope mit Sustain-Haltepunkt und Retriggering modulieren.

Die Step Envelope ist nach der Art eines Step-Sequencers gestaltet und kann bis zu 128 Schritte umfassen. Mit der Interpolationsmethode Spline werden die Stufen im Hintergrund zu glatten Kurven umgerechnet und ergeben dann ein LFO-artiges Muster.

Modulatoren werden vor allem auf der Keygroup-Ebene eingesetzt, können den Sound aber auch an anderen Stellen in Bewegung versetzen.
Modulatoren werden vor allem auf der Keygroup-Ebene eingesetzt, können den Sound aber auch an anderen Stellen in Bewegung versetzen.

LFOs kann man überall einsetzen. Die Wellenformen für den LFO umfassen die klassischen Typen und zusätzlich Random Sample & Hold und verschiedene Chaos-Varianten. Auch eine User-Wellenform wird angeboten, hier kann man in ein Popup-Fenster selbst eine Wellenform Freihand einzeichnen. Die höchste Frequenz des LFOs bleibt relativ niedrig und ist weit entfernt vom hörbaren Bereich. Bei den Modulatoren könnte ich mir noch modernere und experimentellere Modelle vorstellen, was eigentlich zu Falcon passen würde.

Natürlich können auch externe MIDI-CC Modulationsbefehle empfangen und über eine große Liste zugewiesen werden. Das geht zwar schnell, aber muss zumindest in meiner Umgebung explizit noch mal von Hand gemacht werden, obwohl z. B. in vielen Presets das Modulationsrad schon fest zugewiesen ist, aber der verbundene Regler einfach nicht darauf anspricht.

Teilweise ist es auch möglich, dass sich Modulatoren gegenseitig modulieren, was weite Spielräume für sich entwickelnde, abwechslungsreiche Soundvariationen öffnet.

Beispielhaft die Erstellung eines Sounds in Falcon mit den drei Highlights in der Oszillatoren-Sektion, dem Import von SFZ Multisamples, dem Wavetable-Oszillator und dem IRCAM Multi Granular Sample Oszillator.

Events

Für Events gibt es einen eigenen Tab und Ansicht in der Main View, hier werden MIDI-Prozessoren erstellt und verwaltet. Auch hier wieder, wie bei den Effekten ein hierarchischer Signalfluss von top to bottom.

Direkt in Falcon eingebaut sind vier Event-Prozessoren: ein gut ausgestatteter Arpeggiator, ein MIDI-Player ein Script-Prozessor und ein Micro Tuner. Micro Tuning erweitert die tonalen Möglichkeiten eines jeden Audio-Programms enorm, da es dann in jeder Stimmung und Skala spielbar ist, also nicht nur historische Stimmungen, sondern auch aussereuropäische Skalen, wie arabische oder balinesische. Und bei einem so vielfältigen Instrument wie Falcon gilt das im Quadrat. Der Micro Tuner lädt Scala-Dateien und so ist es beispielsweise möglich ein in einer exotischen Skala gestimmten Pad-Sound aus Kaleidoscope zu spielen und eine Oberstimme in der gleichen Skala mit einem Synth-Preset oder auch einem der Multigesampleten UVI-Instrumente dazu zu spielen.

Ein in der Skala Bohlen-Pierce Lambda gestimmtes Pad aus Kaleidoscope und ein dazu passender Leadsound in Falcon

Praktisch gibt es allerdings einige Hürden und Einschränkungen. Der Micro Tuner akzeptiert nur Skalen mit einer Anzahl von bis zu zwölf Teiltönen, was der gebräuchlichen westlichen Tonleiter entspricht. Andere Skalen können aber durchaus mehr Töne in einer Oktave oder Tritave oder was auch immer umfassen. Diese sind aussen vor, Bohlen-Pierce mit 13 Tönen oder indische Microtunings mit Vierteltönen gehen schon mal nicht, höchstens Teilmengen davon. Das eher exotische Scala Mapping Format wird ebenfalls unterstützt und ermöglicht die Stimmung jeden MIDI-Keys separat.
Speziell im Austausch mit Kaleidoscope gibt es Inkompatibilitäten im Werte-Format der Tuning-Dateien. Beide verstehen zwar Ratio-Brüche, aber damit lässt sich die Mehrzahl der Skalen nicht beschreiben, Kaleidoscope arbeitet meist mit Fließkomma-Ratios, Falcon mit Stimmungsangaben in Cent. Auf Anfrage beim Kaleidoscope-Entwickler bekam ich von ihm die Formeln, mit denen sich ein Format in das andere umrechnen lässt. Mit dieser Excel Tabelle Ratio_to_Cents_Conversion geht das dann auch komfortabler, als mit dem Taschenrechner.

Und dann gibt es da noch den Script-Pozessor, der generell Scripte, meist eben auch auf MIDI-Manipulation ausgerichtet ausführt. Skripte können geladen werden, da gibt es einige mitgelieferte Beispiele, wie z. B. einen Chorder und in einem externen Editor bearbeitet werden. Die Skriptsprache ist vom Aufbau her LUA, das aus der Game-Insdustrie kommt und entwickelt wurde um komplexe Game-Engines zu steuern. UVI erweiterte LUA mit spezifischen Kommandos zu UVIScript.

UVIScript dürfte mindestens so mächtig wie KSP, die Skriptsprache von Kontakt sein, was Produzenten von zukünftigen Bibliotheken für Falcon damit anfangen wird sich zeigen. Soweit ich es verstanden habe ist die überwiegende Mehrzahl der Parameter in Falcon per Skript ansprechbar.
Falcon empfängt ja auch OSC-Daten und ist damit für komplexe, hochauflösende Steuersignale ansprechbar, z. B. aus TouchOS, was weitere Szenarien eröffnet.

Effekte

Das besondere bei der Architektur von Falcon ist neben der unbegrenzten Mischung verschiedener Oszillatortypen dass auf jeder Hierarchieebene Effekte hinzugefügt werden können. Es ist auch möglich ganze Effekt-Ketten abzuspeichern und als Multi FX in einem beliebigen anderen Programm-Preset an irgend einer Stelle wieder einzuhängen. Nicht nur auf der Ebene der Multis, Parts, Programs und Layers können Effekte eingefügt werden, es gibt auch jeweils vier AUX -Kanäle auf der Master-Ebene, die von Sends aus den Parts beschickt werden, und auch bei den Programs gibt es vier AUX Kanäle, auf die anteilig Audio aus den Layern und Keygroups geroutet werden kann und dann durch die Effekte dieser AUX-Kanäle läuft. Man kann sagen, dass die Effekt-Architektur von Falcon an die einer ausgewachsenen DAW heran reicht. Aus meiner Sicht ist nur die Effekt-Sektion von MPowerSynth besser organisiert (allerdings ohne ein Reverb in der Klasse von SparkVerb), weil komplett modular aufgebaut und übersichtlicher, aber wirklich vergleichbar ist das nicht, weil zu unterschiedlich, MPowerSynth hat gar nicht die entsprechenden Ebenen, sondern klassisch einen Effektblock hinten dran hängen.

Bei den Effekten selbst fällt zunächst mal auf, dass es wirklich viele sind, was auch an den Legacy-Effekten liegt, die wegen der Abwärtskompatibilität zu alten MachFive- und UVI Workstation Presets noch mit an Bord sind. Aber auch die neueren sind eine Menge, wobei darunter auch etliche sind, die nicht gerade spektakulär wirken, sondern wenige Einstellmöglichkeiten und Features aufweisen.
Es gibt von fast allem mehrere Versionen, seien es nun EQs, Kompressoren, Distortion, klassische Gitarrren-Effekte oder Reverbs.

Die sehr umfangreiche Effektsektion kann beliebig mit verschiedensten Effekten bestückt werden.
Die sehr umfangreiche Effektsektion kann beliebig mit verschiedensten Effekten bestückt werden.

Am meisten sticht das SparkVerb hervor, da es den vollen Feature-Set des Plugins aus dem gleichen Haus bietet und ein sehr guter algorithmischer Hall-Effekt ist . Das Dual-Delay wirkt ebenfalls modern mit einer dynamischen grafischen Darstellung der Stereo und Phase -Einstellungen, an die Möglichkeiten von Relayer kommt es aber bei weitem nicht heran.
Ansonsten gibt es allein bei den „modernen“ Effekten zwölf Filter mit den unterschiedlichsten Eigenschaften, von den normalen Low Pass-Varianten bis zu einem Brickwall- Filter mit variabel einstellbarem Slope bis 96 dB, Vowel-Filter, analogen Filtern nachempfundenen Exemplaren usw.
Darunter sind Typen mit ordentlicher, agressiver Resonanz, die auch bissige, pfeifende Acid-Bässe hervor bringen können.
Equalizer gibt es auch einige, wobei die einfacheren sicher auch in vielen Situationen ausreichen. Aber es gibt auch einen aufwendigeren 8-Band EQ mit grafischen Filterkurven.

Auffällig ist noch das Effect Rack, eine Art Container für eine Effektkette, der automatisch bis zu acht Macro-Regler erzeugt, die man mit wichtigen Parametern der einzelnen Effekte in dieser Kette verbindet. Die Effekte werden nach Gusto zusammengestellt und ihre Gesamtwirkung auf den prozessierten Audiostream lässt sich in der Tree View einstellen.

Nützlich sind noch die Analyse-„Effekte“, darunter eine grafischen Phase-Darstellung und ein Spectrum-Analyzer.
In praktische allen Presets kommen massig Effekte zum Einsatz und wie immer gibt es versierte Sound Designer, die aus verhältnismäßig grottigen Grundklängen noch die interessantesten Klangwunder mit Hilfe eigentlich sehr gewöhnlich wirkender Effekte hervorzaubern.

Mixer und Performance View

Der Mixer von Falcon führt alle Audioströme zusammen und beherbergt in den Einheiten für die Parts jeweils eigene Effekt-Slots und Sends für die vier AUX Effekt-Busse in denen die Anteile für die AUX-Kanäle geregelt weden. Die AUX-Busse werden immer auf den Master OUT geroutet. Der Mixer ist vollkommen klassisch ausgeführt, mit Level-Anzeigen, Volume- und Pan Reglern und einem Master und steht dem einer DAW in nichts nach. Da verschiedenen Parts verschiedene MIDI-Kanäle zugewiesen werden können, kann man im Live-Spiel oder über die MIDI-Player die stand alone Version von Falcon auch tatsächlich so ähnlich benutzen wie eine kleine DAW.

Mixer mit verschiedenen Parts und aktivierten Sends auf die Master AUX Busse.
Mixer mit verschiedenen Parts und aktivierten Sends auf die Master AUX Busse.

Die Performance View ist primär für eine Live-Situation gedacht, in ihr werden auch die Parts angezeigt und man kann schnell grundlegende Parameter wie Volumen regeln und Keyboard-Bereiche festlegen um Splits zu erstellen. Das geschieht unabhängig von den Einstellungen in den Layern und Keygroups. Das heisst, wenn es dort einen Keyboardbereich nicht gibt, kann man ihn hier auch nicht erweitern.

Ein Beispiel mit verschiedenen Parts und Keyboard-Splits aus dem Handbuch. In den Presets habe ich so etwas nicht gefunden.
Ein Beispiel mit verschiedenen Parts und Keyboard-Splits aus dem Handbuch. In den Presets habe ich so etwas nicht gefunden.

Die Factory Presets

Die Presets, die mit Falcon mit kommen präsentieren die weite Bandbreite an Klängen, zu denen dieses Hybrid-Instrument fähig ist. Für mich sind immer die puren Presets am Aussagekräftigsten, abseits der beliebten Demos, die auch vieles beschönigen können.

Arpeggiated Der Arpeggiator von Falcon ist effizient und auch Kombinationen aus mehreren Arpeggiatoren und Layern sehr einfach möglich.

 

Bass Sub Hier kommen vor allem die Stärken der analogen Oszillatoren zum Tragen, teils auch die Wavetable Oszillatoren. Falcon ist hier auf einem sehr guten Niveau, bessere Oszillatoren findet man nur in sehr Prozessorlastigen Emulationen, wie U-HE Diva.

 

Bells Bei den Bells kommt naturgemäß der FM Oszillator am häufigsten zum Einsatz. In meinen Augen eher Standardkost.

 

Chords In der Chords-Kategorie sind klassische Standard-Klänge für Akkorde versammelt.

 

Distorted Die verzerrten Klänge profitieren von der Effekt-Sektion und der Phase-Distortion im Wavetable Oszillator.

 

Experimental In der Experimentellen Kategorie werden verschiedenste Methoden eingesetzt, um ungewöhnlichere Klänge zu erreichen. Vor allem Wavetable, aber auch granulare und analoge Oszillatoren.

 

Granular Der Multigranulare Oszillator stellt ein Highlight von Falcon dar, eine der interessantesten Möglichkeiten um Samples neue Seiten zu entlocken. Hall und Delay kommen aber auch verstärkt zum Einsatz.

 

Hybrid Perfs Die Presets dieser Kategorie sind komplex zusammengesetzt und auf den Instant-Einsatz in einer Performance ausgerichtet. So in etwa die Entsprechung des Inhalts der Soundbank eines Alleinunterhalter-Keyboards.

 

Keys Unter den Keys sind einige, die gut der Spur nach klassische Keyboards abbilden und noch mehr, die dem noch einiges aus der Effekt-Kiste hinzufügen.

 

Lead Durchsetzungsfähige klassische Leads sind auch durchaus die Sache von Falcon.

 

Organ Orgeln sind ein eigener Oszillator in Falcon und das schlägt sich in einer exzellenten Qualität dieser Sektion nieder.

 

Pads Flächenklänge in allen Variationen. Hier nicht mal mit granularen Oszillatoren, sondern erstaunlich viele ganz konventionell analog.

 

Pluck Die Saiten-Emulation ist sicher ein weiterer Höhepunkt im Klangerzeuger-Arsenal von Falcon. Einige Klänge stammen aber auch aus dem FM Oszillator.

 

Polysynth In dieser Kategorie sind Klänge, die eher polyphonen Synths entsprechen.

 

Rhythmic Unter Rhythmic finden sich sowohl Drums aus dem Drum Oszillator, als auch arpeggierte und gegatete Synth-Sounds.

 

Special FX Spezialeffekte, aber auch viele Klänge, die man auch unter experimentell einordnen könnte. Die Radioklänge aus dem Wavetable Oszillator oder Chipsounds aus den analogen Oszillatoren zählen auch dazu.

 

Sub Drones Basslastige Flächenklänge, die eher für Filmmusik gut sind.

 

Sweep Rise Riser und Sweeps für alle Gelegenheiten. Diese Sektion hätte man noch weiter ausbauen können, aber mit den Modulationsfähigkeiten von Falcon sicn Riser auch schnell gemacht.

 

Synth Brass Die Brass-Presets geben die ganze Palette an Brass-Sounds wieder.

 

Vocal Formant Das Vowel Filter und Wavetables kommen bei diesen Presets zum Einsatz.

 

Fazit

Man hat es hier trotz des neuen Namens mit einem über mehrere Versionen ausgereiften Programm zu tun. Immer wieder machte ich mir Gedanken darüber, womit man das Hybrid-Instrument Falcon eigentlich vergleichen kann, aber wie man schon in der Einleitung dieses Testberichts sehen kann hinken alle Vergleiche. Vieles von dem, was man in Falcon findet würde man sich in dem für Sampler de facto -Industriestandard, bei Kontakt wünschen. Sicher bringt auch Kontakt Features und Workflows mit, die man wieder bei Falcon vermisst, aber Kontakt bleibt eben nur ein Sampler, Falcon ist wesentlich mehr. Halion bietet zwar ein ähnliches Gemisch von Synthese und Sampling wie Falcon, erreicht aber bis auf die Ganularsynthese zumindest im Moment nicht das Niveau, das hier geboten wird. SynthMaster kennt zwar mehr Synthese-Typen und verfügt ebenfalls über ein ausgefeiltes Modulationssystem, aber bei Samples ist dieses Programm wiederum sehr einfach gestrickt.

Falcon stellt wie kein anderes Programm eine umfassende Sound Design Workstation dar, die vom Aufbau her schon eher an eine ausgewachsene Digital Audio Workstation erinnert, nur dass hier eben direkt Sound produziert wird und nicht nur eine Umgebung mit Tracks, Ebenen, Effekt-Slots und Plugin-Schnittstellen zur Verfügung gestellt wird. Da mögen einige der vielen Effekte eher auf Brot- und Butter -Niveau sein, die Sampling-Engine nicht ganz so ausgefeilt, wie die von Kontakt sein, die Oszillatoren in spezialisierten Vintage-Emulationen authentischer sein, aber Falcon ist mehr als die Summe seiner Teile. Das ist der wesentliche Punkt: die Kombination und die Interaktion von Sample-Playern mit Oszillatoren ganz unterschiedlichen Charakters und Modulatoren und Effekten auf verschiedenen Organisationsebenen in einem einzigen Audioprogramm birgt sehr viel mehr Möglichkeiten, als normale, mehr oder weniger auf einen Zweck zugeschnittene Soundgeneratoren. Für Soundbastler ist dieses Programm der komplette Wahnsinn, weil es zwar nicht so frei modular und programmierbar ist, wie richtige virtuelle Modular-Systeme, wie Reaktor oder MAX MSP, aber dafür so einfach zugänglich wie gängige Synthesizer.

buenasideas-TippDie Factory-Presets von Falcon demonstrieren schon einige sehr beeindruckende Beispiele, was hier möglich ist und schon gibt es die ersten Preset-Bibliotheken von externen Sound Designern, allen voran die Falcon Air Bibliothek von Simon Stockhausen auf seinem Label Patchpool. Was hoffen lässt, dass mit Preset-Bibliotheken, die das Potential ausschöpfen auch die Attraktivität und damit die Verbreitung dieses ausserordentlichen Programms zunimmt.

Es fällt den Musik-Produzenten mit Falcon nicht nur ein neues Spielzeug-Ei in den Schoß, sondern ein mächtiges Wesen mit kräftigen Schwingen, dass jeden, der sich damit vertieft befasst an neue Ufer tragen kann.

Von mir aus gesehen Ist Falcon die Audio-Software des Jahres und verdient die BuenasIdeas-Spezial-Empfehlung am goldenen Band.

Link auf die Produkt Seite von UVI Falcon: http://www.uvi.net/de/software/falcon.html?

Testbericht von Stefan Federspiel

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