Mal was Neues, Pulsarsynthese, der NUKLEAR von Hamburg Audio im Test

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Wobei die korrekte Bezeichnung der Syntheseform advanced-pulsar-train-synthesis™ heißen muss, der Hersteller verspricht neue Klangerlebnisse da durch die Trennung von Tonhöhe und Wellenformlänge bisher ungehörte Klänge generierbar sein sollen.

Ich kann soviel hier schon vorwegschicken, der Nuklear steckt voller klanglicher Überraschungen.

Die Installation lief soweit problemlos, ich musste allerdings unter Windows 7 mein Cubase 6 im Administrator Modus starten, um die Aktivierung durchführen zu können, dies war aber der einzige kleine Haken.

Hamburg Audio benötigt für die Aktivierung eine Computer ID, der NUKLEAR wird dann für genau einen Computer, der diese ID hat, aktiviert. Ich hoffe nur das sich beim Kauf eines neueren Computers der Nuklear Synthesizer erneut freischalten lässt aber davon gehe ich fest aus.

Werfen wir einen kleinen Blick auf die Klangsynthese des NUKLEAR, die Pulsarsynthese basiert auf der Granularsynthese und wurde benannt nach rotierenden Neutronensternen, die periodische Signale im Bereich von 0.25Hz bis 642Hz emittieren (Pulsare). Die einfache Pulsarsynthese, erzeugt ein periodisches Pulsar-Train-Signal, das durch folgende Parameter angepasst werden kann:

  • Grundfrequenz (Pulsarfrequenz): Die Periode p besteht aus der Pulsaretlänge (duty cycle) d und der Intergrain-Zeit s
  • Duty-Cycle-Frequenz (Formantfrequenz): die Periode d bestimmt die Länge des Pulsarets im Pulsar Ein Pulsaret besteht aus einer Pulsaretwellenform und einer Pulsarethüllkurve.

Anders als bei der klassischen Pulsweitenmodulation (PWM) ist der Pulsweitenparameter hier ein unabhängiger Parameter. Dies führt bei bestimmten Einstellungen dazu, dass die Pulsweite länger als die Grundperiode werden kann. In diesem Fall werden die Pulsarets überlappt und das nächste Pulsaret startet, bevor das Vorige beendet ist. Der NUKLEAR bietet eine Pulsar / Classic-Hybridsynthese, in welcher der Pulsargenerator fließend zwischen klassischer virtuell-analoger Synthese und Pulsarsynthese umgeschaltet werden kann.
Das hört sich doch ganz nett an, nicht war?

Testbericht Hamburg Audio Nuklear
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Ich gebe zu das ich hier fast selbst nur Bahnhof verstehe und die Erklärung weitestgehend aus dem, übrigens sehr gut gemachten, deutschsprachigen Handbuch entnommen habe. Der Sound des Nuklear klingt teilweise seltsam und hier und da auch wieder sehr bekannt somit können die Sounds aus dem Nuklear schon recht abgefahren sein. Beim Ersten durchhören der Presets hatte ich den Eindruck das der NUKLEAR ein wenig dünn klingt dafür aber äußerst prägnant, Pustekuchen denn wenn wir ein klein wenig am Frequenzregler schrauben (derer gibt es vier, für jeden Pulsar-Train-Generator also einen) kommt der Tieftonbereich schon recht gewaltig zum Vorschein.

Vorsicht mit den Monitorboxen, der Nuklear ist wirklich in der Lage sehr tiefe Frequenzen zu erzeugen. Klangmässig sind also einige Möglichkeiten gegeben, interessante Sounds lassen sich mit dem Nuklear ohne Weiteres erstellen, der Vorteil dabei ist, dass man hier etwas Neues schaffen kann, dass es so bisher noch nicht gab.

Der Aufbau des Nuklear Synthesizers sieht folgender Massen aus:

Oben in der Mitte finden wir einen Button mit der Beschriftung Browse, hier können die schon reichlich mitgelieferten Presets verwaltet werden. Sinnvollerweise hat Hamburg Audio hier den Presets schon verschiedene Gruppen zugeordnet, so finden wir in der Gruppe Bass Basssounds und in der Gruppe Lead, na was wohl, klar Leadsounds. Schön finde ich auch das einige recht gut gemachte Sequenzen bei den Presets enthalten sind. Außerdem gibt es eine Bewertungsfunktion.

Oben links sind die vier Pulsar-Train-Generatoren beheimatet, diese verrichten den Job, der in traditionellen Synthesizern den Oszillatoren zugedacht ist. Wir können hier pro Pulsar-Train-Generator eine Auswahl der Pulsaret Wellenform treffen, wenn ich richtig gezählt habe, finden wir pro Pulsar-Train-Generator 26 Pulsaret Wellenformen. Im Auswahlfeld rechts können wir eine Pulsaret Envelope, also Hüllkurve bestimmen. Einer der vier Drehregler die pro Pulsar-Train-Generator zur Verfügung stehen ist für die Einstellung der Duty-Cycle-Frequenz im Bereich von 40Hz bis 8.000Hz zuständig, hier wird die Pulsaretlänge festgelegt.

Der nächste Drehregler regelt stufenlos zwischen Pulsarsynthese und klassischer virtuell analoger Synthese. Dies bedeutet das, wenn der Parameter auf 0 eingestellt ist, ist die Pulsaretlänge immer gleich der Periode der Grundfrequenz ist. Zwischeneinstellungen erzeugen eine Hybridsynthese, in der das Verhältnis der Pulsaretlänge zur Grundperiode geändert wird. Des weiteren finden wir noch ein Finetuning Regler zur Feinstimmung von -1 bis 1 Cent und eine Stimmung in Semitönen von: -12 bis 12 Halbtönen. Mit dem Regler Width können wir einstellen, in wieweit die Pulsare zwischen den Stereokanälen alternieren.

Der Regler Phase dient zur Verschiebung der Phase jedes zweiten Pulsars innerhalb der Grundfrequenz im Bereich 0°-360°.

Schlussendlich finden wir pro Pulsar-Train-Generator noch einen Mikrosequenzer der dazu dient den Pulsar-Train durch Masking (Auslassen) von Pulsaren anhand einer programmierten Sequenz zu verändern. Hier bestimmt die obere Reihe die Länge des Sequenzloops, die untere Reihe dient zum Aktivieren oder Deaktivieren der Pulsare innerhalb der Sequenz.

Weiter geht es mit der Filtersektion, diese stellt verschieden Filter (Tiefpass, Hochpass, Bandpass, 12/24dB) zur Verfügung. Als Besonderheit können im Nuklear zwei Filter parallel oder seriell betrieben werden (mixmode). Im parallelen Modus ist es möglich die Ausgänge der Filter von Addition auf Multiplikation (Ringmodulation) umzustellen.

Als nächstes Modul finden wir den Mixer, hier können für jeden der Pulsar-Train-Generatoren Lautstärke, Panorama und die Filtereinstellungen eingestellt werden. Außerdem stehen im Nuklear 8 LFOs und Hüllkurven zur Verfügung. Auch Effektseitig wurde nicht gespart, wir finden hier ein Delay und einen Distortion Effekt. Auch ein Pattern Sequenzer (Stepsequenzer), der acht Pattern abspeichern kann, ist im Nuklear integriert.

Fazit: Der Nuklear ist in der Lage sehr interessante und durchsetzungsfähige Sounds zu erzeugen, allerdings haben diese mich nicht sooooo umgehauen, wie ich es aufgrund der Werbung auf der Website des Herstellers erwartet hätte. Aber OK, Klappern gehört zum Handwerk, wenn man sich allerdings etwas intensiver mit dem Nuklear beschäftigt, wird man sicherlich mit Sounds belohnt, die mit keinem anderen Synthesizer so möglich wären. Die Bedienung des Nuklear ist gut durchdacht und ohne große Lektüre des Handbuchs selbsterklärend. Wobei ich aber unbedingt dazu raten möchte, das gut geschriebene Handbuch zu lesen, man wird wahrlich nicht dümmer dadurch.

Der Nuklear befindet sich mit einem Verkaufspreis von 169.- Euro in etwa der gleichen Preisklasse wie der Zebra 2 von UHE. Der Preis ist meiner Ansicht nach etwas zu hoch angesetzt, auch wenn der Nuklear auf jeden Fall ein superinteressanter Synthesizer ist, hätte es hier auch etwas weniger sein dürfen. Für Studenten und Schüler gibt es ein EDU Version (Nachweis erforderlich) für 89,- Euro.
Testergebnisse:

  • Installation: Einfach
  • Aktivierung: Hat etwas gedauert (Mehr als 24 Stunden, ich schätze aber das wird sich noch einspielen)
  • Klang: Hochinteressant und zum Teil Einzigartig
  • Bedienung: Sehr gut
  • Presets: Sehr viele gute sofort spielbare Sounds werden mitgeliefert.
  • Preis / Leistung: Befriedigend
  • Gesamtnote: Gut

Es gibt eine kostenlose Demo Version, die Ihr Euch auf der Webseite des Herstellers herunterladen könnt, um den Nuklear selbst auszuprobieren. Der Nuklear wird als VST3 (32 + 64bit) sowie als VST 2.4 (32 + 64bit) und für Apple als MAC Audio Unit, VST2 & VST3 bereitgestellt.

Getestet habe ich den NUKLEAR von Hamburg Audio auf einem Dualcore mit Windows 7 32 bit unter Cubase 6.

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