Perry Staltic vs. REAKTOR 5 – Epilog: A Skanner Darkly…

Zum ersten Teil von Perry Staltic vs. REAKTOR 5

Auch wenn sich unser guter Perry inzwischen längst wieder auf freiem Fuß befindet und er mittels einer Trägerrakete in sein orbitales Studio zurückgekehrt ist, in dem er schon wieder fleißig neue Plugins testet, so wollen wir doch wenigstens noch seine letzten Aufzeichnungen zum Thema REAKTOR 5 hier veröffentlichen, die er uns hinterlassen hat:

In der Gewalt der Unterirdischen…

Aller guten Dinge sind 3, so sagt ein altes Sprichwort, und so einfach hatte ich mir das in meinem naiven Kopf eigentlich auch vorgestellt, als ich Andreas endlich die dritte (und, wie ich dachte, letzte…) Episode aus dem REAKTOR-Land überreichen konnte. Doch weit gefehlt, so schnell durfte ich dieses Kellerloch dann doch nicht wieder verlassen.

Okay, Andreas hat mit der versprochenen Vollverpflegung tatsächlich Wort gehalten, das Futter hier stimmt jetzt wieder und mittlerweile kann ich auch nicht mehr Xylophon auf meinen Rippen spielen, so wie neulich noch.

Dennoch, an meiner grundsätzlichen Situation hat sich nach wie vor nichts geändert, ich bin immer noch in einem Kellergewölbe eingesperrt, dessen Innenarchitekt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein Klingone war, was vor allem die Schlafstätte höchst eindrucksvoll (aber nur meinem Rücken…) beweist. Was die schummrige Beleuchtung hier angeht, könnte es allerdings auch ein Remaner gewesen sein…

Quiet Earth – Das letzte Experiment…

Warum ich noch hier bin? Tja, aus einem ganz einfachen Grund: als ich Anfang Juni dieses Jahres den SKANNER XT in der Testmangel hatte (Testbericht Native Instruments Skanner XT ), konnte ich es ja nicht unterlassen zu monieren, dass ich den Import eigener Samples nicht auszuprobieren vermochte, da mir für den Test damals nur die Player-Version des REAKTOR 5 zur Verfügung stand und keine Vollversion.

Nun denn, Andreas hatte dies natürlich nicht auf sich sitzen gelassen und NATIVE INSTRUMENTS ebenso wenig. Als ich dann eines schönen Abends im Sommer von einem späten Spaziergang nach Hause kehrte und im Dunkeln versuchte, den Schlüssel in das Haustürschloss zu friemeln, hielt unvermittelt ein schwarzer Lieferwagen am Straßenrand direkt vor meinem Haus. Die Schiebetür ging ruckartig auf, es stürmten ein paar vermummte Gestalten aus dem Wageninneren, jemand stülpte mir einen Sack über den Kopf, und das Letzte, das ich bemerkte, bevor mir völlig schwarz vor Augen wurde, war dieser eigentümliche Geruch. Na ja, als ich irgendwann wieder aufwachte, befand ich mich bereits in diesem Raum, in der Mitte stand der Rechner mit dem Testmuster der REAKTOR 5 Vollversion, und den Rest dieser dubiosen Geschichte kennt Ihr ja mittlerweile schon…

Okay, dann lade ich mir also noch mal den SKANNER XT in die Büchse. Da es hier darum gehen soll, wie man eigene Samples zu importieren vermag, um diese dann anschließend mit den zahlreichen Möglichkeiten des SKANNER XT zu verbiegen, springe ich direkt auf die B-Ansicht der Bedienoberfläche, denn dort befindet sich rechts oben auch das Display für das jeweils geladene Sample.

Testbericht SKANNER XT für REAKTOR 5.5
SKANNER XT für REAKTOR 5.5

Die mitgelieferten Samples des SKANNER XT befinden sich auf den Ersten 23 von insgesamt 30 Slots, wobei die Slots 24 bis 30 unbelegt sind (Genauer gesagt, liegt dort eigentlich eine stille Klangdatei namens „Empty.wav“…). Mit den beiden Pfeiltasten kann man durch die besagten Sample-Slots steppen, um das verwendete Sample zu wechseln.

Im Prinzip lassen sich alle 30 Slots des SKANNER XT mit beliebigen Samples in Form von WAV-Dateien bestücken (andere Formate habe ich auch gar nicht getestet…), indem man diese einfach mit der Maus aus dem Browser auf der linken Seite des REAKTOR 5 in das Sample-Display des SKANNER XT zieht.

Vorsorglich bin ich mal zu einem leeren Slot gewechselt, denn ich will ja keines der mitgelieferten Samples überschreiben. Okay, ich gebe es zu, bei meinem ersten Versuch hatte ich leider nicht daran gedacht und durfte anschließend den SKANNER XT noch einmal neu installieren, um den Ursprungszustand wiederherzustellen… 😉

Testbericht SKANNER XT für REAKTOR 5.5
SKANNER XT für REAKTOR 5.5

Nun aber endlich! Ich habe für dieses Experiment mal eigens eine Datei namens „BuenasIdeas.wav“ erstellt, das im Prinzip nur aus einem kurzen, synthetisch erzeugten Sprachsample besteht. Im REAKTOR-Browser habe ich die Datei schon lokalisiert und befördere diese nun per drag & drop in den SkANNER XT. Wahrlich kein Unterfangen nur für Hochbegabte…

Testbericht SKANNER XT für REAKTOR 5.5
Wave Datei importieren SKANNER XT für REAKTOR 5.5

In meinem Fall habe ich dafür den freien Slot Nr. 30 ausgewählt. Wie man unschwer sehen kann, wird das Sample auch sofort in der Wellenformanzeige dargestellt. Wenn ich nun auf meinem angeschlossenen MIDI-Keyboard spiele, dann höre ich auch schon etwas, allerdings hat dies dann je nach eingestellten Klangparametern am SKANNER XT nicht mehr allzu viel mit dem ursprünglichen Sprachsample zu tun, dass vorher ja lediglich ein einfaches „BuenasIdeas“ kundtat.

Testbericht SKANNER XT für REAKTOR 5.5
Wave Anzeige SKANNER XT für REAKTOR 5.5

Das macht aber nix, ganz im Gegentum! Wenn es mir um die möglichst naturgetreue Wiedergabe gegangen wäre, dann hätte ich mir den ganzen Aufwand mit REAKTOR 5 und dem SKANNER XT ja schenken können und das Sample ganz einfach in KONTAKT oder einem vergleichbaren Sample-Player laden können. Hier ging es jedoch um das Verbiegen von Samples, und zwar auf eine Art und Weise, wie man sie mit einem „herkömmlichen“ Sampler überhaupt nicht hinbekommen dürfte.

Ich habe also mal ordentlich an den Reglern des SKANNER XT herumgeschraubt und das Ergebnis in einer Audio-Datei festgehalten. Zunächst hört Ihr das unbearbeitete Ausgangssample („BuenasIdeas“), anschließend folgen zehn unterschiedliche Variationen, die ich aus eben diesem einzigen Sample mit dem SKANNER XT erzeugt habe.

Klangbeispiel BuenasIdeas – NI SkannerXT für REAKTOR 5.5

Es ist schon erstaunlich, wie man selbst aus einfachsten Geräuschen oder altbekannten Samples im Handumdrehen skurrile Klanggebilde erzeugen kann, die jenseits aller Wiedererkennbarkeit liegen. Ein wahres Paradies für Sounddesigner!

Der letzte Countdown…

So, wie sieht’s denn jetzt mal aus, Meister?! Machste die Luke endlich wieder auf und lässt die Leiter zu mir herunter…? Hallo…? Hmm, anscheinend nicht… Was habe ich denn jetzt schon wieder vergessen? Ach so, dem feinen Herrn fehlt wohl jetzt noch ein ordnungsgemäßes Fazit samt Benotung! Nun denn, dann woll’n wir mal…

Wer bis hierher mitgelesen hat, dem dürfte nicht entgangen sein, dass ich trotz der widrigen Umstände, unter denen ich den REAKTOR 5 inspizieren musste (hätte es denn nicht gereicht, einfach mal freundlich anzufragen und mir ein Testmuster nach Hause zu schicken…?), meinen Spaß mit diesem Teil hatte und sicherlich auch noch haben werde. REAKTOR 5 ist derart komplex und vielseitig, dass man locker eine Dauerserie darüber machen könnte… ähh… einen Augenblick mal… Ich bringe Andreas vielleicht nur wieder auf dumme Ideen, die ich später womöglich bereue…

Der Preis von derzeit 379,00 Euro dürfte zwar sicherlich nicht für jedermanns Budget tragbar sein, ist jedoch angesichts der kaum zu überbietenden Möglichkeiten durchaus angemessen.

Mit dem REAKTOR kann man sich dann auch schon jahrelang beschäftigen. Statt eines Einzelkaufs lohnt es sich für den Einen oder Anderen aber möglicherweise auch eher der Kauf von KOMPLETE, das den REAKTOR 5 ja ebenfalls enthält… (Anmerkung Andreas: Wer rechnen kann der sollte hier wirklich zu KOMPLETE 8 greifen, es lohnt sich … )

Bewertung:

  • Innovation: gut (2)
  • Klang: gut bis sehr gut (2)
  • Bedienung: befriedigend (3)
  • Vielseitigkeit: sehr gut (1)
  • Preis/Leistung: befriedigend (3) (bei Einzelkauf)
  • Spaßfaktor: gut (2)

Gesamtnote: Gut (2,2)

Epilog zum Epilog…

Nachdem ich Andreas mein letztes Manuskript übersandt hatte, geschah zunächst einmal überhaupt nichts. Keine Luke, die sich öffnete, und auch niemand, der mich aus diesem Keller heraus gebeten hat. Nach langen Stunden des vergeblichen Wartens bin ich dann irgendwann wieder eingeschlafen.

Als ich am Morgen danach die Augen aufschlug, traute ich diesen kaum: Die Luke in der Decke stand sperrangelweit auf, der Computer, an dem ich vorher die ganze Zeit gesessen, geklickt und getippt hatte, war abgebaut und entfernt worden, ebenso wie alles andere. Wann haben die das denn gemacht? Ich habe dann auch eine ziemliche Weile gebraucht, bis ich mich durch die Luke aus dem Keller befreien konnte, denn hier gab es ja auch nichts mehr zum Draufstellen und Hochklettern.

Am Ende entpuppte sich dann dieses ominöse Landgut hier auch noch in der Realität als eine halb verfallene Ruine mitten im Nirgendwo. Keiner hier, alles leer und alle ausgeflogen… Keinen Plan, wo ich hier überhaupt war und wie ich von hier wieder nach Hause kommen sollte. Nach einem kilometerlangem Fußmarsch über Felder und durch die Botanik habe ich dann irgendwann einen Bauern getroffen, der zwar meine Sprache nicht verstand, mich dafür aber in seiner alten Rostlaube bis zum nächsten Ort mitnahm. Von dort aus bin ich dann mit einem Omnibus, der zweimal in der Woche kam, bis zu einer großen Stadt gefahren.

Auch hier hat eigentlich niemand meine Sprache gesprochen und ich habe auch keinen von diesen seltsam gekleideten Leuten verstanden, allerdings schien man zumindest die Euroscheine, die ich in der Hosentasche mit mir führte, zu erkennen und (noch) zu akzeptieren…

Anmerkung Andreas:

Ja, der liebe Perry hat dann doch noch etwas von meiner Wahlheimat Galicia im Nordwesten der iberischen Halbinsel (umgangssprachlich auch als Spanien bezeichnet, ist der Festlandanteil von Mallorca 🙂 ) gesehen. Hätte er ein wenig abgewartet, wäre er ja mit unserem Traktor abgeholt worden, wir waren gerade dabei, auf dem Anhänger einen Drehgrill mit Ochsen auf dem Spieß zu installieren, ein Fass bestes aus Alemania importiertes alkoholfreies Hefeweizen aus dem Sauerland (echt jetzt, warum machen die in Krombach Hefeweizen? Das gehört doch nach Bayern.. ) und vier wunderhübsche spanische Señoritas hatten wir auch noch organisiert. Tja, wenn er gewartet hätte, wäre es wohl noch extrem lustig geworden.

Das Verlies wurde übrigens dann heute seinem ursprünglichen Zweck zugeführt und wieder mit übelriechender Jauche geflutet, wir versprechen, es niemals wieder zu nutzen!

Vielen Dank an Perry für diesen umfangreichen und interessant geschriebenen Testbericht, das ist eben BuenasIdeas.de, wir sind anders und wollen das auch bleiben 🙂 Wer selbst einmal einen Testbericht oder seine Erfahrungen hier kundtun will und gerne schreibt, der sei damit herzlichst eingeladen, wie bereits gesagt, die Jauchegrube nutzen wir nicht mehr für die umfassende Motivation der Mitarbeiter!

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