RealTone RealiVox Blue – Testbericht

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Nachdem bereits so ziemlich alles an akustischen Instrumenten in Form von Samplinglibrarys für die Musikproduktion am Computer bereitsteht widmen sich einige Hersteller immer mehr auch der menschlichen Stimme, zwar ist es kaum möglich eine echte Sängerin oder einen echten Sänger zu ersetzen aber die Einsatzzwecke in der populären Musik als Chor oder zum virtuellen Singen einfacher Phrasen sind durchaus denkbar. Insbesondere dann wenn die Vokal Samplelibrary sich nicht nur auf die üblichen Vokallaute wie Ahh, Mhh, Ehh, Oh usw. beschränkt sondern einen Wordbuilder integriert der in der Lage ist aus Konsonanten und Vokalen Wörter oder auch ganze Phrasen zu formen. RealiVox Blue von RealTone ist eine solche Vokal-Library für NI KONTAKT 5.3 oder für den kostenlosen NI KONTAKT 5.3 Player, welche mit einem wirklich gut durchdachten und mächtigen Wordbuilder ausgestattet wurde. Grund genug also sich RealiVox Blue einmal genauer anzuschauen.

Die Installation:

Nach dem Download müssen zwei RAR Archive entpackt werden, dazu sollte unbedingt der von RealTone empfohlene Entpacker von rarlab.com genutzt werden, welcher in einer kostenfreien 30 Tage Trialversion zur Verfügung steht, es reicht nach der Installation des Entpackers aus auf die Erste RAR Datei doppelzuklicken, das zweite RAR Archib wird automatisch mit entpackt. Als Dritter im Bunde wird noch ein Zip File zur Verfügung gestellt das sowohl den Freischalcode für das NI Service Center wie auch das KONTAKT Instrument enthält, das ZIP File muss entpackt und in den gleichen Ordner verschoben werden in dem sich der Inhalt der beiden RAR Archive befindet. Eine ausführliche Installationsanleitung wird von RealTone mitgeliefert. Nach dem die Library installiert wurde muss diese in Kontakt oder im Kontakt Player noch mittels „Add Libray“ hinzugefügt werden, danach noch die aktivierung im NI Service Center und es kann auch schon los gehen.

Die Preise:

Einen Unterschied gibt es bei den RealiVox Blue Librarys zumindest in der Einführungsphase in der ein eSonderangebot gilt ist die KONTAKT-Player Library mit 114,95 Euro ein wenig teuerer als die KONTAKT-Library welche nur 99,- Euro kostet, ich denke dies ist den Lizenzkosten, die der Hersteller an Native Instruments zahlen muss, geschuldet. Beide Librarys sind nach der Einführungsphase von RealiVox Blue für 149,- Euro erhältlich. Für wie lange die Einführungspreise gelten ist leider nicht ersichtlich, dort steht bisher nur: „for a limited time only“.

Der erste Start:

RealiVox-Blue-Wordbuilder
RealiVox-Blue Der Wordbuilder

Die RealiVox Blue Library verfügt über nur ein Instrument in der Liste der Library, allerdings ist hier auch bereits alles steuerbar und machbar, was die Library bietet. Nachdem ca. ein halbes Gigabyte an Samples in den Speicher des Rechners geladen wurden, stellt RealiVox Blue direkt den Wordbuilder zur Verfügung. Hier kann mittels sechs Vokallauten sowie 23 Konsonanten sofort losgelegt werden, die Sprache, in der aufgenommen wurde, ist englisch, was dazu führt, dass englische Wörter und Sätze problemlos machbar sind, anderssprachige Wörter aber nur schwer und mit einiger Fantasie umgesetzt werden können. Natürlich interessierte uns zuallererst, ob das zauberhafte Wort „buenasideas“ machbar ist und ja das geht ganz hervorragend, wir haben ein kleines Klangbeispiel erstellt, indem wir das später noch beweisen wollen 🙂

Der Wordbuilder funktioniert folgendermaßen, wir können entweder mit einem Konsonanten oder einem der sechs Vokale beginnen, nehmen wir als Beispiel die viel genutzte und ziemlich ausgelutschte Phrase „i Love you“ dazugeben wir zuerst „ah“ ein, da eine Verbindung zweier Vokale ohne Pause nicht möglich ist, ansonsten hätte ich hier lieber „ahee“ was wohl eher „Ei“ entsprechen würde, danach da wir uns ja der Phonemik bedienen müssen schreiben wir nachdem wir auf „next Sylable“ geklickt haben „Lahv“ was dem Wort „Love“ entspricht und nach nochmaligem „next Sylable“ wählen wir nun den Konsonaten „J“ und das Vokal „oo“ und schon erklingt die von der wunderbaren Stimme gesprochen oder gesungene Liebeserklärung aus den Lautsprechern.

Der Wordbuilder anhand eines Welthits erklärt….

Der Welthit ist schon ziemlich alt und basiert auf der C-Dur Tonleiter, es handelt sich um den Gassenhauer mit dem bewegenden Titel „Alle meine Entchen“, der ist natürlich in deutscher Sprache was es ein wenig schwieriger machen wir dies mit den englischen Vokalen und Konsonanten umzusetzen, aber starten wir einmal.

WordBuilder-Entchen-1Die erste Zeile ist also „Alle meine Entchen“ das kann so nicht in RealiVox Blue eingegeben werden, da A) das Textfeld nicht editierbar ist und B) da RealiVox Blue das nicht verstehen würde, hier muss also der Vokal und Konsonanten-Baukasten genutzt werden. Wir beginnen mit „ah“ und hängen ein „l“ hinten dran da wir leider keine zwei Vokale verbinden können müssen wir eine neue Silbe mittels dem Button „Next Syllable“ einfügen, dazu klicken wir uns ein „eh“ in den Wordbuilder, der Vokal „ei“ ist leider nicht vorhanden, daher nehmen wir „ah“ und setzen aber vorab den Konsonanten „m“ davor. Nun nehmen wir ein „n“ und ein „eh“ und konstruieren dann Entchen mit „eh“ plus „n“ plus „t“ neue Silbe „ch“ plus „eh“ plus „n“.

Weiter geht es mit der nächsten Zeile, aber Achtung bevor wir unser gerade gemachtes Werk wieder in das Nirwana der bits und bytes schicken sichern wir die gerade gemachte Phrase erst einmal indem wir auf unserer Tastatur (Midi/USB Keyboard) eine der Tasten unten links drücken (siehe Grafik) um die Phrase dort zu speichern und auch später über die Tastatur (Keyboard) beim Spielen aufrufen zu können.

RealiVox-Blue Tastenbelegung
RealiVox-Blue Tastenbelegung

Die gelben Tasten dienen zur Aufnahme von den im Wordbuilder generierten Wörtern, Laute und Phrasen, die rote Taste löst eine Repeat Funktion aus, links daneben liegen auf den Halbtönen einer Oktave die Legato Funktionen und eine Shift Funktion die ähnlich, wie beim Round Robin Prinzip die Samples variiert. Die grünen Tasten zeigen die Bereiche an in denen die virtuelle Vokalistin zwar noch spielbar ist aber es nicht mehr authentisch wirkt. Der blaue Bereich zeigt die Töne an die authentisch und echt klingen, hier geht es vom Alt bis in den Sopran. Die grünen Tasten weiter rechts sorgen für verstimmte Nachbarn, Mitbewohner und zerspringende Gläser, kurzum hier tut es nur noch weh, da die Samples viel zu hoch wiedergegeben werden, das kann auch kein menschliches Wesen tatsächlich singen.

WordBuilder-Entchen-2

Weiter mit den Entschen und dem Schwänschzen, das Wort „Schwimmen“ lässt sich tatsächlich einfach und gut verständlich durch die Verbindung von „sh“ + „w“ + „ee“ + „m“ und der nächsten Silbe „m“ + „eh“ + „n“ erstellen. Sie Vokalverbindung „au“ ist leider genauso wenig vorhanden wie „ei“ oder „ai“ das macht es schwierig das Wort „auf“ zu generieren, ich habe es mit „ah“ + „f“ hingemurkst, „dem“ ist wiederum einfach durch „d“ + „eh“ + „m“ und „See“ ist durch die Verbindung von „S“ + „eh“ auch kein großes Problem.

WordBuilder-Entchen-3

Schwierig wird es jetzt wieder, denn ein „ö“ haben wir so auch nicht vorliegen, ich habe ein „oo“ genommen, was aber nicht wirklich der Bringer ist, insbesondere da das „oo“ im englischen ganz anders klingt wie unser deutsches „o“, eine Verbindung zweier Vokale (z.B.: „oo“ + „ee“) könnte das Problem lösen und würde ein gewaltiges Arsenal an zusätzlichen Wörtern ermöglichen, vielleicht kommt das ja noch in einem Update. Also „Köpfchen“ setzt sich aus „K“ + „oo“ + „P“ + „F“ nächste Silbe „ch“ + „eh“ + „n“ zusammen, „in“ erstelle ich aus „ee“ (das im englischen so klingt wie das deutsche „i“) und dem Konsonanten „n“. „das“ ist wiederum einfach „D“ + „ah“ + „s“ und „Wasser“ entsteht durch die Verbindung von „W“ + „ah“ + „S“ nächste Silbe „eh“ + „r“, klar man könnte hier auch zwei „S“ einsetzen, mir hat es so ausgereicht.

WordBuilder-Entchen-4

Als Nächstes widmen wir uns der Aufforderung der hier und da unbedingt folge zu leisten ist, was so alles in Kinderliedern steckt, nun ja… Also beginnen wir mit dem Wort „Schwänzchen“ da wir kein „ä“ zur Verfügung haben nehmen wir hier ein „eh“ das zumindest ähnlich klingt, „sh“ + „w“ + „eh“ + „n“ + „z“ nächste Silbe „ch“ + „eh“ + „n“ und es erklingt „Schwänzschen“ hört sich zumindest irgendwie niedlich an, „in“ erzeugen wir mit „ee“ + „n“ und „die“ mit „d“ + „ee“, leider haben wir kein „ö“ also muss ich wieder rummurksen und erstelle „höh“ aus „h“ + „oo“.

Hier ist dann das Ergebnis, erst trocken ohne Hallanteil, dann mit Hall, danach mit der zweiten Chorstimme und dann mit der dritten Chorstimme, zum Schluss noch die drei Chorstimmen ohne Hallanteil, wer hier noch ein wenig basteln will der kann einen Transientendesigner zur Hilfe nehmen.

Was wir mit dem Solo Legato Modus anfangen können, zeigt uns das folgende Klangbeispiel, für das ich die Phrase „Schwänzchen in die höh“ genutzt habe.

Die Legato Modi:

RealiVox Blue verfügt insgesamt über drei Legato Schalter, sind alle deaktiviert erklingt die Gesangstimme im polyphonen Modus ohne Legato (wer hätte das gedacht?) Der Solo Legato Mode erlaubt es einen Ton solange zu spielen, bis eine Pause eingelegt wird, danach springt RealiVox Blue zur nächsten Silbe, falls vorhanden. Der Phrase Schalter ist speziell auf das Spielen von Phrasen ausgelegt und erlaubt es einen Ton zu halten und weitere Silben aufzurufen und im Legato Mode zu spielen. Ähnliches passiert, wenn wir den Schalter „Poly“ betätigen, hier wird dann ein polyphones Legato ausgelöst.

Die Begleitstimmen:

So richtig klasse ist das Wir auch noch zwei Chorstimmen hinzufügen können, die überaus authentisch wirken und plus Minus eine Oktave herauf oder herab reichen können, eine Quinte oder Terz ist hier gut machbar die Voreinstellungen von RealiVox Blue bieten einige schon fertige Presets die allerdings nur über die Setting Page erreichbar sind.

Die Setting Page:

RealiVox-Blue-Settings
RealiVox-Blue-Settings

In diesem Bereich können wir eine überschaubare Anzahl von Parametern von RealiVox Blue einstellen, um zu den Werkseinstellungen zurückzukehren, reicht es die Taste [STRG] zu drücken und mit der Maus auf den entsprechenden Regler zu klicken, bei Apple Rechnern ist das die Taste, welche Apple User besser kennen als ich 🙂 Wir können die Attack also Einschwingzeit sowie mit dem Releaseregler die Ausklingzeit anpassen.

Das Reverb kann hier aktiviert oder deaktiviert werden und die Nachhallzeit sowie der Effektanteil ist hier regulierbar. Das Vibrato ist in der Geschwindigkeit (pass Achtung, wenn der Regler ganz auf Linksanschlag gedreht ist, wird es extrem robotisch) und über Amp – Pitch in der Lautstärke und Tonhöhenbeeinflussung steuerbar. Auch das polyphone Legato Verhalten kann über einen Regler namens „Poly Legato Time Window“ beeinflusst werden.

Die weiteren Regler dienen der Feineinstellung der drei möglichen Stimmen, in welcher Tonhöhe, wo im Stereobild und mit welcher Lautstärke sowie ein Delay und eine Feinstimmung sind hier einstellbar. Ganz unten über den Buttons für die Chorstimmen können wir festlegen, in welchem Tonbereich diese fungieren können.

 

Wie authentisch klingt das Ganze, kann ich mir damit eine Sängerin sparen (die zickt eh nur rum..)?

Freunde lasst die Gute zicken, wenn sie gut singen kann, eine echte Sängerin, die Gefühl und Menschlichkeit mit in Ihre Gesangsdarbietung transferiert, kann ein Computer nicht ersetzen und ich wage es zu behaupten er wird es auch niemals können, allerdings ist RealTone mit RealiVox Blue eine wirklich sehr gute Emulation einer Vokalistin gelungen und es macht einen Heidenspaß damit zu arbeiten. Für Chor Einlagen oder einige Solo Frasen (vorzugsweise in englischer Sprache) reicht das komplett aus.

Die sehr talentierte Profi-Studio-Sopranistin Gaby Koss hat mir erlaubt einige Ihrer Klangbeispiele hier zu verwenden um aufzuzeigen was eine Menschin (auch noch eine sehr attraktive übrigens 🙂  ) von der Maschine unterscheidet, hier sind zwei Klangbeispiele von Gaby Koss die momentan ein Musikprojekt namens Diskelion fertiggestellt hat aber auch als Studio Sängerin arbeitet und bei Cantus Lunaris mitwirkt.

Ich habe dann für Euch auch noch ein weiteres Klangbeispiel erstellt und mit Musik unterlegt, so ist ein Vergleich machbar, ich denke das sich RealiVox Blue hier recht gut schlägt, denn internen Hall habe ich hier abgeschaltet und Realivox durch Izotopes Nectar 2, ein spezielles Plugin für Vocals, gejagt.

FAZIT und letztes Klangbeispiel:

Ich finde das RealTone hier ein wirklich geniales Produkt geschaffen hat, nach einiger Einarbeitungszeit ist die Arbeit mit dem Wordbuilder schnell erlernt und macht Spaß. Die Legato Modi sind ausgefuchst und mächtig und die Chorstimmen klingen authentisch und gut. RealiVox Blue kann und will auch keine Sängerinn aus Fleisch und Blut ersetzen aber für EM Musik oder POP sowie auch im Bereich der Filmmusik ist RealiVox Blue fantastisch einsetzbar.

Von uns gibt es hier einen dicken fetten buenasideas.de Tipp! Der Preis von 149,- Euro ist gerechtfertigt und wer sich beeilt kann auch noch ordentlich sparen während der Einführungspahse kostet RealiVox Blue nur 99,- Euro für die KONTAKT 5.3 Version und 114,95 Euro für die KONTAKT Player 5.3 Version.

Weitere Infos ein gut gemachtes Video und weitere Klangbeispiele findet Ihr hier: http://realitone.com/blue

Abschliessend dann noch das versprochene buenasideas Klangbeispiel, nein ich habe das nicht vergessen 🙂

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