Rob Papen / RPCX BLUE-II – Der Blaue kehrt zurück!

Als ich gegen Ende 2013 Rob Papens alten Dauerbrandofen BLUE in der Version 1.9 endlich doch noch einmal zu einem Test herangenommen hatte, wies RPCX (= Rob Papen & Jon Ayres) die Welt schon dezent darauf hin, dass ein umfangreiches Upgrade in Form des BLUE-II bereits im Schmiedefeuer liege und zeitnah veröffentlicht werden solle.

Inzwischen ist Letzteres tatsächlich geschehen, die von mir getestete Vorgängerversion ist bei Rob Papen mittlerweile auch schon gar nicht mehr käuflich erhältlich. Dafür verspricht der neue BLUE-II dem geneigten Synthesisten einige neue, interessante Features. Grund genug für mich also, auch dieser erneuten Inkarnation des BLUE noch mal auf den Zahn zu fühlen.

Sicherlich dürfte es nicht nur mich interessieren, ob man uns hier etwa nur alten Wein in neuen Schläuchen andrehen möchte oder ob es sich tatsächlich um eine verbesserte Ausgabe des BLUE handelt. In diesem Zusammenhang wollen wir natürlich besonders gerne wissen, inwieweit sich die Neuerungen auf die Klangqualität auswirken und ob der vorbildlich geringe Bedarf des Vorgängers an die Rechner-Ressourcen nun eventuell darunter zu leiden hat.

Äußerlichkeiten…

BLUE-II ist wie schon sein Vorgänger für Mac und für Windows in 32 Bit und 64 Bit verfügbar und auch die Plugin-Formate sind gleich geblieben: VST, AU, RTAS und AAX. Übrigens, obwohl das gute alte Windows XP in der offiziellen Kompatibilitätsliste gar nicht erwähnt wird, kommt BLUE-II bei mir hervorragend damit klar!

Während beim alten BLUE lediglich eine simple Seriennummer als Kopierschutz diente (wenn wir mal die früheren Zeiten, in denen RPCX auch mal den eLicencer verwendete, beiseite lassen…), was die Aktivierung ziemlich einfach gestaltete, ist beim BLUE-II nun wieder ein zusätzlicher Schritt notwendig, hier kommt nämlich ein sogenanntes Challenge/Response-Code-System zum Einsatz. Nach Eingabe der nach wie vor benötigten Seriennummer erhält man eine Hardware-ID angezeigt, welche man in seinem Web-Account bei Rob Papen in ein entsprechendes Eingabefeld eintippen muss, um anschließend einen Aktivierungs-Code zu erhalten, der wiederum ins Plugin einzutragen ist, um BLUE-II endgültig freizuschalten.

Eigentlich empfinde ich derartige Copy & Paste-Orgien ja als recht lästig, insbesondere da mein DAW-PC nicht ins Internet darf, und bei einem sehr bekannten, kommerziellen Rhythmus-Plugin, dass ich einst käuflich erworben hatte, verwende ich mittlerweile sogar einen „bösen“ Schlüsselmacher (der weder das Internet noch den Hersteller benötigt und der zum Glück auch mit meinen legalen Codes funktioniert…), da ich einfach keinen Bock mehr habe, mich mit den ellenlangen Challenge-Codes ein jedes Mal nach einer Neuinstallation auf der Hersteller-Webseite zu melden und dort gegebenenfalls auch noch plausible Gründe für die Anforderung eines erneuten Response-Codes angeben zu müssen. Was soll man denn machen, wenn das Internetz mal nicht funktioniert oder die Hersteller-Website temporär oder dauerhaft nicht mehr erreichbar ist…?

Nun ja, zumindest belästigt RPCX den Benutzer aber nicht mit solchen vertippfreundlichen Bandwurm-Codes wie oben erwähnter Hersteller, denn Challenge- und Response-Code bestehen beim BLUE-II lediglich aus jeweils fünf Ziffern, diese hatte ich dann auch schneller im Kopf behalten und von Hand eingegeben (mittels eines zweiten Rechners mit Internetzugang…), als dazu extra erst eine Textdatei mit den eingefügten Codes zwischen zwei Rechnern zu verschieben… 😉
Allerdings dürfte es nicht jedermann gefallen, dass das Plugin sich nun nicht mehr beliebig oft gleichzeitig aktivieren lässt, wenn man über mehr als zwei Rechner oder alternative Betriebssysteminstallationen (oder gar beides …) verfügt. Wie ich beispielsweise … 🙁

Eine einmal vorgenommene Aktivierung für einen bestimmten Rechner kann im Account aber auch wieder deaktiviert werden, etwa für eine Neuinstallation. Der Käufer des BLUE-II kann übrigens eine kostenlose zweite Seriennummer für die Installation auf einem anderen Rechner anfordern, leider scheint dies bei meiner Test-Version aber nicht der Fall zu sein, denn in meinem Account existiert der Button dazu gar nicht … 😉

RPX-Blue 1.9
RPX Blue 2 versus RPX-Blue 1.9

Auch die Bedienoberfläche wurde einer gewissen Renovierung unterzogen, seitlich wurde angebaut, und auch in der Höhe hat das Plugin nun einige Pixel zugenommen, zudem haben die Oszillatoren mehr Parameter-Regler erhalten, und zwar nicht nur die ersten beiden, sondern gleich alle 6, so verfügen nun auch die Oszillatoren 3 bis 6 unter anderem über eine Einstellmöglichkeit für die Pulsweitenmodulation. Zum direkten Vergleich habe ich einmal die Screenshots von BLUE-II und vom alten BLUE 1.9 eingefügt. Rechts ist nun auch der Verstärker mitsamt eigener ADSR-Hüllkurve sowie der PLAY MODE jederzeit erreichbar.

Das namensgebende blaue Display in der unteren Hälfte des GUI ist nach wie vor vorhanden, es hat jetzt jedoch zusätzliche Verstärkung in Form weiterer großformatiger Anzeigen bekommen, die je nach Bedarf auf Knopfdruck zum Vorschein treten. Einige der alten Tab-Buttons des Displays sind dazu an den oberen Rand gewandert, wo sie neben diversen neuen virtuellen Knöpfen Zusatzseiten öffnen, doch dazu gleich noch mehr.

Die zusätzlichen virtuellen LC-Displays dienen der Auswahl von Soundbänken und Presets (auf der linken Seite) sowie der Anzeige des selektierten Parameters und seines aktuellen Wertes (auf der rechten Seite).

RPX-Blue2
RPX-Blue2 Display

Ansonsten findet man an vielen Ecken und Enden kleine kosmetische oder technische Verbesserungen, deren detaillierte Aufzählung ich mir ob der hohen Anzahl hier einmal erspare.

Neben MIDI-Learn für den Einsatz mit Hardware-Controllern, beherrscht BLUE-II wie schon die alte Version die Parameter-Steuerung mittels Drehung des Mausrades. In meinem Testbericht zum BLUE 1.9 hatte ich ursprünglich moniert (und auch einen fälschlichen Minuspunkt dafür vergeben …), dass BLUE nicht auf das Mausrad, bzw. meinen GRIFFIN PowerMate reagiere, was ich beim ersten Antesten unter EnergyXT zunächst auch beim BLUE-II feststellte, bis sich nach einem Gegentest unter Cubase 5.5. herausfand, dass es sich dabei offenbar um eine interne Angelegenheit von EnergyXT zu handeln scheint. Also, BLUE und BLUE-II machen genau das, was sie auch sollen! Gut!

Natürlich sind auch wieder Tausende an guten Presets für die Schraubfaulen mit an Bord. Wer nun den Tab-Button mit der Beschriftung PRESETS vom alten BLUE vermissen sollte (damit ließ sich ja früher der Preset-Browser aufs Display schalten), der schaue einmal an den oberen Rand, hier befindet sich ein Schalter, der mit MAN beschriftet ist. Dieser öffnet den neuen Preset-Browser des BLUE-II, der jetzt deutlich übersichtlicher und schneller bedienbar geraten ist, dafür allerdings nun auch die früher noch stets zugänglichen Parameter-Regler für die sechs Oszillatoren und die beiden Filter überdeckt.

RPX-Blue2-Preset-Browser
RPX-Blue2-Preset-Browser

Beim BLUE 1.9 war ich ja ausgesprochen angetan von dessen genügsamen Umgang mit den Rechner-Ressourcen, welcher auch auf meinem Uralt-PC komplette Projekte ohne Track-Bouncing oder Freezing erlaubte. Um es an dieser Stelle schon mal vorwegzunehmen, BLUE-II gibt sich – wie eigentlich auch zu erwarten – in diesem Punkt durchaus ein wenig anspruchsvoller. Aber keine Panik, BLUE-II ist jetzt beileibe nicht der neue CPU-Killer! Die etwas erhöhte Last zeigte sich auch nicht durchgehend, sondern in erster Linie bei Presets, die bei den Onboard-Effekten regen Gebrauch vom neuen HQ-REVERB machen. Da brachte ein vielstimmiger Akkord auch schon mal kurz meinen Rechner zum Stottern. Auch nehme ich an, dass die Integration der neuen Sample-Sets etwas mehr Speicherbedarf mit sich bringt.

Für einen halbwegs aktuellen Computer stellt das aber sicherlich kein Problem dar, und wenn man einfach auf besagtes HQ-REVERB verzichtet, weil man zum Bleistift im Mix sowieso lieber spezialisierte FX-Plugins für so etwas verwendet, dann holt man auch noch einiges an zusätzlichem CPU-Headroom heraus. Also wieder Entwarnung!

Übrigens, wer den alten BLUE bereits besitzt, der braucht nicht etwa zu befürchten, dass dieser bei der Installation des BLUE-II überschrieben wird, womit ältere DAW-Projekte möglicherweise nicht mehr richtig funktionieren würden. BLUE-II landet einfach in seinem eigenen Verzeichnis, und der alte BLUE residiert dann als sein kleiner Bruder friedlich neben ihm.

Evolution…

Die grundsätzliche Klangarchitektur hat sich beim BLUE-II gegenüber seinem Vorgänger nicht wesentlich verändert, sie wurde allerdings an einigen Punkten sinnvoll erweitert und verbessert. Um hier nicht wieder bei Adam und Eva anfangen zu müssen, verweise ich an dieser Stelle auf meinen Testbericht zum BLUE 1.9 (siehe Link oben) und konzentriere mich dafür jetzt lieber auf die zahlreichen Neuerungen und Änderungen.

RPX-Blue2-Oszillatoren
RPX-Blue2-Oszillatoren

Jeder der Oszillatoren ist nun tatsächlich identisch aufgebaut, alle 6 besitzen mittlerweile eigene Regler für Pulsweitenmodulation und Symmetrie. Dazu kommen jetzt auch noch die zusätzlichen Parameter SPREAD und DRIFT, welche bei Bedarf ein quasi-analoges Verhalten nachahmen sollen.

Am Grundklang der Oszillatoren wurde beim BLUE-II offenbar auch noch einmal nachgebessert. Nicht etwa, dass dieser beim alten BLUE schlecht war, aber nach oben war da mittlerweile schon noch etwas Luft, denn die Technik ist in der Zwischenzeit ja auch nicht stehengeblieben.

Ich habe mir zu einem Vergleich die alte und die neue Version des BLUE parallel geladen und bei beiden die gleichen Presets gewählt, vorrangig diverse Bass-Sounds. Zunächst klang der BLUE-II bei diesem Test stets deutlich voller und satter, bei einem Blindtest habe ich jeweils keine Probleme gehabt, den BLUE-II klanglich zu identifizieren. Dann bemerkte ich jedoch, dass der BLUE-II gegenüber dem BLUE 1.9 einen signifikant höheren Ausgangspegel aufwies, was das subjektive Testergebnis natürlich nachhaltig verfälscht, da lauter für das Ohr in der Regel auch fetter klingt … Nun gut, ich habe das Ganze dann also noch einmal mit nun egalisierten Pegeln bei den beiden Versionen wiederholt, und siehe da, der Unterschied fiel jetzt schon etwas weniger prägnant aus, war aber trotzdem immer noch problemlos hörbar.

Der Vorrat an Wellenformen für die Oszillatoren hat ebenfalls enormen Zuwachs in Form diverser Samples aus allen möglichen Bereichen bekommen. Wenngleich diese Samples wohl eigentlich nicht dazu gedacht sind, um aus dem BLUE-II nur einen schnöden ROMpler zu machen, sondern eher um sie innerhalb der restlichen Klangarchitektur zu verwursten (Stichwort FM-Synthese mit Samples aus Ausgangswellenformen …), so finden beispielsweise die neuen Chorklänge auch in konventioneller Form eingesetzt durchaus das Gefallen des Verfassers.

RPX-Blue2-Wellenformen
RPX-Blue2-Wellenformen

Bezüglich des Einsatzes der Sample-Wellenformen gibt es beim BLUE-II allerdings gewisse Bedingungen, die das Manual erwähnt: So werden die Samples der Untergruppen A, B sowie PERCUSSIVE direkt aus dem internen ROM des BLUE-II heraus aufgerufen, während die Samples der ST-Untergruppen bei Aufruf von der Festplatte nachgeladen werden. Zudem können innerhalb eines Presets lediglich vier verschiedene Samples-Sets verwendet werden.

RPX-Blue2-Filtertypen
RPX-Blue2-Filtertypen

Insgesamt stellt dieses neue Wellenformmaterial eine schöne Bereicherung für den BLUE-II dar, und auch wenn mancher sich vielleicht konsequenterweise auch noch eine Importmöglichkeit für eigene Samples wünschen mag, so werden auch ohne eine solche die bisherigen Klangmöglichkeiten des BLUE deutlich potenziert.

Nicht nur die Oszillatoren, sondern auch die beiden Filter haben ein sowohl quantitatives als auch qualitatives Upgrade erfahren. So wurde die Anzahl der verfügbaren Filtermodelle auf 27 erhöht, aber auch die Filter selbst hören sich für mein Empfinden jetzt etwas „runder“ an. Insbesondere das Verhalten bei extremen Resonanz-Einstellungen klingt nun deutlich „natürlicher“, womit dann auch der zweite Minuspunkt, den ich beim BLUE 1.9 vermerkt hatte, der Vergangenheit angehört. Aufgrund dessen muss man aber auch eine gewisse Differenz zwischen ansonsten identischen Presets des alten und des neuen BLUE in Kauf nehmen. Macht aber nix, denn die neuen Filter ziehe ich auf jeden Fall vor.

Wenden wir uns weiteren Neuerungen zu. Die altbekannte Algorithmus-Anzeige existiert nach wie vor, hat aber nun eine weitere Unterseite bekommen, die sogenannte FM-MATRIX. Hier lässt sich die Modulationsstärke für jede bestehende Oszillator-Verknüpfung sowie der jeweilige Ausgangslevel in Prozent einstellen. Das dürften vor allem FM-Freaks und experimentierfreudigere Sounddesigner schätzen wissen.

RPX-Blue2-FM-Matrix
RPX-Blue2-FM-Matrix

Standardmäßig findet beim BLUE-II eigentlich gar keine Frequenzmodulation statt, sondern vielmehr eine Phasenmodulation. Letzteres entspricht auch der tatsächlichen Klangerzeugung alter FM-Synthesizer à la DX7 und TX81Z von YAMAHA. Darüber wurden wir ja kürzlich auch schon von TONE2 angesichts ihres neuen NEMESIS aufgeklärt (siehe hier: www.buenasideas.de/test/musikproduktion/plugins/virtuelle-instrumente/tone2-nemesis-neo-fm-synthesizer-plugin/). Bei Bedarf erzeugt BLUE-II aber gerne auch „echte“ FM, ein virtueller Knopfdruck genügt.

Während Step-Sequencer und Arpeggiator sich in den Vorgängerversionen noch ein Untermenü teilen mussten, haben sie beim BLUE-II jeweils eigene Menüseiten spendiert bekommen. An der grundsätzlichen Bedienung hat sich dabei allerdings nichts geändert, und so präsentieren sich diese Spielgehilfen nun zwar etwas aufgeräumter, versprühen aber nach wie vor den Charme einer Tabellenkalkulation, aber man könnte das auch einfach funktionell nennen …

RPX-Blue2-Step-Sequencer
RPX-Blue2-Step-Sequencer

Auf einer Unterseite des Step-Sequencers findet sich die höchst interessante Möglichkeit, für jeden der sechs Oszillatoren separat bei jedem Schritt der Sequenz eine eigene Wellenform aufzurufen, coole Sache!

RPX-Blue2-Step-Sequencer-Wellenform
RPX-Blue2-Step-Sequencer-Wellenform

Und hier findet sich die neue Menüseite für den Arpeggiator, ebenfalls etwas übersichtlicher als vorher:

RPX-Blue2-Arpeggiator
RPX-Blue2-Arpeggiator

Die altbekannte EASY-PAGE ist beim BLUE-II nun über den entsprechenden Button am oberen Rand erreichbar. Da sie nun jetzt nicht mehr an das kleinere blaue Display gebunden ist wie zuvor, hat sie auch deutlich mehr Platz zur übersichtlichen Präsentation der wichtigsten globalen Klangparameter, die sich jeweils auf alle Oszillatoren, bzw. Filter gleichzeitig auswirken. Auch der globale LFO sowie einige XY-Parameter (dazu gleich mehr …) sowie rudimentäre Einstellmöglichkeiten für die Effekt-Einheiten finden sich hier.

RPX-Blue2-Easy-Page
RPX-Blue2-Easy-Page

Wer Letztgenannte detaillierter zu editieren gedenkt, der ruft die ebenfalls am oberen Rand zu erreichende FX-Seite auf. BLUE-II hat auch hier ordentlich zugelegt. So wurde nicht nur die Anzahl der Effekt-Einheiten auf vier verdoppelt, auch die verfügbaren Effekt-Algorithmen haben in ihrer Zahl und in ihrer Qualität zugenommen.

RPX-Blue2-Effekte
RPX-Blue2-Effekte
RPX-Blue2-Effekte-Auswahl
RPX-Blue2-Effekte-Auswahl

Darunter findet sich unter anderem auch das neue HQ REVERB, welches recht gut klingt, allerdings, wie ich oben bereits erwähnte, leider auch etwas dazu neigt, die CPU-Last signifikant anzuheben.

Nun ja, man ist ja nicht dazu gezwungen, diesen Algorithmus zu verwenden, und wer über einen halbwegs potenten Rechner verfügt, den dürfte dies eh wenig kratzen … 😉 Für Live-Auftritte etwa kann ein direkt mit dem Preset abspeicherbarer Hall von hoher Qualität durchaus nützlich sein.

Schirmherr…

Und jetzt kommen wir endlich zur optisch und bedientechnisch wohl spektakulärsten Neuerung des BLUE-II, nämlich dem XY-SCREEN, wiederum über einen eigenen Button in der oberen Leiste auffindbar. Wer Rob Papens letzten Synthesizer BLADE kennt, der kann sich wohl bereits vorstellen, was ihn hier erwartet (Siehe dazu auch hier: https://www.buenasideas.de/test/musikproduktion/plugins/virtuelle-instrumente/rob-papen-edm-bundle-der-blade-synthesizer-testbericht/).

Dieser XY-SCREEN stellt im Prinzip ein quadratisches Vektorfeld dar, das von 16 frei belegbaren Parameterreglern umrahmt wird. Ein weißer Punkt markiert die dabei aktuelle Position auf der X/Y-Achse des Vektorfelds. Dieser Punkt dient als Modulationsquelle und kann mit dem Mauszeiger verschoben werden (wohl dem, der einen Touchscreen sein eigen nennt …), wobei die Bewegungen auch aufgezeichnet und bei Tastenanschlag reproduziert werden können, auf Wunsch sogar synchronisiert und/oder als Schleife. Somit funktioniert der XY-SCREEN prinzipiell als eine Art zweidimensionaler Meta-LFO, der in Echtzeit bis zu 16 Modulationsziele ansteuern kann.

Beim BLUE-II macht das Spielen damit ebenso viel Spaß wie beim BLADE, zumal der XY-SCREEN beim BLUE-II von seinen Dimensionen her etwas größer ausfällt, was die Bedienfreundlichkeit ebenfalls erhöht. Mal abgesehen davon ist das Getanze der Punkte auch noch recht nett anzuschauen (ein Aspekt freilich, der für die Musikproduktion ziemlich irrelevant sein dürfte …).

RPX-Blue2-XY-Screen
RPX-Blue2-XY-Screen

Auf jeden Fall ist dieser XY-SCREEN eine sehr schöne Bereicherung, und RPCX hat gut damit getan, dieses Konzept vom BLADE auf den BLUE-II zu portieren!

Blau macht glücklich …

Dass mir der Grundklang des BLUE-II gegenüber seinem ja schon recht gut tönenden Vorgänger noch besser gefällt, habe ich weiter oben bereits vermerkt. Darüber hinaus ist mir beim Durchhören der Presets aber auch aufgefallen, dass ich einige der Assoziationen, die ich bisher zum BLUE entwickelt habe, nun erst mal wieder entknüpfen musste.

Beispielsweise hatte ich beim BLUE 1.9 noch festgestellt, dass er zwar analogartige, oder sagen wir doch besser subtraktive Klänge auch beherrscht, diese jedoch nicht unbedingt zu seinen vordersten Stärken zählen, insbesondere im Vergleich mit einigen neueren Synthies anderer Entwickler, und dass er sich eindeutig wohler im Reich der digitalen Klänge fühlt. Mit den neuen Oszillator- und Filtermodellen des BLUE-II hat sich der Vorsprung der Konkurrenz jedoch wieder verkürzt. Zwar ist auch BLUE-II jetzt nicht zu DER Analogemulation mutiert, das war ja auch nie das Ziel, aber bei vielen entsprechenden Presets fällt ihr digitaler Ursprung (na ja, selbst die authentischste Analog-Emulation auf dem Markt besteht letztendlich auch nur aus Einsen und Nullen …) gar nicht mehr so direkt ins Ohr, und bei einigen Klängen lässt sich deren Herkunft allein mit den Ohren kaum noch ermitteln.

Natürlich sind die digital anmutenden Klänge in der Überzahl, was angesichts der Klangarchitektur aber nun niemanden überraschen sollte. Das ist nun mal das Haupteinsatzgebiet des BLUE(-II), und die neuen Klangmöglichkeiten des BLUE-II forcieren dies noch weiter. Im Vergleich zum BLUE 1.9 ist mir auch aufgefallen, dass diversen Presets ein schöner „Edeldreck“ anhaftet. Ich meine damit subtile (und gewollte!) Klangrauheiten, welche keine Sterilität entstehen lassen.

Um mir einerseits Zeit und Arbeit zu ersparen und Euch andererseits eine bessere Vergleichsmöglichkeit zwischen alter und neuer Version zu bieten, habe ich mir für das Klangbeispiel einfach noch mal den alten Demotrack zum BLUE 1.9 geladen und dort alle Instanzen des Letzteren gegen den BLUE-II ausgetauscht. Ich habe dabei größtenteils die gleichen Presets gewählt, die nun aber häufig das HQ REVERB verwenden, lediglich die Flächen am Anfang habe ich mal gegen neue Presets des BLUE-II ausgetauscht.

Während ich beim alten Demotrack noch alle neun BLUE-Instanzen sowie den RPCX PUNCH als Drumbox in Echtzeit wiedergeben und rendern konnte und dabei immer noch genügend Ressourcen freihatte, musste ich beim aktuellen Demotrack schließlich drei der neun BLUE-II-Instanzen freezen, anscheinend reichen meine knappen 2,5 GB an RAM dafür nicht ganz aus. Seltsamerweise blieb dabei aber die Auslastungsanzeige von CUBASE 5.5 immer grünen Bereich …

Das Klangbeispiel wurde nicht gemastert und es wurden im Mix auch keinerlei Zusatzstoffe (EQ, Kompressor, etc.) verwendet, um den Klang nicht noch weiter zu verfremden, als es die anschließende MP3-Kompression vermutlich ohnehin schon macht.

Fazit

Um die eingangs aufgeworfene Frage zu beantworten, Rob Papen und Jon Ayres kann man beim besten Willen nicht vorwerfen, uns mit dem BLUE-II alten Wein in neuen Schläuchen andrehen zu wollen. Ganz im Gegenteil, die neuen Features heben den BLUE-II auf eine höhere Ebene, und der ebenfalls verbesserte Grundklang lässt diesen Klassiker auch soundmäßig frisch und zeitgemäß erscheinen. Also tatsächlich neuer Wein, und ganz offenbar von blauen Trauben … 😉 wenn man einmal bedenkt, dass es den BLUE nun schon beinahe seit einem ganzen Jahrzehnt gibt und er heute immer noch ein ernstzunehmendes, professionelles Plugin auf der Höhe der Zeit ist, dann kann man ihn mit Fug und Recht zur erlauchten Riege der Top-Synthesizer zählen.

Ich besitze einige kommerzielle Synth-Plugins, deren nach einigen Jahren plötzlich erschienene Mark II-Version so wenig Innovationen boten und daher nur, wie erneute Abkassierversuche wirkten, dass ich mir das Upgrade jeweils gespart habe und einfach mit der alten Version zufrieden weiter gearbeitet habe. Das Upgrade auf den BLUE-II zählt aber eindeutig nicht zu dieser Kategorie, wie aus dem bisher Erläutertem hoffentlich klargeworden sein dürfte.

Sehr schön ist zudem, dass der Listenpreis für diesen Synthesizer auch in dieser nochmals aufgebohrten IIer-Version kein Upgrade erfahren hat, sondern beim Alten geblieben ist. BLUE-II ist somit nach wie vor für 149,- Euro erhältlich, wer von seinem BLUE auf den BLUE-II aufrüsten möchte, was ich nur empfehlen kann, für den werden lediglich moderate 44,- Euro an Upgrade-Gebühr fällig, welche meiner Meinung nach dann gut angelegt sind.

Was mir besonders gut gefiel:

  • + nochmals verbesserter Grundklang (Oszillatoren und Filter)
  • + nochmals erweiterte Synthesemöglichkeiten inklusive Sample-Sets
  • + XY-SCREEN
  • + Bedienung
  • + MIDI-Learn
  • + Reglerbedienung via Mausrad möglich
  • + sehr, sehr viele gute Presets

Was mir weniger gut gefiel:

  • Umstellung auf C/R-Kopierschutz inklusive Bindung an die Rechner-Hardware
  • im Vergleich zur Vorgängerversion etwas leistungshungriger

Produktseite:

www.robpapen.com/blue2.html

Testbericht von PERRY STALTIC

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